Platte der Woche: H-BLOCKX „Fillin_The_Blank“

H-Blockx Album-Cover

Mit  ,Fillin_The_Blank‘ melden sich die H-Blockx nach langer Studiopause zurück – und knüpfen dabei hörbar an jene Mischung aus Crossover-Groove, Rockriff und Funk-Rhythmik an, die die Band seit den 1990er-Jahren geprägt hat. Vierzehn Jahre nach dem letzten Studioalbum markiert dieses Comeback jedoch weniger eine nostalgische Rückbesinnung auf die alten Stärken, sondern eher eine Neujustierung des eigenen Fundaments. Man hört einen klaren Fokus auf Songs, Energie und vor allem den Spaß am Zusammenspiel der Band. „Ich vergleiche es gerne mit einem Rucksack. Den haben wir in den 90ern gefüllt und jeder wollte etwas reinpacken“, beschrieb es Sänger Henning Wehland unlängst in einem Interview. „Je voller der Rucksack wurde, desto weniger passte hinein. Das hat den ein oder anderen frustriert. Wir haben uns getroffen und gemeinsam den Rucksack ausgepackt und geschaut, was wir mögen und behalten wollen. Alles andere hat Raum geschaffen für die Entfaltung, die wir jetzt in den neuen Sachen hören.“

Groove und Dynamik

Gitarristisch bleibt das Album stark im Terrain zwischen Alternative Rock, Funk-Metal und klassischem Crossover. Viele Stücke leben von rhythmisch präzisen Riffs, die bewusst Raum für Groove lassen, statt auf maximale Verzerrung zu setzen. Trockene, kantige Gitarrenfiguren treffen auf ein dichtes Rhythmusfundament, palm-muted Rockriffs wechseln sich mit offenen (Power-)Akkordflächen ab.

In ,Come Clean‘ tritt diese Dynamik besonders deutlich hervor. Das Stück verbindet ein cleanes, an John Frusciante erinnerndes Verse-Picking mit einem funky rockenden und fetten Hauptriff im Chorus. ,Desperado‘ schlägt dagegen einen etwas schwereren Ton an. Hier dominieren breitere, stärker verzerrte Gitarrenspuren, die sich über einem vergleichsweise langsamen Groove entfalten. Der Song zeigt, wie sehr die Band mittlerweile auf Struktur und Atmosphäre setzt: Die Gitarren wechseln zwischen kompakten Riffs und offenen Akkorden, wodurch sich ein Spannungsbogen aufbaut, der mehr über Dynamik als über Virtuosität funktioniert.

An anderer Stelle rückt wieder der Groove stärker in den Vordergrund. Mehrere Songs arbeiten mit synkopierten Gitarrenfiguren, die sich deutlich an Funk-Rock-Traditionen orientieren. Gerade in den Strophen greifen die Gitarren häufig rhythmische Patterns auf, während die Refrains mit breiteren Akkorden und mehr Gain öffnen. Diese Mischung aus Tightness und Druck ist ein zentrales Merkmal der Platte.

Auch produktionstechnisch bleibt ,Fillin_The_Blank‘ relativ erdig. Die Gitarren klingen präsent, trocken und direkt, ohne überproduziert zu wirken. Statt moderner, stark komprimierter Sounds setzt die Produktion auf Transparenz im Bandgefüge – ein Ansatz, der gut zu der Idee passt, den ursprünglichen Band-Spirit wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen. So wirkt das Album insgesamt wie eine bewusste Rückbesinnung auf die Kernstärken der H-Blockx: Groove, Riffarbeit und ein Zusammenspiel, das eher aus dem Bandraum als aus dem Rechner zu kommen scheint. ,Fillin_The_Blank‘ lebt von präzisem Timing, kantigen Riffs und der Erfahrung einer Band, die genau weiß, wie ihr Sound funktioniert.

Tracklist

01. Straight outta nowhere
02. Lights out
03. Beg to differ (Bully)
04. Desperado
05. Corns about 2 pop
06. Me and my horse
07. What the funk
08. Last summer
09. Come clean
10. Licky licky
11. Timeless

Album-VÖ: 06.03.2026
Label: Solitary Man / Warner
www.h-blockx.com

Auch interessant:

Frank Bello im Interview: Der Anthrax-Bassist und sein Spector-Signature

Frank Bello ist seit den frühen Achtzigern das tieffrequente Rückgrat von Anthrax. Mit dieser Band, [...]

> WEITERLESEN
„Alles analog“: DANNY BRYANT und MARC RANER im Interview

Mit „Nothing Left Behind“ schlägt Danny Bryant ein neues Kapitel auf – und zwar das [...]

> WEITERLESEN
„Von der Gitarre besessen“: JOANNE SHAW TAYLOR im Interview

„Mein Leben hat sich komplett verändert, als ich mit 13 diese Musik entdeckt und mich [...]

> WEITERLESEN
HANNO BUSCH: Der Jazz & More Gitarrist

Ich freue mich immer wieder von diesem wirklich vielseitigen Musiker zu hören: Denn der in [...]

> WEITERLESEN
„Dem Herrn mehr vertrauen“: NEAL MORSE im Interview

Seit über einem Jahrzehnt gilt die Neal Morse Band als eine feste Größe im Progressive [...]

> WEITERLESEN
Fieldfare Audio im Interview: Handgemachte Pedale aus Köln

Klangtüftler mit Vision: Ein Gespräch mit den Gründern von Fieldfare Audio Guter Sound ist mehr [...]

> WEITERLESEN
„Metal ist wie Klassik“: SAMI YLI-SIRNIÖ von Kreator im Interview

Sami Yli-Sirniö steht als finnischer Export in einer der größten deutschen Thrash-Institutionen seit Jahren für [...]

> WEITERLESEN
„Kein Fan von Anarchie“: PAUL GILBERT im Interview

Mit Paul Gilbert verbindet man seit Jahrzehnten vor allem drei Dinge: Virtuosität, Humor und eine [...]

> WEITERLESEN
BJÖRN MEYER: E-Bassist & Horizonterweiterer

Der schwedische E-Bassist und Komponist Björn Meyer (* 1965) lebt in der Schweiz, und vielleicht [...]

> WEITERLESEN

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert