Live Gear: Das Equipment von JOEY LANDRETH

Es gibt wohl derzeit kaum eine Band, die in traditioneller Hinsicht so gut klingt, wie The Bros. Landreth. Ein Gitarrensound zum Niederknien, eine Dynamik, die absolut fesselt, ein Zusammenspiel, das vom blinden Verständnis der beiden Hauptakteure lebt. The Bros. Landreth stammt aus Winnipeg, Kanada, und wurde von den Brüdern Joey und Dave Landreth gegründet. Musikalisch bewegt sich die Band zwischen Roots Rock, Americana, Soul und Gospel-Anleihen, wobei vor allem Joey Landreths slidegetränkte Gitarrenarbeit und der mehrstimmige Gesang zum Markenzeichen geworden sind. International aufmerksam wurden sie mit ihrem Debüt ,Let It Lie‘ (2016), das ihnen unter anderem einen Juno Award einbrachte. Seither haben sich The Bros. Landreth als intensive Liveband etabliert, die ihre Songs weniger über Effekte als über Dynamik, Zusammenspiel und emotionale Tiefe entwickelt.

Kurz vor ihrem Konzert im Kölner Luxor hatte ich die Gelegenheit, die beiden Brüder zum Gespräch zu treffen und mit ihnen über ihr aktuelles Tour-Setup zu sprechen. In entspannter Atmosphäre baten die zwei mich auf die vorbereitete Bühne und zunächst erklärte mir Dave sein Bass-Besteck für diese Clubtour. Anschließend bat mich Gitarrist Joey Landreth auf die Bühne, um uns seinen umfangreichen, aber, wie er sagt, simpel aufgebauten Werkzeugkasten zu präsentieren und zu erklären.

Wenige Stunden später steht die Band dann auf der Bühne, und alles, was sie zuvor beschrieben hatten, war sofort hörbar. Der Sound im Luxor war offen, druckvoll und erstaunlich detailreich – ein Konzert, das nicht nur musikalisch, sondern auch klanglich beeindruckt hat. Lassen wir Joey Landreth nun selbst zu Wort kommen:

Die Gitarren

„Okay, das ist also meine Sorokin Pluma. Es ist die dritte Sorokin-Gitarre, die ich besitze – und ich habe tatsächlich noch alle drei. Gebaut wurde sie von einem sehr guten Freund von mir, Alex Sorokin aus Edmonton in Kanada.

Sorokin Luma Goldtop © Sorokin Guitars
Sorokin Luma Goldtop © Sorokin Guitars

Zu der Gitarre gibt es eine lustige Geschichte, die ich wahrscheinlich schon tausendmal erzählt habe, deshalb muss sie eigentlich niemand mehr hören. Kurz gesagt: Ich habe mich einmal in eine Gitarre verliebt, die ich mir nicht leisten konnte. In einem Laden hatte ich eines seiner Instrumente in der Hand. Ich nahm sie hoch und fragte den Besitzer: „Aus welchem Jahr ist die?“, weil ich dachte, sie wäre vielleicht von 1957 oder irgendein anderes Vintage-Modell. Und er sagte: „Äh … 2017.“ Das hat mich völlig umgehauen. Also habe ich Alex kontaktiert und gefragt: „Gibt es irgendeine Chance, dass du mir eine Gitarre wie diese baust?“ Und er meinte: „Eigentlich nehme ich keine Aufträge an. Ich baue Gitarren nur zum Spaß. Ich baue einfach, worauf ich gerade Lust habe.“

Sein Stil orientiert sich stark an alten Gibson-Gitarren. Er ist unglaublich detailversessen. Aber er sagte dann: „Zufällig hatte ich eg gerade geplant, eine Gitarre zu bauen, die ungefähr so ist wie die, die du beschrieben hast. Also lass uns das machen.“ Das war dann meine erste. Und danach hat sich das einfach weiterentwickelt. Heute besitze ich drei seiner Gitarren – und jede davon war zu irgendeinem Zeitpunkt meine Nummer eins. Aber diese hier ist die, die am längsten im Stall geblieben ist. Ron-Ellis-Pickups, Vintage-50s-Potis, die ich bei einem Typen in den USA gefunden habe – einfach großartig. Und sie fühlt sich einfach wie Zuhause an. Alex hat schon eine Menge Relicing daran gemacht, aber ich habe auch meinen Teil dazu beigetragen, unter anderem habe ich einmal die Kopfplatte abgebrochen. Ja, das war ziemlich ärgerlich. Aber solche Dinge passieren eben.

Die andere Gitarre, die ich auf dieser Tour gerade spiele, ist diese Novo Baritone. Das ist ein Prototyp von etwas, an dem Novo gerade arbeitet und wobei ich ein bisschen mithelfe. Wirklich wunderschön, stark im Stil der alten Danelectro-Gitarren. Auch hier sind Ron-Ellis-Pickups drin, wobei wir vielleicht noch mit ein paar anderen Pickups experimentieren werden. Diese hier klingen fantastisch, sind aber sehr low output. Mal sehen. Klanglich sind sie großartig – sehr „stringy“, sehr luftig, alles, was an den alten Danelectros so toll war. Die Gitarre ist außerdem hohl gebaut, und sie ist einfach wunderbar. Ich spiele sie ein paarmal im Set und es macht unglaublich Spaß. Sie ist auf Open G heruntergestimmt, also wirklich sehr tief.

Joey Landreth mit seiner Duesenberg Signature © Sarah Rameckers
Joey Landreth mit seiner Duesenberg Signature © Sarah Rameckers

Normalerweise spiele ich auch immer noch meine Duesenberg Signature. Aber als ich überlegt habe, welche Gitarren ich für diese Tour mitnehmen soll, waren wir beim Gepäck ziemlich eingeschränkt. Ich war kurz davor, diese hier zuhause zu lassen, aber das ging einfach nicht. Ich dachte nur: *Ich muss diese Gitarre dabeihaben.*

Die Duesenberg ist wunderschön. Die Idee hinter dieser Gitarre war, alles das abzudecken, was diese hier nicht kann. Diese hier macht genau das, was man von einer Solidbody mit zwei Humbuckern erwartet. Die Duesenberg sollte dagegen all die Zwischenbereiche liefern: eher Strat-artige Sounds, Ry-Cooder-inspirierte Klänge, Bonnie-Raitt-artige Sachen. Es war eine harte Entscheidung, sie zuhause zu lassen, aber wahrscheinlich nehme ich sie beim nächsten Tourabschnitt wieder mit. Ich vermisse sie.“


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Duesenberg Bros. Landreth Joey’s Guitar Catalina Sunset Rose

Das Pedalboard

„Mein Pedalboard ist ziemlich groß. Wahrscheinlich meine liebste neue Ergänzung ist der Quad Cortex Mini. Ich nutze ihn für unglaublich viele Dinge. Im Grunde fahre ich damit ein Hybrid-Setup: Viele analoge Pedale laufen direkt in die Amps, während der Quad Cortex einen Großteil der Wet-Effekte übernimmt, wie Delays, Reverbs und so weiter. Außerdem habe ich dort noch eine zusätzliche Signallinie. Die führt tatsächlich zurück in einen FX-Loop des GigRig G3S, sodass ich Kompressoren, Boosts und ähnliche Dinge nutzen kann, für die auf dem Board selbst kein Platz mehr war. So kann ich sie früher im Signalweg einsetzen und danach wieder hinter den Wet-Effekten zusammenführen. Unter dem Board habe ich außerdem einen Morningstar ML-10X, in den der Quad Cortex, das Chase Bliss Mood und der Free The Tone TriAvatar Trichorus laufen, genauso wie der Loop vom GigRig.

Joey Landreth Pedalboard © Marian Menge
Joey Landreth Pedalboard © Marian Menge

Damit kann ich für die Show ziemlich genau festlegen, wo im Signalweg etwas sitzen soll. Ich kann sogar mein Dry-Signal komplett an allem vorbeiführen, sodass keinerlei digitale Bearbeitung auf dem eigentlichen Gitarrensignal liegt. Interessanterweise mache ich das auf diesem Board aber gar nicht. Ursprünglich wollte ich unbedingt einen komplett analogen Drive-Signalweg haben. Aber dann habe ich all diese Sounds gebaut, bei denen ich durch den Quad Cortex gehen musste, also dachte ich: ‚Ach, egal, dann gehe ich eben komplett durch.‘ Sicher würden einige Puristen behaupten, dass man dadurch Ton verliert. Aber ich höre ehrlich gesagt keinen Unterschied, und ich habe eigentlich ein ziemlich gutes Ohr. Vielleicht merkt man es im Studio, wenn man extrem analytisch zuhört. Live jedenfalls überhaupt nicht. Es klingt einfach fantastisch.

Ich benutze außerdem zwei LAA Custom NV81. Das sind Boost-Pedale mit Transformatoren, inspiriert vom Neve-1081-Preamp. Sehr analog klingend. Ich setze sie hinter den digitalen Effekten ein, um dem Signal wieder ein bisschen analogen Charakter zu geben. Und tatsächlich macht das einen ziemlich großen Unterschied. Der Sound wird deutlich wärmer. Nicht dass der Quad Cortex schlecht klingen würde – ganz im Gegenteil. Aber es war ein interessantes Experiment, ein bisschen analogen Charakter zurückzubekommen, bevor das Signal in die Amps geht. Außerdem haben die Pedale große Lautstärkeregler, sodass ich die Pegel zwischen den Amps schnell anpassen kann.

Mein Haupt-Overdrive ist der Kingsley Juggler, den ich schon lange benutze. Ein wunderbarer, Dumble-inspirierter Overdrive. Darin stecken zwei 12AX7-Röhren, also ein ziemlich massives Gerät. Dazu kommen verschiedene andere Pedale: Vemuram Budi-G, Union Lab, Nordvang Skyline und der Revv Dirtdog. Das sind im Grunde verschiedene Varianten, um das, was der Kingsley macht, noch weiter anzureichern.

Das Skyline ist bei mir so eingestellt, dass er etwas mehr Klarheit bringt – also ein Boost mit mehr Luft. Der Dirtdog ist etwas dunkler und punchiger eingestellt. Und den Budi-G nutze ich als Clean Boost, was ich wirklich liebe. Der Lab Compressor ist vom Teletronix LA-2A inspiriert. Als Slide-Gitarrist erwarten viele Leute, dass ich viel Kompression benutze – tue ich aber gar nicht. Für Slide mag ich ein bisschen Kompression, aber oft wird es mir schnell zu viel.

Dann gibt es noch die Dan Drive Bonk Machine. Wir haben ein paar albumbezogene Pedale produziert, die wir am Merch-Stand verkaufen. Die normale Version ist pink, auf meinem Bord habe ich eine spezielle Edition für die Album-Release-Tour. Der Kernom MOHO ist für meine Octafuzz-Sounds und andere fuzzige Klangfarben zuständig. Trotz all der Sachen auf dem Board – ich kann mir die Kommentare im Internet schon vorstellen – ist das Setup eigentlich ziemlich simpel. Zu guter Letzt habe ich noch ein Lehle Volume-Pedal und ein Lehle Expression-Pedal, mit dem ich einfach die Wet-Effekte hinzumische. So kann ich steuern, wie stark sie im Sound auftauchen.“

Die Verstärker

„Auf der einen Seite der Bühne steht mein Revv D25 Joey-Landreth-Edition. Der hilft, den Bühnensound etwas auszugleichen und gibt meinem Bruder mehr Klarheit auf dem Gitarrensignal. Ich spiele nämlich, trotz der Anzahl an Amps auf der Bühne, gar nicht besonders laut.

Auf der anderen Seite habe ich einen Two-Rock Bloomfield Drive, den mir mein Freund Kevin aus Rotterdam geliehen hat. Danke, Kevin. Fantastischer Amp. Und außerdem einen Decilia Single 25. Also relativ viele unterschiedliche Amp-Sounds auf der Bühne. Und ehrlich gesagt: Warum nicht? Warum nicht drei Amps auf der Bühne haben? Eigentlich habe ich sogar noch einen zweiten Revv dabei – aber der hat gerade eine kaputte Röhre, und ich hatte noch keine Gelegenheit, sie zu wechseln. Sonst wären es vier. Aber es macht einfach Spaß. Und es ist schön, den Sound über die ganze Bühne zu verteilen, vor allem, weil ich eben nicht wahnsinnig laut spiele.“

The Bros. Landreth im Netz:

Website

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