Seit sie in den ersten Leaks in den einschlägigen Foren und Subreddits vor einigen Monaten auftauchte, war sofort klar: die Epiphone Explorer 80s EMG muss ich unbedingt ausprobieren! Lange Zeit war es nämlich etwas stiller geworden um die extravaganten ‚Zackenbärsche‘ aus dem Hause Gibson und Epiphone. Neben der Epiphone Prophecy Extura und der eher auf klassische Sounds getrimmten 1958 Korina Explorer ist die Explorer 80s EMG aus der ‚Inspired by Gibson Original‘-Kollektion endlich ein frischer Wind im Line-Up fürs Produktjahr 2026. Vor allem aber ein bewusstes Augenzwinkern in Richtung aller Fans gepflegter Thrash-Sounds. Was die Epiphone Explorer 80s EMG so alles kann, haben wir uns einmal genauer angeschaut!
Classic White und Ebony – Nicht nur für Metallica-Fans?
Zunächst einmal der optische Aspekt. Die Farbauswahl der beiden erhältlichen Epiphone Explorer 80s EMG beschränkt sich auf Classic White und Ebony, ist also ganz klar auf James Hetfields ikonische Lieblingsäxte der Achtziger- und Neunzigerjahre ausgerichtet. Während James in Metallicas goldenen Thrash-Jahren der Eighties hauptsächlich auf weiße Explorers und einige (mittlerweile nur noch schwer erhältliche) ESP MX220 Modelle wie die legendären „Eet Fuk“ setzte, war er ab den Neunzigerjahren überwiegend mit zahlreichen schwarz lackierten ESP MX-250 auf der Bühne unterwegs. Epiphone bedient mit den beiden Farbausführungen gekonnt sowohl die klassische „Master of Puppets“-Phase als auch die „Black Album“-Ära der Band.
Neben Metallica haben aber sicherlich auch andere Legenden des Musik-Biz gerne zu einer weißen oder schwarzen Explorer gegriffen. So z. B. auch Bill Kelliher von Mastodon, Rock-Legende Dave Grohl und natürlich Matthias Jabs von den Scorpions. Die Modelle bringen also auch fernab des Bay Area Thrash Metal einiges an Wiedererkennungswert mit sich.
Epiphone Explorer 80s EMG – Konstruktion

Bewährtes Explorer-Design aus Mahagoni
Dass massives Mahagoniholz auf der Zutatenliste einer gepflegten Explorer nicht fehlen darf, ist auch im Hause Epiphone bestens bekannt. Dementsprechend ist der ausladende Explorer-Korpus im exzentrisch zackigen Design vollständig aus Mahagoni gefertigt, ebenso der mittels resonanter Leimverbindung angebundene Hals. Das rückseitige SlimTaper-Halsprofil war für mich immer ein gewisses Kuriosum: der Hals ist zwar schlank, wie man es eher von modernen Flitzefinger-Äxten her kennt. Allerdings hält das Profil dennoch genug Holz bereit, damit sich die Greifhand auch in klassischer Blues-Haltung nicht im luftleeren Raum befindet. Das macht die Explorer zum perfekten Allrounder, dem sowohl so mancher Vintage-Purist als auch Lead-Techniker durchaus etwas abgewinnen kann.
Gibson-DNA mit Slim Taper Neck und 24,75“-Mensur
Nicht nur das Halsprofil, auch die weiteren Abmessungen folgen dem traditionellen Erbgut der US-amerikanischen Gitarrenbaulegende. Die Gibson-Mensur von 24,75 Zoll bzw. 628 mm ist etwas kürzer als die üblichen 25,5“ der Superstrats gehalten. Somit gehen Bendings im Zusammenspiel mit dem ebenfalls klassischen Gibson-Griffbrettradius von 12 Zoll sicher und kontrolliert von der Hand. Wer die Epiphone Explorer 80s EMG allerdings bis in Bariton-Gefilde herunterstimmen möchte, wird hier unter Umständen nicht dieselbe Tightness längerer Mensuren erwarten können. Hier können die entsprechende Wahl der Saitenstärke und eine angepasste Spieltechnik aber dennoch viel bewirken. Immerhin haben zahlreiche Gitarristen wie Matt Pike, Jerry Cantrell oder der Metal-Urvater Tony Iommi selbst zweifelsfrei bewiesen, dass sich tiefe Tunings auch mit Gibson-Gitarren problemlos umsetzen lassen.
Pickups & Elektronik
EMG 60 & 81 – Kraftvolles Aktiv-Duo

Für uns als junge Metal-Heads waren EMG-Pickups damals das absolute Must-Have für anständige Metal-Sounds. Bands wie Killswitch Engage, Slipknot oder Metallica, sie alle spielten die ikonischen aktiven Tonabnehmer mit den schwarzen Kunststoffkappen auf der Bühne und in ihren Musikvideos auf MTV. Kein Wunder also, dass es uns die EMG-bestückten E-Gitarren von ESP, Schecter und Ibanez in den damaligen Katalogen und Schaufenstern besonders angetan hatten.
Mit der Epiphone Explorer 80s halte ich nun seit langer Zeit wieder eine mit aktiven EMGs bestückte Gitarre in Händen. Und was soll ich sagen? Die Magie der schwarzen Kraftklötze ist ungebrochen! Auch all die Jahre später beweisen EMG Pickups, dass sie neben der Konkurrenz von Fishman, Seymour Duncan & co durchaus ernstgenommen werden sollten.
EMG 81 für tighte Bridge-Sounds
Der Sound des EMG 81 sorgt bereits ab dem ersten Ton für pure Nostalgie, das Muskelgedächtnis feuert auch zwei Jahrzehnte später noch problemlos mein Repertoire an Thrash-Riffs ab. Der Bridge-Pickup ist output-stark und sorgt für die typische EMG-Kompression, die kaum ein Pickup anderer Hersteller zu leisten vermag. Treibenden Rhythm-Riffs verleiht er den nötigen Schub und Lead-Licks eine gehörige Portion Durchsetzungskraft. Hier ist der EMG 81 in Bridge-Position also ganz klar in seinem Element.
EMG 60 in Halsposition
Etwas weniger bekannt für mich ist jedoch der EMG 60 in Halsposition der Epiphone Explorer 80s EMG. Meine bisherigen aktiven Metal-Äxte waren immer mit der ‚klassischen‘ Kombination aus EMG 81 und EMG 85 bestückt, den EMG 60 hatte ich tatsächlich nie in Erwägung gezogen. Schade eigentlich, denn der EMG 60 zeichnet sich tatsächlich durch eine zusätzliche Klarheit aus, die so manch dunkler klingendem Gitarrenmodell durchaus einige interessante Details entlocken kann. Hier hat Epiphone in meinen Augen ganz klar die passende Ergänzung zum klassischen Grundcharakter der Explorer getroffen.
Wer jedoch abseits des wild zerrenden High-Gain-Geballers unterwegs ist, dem kann die recht wirsche Natur der beiden Kraftpakete zuweilen etwas dick aufgetragen erscheinen. Gerade für luftig-klare Cleans, wie sie beispielsweise im Intro von Metallicas One zu hören sind, käme der Single-Coil-Modus eines EMG 81TW oder EMG 89 sehr gelegen. Hierfür ist das Modell dann tatsächlich weniger geeignet. Doch die Epiphone Explorer 80s EMG macht eben eindeutig klar, dass sie ohne Frage für die deftigeren Sounds geschaffen ist – und das kann sie verdammt gut!
Solide Hardware von GraphTech und Epiphone
LockTone Tune-o-Matic und Stopbar
Bis heute habe ich nicht ganz verstanden, warum die überaus beliebte Kombination aus Tune-o-Matic Bridge und Stopbar nicht standardmäßig mit Locking-Funktion zu haben ist. Das innovative Prinzip von Epiphones LockTone-Hardware sorgt für eine rigidere Brückenkonstruktion, laut Herstellerangaben dadurch für eine entsprechend direktere Resonanzübertragung zwischen Saite und Korpus. Für mich ist jedoch eher der praktische Nutzen dahinter entscheidend: Bei Saitenwechseln läuft der Stopbar nicht Gefahr, auf das Decken-Finish zu knallen. Zusätzlich bleiben die Brückenbolzen arretiert. Man kann also in Ruhe die Decke polieren, ohne versehentlich die Brückenhöhe zu verstellen.
Stimmstabiler GraphTech-Sattel
Ebenfalls praktisch ist die Verwendung eines GraphTech-Sattels. Die selbstschmierenden Eigenschaften des Sattels lassen Saiten besser durch die Kerbe gleiten und sorgen so für bessere Stimmstabilität. Bei meinem Testexemplar sind die Sattelkerben nahezu perfekt abgerichtet, lediglich die der tiefen E-Saite hätte man für meinen Geschmack ein kleines Stück tiefer feilen können. Dennoch intonieren die ersten Bünde sauber und lassen sich einwandfrei bespielen. Insofern meckere ich hier auf allerhöchstem Niveau. 😉
Die restliche Hardware zeigt sich zwar recht unspektakulär, aber trotzdem geschmackvoll und passend zum generellen Explorer-Design. Der Nickel-Look der Metall-Parts gefällt mir sehr, da er im Gegensatz zur sonst üblichen Black- oder Chrom-Hardware modernerer Metal-Äxte etwas klassischer wirkt. Das Hochglanz-Finish ist übrigens erstaunlich gut verarbeitet, an den üblichen kritischen Stellen wie dem Halsfuß und der Halstasche sind weder Risse noch Lacknasen oder ähnliches zu sehen. Insgesamt macht die Qualität des Instruments einen sehr guten Eindruck auf mich, vor allem an ihrem Preis gemessen. Die chinesische Fertigungsstätte ist hier also durchaus lobend zu erwähnen.
Fazit:
Bereits nach den ersten Minuten am Textexemplar wird recht schnell klar, warum die meisten Online-Händler ihre Erstlieferungen bereits ausverkauft haben und gelbe Ampeln in ihren Webshops zeigen. Diese Explorer rockt wie Sau! Von den Pickups über das Feeling bis hin zur Hardware stimmt hier alles und hat mich tatsächlich dazu gebracht, mir die mittlerweile doch recht eingerosteten Thrash-Riffs wieder draufzuschaffen. Die Epiphone Explorer 80s EMG ist sicherlich kein Feingeist, aber dennoch ein treuer Begleiter für alles, was sich zwischen Classic Rock und Modern Metal befindet. Wer sich ein Exemplar sichern möchte, sollte besser schnell vorbestellen, denn dieses Modell ist verdammt heiß!
Pro
- Erstklassige Metal-Sounds
- Ausgewogenes SlimTaper-Halsprofil
- Ikonischer Look
Contra
- Klanglich nicht sehr flexibel
Link zur Herstellerseite: www.gibson.com

