„Das war irgendwie das erste Mal, dass ich die Texte komplett allein geschrieben habe. Das war beängstigend.“ Mit seinem fünften Studioalbum „Julia“, das am 13. Februar 2026 über Embassy of Music erscheint, schlägt Ásgeir ein neues Kapitel auf – und das nicht nur klanglich. Zum ersten Mal in seiner Karriere stammen sämtliche Texte vollständig aus seiner eigenen Feder. Was auf dem Papier wie ein formaler Schritt wirkt, erweist sich als künstlerische Zäsur: „Ich habe versucht, mich zu öffnen, und ich habe in diesem Prozess viel gelernt – es war auf jeden Fall therapeutisch für mich.“

Reduktion als Stärke
Der Isländer, der seit seinem Debüt „Dýrð í dauðaþögn“ – dem meistverkauften Debütalbum der isländischen Musikgeschichte – als einer der wichtigsten Musikexporte seines Landes gilt, war lange eng mit der Lyrik seines Vaters Einar Georg Einarsson verbunden. Auch bei der englischsprachigen Adaption „In the Silence“ arbeitete er mit dem US-Songwriter John Grant zusammen. Nun fällt dieses Netz weg. Die neue Unmittelbarkeit ist spürbar, in der Sprache, in der Haltung und in der Reduktion. Eine gewisse Verletzlichkeit durchzieht die zehn Songs, die über fast zwei Jahre entstanden sind. Die titelgebende Figur „Julia“ fungiert weniger als konkrete Person denn als Projektionsfläche – ein Geist, der Erinnerungen bündelt: verpasste Chancen, stille Reue, aber auch zaghafte Zuversicht. Das Album bewegt sich zwischen Rückblick und Neuformung.
Atmosphären und viel Raum
Musikalisch kehrt Ásgeir stärker denn je zum Kern zurück. Viele Stücke entstanden auf der akustischen Gitarre – bewusst mit dem Ziel, Melodie, Klarheit und Bedeutung in den Vordergrund zu stellen. Gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Guðm. „Kiddi“ Kristinn Jónsson entwickelte er eine Produktion, die organisch und zurückhaltend bleibt und viel Raum lässt.
Gerade im Gitarrenspiel zeigt sich diese Haltung. Ásgeir ist ein Atmosphäriker. Seine Spielweise verbindet isländische Folk-Tradition mit Americana-Elementen. Oft nutzt er offene Akkorde, weite Voicings und subtile Picking-Muster, die eher Textur als rhythmische Dominanz liefern. Das erinnert an die introspektive Klarheit von Nick Drake oder die reduzierte Intensität von Leonard Cohen – Einflüsse, die er selbst nennt. Auch die ambienten Klangräume eines Daniel Lanois sind spürbar, allerdings in deutlich sparsamer Dosierung.
Die Vorabveröffentlichungen „Ferris Wheel“, „Smoke“, „Sugar Clouds“ und „Against the Current“ unterstreichen diesen Ansatz: Gitarren, die eher schweben als treiben, dezente Elektronik, ein Hauch von Hall – und darüber Ásgeirs charakteristisches Falsett, das weiterhin sein stärkstes Ausdrucksmittel bleibt. Diese Stimme, brüchig und zugleich klar geführt, trägt selbst minimal arrangierte Passagen mühelos.
Tracklist
01. Quiet Life
02. Against The Current
03. Smoke
04. Ferris Wheel
05. Universe Beyond
06. Julia
07. Sugar Clouds
08. Stranger
09. In The Wee Hours
10. Into The Sun
Album-VÖ: 13.02.2026
Label: Embassy of Music
www.asgeirmusic.com
