Man kann einen Beitrag über Trey Anastasio und seine Band eigentlich nicht mit einem anderen Satz anfangen: Phish sind ein Phänomen! Seit über 40 Jahren trotzen die vier Musiker aus Übersee jeglichen Gesetzen des Musikgeschäfts. In Europa seltsam unbekannt, bewegen sie in ihrer Heimat Massen zu Konzerten. Und das mit einer Musik, die völlig am Zeitgeist vorbei ihr Heil in überlangen Songs, ausgedehnten Kollektiv-Improvisationen und aberwitzigen Bühnenshows sucht. Hier gibt es keine Grenzen zwischen Rock, Jazz, Funk, Soul und Improvisation. Mittendrin und so etwas wie der Frontmann der Gruppe ist das Gründungsmitglied Trey Anastasio. Und wenn der spielt, dann scheint alles gleichzeitig zu passieren: Melodie und Chaos, Struktur und Freiheit, Kontrolle und Rausch. Mit einem Gitarrensound, der wirklich einzigartig ist.
Denn dieser Sound ist gleichzeitig weich und direkt, manchmal etwas klebrig, mit vollem Sustain und bauchiger Wärme. Anastasio Spiel wirkt dabei wie ein Gespräch mit der Musikgeschichte, einer Selbstbedienung auf dem Grabbeltisch und mitunter einem (musikalischen) Trip, wie in (musikalisch) besten 60s-LSD-Zeiten. Er zitiert Jazz, streift Country, verbeugt sich vor Zappa, nur um im nächsten Moment Rock’n’Roll zu sein oder die schönsten Melodiebögen zu spannen. Die Gitarre ist für ihn dabei nicht Soloinstrument, sondern Teil einer organischen Masse, Teil dieses unfassbar gut aufeinander eingespielten Kollektivs. „Ich will Musik machen, die von ihrer Natur aus improvisiert ist, aber mit einem Konzept dahinter“, sagte Anastasio einmal. Das trifft es genau: Phish war nie Jam um des Jams willen, sondern sie sind Forscher auf der Suche nach dem perfekten kollektiven Moment. Denn Anastasios Mitmusiker sind Mitdenkende.

Gitarre: Warm, hohl, aber präzise
Trey Anastasio spielt seit Jahrzehnten schon die Gitarren des amerikanischen Luthiers Paul Languedoc. Sein Modell ist handgebaut, halb Jazzgitarre, halb Telecaster. In Verbindung mit seinen alten Ross-Compressor– und Tube-Screamer-Pedalen entsteht ein elastischer, atmender Klang, der sowohl singen als auch flüstern kann. In Songs wie You Enjoy Myself, Reba oder Stash wirkt sein Sound fast vokal und wahnsinnig nahbar. Trey Anastasio ist also kein Gitarrenheld alter Schule, keiner, der sich mit Griffbrett-Akrobatik profilieren muss. Seine große Stärke liegt in der Hingabe. In der Bereitschaft, die Kontrolle abzugeben, um etwas Größeres entstehen zu lassen.
Anastasios Hauptinstrument ist die Languedoc G2 (halbakustisch, Mahagoni mit durchgehendem Centerblock, zwei Humbucker, Stop-Tailpiece). Da diese Gitarren kaum erhältlich und astronomisch teuer sind, sollen hier einige hervorragende Alternativen genannt werden:
• Paul Reed Smith SE Hollowbody – ideal wegen der Kombination aus Sustain und Luftigkeit.
• Gibson ES-335 – klassischer Semi-Hollow-Ton mit mehr Wärme in den Mitten.
• Fame Forum IV Modern Semi-Hollow
Dabei macht ein PAF-ähnlicher Humbucker mit weichem Output am meisten Sinn. Tone-Regler: meist leicht zurückgedreht auf etwa 7–8, um das obere Höhen-Spektrum zu zähmen.
Verstärker: Clean Headroom mit seidigem Kompressionsverhalten
Trey spielt seit Jahrzehnten Custom Deluxe Reverb-ähnliche Amps von Paul Languedoc bzw. Komet. Klanglich gehen die in Richtung Fender-Blackface, aber mit etwas mehr Kompression und Headroom. Alternative also: Fender Deluxe Reverb, da er diesen singenden, leicht komprimierten Clean-Tone liefert. Wer neutral starten will, kann auch einen Fender Hot Rod Deluxe mit etwas gedrosseltem Master (3–4) und Volume um 6 nutzen.
Anastasio vermeidet extreme Höhen. Treble und Presence sollten eher unter neutral eingestellt sein, die Mitten leicht betont. Das sorgt für diesen „holzigen“ Charakter, der seine Gitarre atmen lässt.

Pedalboard: Die Magie der Kompression
Anastasios Sound entsteht weniger durch Gain als durch dynamische Sättigung, vorrangig mittels zweier Geräte, die fast schon Kultstatus genießen:
Kompressor
• Ross Compressor (original oder z. B. Keeley Compressor Plus)
→ Sustain: 10–11 Uhr
→ Level: 1 Uhr
→ Diese leichte, musikalische Kompression ist entscheidend für Treys „Bounce“.
Overdrive
• Ibanez TS9 Tube Screamer oder Analogman Silver Mod
→ Drive: 9 Uhr
→ Tone: 10–11 Uhr
→ Level: 1–2 Uhr
Der TS sorgt für leichte Sättigung und diese singende Mittenpräsenz, ohne die Clean-Struktur zu zerstören.
Delay
• Boss DD-3 oder MXR Carbon Copy
→ Delay Time: ca. 400 ms
→ Repeats: 2–3
→ Level: 30–40 %
Trey nutzt Delay subtil – mehr als Raum, weniger als Effekt.
Volume
• Ernie Ball Volume Pedal – fester Bestandteil seines Flows, besonders für Swells und Dynamik.
