Gitarrenlack erfüllt weit mehr als nur optische Zwecke. Er schützt das Holz, beeinflusst das Spielgefühl und hat außerdem einen geringfügigen Einfluss auf den Klang einer Gitarre. Wer sich eine Gitarre kaufen möchte, stößt häufig auf die Begriffe Hochglanz, Satin oder Nitrolack. Doch worin unterscheiden sich diese verschiedenen Arten der Lackierung eigentlich und welche Auswirkungen haben sie wirklich? Dieser Beitrag gibt dir einen Überblick über die verschiedenen Gitarrenlackierungen und wie sie das Spiel und die Resonanz des Instruments beeinflussen.
Warum werden Gitarren lackiert?

Auch wenn der Gitarrenlack natürlich eine deutliche Auswirkung auf die Optik einer Gitarre hat, dient er in erster Linie dem Schutz des Holzes. Damit du nämlich möglichst lange etwas von deinem Instrument hast, muss es gut gewappnet gegen Luftfeuchtigkeit und weitere Umwelteinflüsse sein. Da der Feuchtigkeitsgehalt in der Luft eine große Rolle spielt und Gitarren nun einmal empfindlich auf diese reagieren, lies dir auch gerne den Artikel Luftfeuchtigkeit – So schützt du deine Gitarre richtig! durch.
Gleichzeitig beeinflusst die Lackierung das Spielgefühl, insbesondere am Gitarrenhals, da dieser schließlich im permanenten Kontakt mit der Greifhand ist. Für ein flüssiges Gleiten der Hand ist eine haptisch angenehme Lackierung von großem Vorteil.
Je nach Stärke und Gitarrenlack kann sich auch das Schwingungsverhalten des Holzes leicht verändern. Dies gilt allerdings nur (und auch hier nur geringfügig) für Akustikgitarren. Der Klang einer E-Gitarre wird zum Großteil von ihrer Elektronik bestimmt.
Gitarrenlack in seinen verschiedenen Formen
Hochglanzlackierung
Die Hochglanzlackierung ist zweifelsohne die bekannteste und am weitesten verbreitete Lackart. Sie besteht meist aus Polyurethan oder Polyester und charakterisiert sich durch eine spiegelnde und stark glänzende Oberfläche.
Optisch verleiht sie jeder Gitarre ein hochwertiges Erscheinungsbild. Ihr deutlichstes Pro-Argument ist jedoch ihr hervorragender Schutz vor Luftfeuchtigkeit, Schmutz und mechanischer Belastung. Klanglich kann sie die Resonanz der Hölzer jedoch leicht eindämmen, was dem Sound den Druck etwas nimmt. Allerdings ist hierfür schon ein sehr geübtes Ohr notwendig. Außerdem empfinden viele Spieler eine Hochglanzlackierung am Hals etwas unangenehm, da sie sich etwas rutschig und bei hohen Temperaturen klebrig anfühlt. Auch in puncto Pflege verlangt die Hochglanzlackierung einiges ab. Schnell ist sie übersät von Fingerabdrücken, was eine häufige Reinigung unumgänglich macht. Praktischerweise gibt es hierfür aber wirkungsvolle Reinigungsmittel wie den Dunlop Formula 65 Cleaner & Polish.

Satin- und Mattlackierung
Auch Satin- und Mattlackierungen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, da sie eine sehr natürliche Optik erzeugen. Die Lackschicht ist hier dünner als hochglänzender Gitarrenlack, weshalb das Holz freier schwingen kann. Da er die Schwingungen des Holzes weniger eindämmt, wird der Klang einer Gitarre mit Satin- oder Mattlackierung häufig als direkter empfunden. Darüber hinaus sind matt- oder satinlackierte Hälse sehr angenehm zu bespielen. Aufgrund der samtigen Beschaffenheit kann die Greifhand nämlich leichter gleiten.
Der Nachteil liegt hingegen bei der geringeren Widerstandskraft. Matte Oberflächen sind anfälliger für Schäden durch Gebrauchsspuren und müssen gut gepflegt werden.

Gitarrenlack aus Nitrozellulose
Bei Gitarren mit Nitrolack handelt es sich üblicherweise um hochpreisige Premium-Instrumente. Besonders Gibson setzt auf diese hochwertige Lackierung. Dabei wird Nitrolack sehr dünn aufgetragen und härtet über einen langen Zeitraum aus. Daraus folgt eine ausgesprochen hohe Schwingungsfreudigkeit des Holzes, was zu einem lebendigen Ton führt.
Beliebt ist Gitarrenlack aus Nitrozellulose außerdem aufgrund seiner Alterung, die ein typisches Merkmal für ihn darstellt. Mit der Zeit entstehen feine Risse und Patina, was hier allerdings keineswegs ein schlechtes Signal ist. Gerade diese Eigenschaft verleiht dem Instrument einen charaktervollen Vintage Look, der unter Gitarristen sehr begehrt ist.
Der Nachteil besteht jedoch in der Empfindlichkeit des Gitarrenlacks. Er ist hochempfindlich gegenüber Kratzern, Temperaturschwankungen und reagiert darüber hinaus auf bestimmte Chemikalien. So musst du beispielsweise darauf achten, dass die Auflagen des Gitarrenständers oder -halters keine Weichmacher enthalten. Diese führen zu unschönen Verfärbungen, die den Wert des Instruments mindern und natürlich auch überhaupt nicht nett anzusehen sind. Lege daher immer ein Baumwolltuch über die Kontaktpunkte oder benutze Gitarrenständer mit Auflagen aus Kork. So bleibt der Nitrolack intakt.

Öl- und Wachs-Finish

Wird die Gitarre mit Öl oder Wachs behandelt, bleibt das Holz nahezu offenporig. Im Gegensatz zu klassischem Gitarrenlack werden die Poren hier nicht vollständig versiegelt, sondern lediglich mit einer dünnen Schutzschicht versehen. So entsteht ein direkter Kontakt zum Holz, der ein sehr natürliches Spielgefühl vermittelt. Gerade am Gitarrenhals fühlt sich die Oberfläche angenehm, trocken und griffig an.
Auch klanglich bietet ein offenporiges Finish einige Vorteile. Die natürliche Belassenheit des Holzes ist ausgesprochen Schwingungsfreudig und bringt den Original-Sound des Instruments hervorragend zur Geltung. Zwar ist auch hier der Einfluss eher subtil, lässt sich allerdings bei akustischen Gitarren mit leichter Konstruktion wahrnehmen.
Einen Minuspunkt erhält das offenporige Finish aufgrund des mangelnden Schutzes, den herkömmlicher Gitarrenlack hingegen gewährleistet. Daher ist auch hier eine gute Pflege und passende Aufbewahrung unerlässlich.
Fazit: Gitarrenlack ist nicht gleich Gitarrenlack
Ob hochglänzend, satin, matt, ein Gitarrenlack aus Nitrozellulose oder ein offenporiges Finish: Jede Art der Lackierung birgt ihre Vor- und Nachteile. Während ein Hochglanz-Finish den besten Schutz liefert, überzeugen andere Gitarrenlacke mit einem verbesserten Schwingungsverhalten und einer angenehmen Haptik. Dabei ist jedoch der Einfluss auf das Klangverhalten einer Gitarre eher gering. Aus diesem Grund solltest du deinen Gitarrenlack eher nach dem Spielgefühl oder Geschmack auswählen. Letztlich entscheidet das persönliche Empfinden.
