Ist Taylor Guitars in erster Linie für seine hochwertigen und vielgeschätzten Westerngitarren bekannt, sind auch die Konzertgitarren des US-amerikanischen Traditionsherstellers definitiv einen Blick wert. Dabei wird sich nicht strikt an klassische Konzertgitarren-Konzepte gehalten, sondern ein modernes Crossover aus Westerngitarre und Konzertgitarre geboten, das besonders jene ansprechen dürfte, die nicht auf das typische Steelstring Feeling verzichten möchten. Um dir Taylors Konzertgitarren-Sortiment näher zu präsentieren, haben wir uns für diesen Testbericht die 112ce-N aus der 100 Series herausgepickt und beleuchten sie im Detail.
Einordnung der Taylor 100 Series
Mit der 100 Series verfolgt die Firma den Ansatz, den klassischen Taylor-Sound mit einem erschwinglichen Preis zu vereinen, ohne Abstriche in puncto Qualität vorzunehmen. So sind die Modelle optisch zwar eher schlicht gehalten, verfügen aber dennoch über eine gewissenhafte Verarbeitung. Ausgestattet mit einer massiven Fichtendecke und laminierten Boden und Zargen und in verschiedenen Korpusformen sowie mit variierenden Features wie optionalem Tonabnehmer oder Cutaway, bietet die Serie eine professionelle Qualität zum fairen Preis. Selbstverständlich zählen die Gitarren der 100 Series nicht zum extrem günstigen Preissegment wie reine Anfängergitarren, dies gleichen die qualifizierten Gitarrenbauer allerdings durch ihre hervorragende Arbeit mehr als aus.

Der erste Eindruck der Taylor 112ce-N
Optisch präsentiert sich die 112ce-N zunächst als schlichte Akustikgitarre im Natural Finish und ohne aufwendige Dekoelemente. Auffällig ist hingegen, dass sie in ihrer Konstruktion deutlich von den typischen 4/4-Konzertgitarren, wie man sie kennt, abweicht. So verfügt sie über einen Grand-Concert-Korpus, Taylors kleinste Bauform mit Standardmensur, sowie über einen schmaleren Hals, der einen Kompromiss aus den Maßen einer Konzert- und einer Westerngitarre bietet. Die Verarbeitung ist typisch Taylor: saubere Bundenden, gleichmäßig aufgetragener Lack und fein gearbeitete Sattelkerben.
Darüber hinaus verfügt die Gitarre über einen venezianischen Cutaway und das hauseigene Expression System 2 für Nylonsaitengitarren, was die Spielmöglichkeiten erweitert und das Instrument dazu fit für die Bühne macht. Zudem ist ein Gigbag für den unkomplizierten Transport enthalten.
Auf den ersten Blick zeigt sich die 112ce-N also als eine Gitarre, die man spiel- und einsatztechnisch als wahren Allrounder bezeichnen kann.

Welcher Sound erwartet mich?
Der Klang einer Gitarre ist ein Zusammenspiel zahlreicher Konstruktionsmerkmale und Features wie Korpusgröße, Deckenbeleistung, Tonhölzern und mehr. Im Folgenden beleuchten wir die Korpusform und die Tonhölzer etwas näher, um den Klang zu definieren, den diese Nylonstring ausmacht. Schließlich ist das, was hörbar ist, eines der maßgeblichen Kaufkriterien.
Massive Decke aus torrefizierter Fichte
Im Hinblick auf ihren Klangcharakter ist die Decke der 112ce-N besonders interessant. Gefertigt aus massiver Fichte, überzeugt sie schon klanglich durch ihre gute Ansprache und ihren höhenbetonten Sound. Da Fichte allerdings dafür bekannt ist, dass sie eine gewisse Einspielzeit benötigt, bevor sie ihren ausgewachsenen Klang entfaltet, wurde diese einer Thermobehandlung (Torrefizierung) unterzogen, die den Alterungsprozess ein wenig beschleunigt. Zwar klingt sie definitiv noch nicht wie ein Vintage-Instrument, das schon so einige Stages gesehen hat, dennoch ist ein direkter, offener Ton hörbar, während die typischen Eigenschaften einer Fichtendecke erhalten bleiben. Auch optisch wirkt sich die Torrefizierung auf die Decke aus: Während neue Fichtendecken einen sehr hellen Farbton aufweisen, erscheinen thermisch behandelte schon ein wenig nachgedunkelt. Einen Eindruck dieses spannenden Prozesses findest du in diesem Video:
Boden & Zargen aus Sapele
Der Boden und die Zargen sind aus laminiertem Sapele gefertigt, einem Mahagonigewächs, das mittlerweile aus Gründen der Nachhaltigkeit populär ist. Es handelt sich hierbei um eine schnell nachwachsende Pflanze, die die knappen Mahagonibestände schont und somit erhält. Klanglich bietet Sapele den warmen Mittenbereich, den man von Mahagoni kennt, erzeugt allerdings zusätzlich markante Obertöne. Durch die laminierte Bauweise ergibt sich zudem eine Konstruktion, der Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen weniger anhaben und die Gitarre damit fit für Reisen macht.
Grand Concert statt klassischer 4/4-Korpus
Ein besonders auffälliges Merkmal der 112ce-N ist ihr Grand Concert Body, den Taylor besonders bei den Westerngitarren verwendet, die klanglich auf Fingerstyle oder spieltechnisch auf kleinere Spieler ausgelegt sind. Hier entsteht ein klarer, fokussierter Ton, der präzise Fingerstyle-Arrangements sauber zum Klingen bringt.
Spielgefühl: ideal für den Umstieg von Western- auf Konzertgitarre
Schon der Grand-Concert-Korpus zeigt, dass hinter dieser Konzertgitarre ein ausgeklügeltes Konzept steckt. Anders als die klassischen 4/4-Korpusformen überträgt Taylor eine beliebte Westerngitarren-Bauform auf diese Konzertgitarre und setzt hier ganz auf Steelstring-Ergonomie. Die schmale Taille und hie handlichen Korpusmaße liegen angenehm am Körper und kommen besonders jenen entgegen, die ein kompaktes Spielgefühl bevorzugen. Wer sich also eigentlich auf der Westerngitarre am wohlsten fühlt, aber dennoch die Welt der Nylonsaitengitarre nicht missen möchte, erhält hier die goldene Mitte.
Auch das Halsprofil vermittelt das Spielgefühl einer echten Taylor-Westerngitarre. Während herkömmliche Konzertgitarren häufig mit einem C-Profil ausgestattet sind, bietet diese Gitarre das Standard-Carve-Profil. Hierbei handelt es sich um eine C-ähnliche Kontur, ohne die ausgeprägte Schulter einer Vintage-Gitarre. Der Hals ist entsprechend relativ flach, was für ein konsistentes Spiel über weite Teile des Griffbretts sorgt. Zusätzlich erlaubt das Standard Carve eine flexiblere Positionierung des Daumens und unterstützt zudem Akkordwechsel, Barrégriffe, Fingerpicking und melodisches Solospiel.

Aufmerksamkeit verdient außerdem die schlanke Ausführung des Halses. Mit einer Sattelbreite von 47,6 Millimetern fällt er weitaus schmaler aus als der einer Standard-Konzertgitarre, die üblicherweise eine Sattelbreite von 52 Millimetern aufweist. Gleichzeitig ist er jedoch definitiv breiter als der einer Taylor-Westerngitarre, die in der Regel mit einem 44,45 Millimeter breiten Sattel ausgestattet ist. Hier findet sich ein weiterer Kompromiss zwischen einer Steelstring und einer Nylonstring, der ein kompakteres Spielgefühl vermittelt. Der Unterschied erscheint zunächst gering, macht sich in der Praxis jedoch deutlich bemerkbar. Dennoch bietet der Hals ausreichend Platz für klassische Spieltechniken.
Klassische Gitarristen, die an die Maße einer handelsüblichen Konzertgitarre gewöhnt sind, könnten sich mit der 112ce-N allerdings eingeschränkt fühlen oder für die Umgewöhnung etwas mehr Zeit benötigen.
Bewährte Komponenten der 112ce-N
Bei der übrigen Ausstattung setzt Taylor hingegen auf bewährte Komponenten. Das Griffbrett aus Ebenholz bietet das gewohnt glatte Spielgefühl, während der ebenfalls aus Ebenholz gefertigte Steg eine solide Befestigung der Saiten auf der Decke bietet. Auch mit ihrer Mensur von 648 Millimetern bewegt sich die 112ce-N im Rahmen, sodass sich in dieser Hinsicht keine größere Umstellung ergibt. Vernickelte Klassikmechaniken in der durchbrochenen Kopfplatte runden den traditionellen Charakter der Gitarre ab. In der Gesamtheit betrachtet entsteht ein spannendes Zusammenspiel aus Bekanntem und Innovation im Bereich der klassischen Gitarre.

Das Expression System 2 für den verstärkten Einsatz
Das Expression System 2 ist eine hauseigene Entwicklung von Taylor, das mit dem Ziel entwickelt wurde, einen größeren Dynamikumfang des akustischen Klangs zu erfassen. Es besteht aus drei Tonabnehmersensoren, die nicht direkt unter, sondern hinter der Stegeinlage montiert wurden. Da die Stegeinlage während des Spiels tatsächlich vor- und zurückschwingt, können die Sensoren die Schwingungen der Saitenpaare weitaus besser erfassen.
Um den Klang auch an die subjektiven Vorlieben anzupassen, befinden sich drei Regler für Lautstärke, Bässe und Höhen in der oberen Zarge.
Wie steht es um das Preis-Leistungs-Verhältnis?
Mit ihrem Preis von 800 Euro bewegt sich die 112ce-N definitiv im höheren Preissegment, liegt allerdings noch deutlich unter vollmassiven Instrumenten mit aufwendigen Finishes und Details. Allerdings ist es nicht der Markenname, der den Preis künstlich in die Höhe treibt. Die umfangreiche Ausstattung des Modells rechtfertigt ihn ohne Zweifel. Eine torrefizierte massive Fichtendecke, der Cutaway sowie das Expression System 2 Tonabnehmersystem finden sich auch in Taylor-Gitarren der Oberklasse und aus dem Custom Shop, was eindeutig zeigt, dass an diesem Instrument nicht gespart wurde.
Dennoch gestaltet sich der Preis für Taylor-Gitarren verhältnismäßig gering. Es handelt sich hierbei eben nicht um ein Premium-Instrument der Meisterklasse, liefert aber die gewohnte Taylor-Qualität. Der Preis lässt sich außerdem mit geringeren Produktionskosten durch die Fertigung in Mexiko erklären. Aber keine Sorge: Taylor besitzt hier eine eigene Fabrik und überwacht die komplette Produktion gewissenhaft, damit der gewohnte Standard keine Einbußen verzeichnet. Die Herstellung in Mexiko ist somit eng in die gesamte Produktionsstruktur des Unternehmens eingebunden. Ein weniger gewissenhaft gefertigtes Instrument musst du also nicht befürchten.

An wen richtet sich die Taylor 112ce-N?
Durch ihre professionellen Features in Form der massiven Decke, des Cutaways für erweiterte Spielmöglichkeiten, des Tonabnehmers, hochwertiger Tonhölzer und nicht zuletzt des im Lieferumfang enthaltenen Gigbags eignet sich die 112ce-N hervorragend für die Bühne und unterwegs. Wer also viel tourt und ein robustes Instrument, das gleichzeitig einen guten Sound liefert, sucht, ist mit diesem Modell definitiv gut beraten. Auch wer das Gefühl einer Westerngitarre nicht missen möchte, erhält mit dieser Gitarre eine ausgezeichnete Lösung, die die Komfortbedürfnisse sowie den weichen Nylonsound miteinander verbindet.
Anfänger hingegen sind besser mit einem günstigeren Instrument beraten. Wenn du noch nicht weißt, ob das Gitarrespielen überhaupt etwas für dich ist, sind 800 Euro einfach zu viel. Dabei gibt es auch in den unteren Preiskategorien sowohl unter Westerngitarren als auch unter Konzertgitarren solide Modelle, die dir eine angenehme Bespielbarkeit und einen schönen Sound bieten. Außerdem brauchst du an massive Tonhölzer oder einen Tonabnehmer zu Beginn noch gar nicht denken.
Für streng klassische Anwendungen oder besonders kraftvolle akustische Begleitung existieren ebenfalls spezialisiertere Alternativen.
Fazit: Eine vielseitige Nylonsaitengitarre mit modernem Charakter
Die Taylor 112ce verfolgt einen überzeugenden Ansatz: Sie kombiniert den klassischen Nylonsaitensound mit einer komfortorientierten Bauweise, die sowohl Western- als auch klassische Gitarristen anspricht. Taylor hat sich hierbei nicht auf einen exakten Nachbau einer klassischen Konzertgitarre versteift, sondern ein eigenständiges Konzept erschaffen. Unterm Strich ist die Taylor 112ce-N eine durchdachte Crossover-Gitarre, die Nylonsaitenklang für moderne Gitarristen zugänglich macht und dabei einen eigenständigen Platz zwischen Konzert- und Westerngitarre einnimmt.
Spezifikationen der Taylor 112ce-N im Überblick
- Bauform: Grand Concert mit Cutaway
- Decke: massive torrefizierte Fichte
- Deckenverstrebung: Fan Bracing
- Boden & Zargen: laminiertes Sapele
- Finish: mattes Natural Finish
- Binding: Black
- Rosette: Three Ring
- Hals: Mahagoni
- Halsprofil: Standard Carve
- Griffbrett: Ebenholz
- Griffbretteinlagen: Dot
- Anzahl Bünde: 20
- Sattelmaterial: Graph Tech TUSQ
- Sattelbreite: 47,6 mm
- Mensur: 648 mm
- Steg: Ebenholz
- Stegeinlage: Micarta
- Mechaniken: vernickelte Klassikmechaniken
- Tonabnehmer: Taylor ES-N
- Herkunft: Mexiko
- Gigbag enthalten
Bilder: Taylor
