„Kein Fan von Anarchie“: PAUL GILBERT im Interview

Paul Gilbert (Foto: Sam Gehrke)

Mit Paul Gilbert verbindet man seit Jahrzehnten vor allem drei Dinge: Virtuosität, Humor und eine fast kindliche Begeisterung für sein Instrument. Bekannt wurde er in den späten 1980ern zunächst mit der Shred-Institution Racer X, wo sein atemberaubendes Alternate Picking und sein melodisches Gespür ihn schnell in die erste Liga der Rockgitarristen katapultierten. Der weltweite Durchbruch folgte mit Mr. Big, einer Band, die Virtuosität mit Songorientierung und nebenbei Hits wie “To Be With You” hervorbrachte. Parallel dazu baute Gilbert über die letzten Jahrzehnte eine umfangreiche Solokarriere auf, veröffentlichte Instrumentalalben, Gesangsplatten, Lehrmaterial und entwickelte sich zu einer der prägenden Figuren moderner Gitarrendidaktik.

Nach der jüngsten Abschiedstournee 2024 von Mr. Big steht Gilbert nun wieder ganz bei sich selbst. Sein neues Album „WROC“ (Washington’s Rules Of Civility) – innerhalb von vier Tagen live aufgenommen in Portland, Oregon, mit Nick D’Virgilio am Schlagzeug, Doug Rappoport an der Gitarre und Timmer Blakely am Bass – markiert dabei gleich mehrere Wendepunkte: Es ist ein Song-orientiertes Soloalbum mit durchgehendem Gesang, stark textfokussiert und inhaltlich ungewöhnlich geschlossen. Die lyrische Grundlage für dieses Konzeptalbum bildet ein historisches Regelwerk aus dem 18. Jahrhundert, das auf den jungen ersten US-Präsidenten George Washington zurückgeht – Benimmregeln, die ursprünglich als Schreibübung dienten, sich für Gilbert jedoch als überraschend persönlicher Spiegel entpuppten. Statt Rock’n’Roll-Klischees oder autobiografischer Bekenntnisse geht es auf dem am 27. Februar erscheinenden Album um Selbstdisziplin, Höflichkeit, kleine Akte der Selbstverbesserung. Themen also, die im Rockkontext fast schon subversiv wirken. Dazu und natürlich auch zu Gitarrenthemen mussten wir dem inzwischen 59-Jährigen unbedingt ein paar Fragen stellen.

Interview

WROC: Washington’s Rules Of Civility

Paul, erzähl mir bitte zunächst etwas über das Buch, auf dem die Texte von deinem neuen Album basieren.

Gerne. Ich habe vor vielen Jahren schon dieses kleine Buch von George Washington namens „Washington’s Rules of Civility“ gelesen. Und der Herausgeber, der die Geschichte dazu erzählt, meint, George habe das als Schreib- und Schönschriftübung benutzt, um seine Handschrift zu verbessern. Aber er habe die darin festgehaltenen Regeln auch wirklich ernst genommen und versucht, sein Verhalten danach auszurichten. Und ich dachte: Das könnte ich wahrscheinlich auch, schließlich bin ich ein zivilisierter Mensch. Aber als ich sie dann las, dachte ich bei manchen: „Oh, das ist zu schwer. Nein, das schaffe ich nicht.“ Und ich musste über mich selbst lachen, wie schwer manche davon sind – vor allem die Regeln über Klatsch und Tratsch. So etwas wie: „Sprich nicht schlecht über Abwesende.“ Das ist wirklich schwer. Denn es macht Spaß, über Leute hinter ihrem Rücken zu reden. Oder: „Zeig dich nicht froh über das Unglück eines anderen.“ Dafür gibt es im Deutschen ja sogar ein Wort: Schadenfreude. Und es gibt einen Grund, warum es dafür ein Wort gibt: weil das ein ganz normales menschliches Gefühl ist.

Ich habe das Buch vor ungefähr 25 Jahren gelesen und dann komplett vergessen. Und dann saß ich nach der Mr.-Big-Abschieds-Tournee im Flugzeug zurück nach Hause und dachte: Okay, Mr. Big ist vorbei, jetzt will ich ein Soloalbum machen. Worüber soll ich schreiben? Die meisten Musiker schreiben als Songwriter über das, was in ihrem eigenen Leben passiert. Aber ich dachte: In meinem eigenen Leben passiert eigentlich nichts, worüber ich gerne singen würde. Also muss ich es woanders finden. Und irgendwie kam mir die Idee mit diesem Buch wieder in den Kopf. Ich hatte es natürlich in dem Moment nicht dabei, aber ich hatte KI auf meinem Handy. Ich konnte mich nicht mehr an den Titel erinnern, fand ihn aber schnell heraus: „Washington Rules of Civility“. Und ich dachte: Gut, lass uns eine Regel nehmen und versuchen, einen Song darüber zu schreiben. Ich hatte also dieses Gespräch mit der KI und wahnsinnig viel Spaß dabei, weil ich merkte, das hat noch niemand so gemacht. Und ich mochte das Ergebnis. Eine der Zeilen war: „Spit not in the fire.“ Und ich dachte: Das ist eine großartige Zeile.

Als ich dann zu Hause war, habe ich mir eine Gitarre geschnappt und angefangen, Melodien zu finden. Das Einzige, worüber ich mir Sorgen machte, war, was andere Leute darüber denken würden, ob sie es eher mögen oder seltsam finden würden. Also habe ich zwei Musiker zu mir nach Hause eingeladen und ihnen die Idee erklärt. Dann haben wir die Songs gespielt und ich habe sie dabei beobachtet und darauf geachtet, was ihre Augen und ihre Münder machen: Lächeln sie? Runzeln sie die Stirn? Schauen sie mich an? Oder gucken sie nur auf den Boden? Aber sie schienen gut zu reagieren. Da dachte ich: Okay, das sind gute Nachrichten. Ich habe dann jede Woche zwei neue Songs geschrieben. Der Prozess hat so viel Spaß gemacht.

Warum war es von Anfang an klar, dass dein neues Album eins mit Gesang werden sollte?

Ich habe auf der Mr.-Big-Tour viel Selbstvertrauen in meine Stimme entwickelt, weil ich viele Background-Vocals übernommen habe. Und bei den Soundchecks habe ich sogar Lead Vocals gesungen, weil Eric Martin manchmal etwas später kam, um seine Stimme für die Show zu schonen. Dann habe ich in den Soundchecks bei einem Song die Leadstimme übernommen. Und weil die Mr.-Big-Konzerte in großen Hallen gebucht waren, hatte ich großen Spaß daran, als Leadsänger zu agieren.

Paul Gilbert WROC Album-Cover
Paul Gilbert WROC Album-Cover

Das Album handelt in den Texten also von Regeln. Steht das nicht konträr zum Grundgedanken von Rock’n’Roll?

Genau das mag ich daran. Dazu eine witzige Geschichte: Mein erster Kontakt in der Musikindustrie war Mike Varney. Er ist ein Produzent, der Yngwie entdeckt hat und Tony MacAlpine – und mich. Das war meine erste Chance, Musik an ein Label zu schicken. Das erste, was ich ihm schickte, waren nur Cover-Songs. Er sagte: „Dein Gitarrenspiel klingt wirklich gut. Schick mir einen eigenen Song.“ Und ich schickte ihm einen Song über Müsli. Es gibt normalerweise keine Rock’n’Roll-Songs über Müsli, aber ich habe darüber geschrieben. Und dann er rief mich an und sagte: „Das ist der schlimmste Song, den ich in meinem Leben gehört habe. Das ist furchtbar. Ich kann nicht glauben, wie schlimm das ist. Schick mir einen Song, der wie ein Rocksong ist.“

Und so habe ich schon früh gelernt: Schreib nicht über das, was dich interessiert. Du musst es in etwas verwandeln, das wie ein Judas-Priest-Song ist, wie „Breaking the Law“ oder so. Aber ich bin kein Mensch, der Gesetze bricht. Und ich glaube, ich habe mir als Musiker inzwischen genug Reputation aufgebaut, dass ich wieder zu meinem 15-jährigen Ich zurückgehen kann und über Höflichkeit schreiben kann, weil das eher zu mir passt.

Wenn ich zum Beispiel backstage in einem Rockclub bin und überall ist Graffiti, dann mache ich das sauber. Ich weiß nicht, warum Leute das machen, aber aus irgendeinem Grund malen irgendwelche Bands, die vorher da waren, gerne Penisse an die Wände. Ich möchte nicht auf einen Penis an der Backstage-Wand schauen. Also hole ich meinen Sharpie raus und mache daraus eine Blume oder irgendetwas anderes. Hauptsache, es ist weg. Das ist einfach mein Instinkt. Ich weiß nicht, ob ich wirklich „born to be wild“ bin, ich fühle mich eher „born to repair things“, kreativ zu sein und mit Leuten klarzukommen. Ich muss also zugeben: Ich liebe die Sex Pistols, und ich liebe „Anarchy in the UK“. Aber aus Erfahrung weiß ich: Im echten Leben bin ich kein Fan von Anarchie.

Paul Gilbert (Foto: Sam Gehrke)
Paul Gilbert (Foto: Sam Gehrke)

Washington war ja der erste Präsident der Vereinigten Staaten, richtig? Setzt dein Album also auch einen Kontrast zu dem aktuellen Präsidenten der USA?

Na ja, klar: Donald Trump ist sehr anders. Viel von dem, was er macht, ist offensichtlich nicht besonders zivilisiert. Aber ich richte das nicht direkt gegen irgendwen. Es ist eher an mich selbst gerichtet. Ich kann keinen anderen Menschen ändern und ich erwarte auch nicht, dass sich jemand anders ändert. Und wenn mir jemand sagt, ich solle mich ändern, dann mag ich das auch nicht unbedingt. Ich treffe diese Entscheidung lieber selbst.

Für mich ist es so: Ich kann mir persönlich aussuchen, welche Regeln mich ansprechen, welche ich für eine gute Idee halte oder welche mich in eine Richtung verändern könnten, die ich selbst gut finde. Ich möchte nicht predigen, weil ich das nicht mag, wenn jemand das bei mir macht. Aber ich mag Selbstverbesserung. Und meine Erfahrung ist: Selbstverbesserung funktioniert, wenn sie wirklich klein ist. Ein Beispiel: Eine der Regeln lautet „Eat not on the street“. Die ist im Song „Go Not Thither“. Das ist eine winzige Regel. Du wirst die Welt nicht verändern, nur weil du nicht auf der Straße isst. Aber sie hat mich verändert.

Ich wohne sehr nah an einem Supermarkt. Ich gehe da ständig hin und hole mir einen Snack. Und dann laufe ich nach Hause, und es ist extrem verlockend, ihn direkt auf der Straße zu essen. Und dann denke ich: Nein, die Washington-Regel sagt, tu es nicht. Also benutze ich diese Regel als Hilfe, um nach Hause zu kommen, ohne auf dem Weg zu essen. So bin ich jemand geworden, der das tatsächlich macht. Und auch wenn es klein ist, es ist eine Verbesserung. Und es zeigt mir, dass ich mich verbessern kann. Wenn ich mir dagegen eine riesige, große Veränderung vornehme, mache ich sie wahrscheinlich nie. Und dann glaube ich am Ende, dass ich mich gar nicht verbessern kann. Für mich ist es wertvoll, klein anzufangen und etwas zu tun, bei dem ich tatsächlich merke: Ja, ich kann mich ändern.

Ist das wie beim Gitarrespielen – wenn du etwas anderes übst, wirst du ein anderer Gitarrist?

Oh ja – absolut. Gitarre spielen war eine unglaubliche Erfahrung für mich, weil ich gelernt habe, dass du besser wirst, wenn du Zeit investierst. Das Lustige ist: Ich bin alt genug, um auch Scheitern erlebt zu haben. Ich habe zum Beispiel versucht, Japanisch zu lernen. Ich habe es wirklich versucht, jahrelang gelernt mit verschiedenen Lehrer.n, denn meine Frau ist Japanerin. Und ich bin auch besser geworden, aber so langsam, dass ich irgendwann gemerkt habe: Ich kann die gleiche Zeit, die ich ins Japanischlernen stecke, auch in die Gitarre stecken, wo ich mehr Talent habe, und ich komme viel schneller voran.

Ich habe unter einem deiner Videos ein Zitat gesehen: „This feels old and new in all the right ways.“ Das ist ein guter Kommentar für dein neues Album, oder?

Na ja – in welche Ära es passt, darüber denke ich gar nicht nach. Bei diesem Album habe ich vor allem den Prozess genossen: Ich habe nach Lyrics gesucht, die gut musikalisch umsetzbar sind, und mich dabei gefragt: Was kann man gut singen, was ergibt eine interessante Melodie?Ich habe alles auf der Akustikgitarre geschrieben, jeder Song begann als Akustik-Ballade. Aber ich wusste, dass es so nicht bleiben sollte, sondern ich ein cooles Riff oder einen coolen Drum-Part finden möchte. Und dieser Teil macht mir dann Spaß: arrangieren, mit den musikalischen Tools, die ich habe. Und ich arbeite mit Rockinstrumenten, weil das mein Terrain ist. Ich weiß nicht, wie man für Trompete arrangiert. Ich kann das nicht. Also benutze ich Gitarren.


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Komposition und Improvisation

Was deine Kompositionen betrifft: Es klingt so, als würdest du Dur-Akkorde lieber mögen als Moll-Akkorde. Stimmt das?

Für mich erzählen beide eine Geschichte – in ihrer Beziehung zueinander. Und ich glaube, du brauchst beide Farben. Aber wenn es um Akkorde geht, ist eines meiner Lieblingstools die Sekundärdominante. Das ist ein Dominantakkord, der auf eine ungewöhnliche Weise benutzt wird. Er ist ein gutes Mittel, um eine Note in der Melodie unterzubringen, die eigentlich nicht in die Tonleiter passt, eine „komische“ Note also. Mit einer Sekundärdominante kannst du sie verwenden, und sie klingt plötzlich natürlich. Das benutze ich ständig als Songwriting-Tool. Wenn du die Akkorde wegnehmen würdest und nur die Melodie hörst, würdest du sagen: „Diese Note ist falsch.“ Aber sobald die Akkorde da sind, ist es völlig okay. Viele meiner Songwriting-Helden machen das. Ein großartiges Beispiel ist „I Get Around“ von den Beach Boys. Der Song klingt wie ein netter Popsong, aber da sind ein paar Noten drin, die ohne Akkorde total verrückt wären.

Deine Soli klingen manchmal so, als würdest du die Kontrolle,darüber verlieren, was und wie du es spielst. Das ist natürlich nicht wirklich der Fall, aber wie erzeugst du dieses Gefühl? Und stimmst du dem überhaupt zu?

Manchmal, wenn ich improvisiere, komme ich an diesen Punkt, wo es fast auseinanderfällt, aber ich bekomme dann gerade noch die Kurve. Ich liebe diese Momente, wenn es nicht auseinanderfällt, aber man mental und körperlich alles einsetzen muss. Das ist, als hättest du beim utofahren das Gaspedal fast ganz durchgedrückt und versuchst, die Karre auf der Straße zu halten. Klar, manchmal crasht es auch und fällt auseinander. Aber im Solo am Ende von „Show Not Yourself Glad (At the Misfortune of Another)“ sieht man es im Video: Ich halte mich gerade so. Und ich bin wirklich froh, dass es diese Videos gibt, weil man das dann nicht nur hört, sondern auch sieht – und das verstärkt die Wirkung.

Wie komponiert sind deine Soli auf dem Album?

Wenn ich die Gesangsmelodie spiele, ist das natürlich ausgearbeitet. Und wenn nicht: Wenn es strukturiert klingt, ist die Chance groß, dass es vorher ausgearbeitet wurde. Wenn es klingt, als würde es einfach passieren, ist es wahrscheinlich improvisiert. Beim Improvisieren versuche ich trotzdem, eine Verbindung zum Song zu erhalten. Es sollen nicht einfach zufällige Licks rauskommen. Ich versuche, eine Geschichte zu erzählen – aber die muss nicht so vorhersehbar passieren wie etwas, das man geplant hat. Wenn man etwas vorher ausarbeitet, sitzt es oft exakt auf dem Downbeat. Beim Improvisieren kommt man manchmal einen Tick zu früh oder zu spät. Dann muss man sich anpassen, zum Beispiel die Linie wiederholen, damit es so klingt, als wäre es Absicht. Solche Dinge.

Bottleneck

Du spielst auf dem Album viel mit Bottleneck. Wie kam das für dich als Gitarrist?

Ich bin einfach glücklich, dass ich inzwischen Slide-Gitarre spielen kann, weil ich als Kind richtig schlecht darin war. Erst in den letzten fünf oder zehn Jahren wurde es komfortabler für mich, und jetzt fühlt es sich sehr natürlich an. Es ist fast so, als hätte ich einen zweiten Gitarristen engagiert, weil es eine andere Farbe ist als mein normales Spiel. Es ist auch witzig: Jeder Gitarrist versucht, diesen Effekt mit Equipment zu erreichen. Neuer Amp, neue Gitarre, neues Pedal – und man hofft, dass derselbe Lick plötzlich anders klingt. Aber wenn ich eine Melodie mit Slide spiele oder mit den Fingern, ist das mehr Unterschied als bei jedem Pedal. Und das ist wirklich schön, denn so kann ich fast eine Art Gespräch mit mir selbst führen.

Paul Gilbert Slide Holder
Paul Gilbert Slide Holder

Warum hast du den Slide am Mittelfinger und nicht wie viele andere am Ringfinger oder kleinen Finger?

Weil es der längste Finger ist. Und das erlaubt mir, die Handposition zu halten, mit dem Handgelenk etwas weiter oben. Wenn ich einen der kürzeren Finger nehmen würde, müsste mein Handgelenk nach vorne und unter die Gitarre, wie bei Klassikgitarristen. Ich bin aber als Rock- und Bluesgitarrist trainiert, mit dem Daumen über dem Hals – wie Hendrix, Jimmy Page oder Brian May. Sobald mein Handgelenk unter den Hals rutscht, kriege ich Angst.

Und wie kamst du auf diesen Slide-Halter am Instrument – ist der magnetisch?

Ja, der hält den Slide fest. Als ich anfing, war das immer ein Problem: Wie komme ich an den Slide, wie werde ich ihn wieder los? Ich weiß nicht mehr, wie ich ursprünglich darauf gekommen bin, aber es funktioniert sehr gut. Es hat mich als Slide-Spieler wirklich verbessert, weil ich den Slide nie suchen muss. Ohne so etwas ist der Slide immer unauffindbar: „Hab ich ihn in eine Schublade gelegt? Ist er im Werkzeugbeutel?“ Bei mir ist er durch den Halter immer parat. Dadurch habe ich auch viel mehr geübt.

Equipment & Zukunft

Lass uns über dein Equipment fürs Album sprechen. Hast du auf dem Album die Fireman-Gitarre und dein Signature Overdrive gespielt?

Oh ja. Ich bin wirklich stolz auf die Fireman. Es ist die einzige Gitarre, die man kaufen kann, die diesen Magneten für den Slide eingebaut hat. Und es ist einfach eine gute Gitarre. Sie balanciert gut. Ich mag das lange obere Horn, sie ist nicht kopflastig. Sie hat außerdem einen großen Halsübergang und eine große Kopfplatte. Und ich habe gemerkt, dass sie dadurch mehr Sustain hat.

TC Electronic MojoMojo Paul Gilbert Edition
TC Electronic MojoMojo Paul Gilbert Edition

Mehr Sustain durch eine längere Kopfplatte?

Ja, das ist meine Theorie. Ich habe auch Ibanez-Gitarren, die quasi keine Kopfplatte haben – und die klingen überraschend gut. Aber es ist schwer zu sagen, denn es gibt so viele Faktoren. Aber ich weiß: Wenn ich diese Gitarre live spiele, spiele ich immer gut. Ich habe mit ihr immer eine gute Show.

Ich habe deinen Auftritt zusammen mit Steve Morse auf der NAMM Show gesehen. Da zeigst du am Ende, dass du .007er-Saiten spielst. Wieso das?

Ja, in letzter Zeit benutze ich .007er. Das hängt auch davon ab, wie meine Hornhaut ist. Letztes Jahr hatte ich eine richtig üble Erkältung, war ein paar Wochen außer Gefecht und konnte kaum spielen. Als ich wieder anfing, habe ich .007er aufgezogen, damit ich mir die Fingerkuppen nicht komplett zerstöre und wieder Hornhaut aufbauen kann. Und jetzt bereite ich mich auf die Tour vor und bastle an einem Medley aus Racer-X-Sachen, das wirklich anspruchsvoll ist. Ich sitze also den ganzen Tag da und spiele Racer-X-Soli und schnelles Zeug. Das geht mit 007ern leichter, weil meine Hände dann nicht so schnell kaputt sind. Wenn ich nur die Show spielen und nicht proben müsste, könnte ich wahrscheinlich .009er oder .010er spielen. Aber wenn ich stundenlang üben muss, bevorzuge ich die .007er.


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Und wie war die NAMM für dich? Hast du etwas Interessantes gesehen?

Die NAMM ist für mich sehr „high-energy“. Das ist der einzige Ort, an dem ich mich wirklich wie eine berühmte Person fühle. Im Supermarkt fühle ich mich nicht berühmt. Zuhause auch nicht. Aber auf der NAMM ist es einfach krass. Es ist schwierig für mich, dort einfach herumzulaufen und mir Dinge anzuschauen, weil ich ständig angesprochen werde. Aber ich bin am Ibanez-Stand vorbeigegangen, und sie haben eine neue Iceman, ziemlich cool, mit Ahornhals. Da war ich versucht, nach einer zu fragen.

Wo siehst du Gitarrenmusik aktuell? Gibt es neue Musik, die dich interessiert?

Ich habe keine Ahnung, ich weiß sehr wenig über neue Musik. Vielen Leuten in meinem Alter geht es da ähnlich: Es wird immer schwieriger, neue Musik zu verstehen, und man interessiert sich mehr für ältere Sachen. Als ich klein war, habe ich Musik aus den 60ern gehört. Meine Eltern hatten Beatles-Alben, ich hörte Beach Boys im Radio. Außerdem Alben von den Stones und The Who. Und frühe Led-Zeppelin- und Hendrix-Sachen waren auch dabei. Und neulich habe ich Peggy Lee gehört. Sie ist eine Jazzsängerin aus den 40ern, hat aber auch in den 60ern aufgenommen. Die Alben sind unglaublich: großes Orchester. Heute kann es sich niemand mehr leisten, mit einem Orchester aufzunehmen – also wird alles mit dem Computer gemacht. Aber bei Peggy Lee ist ein komplettes Orchester, unfassbare Musiker. Sie ist eine Killer-Sängerin. Das ist Jazz-Pop – und ich kann kaum glauben, wie gut das ist. Als Kind mochte ich das nicht, weil es nicht Rock war, nicht Heavy Metal. Aber heute höre ich das und denke: „Mann, ich muss mehr Peggy-Lee-Alben hören. Das ist fantastisch.“

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