Neues Album von MESHELL NDEGEOCELLO: SYNONYM

Die Karriere der Meshell Ndegeocello

PHOTO Charlie Gross / Blue Note

Diese Künstlerin ist ein Phänomen: Geboren wurde die afroamerikanische Bassistin, Sängerin, Komponistin am 29. August 1968 als Michelle Johnson in West-Berlin, als Tochter eines in Deutschland stationierten US-Soldaten, der übrigens auch Saxophonist war. Die Familie zog aber schon Anfang der 1970er Jahre nach Virginia, USA. Als Teenager begann sie E-Bass zu spielen, studierte Musik und kreierte sich einen Künstlernamen: Me’shell NdegéOcello. Der wurde dann, als 1993 ihr erstes Album ,Plantation Lullabies‘ für Furore sorgte, ständig falsch geschrieben, daher vereinfachte die Künstlerin die Schreibweise ab Ende der 1990er auf Meshell Ndegeocello.

,Plantation Lullabies‘ erschien, trotz diverser Angebote u.a. von Princes Paisley Park und Warner Brothers, bei Madonnas damals neuer Produktionsfirma Maverick, wo Meshell als erster Act überhaupt unter Vertrag genommen wurde.

 

Auf diesem Debüt waren so einige etablierte Künstlerinnen & Künstler wie die Pianistin Geri Allen, Saxophonist Joshua Redman und Funk-Gitarrist Wah Wah Watson zu hören; zu ihrer Live-Band gehörten neben Watson auch noch David Fiuczynski (g), Federico Gonzalez Peña (kb) und David Gamson (dr), plus ein zweiter Bassist. Sie selbst spielte nur in Instrumental-Parts Bass.

Es folgte eine Karriere mit inzwischen insgesamt 16 Solo-Alben, über die sich Meshell Ndegeocello hohes Ansehen in der Musikszene, irgendwo zwischen Jazz, R&B, Soul, Funk, HipHop und Reggae und dem Rest der Klangwelt, erarbeitet hat. Was unter anderem auch zu zwölf Grammy-Nominierungen und zahlreichen Kooperationen führte: Chaka Khan, Carlos Santana, Rolling Stones, Prince, Madonna, Paul Simon, Basement Jaxx, Marcus Miller, John Mellencamp, Herbie Hancock, Joe Henry, Wendy Melvoin & Lisa Coleman, Cassandra Wilson, Jack DeJohnette, Angélique Kidjo …

 

 

Das neue Album: Synonym

Musikalische Begegnungen und Kooperationen bleiben der mittlerweile 58-jährigen Künstlerin, die bei Live-Auftritten in der Vergangenheit oft eher schüchtern und wortkarg rüberkam, anscheinend weiter wichtig. ,Synonym‘ heißt ihr Anfang Oktober 2026 veröffentlichtes neues Album, und auf dem schlichten grünen Cover der Doppel-LP prangt ein Aufkleber mit der Gästeliste. Unter anderem waren bei dieser Produktion mit dabei Chaka Khan, Cat Power, Robert Glasper, Brandi Carlile, Lianne La Havas, Cynthia Erivo, Lizz Wright und Khruangbin-Bassistin Laura Lee. Dazu kommen jede Menge Studiomusiker, u.a. hört man Wendy Melvoin und Doyle Bramhall an den Gitarren und auch Banjo-Legende Bela Fleck ist zu erleben. Und ganz wichtig – Vocals & Bass: Meshell Ndegeocello

,Synonym‘ ist ihr drittes Album für das legendäre Blue-Note-Label, nach ihren zuletzt gefeierten Veröffentlichungen ,The Omnichord Real Book‘ (2023) und dem beeindruckenden,No More Water: The Gospel Of James Baldwin‘ (2024), die ihr beide erstmals Grammy-Auszeichnungen einbrachten.

Die fünfzehn Album-Tracks von ,Synonym‘ sind alle Duette, und zu hören sind berühmte Songs aus sechs Jahrzehnten Pop-Historie, die Meshell Ndegeocello in ihrer grenzüberschreitenden Art nicht einfach nachspielt sondern sie genreübergreifend, auf ihre ganz eigene Art, interpretiert.

Los geht’s mit dem von Aretha Franklin & George Michael bekannten Hit ,I Knew You Were Waiting (For Me)‘, den Meshell hier mit der englischen Sängerin & Schauspielerin Cynthia Erivo interpretiert. Die anfängliche transparente Leichtigkeit geht dabei immer mehr in eine absolut intensive Atmosphäre, mit extrem kochendem Drum-Beat über. Absolut originell! Das gilt auch für das coole Reggae-Arrangement von Human Leagues 80s-Hit ,Don’t You Want Me‘, hier zu hören im Duo mit der fantastischen Cat Power. Was für ein cooler Bass! Eine echte Groove-Lektion.

 

 

Etwas angestrengter kommt ,Don’t Stop The Music‘ vom 80s-R&B-Duo Yarbrough & Peoples rüber, bei dem Pianist Robert Glasper ein paar Vocoder-Faxen beisteuert. Aber auch hier überzeugt wieder Meshell Ndegeocellos kraftvolle Bassline. Und dann ,Islands In The Stream‘ – das klingt doch wie … richtig: Wie The Bee Gees! Die Gibb-Bros. hatten den Song für eine 1983 erschienene Single von Kenny Rogers & Dolly Parton geschrieben. Meshell hat die legendäre und hier eher brav klingende Kollegin Chaka Khan als Duo-Partnerin gewählt.

Komplett umgekrempelt wurde Bob Dylans ,It Ain’t Me Babe‘ mit Singer/Songwriter Madison Cunningham. Passagenweise ist daraus eine sehr abgefahrene Sound-Collage geworden, und im Hintergrund pickt sich Banjo-Man Bela Fleck in Rage. Großartig! Und dann US-Rapper Ja Rules ,Always on Time‘, mit Khruangbin-Bassistin Laura Lee – bei diesem Track sind beide Sängerinnen auch am Bass zu hören.

Im souligen ,Be Real Black For Me‘, einer Komposition von Charles Mann, Donny Hathaway und Roberta Flack, sind dann mit Meshell, Emily King & Lizz Wright gleich drei Vokalistinnen aktiv. Und beim 1984er Motown-Hit von Dennis Edwards & Siedah Garrett, ,Don’t Look Any Further‘ ist die wunderbare Lianne La Havas zu hören, auch als Gitarristin.

 

 

Fazit

Und so geht’s auch in der zweiten Hälfte von ,Synonym‘ weiter: Jede Menge starke Stimmen, spannende Arrangements, ganz große Basslinien und immer wieder feine Sound-Überraschungen. Wer modernen, handgemachten R&B, Soul und unkonventionelle Stilmixe mag, wird dieses Song-Album lieben. Auch wenn es nur teilweise die Experimentierfreude von ,The Omnichord Real Book‘ (2023) oder die intellektuelle Ernsthaftigkeit von ,No More Water: The Gospel Of James Baldwin‘ (2024) aufweist – es ist ein klingendes, modernes great american songbook im besten Sinne.

 

PHOTO Charlie Gross / Blue Note


NDEGEOCELLO ALBUMS
Plantation Lullabies (1993)
Peace Beyond Passion (1996)
Bitter (1999)
Cookie: The Anthropological Mixtape (2002)
Comfort Woman (2003)
The Spirit Music Jamia: Dance Of The Infidel (2005)
The World Has Made Me the Man of My Dreams (2007)
Devil’s Halo (2009)
Weather (2011)
Pour une âme souveraine: A Dedication to Nina Simone (2012)
Comet, Come to Me (2014)
Ventriloquism (2018)
The Omnichord Real Book (2023)
No More Water: The Gospel of James Baldwin (2024)
Synonym (2026)

MORE MESHELL
www.meshell.com

 

 

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