Cutaway oder Non Cutaway: Vor- und Nachteile im Vergleich

Gitarre mit Cutaway

Beim Kauf einer Akustikgitarre sticht besonders ein Merkmal gleich ins Auge. Sowohl Western- als auch Konzertgitarren gibt es mit und ohne Cutaway. Doch was genau bedeutet das? Auf den ersten Blick scheint es sich hierbei um ein rein optisches Detail zu handeln, doch in der Praxis hat er definitiv einen Einfluss auf die Bespielbarkeit sowie auch in geringem Maße auf den Klang einer Gitarre. Welche Variante besser ist, hängt dabei vom eigenen Stil und der Spieltechnik ab.

Was ist ein Cutaway?

Ein Cutaway ist ein Ausschnitt an der unteren Zarge des oberen Korpus einer Gitarre. Diese Aussparung ermöglicht es der Greifhand, ungehindert auf die hohen Lagen des Griffbretts zuzugreifen und bequem die oberen Bünde zu bespielen. Bei einer Non-Cutaway-Gitarre hingegen ist der Korpus vollständig erhalten und folgt der klassischen symmetrischen Bauweise traditioneller Akustikgitarren.

Unterschiedliche Formen und Vorteile von Cutaways

Doch Cutaway ist nicht gleich Cutaway. Es gibt verschieden geformte Ausschnitte, die ihre eigenen ästhetischen sowie spieltechnischen Zwecke erfüllen. Zwar wirken sich die Unterschiede nicht drastisch auf das Spielgefühl und die Möglichkeiten aus, dennoch sind sie spürbar.

Dabei ist der Venezianische Cutaway die klassische Variante und am weitesten verbreitet, etwa bei Taylor Guitars. Er zeichnet sich durch seine sanft abgerundete Form aus und bietet so einen sehr angenehmen Zugriff auf die oberen Lagen. Neben seinem harmonischen und natürlich wirkenden Design erlaubt er also ein natürliches Spielgefühl. Da die Aussparung nicht bis in die ganz hohen Lagen reicht, sind Gitarren mit Venezianischem Cutaway perfekt für Singer-Songwriter, die generell nicht den Fokus auf virtuoses Solospiel legen, aber dennoch an der Gitarre brillieren möchten. So erlaubt er ein durchaus abwechslungsreiches Spiel mit komplexen Griffen. Ambitionierte Solisten sollten allerdings auf eine noch großzügigere Aussparung setzen.

An diesem Punkt kommt der Florentinische Cutaway ins Spiel. Er besitzt eine spitze Aussparung und wirkt optisch daher deutlich markanter. Sein Ausschnitt ist darüber hinaus tiefer, was einen noch direkteren Zugang zu den hohen Lagen gewährt. Lead- oder Sologitarristen erhalten hier also die Möglichkeit, ihre Visionen noch besser umzusetzen.

Ein Maccaferri Cutaway ist eine dezente Variation, die weniger stark ausgeprägt ist als Venezianische oder Florentinische Cutaways. Sie bieten einen verbesserten Zugang zu den oberen Bünden, eignen sich aber eher für Spieler, die seltener die hohen Lagen nutzen. Gitarren mit einem Maccaferri sind daher besonders interessant für Fans traditioneller Akustikgitarren mit leichtem Komfortgewinn.

Verschiedene Cutaways
Von links nach rechts: Venezianischer-, Florentinischer- und Maccaferri Cutaway.

Mögliche Nachteile eines Cutaways: klangliche Auswirkungen

Da ein Cutaway das Korpusvolumen reduziert, hat er selbstverständlich auch geringfügigen Einfluss auf den Klang einer Akustikgitarre. Auch die verschiedenen Formen, die du eben kennengelernt hast, wirken sich unterschiedlich auf die Klangproduktion aus. Da die Rundung des Venezianischen Cutaways mehr Korpusvolumen erhält, ist der Sound ausgewogener. Durch die spitze und größere Aussparung erhält eine Gitarre mit Florentinischem Cutaway theoretisch minimal weniger Klangvolumen, während ein softer Maccaferri Cutaway die Durchsetzungsstärke deines Sounds am besten erhält.

Allerdings ist der Einfluss auf den Klang so gering, dass du keine dramatischen Einbußen befürchten musst. Vielmehr kommt es auf die Verarbeitung der Gitarre an. Massive Tonhölzer und eine gewissenhaft verarbeitete Deckenverstrebung wirken sich sehr viel deutlicher aus. Dazu sind die Unterschiede in realen Spielsituationen, insbesondere verstärkt, praktisch kaum hörbar.

Vor- und Nachteile einer Non-Cutaway-Gitarre im Alltag

Alhambra 9P
Die Alhambra 9P mit vollem Korpus für klassisches Gitarrenspiel.

Auch wenn der klangliche Verlust einer Akustikgitarre minimal ist, bieten Non-Cutaway-Modelle den maximalen Resonanzraum. Da der Korpus vollständig erhalten bleibt, macht sich dies besonders an straffen Bässen bemerkbar. Gerade für Strumming, Akkordbegleitung und rhythmisches Spiel ist dies von enormem Vorteil.

Wer hauptsächlich in den unteren und mittleren Lagen spielt, vermisst den Cutaway in der Regel nicht. Populäre Pop- und Rocksongs haben einfache Akkordfolgen und auch klassische Gitarrenmusik kommt ohne hohe Solopassagen aus. Wer hingegen das ganze Griffbrett bespielen möchte, ist mit einem Instrument mit Cutaway eindeutig besser beraten.

Traditionalisten, die großen Wert auf das Erscheinungsbild ihrer Gitarre legen, fühlen sich von Non-Cutaway-Gitarren eher angesprochen. Sie stehen optisch für Zeitlosigkeit und erinnern an die Gitarre in ihrer frühesten Form.

Auch eine Frage des Preises

Beim Kauf einer Gitarre spielt natürlich auch der Preis eine Rolle. Ein Cutaway treibt nicht zwingend den Preis in die Höhe, allerdings gibt es einige Faktoren, die Cutaway-Modelle teurer machen.

Die Fertigung einer Gitarre mit Cutaway ist mit mehr Aufwand verbunden, der natürlich entlohnt werden will. Dazu sind diese Modelle meist für den professionellen Einsatz gedacht. So kommen sie häufiger mit massiven Tonhölzern. Mehr zu den Unterschieden von laminierten und massiven Tonhölzern kannst du in dem Beitrag Massivholz oder Laminat-Gitarre – die Unterschiede erklärt nachlesen. Da Profiinstrumente darüber hinaus auch meist verstärkt auf der Bühne gespielt werden wollen, sind sie häufig mit einem Tonabnehmer ausgestattet. Die Elektronik ist mit Zusatzkosten verbunden, die sich entsprechend im Preis widerspiegeln.

Auch die Position im Produktportfolio eines Herstellers ist zu berücksichtigen. So finden sich Cutaway-Modelle häufiger in höherwertigen Serien, was den Preisunterschied verstärkt, auch wenn der Cutaway in diesem Fall natürlich nicht der einzige Grund ist.

Fazit aus der Praxis

Die Entscheidung, ob es eine Gitarre mit oder ohne Cutaway sein soll, hängt also in erster Linie vom Spielstil des Gitarristen ab. In puncto Sound musst du keine großartigen Abzüge befürchten, weshalb du diesen Punkt bei der Kaufentscheidung getrost ignorieren kannst. Es sei denn, du legst großen Wert auf einen Hauch mehr Klangvolumen. Moderne Gitarren sind jedoch klanglich so ausgereift, dass die Unterschiede kaum auffallen.

Viel wichtiger ist deine bevorzugte Spieltechnik. Reines Strumming populärer Songs oder Fingerstyle erfordern meist keinen Cutaway. Ausgefeiltes Solospiel in den hohen Lagen hingegen schon. Auch Optik und Preiskategorie sind zu beachten, weshalb du selbst entscheiden musst, was du genau möchtest.

Letztlich gilt: Ob Cutaway oder nicht, die richtige Wahl ist immer die Gitarre, die deine Ziele und Wünsche unterstützt.

 

(Titelbild: Taylor Guitars)

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