Duesenberg Paloma Baritone im Test – Eleganter Tieftöner

Duesenberg Paloma Baritone Black Sparkle

Die Bariton-Gitarre ist längst kein reines Nischeninstrument mehr. Während sie vor einigen Jahrzehnten noch prominent in Ennio Morricones Musik zu so manchem Western-Epos Anwendung fand, ist ihr Sound auch im Metal, Alternative und im Ambient-Kontext längst keine Geheimwaffe mehr. Mit der Duesenberg Paloma Baritone bringt der deutsche Hersteller aus Hannover ein Instrument auf den Markt, das genau diese Welten mit typischer Duesenberg-Ästhetik und -Verarbeitungsqualität verbindet.

Wir werfen einen genaueren Blick auf das Tieftonwunder und schauen, was sich hinter dem Ausnahmemodell so alles verbirgt!

Design & Verarbeitung – typisch Duesenberg

Schon beim ersten Blick wird klar: Die Paloma Baritone ist eine waschechte Duesenberg. Der Erlenkorpus im Black Sparkle Finish mit cremefarbenem Binding im schicken Art-Déco-Stil wirkt gleichzeitig elegant und auffällig. Das Glitzer-Finish verleiht der Gitarre eine gewisse Bühnenpräsenz, ohne dabei überladen zu wirken. Optisch handelt es sich hier also um einen gewohnt Duesenberg-typischen Leckerbissen. Die Kombination aus klassischer Formensprache und modernen Details funktioniert hervorragend. Besonders die Pearloid-Diamond-Inlays auf dem Palisandergriffbrett setzen visuelle Akzente, die sofort ins Auge fallen.

Obwohl wir uns ganz klar im Premium-Segment aus deutscher Fertigung bewegen, liegt der Listenpreis der Paloma Baritone interessanterweise knapp unter 3000 Euro. Im Vergleich mit den üblichen Vertretern der Preisklasse vermittelt der erste Eindruck also erstaunlich viel Gitarre für das Geld. Die Verarbeitung ist tadellos, alle Bindings und Übergänge sind gratfrei verarbeitet, die Hardware sitzt perfekt. So muss das!

Hals & Spielgefühl – Bariton, aber komfortabel

Duesenberg Paloma Baritone Black Sparkle Korpus
Der großzügige Cutaway erlaubt einfachen Zugriff auf alle 22 Jumbo-Bünde. (Bild: musicstore.de)

Ein zentrales Merkmal der Paloma ist ihre 28“-Mensur, die sie klar in den Bariton-Bereich einordnet und ihr im Vergleich zu ähnlichen Vertretern derselben Stimmlage mit den sonst üblichen 27 Zoll noch mal ein gutes Stück mehr schwingende Saite verleiht. Das bedeutet:

  • mehr Saitenspannung
  • tiefere Tunings möglich (z. B. B oder A)
  • strafferes Spielgefühl mit tighter Ansprache

Die Kehrseite ist allerdings, dass gerade die ersten Griffbrettlagen auf längeren Bariton-Mensuren in der Regel etwas schwerer zu bespielen sind, da sie das Griffbrett folglich weiter vom Körper weg bewegt. Trotzdem wirkt die Paloma alles andere als sperrig. Der eingeleimte Ahornhals mit Medium-D-Profil liegt angenehm in der Hand und vermittelt ein vertrautes Spielgefühl. Gitarristen, die bisher noch keine Bariton in den Fingern hatten, werden sich hier erstaunlich schnell zurecht finden.

Wie gut sich der Hals in Sattelnähe spielen lässt, hängt oft auch davon ab, wo der Hals-Korpusübergang stattfindet. Setzt man ihn etwas weiter nach hinten, kommen die ersten Bünde dem Spieler zwar näher, dafür leidet jedoch auf so manchem Modell die Bespielbarkeit der hohen Griffbrettlagen. Hier zeigt sich, dass sich das Paloma-Design mit seinem gut zugänglichem Cut hervorragend für eine Bariton-Version eignet. Da haben sich die Duesenberg-Tüftler also einiges bei gedacht!

Klang – vielseitiges HSS-Setup

Die Pickup-Bestückung der Paloma Baritone ist in einer besonders flexiblen HSS-Konfiguration angeordnet. Das gibt auf jeden Fall Pluspunkte, da sich dieser Bariton-Gitarre so eine größtmögliche Vielzahl potenzieller Sounds entlocken lässt. Die genaue Tonabnehmerzusammensetzung sieht wie folgt aus:

  • Alnico Blade Single Coil in Halsposition
  • Pearlito Single Coil in Mittelposition
  • GrandVintage Humbucker in Stegposition

Gesteuert wird das Ganze über einen 4-Wege-Rotary-Switch, der verschiedene Kombinationen ermöglicht.

Hals-Pickup

Der Alnico Blade Singlecoil in Neck-Position liefert warme, runde Sounds mit viel Tiefe. Besonders in Verbindung mit der Bariton-Mensur entsteht ein fast bassartiger Charakter, der sich hervorragend für atmosphärische Parts eignet und dem Ton viel Wumms verleiht.

Mittelposition

Der Pearlito Singlecoil bringt mehr Klarheit und Präsenz ins Spiel. Clean gespielt liefert er gläserne, definierte Sounds, die sich gut im Mix durchsetzen. Auch in tieferen Lagen profitiert die Gitarre vom ausgewogenen Klang des Pearlito.

Steg-Pickup

Zum Duesenberg GrandVintage Humbucker wurden bereits zahlreiche lobende Worte in allerlei Reviews gesprochen, auch hier macht er seinem prominenten Namen alle Ehre. Er liefert druckvolle Mitten, straffe Bässe und singende Höhen. Egal, ob moderne Riffs, charakterstarke Break-Up-Sounds oder saftige Lead-Lines mit Sustain, der GrandVintage ist überall vorne dabei!

Gesamtklang

Was die Paloma Baritone besonders macht, ist ihre klangliche Vielseitigkeit. Sie ist nicht nur für „dicke Riffs“ gebaut, sondern kann auch filigrane Clean-Sounds, experimentelle Klanglandschaften und dynamische Rhythmusarbeit. Die Kombination aus Bariton-Mensur und vielseitiger Pickup-Konfiguration ergibt im Gesamtbild ein stimmiges Konzept, das die Paloma Baritone zu einem echten Allrounder im tiefen Frequenzbereich macht.

Solide Duesenberg-Hardware

Eine Besonderheit bei Duesenberg-Instrumenten ist, dass ausschließlich hauseigene Hardware-Lösungen zum Einsatz kommen. Hier werden keine Drittanbieter-Parts eingekauft, alle Anbauteile sind auf ihren jeweiligen Einsatzbereich zugeschnitten. Das hebt die Instrumente nicht nur aus optischer sondern auch aus funktionaler Sicht von Mitbewerbern ab.

Duesenberg Paloma Baritone Black Sparkle
Duesenberg Diamond Deluxe Tremola (Bild: musicstore.de)

So auch die Kurzversion des Duesenberg Diamond Deluxe Tremola, die ein echtes Highlight auf der Duesenberg Paloma Baritone bildet. Im Gegensatz zu originalen Bigsby-Systemen, die hier erkennbar Pate standen und denen man aufgrund ihrer historischen Eigenheiten durchaus Abstriche bei Funktionalität und Stimmstabilität verzeiht, macht das Deluxe Tremola wirklich enorm viel Spaß! Es arbeitet selbst bei intensiver Nutzung weich, präzise und stimmstabil und sorgt in Kombination mit der tiefen Bariton-Stimmung für klassische Western-Effekte.

Hier ist ebenfalls die Steel Saddle Bridge im TOM-Stil zu nennen, die eine saubere Intonation und maximale Resonanz garantiert. Am anderen Ende sitzen stimmstabile Duesenberg Z-Tuners mit gestuften Art-Déco-Flügeln – schicker geht nicht!

Duesenberg Paloma Baritone in der Praxis

Nach einiger Zeit am Modelling-Verstärker mit verschiedenen Sound-Presets zeichnet sich ab, was die Duesenberg Paloma Baritone kann – und auch, wofür sie weniger geeignet ist. Fakt ist jedenfalls, dass sie keineswegs ein One-Trick-Pony ist, das allenfalls zu speziellen Einsatzbereichen Verwendung findet, bis es wieder im Multi-Stand verstaubt.

Hier sind einige Anwendungsbeispiele, für die mir die Duesenberg Paloma Baritone während des Tests wie geschaffen erscheint:

  • tiefe High-Gain-Riffs im Drop-Tuning
  • Cineastische Soundscapes
  • Ambient-Flächen mit Reverb und Delay
  • Alternative Indie- und LoFi-Sounds

Wer hingegen eine klassische Rock-Maschine sucht, mit der sich die Top-40-Riff-Sammlung rauf und runter spielen lässt, ist hier höchstwahrscheinlich fehl am Platz. Ebenso High-Speed-Frickler, die die Grenzen ihres Metronoms mit 32tel-Läufen in Lichtgeschwindigkeit ausreizen möchten, werden hierfür geeignetere Modelle finden.

Stattdessen lädt die Duesenberg Paloma Baritone dazu ein, neue Ideen auszuprobieren. Gerade Gitarristinnen und Gitarristen, die sonst im Standard-Tuning unterwegs sind und neue Dinge erfahren möchten, werden hier schnell merken, wie sehr sich das Spielgefühl und die musikalische Herangehensweise durch einen Tapetenwechsel verändern kann. Kaum ein Instrument hat mich die letzten Jahre so sehr dazu verleitet, neue musikalische Ideen zu verfolgen wie dieses Bariton-Modell.

 

Fazit – mehr als nur eine Bariton-Gitarre

Die Duesenberg Paloma Baritone ist kein reines Nischeninstrument für Spezialfälle, sondern vielmehr ein kreatives Werkzeug für alle, die ihren Sound erweitern wollen. Mit ihrer hochwertigen Verarbeitung, der vielseitigen Elektronik und der außergewöhnlichen 28“-Mensur bietet sie eine spannende Alternative zu klassischen E-Gitarren. Dabei ist es egal, ob du Metalhead, Shoegaze-Fan oder Sound Designer bist: Die Paloma Baritone weiß über die Genre-Grenzen hinweg durch Tiefe, Charakter und Ausdrucksstärke zu gefallen.

Wer bereit ist, sich auf das Konzept Bariton einzulassen, bekommt hier ein Instrument, das weit über Standard-Anwendungen hinausgeht. Absolute Empfehlung!

Pro

  • hochwertige Verarbeitung
  • edles, eigenständiges Design
  • vielseitige Pickup-Kombination
  • inspirierender Bariton-Sound
  • stabiles, gut abgestimmtes Tremolo
  • angenehmes Halsprofil trotz 28“-Mensur

Contra

  • Umgewöhnung für Standard-Gitarristen nötig
  • kein klassischer „Plug-and-Play“-Rock-Sound
  • spezieller Charakter – nicht für jeden Stil gedacht

Link zur Herstellerseite: https://www.duesenberg.de


Affiliate Link:

Duesenberg Paloma Baritone Black Sparkle

Auch interessant:

Duesenberg Paloma Baritone im Test – Eleganter Tieftöner

Die Bariton-Gitarre ist längst kein reines Nischeninstrument mehr. Während sie vor einigen Jahrzehnten noch prominent [...]

> WEITERLESEN
Ein Name, zwei Welten: Warum Fenders Standard Series nicht an die Player II heranreicht

Mit der Player-II-Serie und der neuen Standard Series hat Fender sein Stratocaster-Portfolio neu justiert. Auf [...]

> WEITERLESEN
Charvel Standard Series: San Dimas Style 2-DNA in Gloss Black und Satin Gray

Charvel Standard Series: Preiswerte High-End-Gitarren mit echter San Dimas-DNA Mit der neuen Standard Series Style [...]

> WEITERLESEN
Fame PGA-08 Portable Guitar Amp im Test – flexibler Übungsamp für unterwegs

Es ist wohl ein offenes Geheimnis, dass über die letzten Jahre eine Trendwende am Verstärkermarkt [...]

> WEITERLESEN
Gretsch Electromatic Premier Jet – Neue Singlecuts mit modernen Features

Die neu vorgestellten Gretsch Electromatic Premier Jets sind eine interessante zusätzliche Option für Gretsch-Fans auf [...]

> WEITERLESEN
Fender 75th Anniversary – Sondermodelle zum 75. Geburtstag

Das Jahr 1951 ist mittlerweile schon verdammt lange her. 75 Jahre, um genau zu sein. [...]

> WEITERLESEN
Fame M5 AeroCharge im Test: Wireless-System für E-Gitarre mit Ladecase und Powerbank-Funktion

Test: Fame M5 AeroCharge Wireless System – Praktisches Funksystem mit Ladecase und Powerbank-Funktion Kabellose Funksysteme [...]

> WEITERLESEN
Dominic Miller arrangiert die Beatles für Sologitarre

Aus (drohender) Langeweile entstehen manchmal die besten Dinge. So auch im Falle von Dominic Millers [...]

> WEITERLESEN
Live Gear: Das Equipment von JOEY LANDRETH

Es gibt wohl derzeit kaum eine Band, die in traditioneller Hinsicht so gut klingt, wie [...]

> WEITERLESEN

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert