Das Beetronics Pollinator Hazee Delay richtet sich nicht an Gitarristen, die lediglich ein sauberes Echo für Sololinien suchen. Dieses Boutique Pedal ist vielmehr ein Werkzeug für Musiker, die Delays als klangformendes Element begreifen – für Ambient Gitarre, Drone Sounds oder experimentelles Sounddesign.
Mit einem Preis von rund 265 € positioniert sich das Pedal im gehobenen Boutique-Segment. Dabei verfolgt Beetronics einen anderen Ansatz als bei klassischen Analog-Delays des Herstellers. Während das bekannte Bee Bee Dee stark auf Vintage-Charakter setzt, geht das Pollinator konzeptionell in eine andere Richtung: bewegte Delay-Texturen, modulierte Echo-Strukturen und rhythmisch pulsierende Klanglandschaften.
Der Fokus liegt nicht auf der Simulation analoger Tape-Echos, sondern auf lebendigen, sich entwickelnden Delay-Strukturen, die sich besonders in Post-Rock, Shoegaze oder experimentellen Ambient-Setups entfalten.

Design und Verarbeitung
Beetronics bleibt seiner eigenständigen Designsprache treu. Das Hazee Delay wirkt wie eine kleine Rüstung aus Metall, massiv, schwer und kompromisslos stabil. Das Gehäuse ist größer als bei vielen Standard-Pedalen, was auf dem Pedalboard etwas Platz kostet, dafür aber sofort Vertrauen vermittelt. Die Verarbeitung ist hervorragend. Die Potis erinnern in ihrer Haptik an klassische Marshall-Regler – leichtgängig, mit angenehmem Widerstand und sehr präzisem Drehgefühl. Besonders auffällig ist der gerasterte Mode-Selector in der Mitte, der klar einrastet und sich auch live problemlos bedienen lässt.
Optisch ist das Pedal unverkennbar Teil der Beetronics-Familie. Das Design greift konsequent das Bienen- und Wabenmotiv auf – inklusive der ungewöhnlichen, wabenförmigen Platinen im Inneren. Man muss diesen Stil nicht zwingend mögen, doch er hat Wiedererkennungswert. Auf einem Pedalboard wirkt das Gerät fast wie ein kleines Kunstobjekt.
Anschlüsse und Integration ins Pedalboard
Das Pollinator Hazee Delay ist bewusst reduziert ausgestattet. Es handelt sich um ein Mono-Delay ohne MIDI, Expression-Input oder Stereo-Routing. Das Pedal arbeitet mit 9 V Stromversorgung und rund 80 mA Stromaufnahme. Ein Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen. In komplexen Setups bedeutet das: Das Pollinator versteht sich weniger als zentrale Delay-Schaltstelle, sondern eher als Charakterpedal innerhalb einer Effektkette. Besonders gut funktioniert es vor großen Reverb-Pedalen oder in Kombination mit Loops und Ambient-Effekten.
Bedienkonzept und Workflow
Die Bedienoberfläche bleibt angenehm übersichtlich. Vier Regler übernehmen die komplette Klangsteuerung:
- Time
- Feedback
- Mix
- Mod
Hinzu kommt der zentrale Mode-Selector mit acht Positionen.
Gerade für Sounddesign-Setups ist dieser minimalistische Ansatz interessant. Man verliert sich nicht in Untermenüs oder komplexen Presets, sondern arbeitet direkt am Klang. Änderungen reagieren unmittelbar und musikalisch – ein wichtiger Punkt für improvisationsbasierte Ambient-Setups.
Effektarchitektur und Klangcharakter
Das Pollinator ist das erste vollständig digitale Effektpedal von Beetronics. Dieser Schritt macht sich im Konzept bemerkbar. Die Architektur besteht aus zwei Ebenen: Zunächst durchläuft das Signal je nach Mode eine Modulations- oder Tremolo-Stufe, bevor es in die eigentliche Delay-Engine gelangt. Diese erzeugt anschließend unterschiedliche Delay-Typen – von klassischem Echo bis zu Reverse- und Octave-Strukturen. Musikalisch arbeitet das Pedal weniger statisch als viele klassische Delays. Die Wiederholungen wirken organisch, beweglich und leicht instabil, ohne dabei unkontrollierbar zu werden. Besonders in längeren Feedback-Ketten entstehen texturale Flächen, die fast schon an modulierte Reverbs erinnern. Der Grundklang bleibt dabei erstaunlich offen. Das Delay kann warm und weich, aber ebenso brillant und präsentwirken – abhängig vom gewählten Mode.

Die acht Modes im Detail
Die acht Modes bilden das Herzstück des Pollinator. Sie lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen.
Modes 1–4: Filter-Modulation
In diesen vier Modi durchläuft das Signal zunächst eine modulierende Filtersektion. Dadurch entstehen leicht bewegte Delay-Wiederholungen mit subtiler Klangverfärbung.
- Der erste Mode liefert relativ klare Echos mit sanfter Bewegung. Ideal für rhythmische Ambient-Patterns oder modulierte Slap-Delays.
- Im zweiten Mode wird die Modulation stärker hörbar. Die Wiederholungen beginnen leicht zu schwimmen – perfekt für Shoegaze-Texturen.
- Mode drei verstärkt diesen Effekt weiter. Die Filterbewegung färbt das Delay stärker, wodurch sich das Signal in atmosphärische Flächen verwandelt.
- Der vierte Mode treibt die Modulation am weitesten. Die Wiederholungen wirken fast schon chorusartig und diffus, wodurch sich besonders breite Ambient-Layer erzeugen lassen.
Modes 5–8: Tremolo-Stage
Die zweite Gruppe arbeitet mit einer zusätzlichen Tremolo-Modulation vor dem Delay. Dadurch entstehen rhythmische Echo-Strukturen.
- Mode fünf erzeugt pulsierende Delays, die sich hervorragend für Drone-Flächen oder Post-Rock-Arpeggios eignen.
- Im sechsten Mode wird der Tremolo-Effekt stärker. Die Wiederholungen bekommen einen fast sequencerartigen Puls.
- Mode sieben kombiniert diesen Puls mit Octave-Delay-Strukturen, wodurch sehr ungewöhnliche harmonische Texturen entstehen.
- Der achte Mode schließlich bringt Reverse-Elemente ins Spiel. Die Delays laufen rückwärts an und verschmelzen zu cinematischen Ambient-Schleifen.
Parameter im musikalischen Einsatz
Die Stärke des Pollinator liegt in der Interaktion der Parameter.
- Kurze Delayzeiten erzeugen rhythmische Strukturen, die sich besonders in Tremolo-Modes interessant verhalten. Längere Zeiten verwandeln das Pedal dagegen in eine Ambient-Maschine, die langsam wachsende Klangflächen produziert.
- Hohe Feedback-Werte lassen die Delays ineinanderlaufen. Gerade bei Reverse- oder Octave-Modes entstehen dadurch dichte Drone-Strukturen, die sich mit Volume-Swells hervorragend kontrollieren lassen.
- Der Mod-Regler beeinflusst die Intensität der jeweiligen Modulationsstufe. Schon kleine Veränderungen können die Textur stark verändern – von subtiler Bewegung bis hin zu deutlich hörbarer Klangverformung.
Anwendungen für Ambient, Drone und Sounddesign
Das Pollinator zeigt seine Stärken besonders in atmosphärischen Spielweisen.
Mit Volume-Pedal oder E-Bow lassen sich lange, organische Sustain-Flächen erzeugen. In Kombination mit großen Reverb-Pedalen entsteht schnell ein filmischer Ambient-Sound. Auch in Drone-Setups funktioniert das Pedal hervorragend. Hohe Feedback-Werte erzeugen kontinuierliche Texturen, die sich langsam verändern. Für Shoegaze-Gitarren liefert das Pedal eine interessante Alternative zu klassischen Tape-Delays. Die modulierten Wiederholungen füllen den Raum, ohne den Grundsound zu überdecken.
Live- und Studio-Praxis
Im Live-Kontext überzeugt das Pollinator durch seine direkte Bedienbarkeit. Die großen Regler lassen sich auch mit dem Fuß gut kontrollieren, und der Mode-Selector reagiert zuverlässig. Dynamisch bleibt das Pedal angenehm transparent. Selbst bei komplexen Modulationen bleibt der Anschlag der Gitarre gut erhalten. Im Studio entfaltet sich die eigentliche Stärke des Pedals. Besonders bei Layer-Gitarren und Ambient-Overdubsentstehen schnell inspirierende Texturen.

Fazit – Beetronics Pollinator Hazee Delay
Der Beetronics Pollinator Hazee Delay Test zeigt ein Delay-Pedal, das bewusst einen anderen Weg geht als klassische Echo-Konzepte. Es richtet sich nicht an Puristen, die ein möglichst neutrales Delay suchen. Stattdessen ist es ein kreatives Werkzeug für Ambient-Gitarristen, Sounddesigner und experimentelle Musiker. Die Kombination aus Filter- und Tremolo-Modulation, Reverse- und Octave-Delay-Strukturen macht das Pollinator zu einem vielseitigen Klangwerkzeug. Gleichzeitig bleibt die Bedienung angenehm direkt. Wer jedoch ein traditionelles Analog-Delay mit Vintage-Charakter erwartet, wird hier vermutlich nicht glücklich. Für kreative Gitarrenarbeit zwischen Ambient, Drone und Post-Rock gehört das Pedal jedoch zu den spannendsten Boutique-Delays seiner Preisklasse.
Pro
- Sehr inspirierende Delay-Texturen
- Hochwertige Verarbeitung und robustes Gehäuse
- Direkte Bedienung ohne Menüstruktur
Contra
- Kein Stereo-Betrieb
- Großes Gehäuse benötigt Platz auf dem Pedalboard
Link zur Herstellerseite: Beetronics

