Test: Fender Tone Master ’59 Twin JB Edition – digital gedacht

Der Fender Tone Master ’59 Twin JB Edition verbindet den Charakter eines High-Powered-Tweed-Twins mit moderner Digitaltechnik und geringem Gewicht.

Der Fender Tone Master ’59 Twin JB Edition überträgt den legendären „High Powered“ Tweed Twin der späten Fünfziger in ein auffallend modernes Konzept. Statt vier 5881-Endröhren arbeitet im Combo digitale Tone-Master-Technik, die sich am 5F8-A-Schaltkreis orientiert. Das Ergebnis soll den großen, offenen Tweed-Sound mit deutlich weniger Gewicht, praxisgerechter Leistungsreduzierung und direkter Recording-Anbindung verbinden. Die UVP liegt bei rund 1.9299 Euro.

Der Name Joe Bonamassa passt dabei ungewöhnlich gut und ungewöhnlich schlecht zugleich: Der Gitarrist gilt als ausgesprochener Liebhaber und Sammler alter Röhrenverstärker. Gerade deshalb ist seine Beteiligung an einem digitalen Fender-Signature-Amp ein starkes Signal. Fender will hier nicht den historischen Twin museal nachbauen, sondern seine musikalischen Eigenschaften in die Gegenwart übertragen.

Klassischer Tweed-Look, erstaunlich leicht

Optisch ist der JB Edition sofort als großer Tweed-Fender erkennbar: gelb-brauner Bezug, Bassman-Grillcloth, schwarzes Top-Panel und Chicken-Head-Regler. Das Gehäuse besteht aus massiver Kiefer – ein wichtiges Detail, denn das resonante Holz trägt zum Charakter traditioneller Tweed-Combos bei und unterscheidet den Amp von vielen rein zweckorientierten Digitalgehäusen.

Trotz 2×12″-Bestückung wiegt der Combo lediglich 13,6 kg. Ein historischer High-Powered Twin ist dagegen ein schweres, unhandliches Möbelstück. Für Musiker, die regelmäßig proben, spielen oder im Studio umräumen, ist das ein echter Gewinn. Mit 67,3 cm Breite bleibt der Amp dennoch ein großer Combo und beansprucht entsprechend Platz im Auto und auf kleinen Bühnen.

Auch bei der Lautsprecherbestückung geht Fender bewusst einen modernen Weg: Zwei speziell für dieses Modell entwickelte Celestion JB85 Neo Signature Speaker sollen die Ansprache und den straffen Bassbereich von Bonamassas bevorzugten Tweed-Twins liefern, sparen dank Neodym-Magneten aber erheblich Gewicht.


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Fender Tone Master ’59 Twin JB Edition

Zwei Kanäle mit klassischer Bedienung

Das Bedienkonzept bleibt angenehm puristisch. Der Fender Tone Master ’59 Twin JB Edition besitzt einen Normal- und einen Bright-Kanal, jeweils mit zwei Eingängen. Wie beim historischen Vorbild lassen sich die Kanäle per Patchkabel brücken, um ihre Eigenheiten zu mischen: Der Normal-Kanal liefert die rundere, weniger aggressive Grundlage, der Bright-Kanal bringt mehr Präsenz und Biss.

Die Klangregelung ist gemeinsam ausgelegt und umfasst Treble, Bass, Middle und Presence. Dazu kommen die beiden Lautstärkeregler sowie ein Reverb-Poti. Wer mit alten Tweed-Amps vertraut ist, wird sich sofort zurechtfinden. Gleichzeitig verlangt der Amp auch die entsprechende Arbeitsweise: Es gibt keine Presets, keine Vielzahl frei kombinierbarer Amp-Modelle und keinen zweiten High-Gain-Kanal. Stattdessen dreht sich alles um einen spezifischen, sehr charaktervollen Fender-Grundsound.

Dieser besitzt viel Headroom, klare Höhen und ein enorm direktes Spielgefühl. Clean wirkt der Twin groß, dreidimensional und durchsetzungsfähig, ohne sich in sterile HiFi-Sauberkeit zurückzuziehen. Dreht man die Lautstärke weiter auf, entsteht die typische Tweed-Sättigung: kernig, obertonreich, mittig präsent und mit jener rauen Kante, die sich für Blues, Classic Rock, Country und offene Akkorde hervorragend eignet. Besonders Humbucker profitieren von der breiten, kräftigen Basis, während Singlecoils ihre Dynamik und Transparenz behalten.

Die übersichtliche Regelung mit Normal- und Bright-Volume, gemeinsamer Klangregelung, Presence und Convolution-Reverb bleibt eng am klassischen Tweed-Vorbild.

Endlich ein Tweed Twin für normale Lautstärken

Der größte praktische Unterschied zum Original sitzt auf der Rückseite. Der sechsstufige Leistungswahlschalter arbeitet bei voller Leistung mit 85 Watt an 4 Ohm und reicht bis hinunter zu 0,5 Watt. Damit nimmt Fender dem historischen Konzept seine größte Hürde: Ein echter High-Powered Twin entfaltet seine interessante Sättigung erst bei Lautstärken, die für Wohnung, kleine Bühne oder Heimstudio kaum realistisch sind.

Die Leistungsreduzierung macht aus dem Tone Master natürlich keinen lautlosen Übungsamp. Auch bei 0,5 Watt bewegen zwei Zwölfzöller noch ordentlich Luft. Aber der Regelbereich ist deutlich alltagstauglicher, und der Amp bleibt in unterschiedlichen Situationen besser kontrollierbar. Für Proberaum, Club und Bühne ist die volle Leistung zudem mehr als ausreichend.

Der Vintage/Tight-Schalter verändert die Bassansprache. In der Vintage-Stellung bleibt der Amp näher am weicheren, etwas lockereren Charakter klassischer Tweed-Schaltungen. Tight fasst das Low-End besser zusammen – sinnvoll bei hohen Lautstärken, Drop-Tunings, Humbuckern oder wenn man den Sound in einem dichten Bandmix fokussieren möchte.

Leistungswahlschalter, Vintage/Tight-Switch, Effektweg und XLR-Line-Out mit IR-Boxensimulation machen den Twin bühnentauglich und recordingfreundlich.
Leistungswahlschalter, Vintage/Tight-Switch, Effektweg und XLR-Line-Out mit IR-Boxensimulation machen den Twin bühnentauglich und recordingfreundlich.

Reverb, Effektweg und DI-Ausgang

Ein originaler ’59 Twin hatte keinen Hall. Fender ergänzt deshalb einen Convolution Reverb, also einen auf Impulsantworten basierenden Halleffekt. Er passt klanglich sehr gut zum Amp-Konzept, ohne aus dem Tweed Twin einen Blackface- oder Deluxe-Reverb-Ersatz machen zu wollen. Der Hall erweitert den Grundsound, bleibt aber geschmackvoll dosiert.

Für Delays, Modulationseffekte und Reverbs aus dem Pedalboard gibt es außerdem einen seriellen Effektweg. Das ist gerade bei einem Amp sinnvoll, dessen Zerre aus der Endstufen- und Amp-Simulation kommt: Zeitbasierte Effekte bleiben hinter der Amp-Sektion klarer und definierter.

Stark ist auch die Recording- und Live-Ausstattung. Über den symmetrischen XLR-Line-Out lässt sich der Amp direkt an ein Audiointerface, Mischpult oder Stagebox anschließen. Drei integrierte Boxen-IRs stehen zur Auswahl, Pegelregler und Ground-Lift vermeiden typische Praxisprobleme. Mit der Fender Tone Master IR Manager App lassen sich die Boxensimulationen konfigurieren und eigene IRs aufspielen. So ist der Combo nicht nur Verstärker, sondern zugleich eine unkomplizierte DI-Lösung für Recording, In-Ear-Monitoring oder schnelle Festivalwechsel.

Zwei Celestion JB85 Neo Signature Speaker sitzen hinter dem klassischen Bassman-Grillcloth im resonanten Kieferngehäuse.
Zwei Celestion JB85 Neo Signature Speaker sitzen hinter dem klassischen Bassman-Grillcloth im resonanten Kieferngehäuse.

Für wen lohnt sich der Fender Tone Master ’59 Twin JB Edition?

Der Fender Tone Master ’59 Twin JB Edition ist kein preiswerter Allround-Modeler und will es auch nicht sein. Er richtet sich an Gitarristen, die einen sehr bestimmten klassischen Fender-Sound suchen, aber die Nachteile eines historischen Röhren-Twins nicht mitkaufen möchten: hohes Gewicht, empfindliche Röhrentechnik, extreme Lautstärke und eingeschränkte Direktanbindung.

Seine Stärke ist die Verbindung aus charaktervollem Tweed-Fundament und heutiger Bühnenpraxis. Wer viele unterschiedliche Amp-Charaktere, umfangreiche Effekte oder kompromisslos leises Spielen mit Kopfhörer sucht, ist mit einem Modeller oder einem kleineren Desktop-Amp besser bedient. Wer dagegen einen hochwertigen, großen 2×12″-Combo für Blues, Rock, Country und Studioarbeit sucht, findet hier ein ungewöhnlich schlüssiges Konzept.

Fazit: Fender Tone Master ’59 Twin JB Edition

Mit dem Fender Tone Master ’59 Twin JB Edition gelingt Fender eine überzeugende Modernisierung eines ikonischen Röhrenamps. Der Combo konzentriert sich auf den kraftvollen, dynamischen 5F8-A-Tweed-Charakter, ergänzt ihn aber genau an den Stellen, an denen ein historisches Original im Alltag unbequem wird: Gewicht, Lautstärke, Hall, Effektweg und DI-Ausgang. Die rund 1.929 Euro sind für einen digitalen Combo selbstbewusst kalkuliert. Angesichts des resonanten Pine-Gehäuses, der speziellen Neo-Speaker, der umfangreichen Live- und Recording-Funktionen sowie des sehr spezifischen Signature-Konzepts ist der Preis jedoch nachvollziehbar. Ein Amp für Spieler, die nicht möglichst viele Sounds brauchen, sondern einen großen Fender-Sound, der heute wirklich nutzbar ist.

Pro

  • Ausdrucksstarker Tweed-Twin-Sound mit hoher Dynamik
  • Nur 13,6 kg trotz 2×12″-Format
  • Leistungsreduzierung, IR-Line-Out und Effektweg sehr praxisgerecht

Contra

  • Hoher Preis für einen Digital-Combo
  • Klanglich bewusst spezialisiert statt vielseitiger Allrounder

Link zum Hersteller: Fender

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