Short Scale erklärt: Was eine kurze Mensur bei Akustikgitarren verändert

Gitarrenmensur

Schaut man sich die Spezifikationen von Gitarren einmal genauer an, stößt man früher oder später auf den Begriff Mensur. Beträgt diese bei Akustikgitarren standardmäßig meist 648 oder 650 Millimeter, gibt es jedoch hier und dort Abweichungen. Nicht selten stößt man auch beispielsweise auf 619 oder 632 Millimeter. Auch wenn dies auf den ersten Blick nicht so bedeutend scheint, wirkt sich die Mensur allerdings deutlich auf das Spielgefühl sowie auf den Klang einer Gitarre aus. Dabei fallen häufig die Begriffe Short Scale oder eben kurze Mensur. Diese Gitarren gelten als besonders angenehm bespielbar. Aber warum eigentlich? In diesem Beitrag erfährst du, was hinter dem Begriff steckt, wie sich eine kurze Mensur auf den Spielkomfort auswirkt und ob eine solche Gitarre vielleicht genau das Richtige für dich ist.

Was bedeutet Mensur bei einer Gitarre?

Schaubild Westerngitarre

Die Mensur ist schlichtweg die Länge der schwingenden Saite einer Gitarre vom Sattel bis zur Stegeinlage. Zwar existiert bei Akustikgitarren kein universelles Standardmaß, bei einem Großteil der Modelle findest du jedoch eine Länge von 648 bis 650 Millimetern, während eine Westerngitarre mit einer Mensur von 619 bis 632 Millimetern häufig auch als Short Scale bezeichnet wird. Allerdings handelt es sich hier nicht um eine feste Größenklasse.

Bekannte Modelle gibt es zum Beispiel von Gibson oder Concert-Westerngitarren von Taylor, während Instrumente von Martin häufig mit einer längeren Mensur ausgestattet sind. Da es hier aber keine starren Regeln gibt, existieren bei allen Herstellern wiederum Ausnahmen.

Warum ändert eine kurze Mensur das Spielgefühl?

Der größte Unterschied macht sich unter den Fingern bemerkbar. Werden vergleichbare Gitarren mit der gleichen Saitenstärke, aber unterschiedlich langen Mensuren auf dieselbe Tonhöhe gestimmt, erzeugen die Saiten der Short Scale weniger Spannung. Daraus folgen ein weicheres Gefühl und ein geringerer Kraftaufwand beim Greifen, was besonders bei langen Proben oder Auftritten eine wahre Wohltat für die Finger sein kann.

Da sich zudem bei einer kurzen Mensur nichts an der Anzahl der Bünde ändert, liegen diese entsprechend näher beisammen. Das ist natürlich besonders für Spieler mit kleinen Händen, aber ebenso für jene, die ein kompakteres Spielgefühl bevorzugen, interessant.

Vergiss jedoch nicht, dass nicht nur die Mensur maßgeblich für den Spielkomfort ist, denn Halsprofil, Sattelbreite, Saitenstärke und insbesondere die Einstellung der Saitenlage können mindestens ebenso entscheidend sein.

Wie beeinflusst eine kurze Mensur den Klang?

Auch auf das Klangverhalten nimmt die Mensur Einfluss, indem sich eine kurze Mensur häufig durch einen warmen Klangcharakter mit weicher Ansprache auszeichnet. Eine längere Mensur kann dagegen ein strafferes Spielgefühl und eine knackigere Ansprache unterstützen.

Für den Klang einer Akustikgitarre ist jedoch nicht allein die Mensur verantwortlich. Viel eher handelt es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Konstruktionsmerkmale wie Korpusgröße, Tonhölzer, Deckenbeleistung, Saiten und mehr. Eine Short-Scale-Gitarre klingt somit nicht automatisch wärmer und eine Gitarre mit Standardmensur nicht zwangsläufig brillant. Einen Eindruck bekommst du hier von der Gibson J-45 Special, einem echten Klassiker unter den Westerngitarren mit einer verkürzten Mensur von 628 Millimetern:


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Gibson J-45 Special Satin Vintage Sunburst

Gibt es Vorteile beim Fingerstyle?

Fingerstyle-Spieler profitieren hier besonders von der geringen Saitenspannung, da schnellere Muster wortwörtlich leichter von der Hand gehen und Techniken erleichtern, die ein hohes Maß an Kontrolle beim Greifen erfordern. Aber auch in diesem Fall ist der persönliche Geschmack maßgeblich, denn die hohe Saitenspannung einer längeren Mensur erzeugt ein präzises Feedback für eine saubere Tontrennung.

Zudem lohnt es sich, einen Blick auf die Sattelbreite und die Saitentrennung zu werfen. Bei einem zu schmalen Sattel wird ein sauberes Spiel nämlich deutlich komplizierter.

Short Scale bedeutet nicht kleine Gitarre

Ein weit verbreiteter Fehler ist es, eine kurzmensurige Gitarre mit einer Minigitarre gleichzusetzen. Zwar sind Minigitarren in der Regel in ihrer Gesamtheit kompakter, allerdings kann beispielsweise auch eine Parlor mit einer Standardmensur ausgestattet sein. Die Korpusgröße beschreibt die Abmessungen des Resonanzkörpers und nicht den aller Gitarrenparts. Wiederum haben wir oben im Video gesehen, dass es auch zahlreiche Dreadnoughts sowie übrigens andere größere Modelle gibt, die über eine kurze Mensur verfügen.

Wer also zusätzlich nach einer handlichen Gitarre sucht, muss beide Angaben berücksichtigen. Besonders in GS-Mini von Taylor findest du beides vereint.

Kurze Mensur und kompakter Korpus
Kurze Mensur und kompakter Korpus: Die Taylor GS-Mini Sapele.


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Taylor GS Mini Sapele

Für wen eignet sich eine kurze Mensur?

Bevorzugst du ein weicheres Spielgefühl und einen leicht wärmeren Klang, lohnt es sich definitiv, eine Short-Scale-Gitarre einmal anzutesten. Auch jenen, denen das Spiel auf einer Standardmensur zu viel Kraft abverlangt, könnten hier das richtige Modell für sich entdecken. Wer sich jedoch eine direkte Ansprache wünscht, wird wahrscheinlich langfristig mit einer längeren Mensur glücklicher. Falls dir die Finger noch zu sehr beim Greifen schmerzen, kannst du dir gerne einmal den Beitrag Finger tun beim Gitarrespielen weh? Das hilft wirklich ansehen. Dort findest du einige Tipps, deine Hand an die Belastung zu gewöhnen.

Allerdings lassen sich technische Daten auf dem Papier nur schwer vermitteln. Wie immer gilt also auch hier: Probieren geht über studieren. Schon wenige Millimeter können sich im Spielgefühl bemerkbar machen, weshalb du dich einmal durch das Sortiment des Gitarrenhändlers deines Vertrauens testen solltest. Am Ende gibt es kein besser oder schlechter. Allein dein Gefühl entscheidet.

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