Der Einstieg in die Welt der E-Gitarre ist aufregend – neue Sounds, erste Riffs, vielleicht sogar die ersten Songs. Doch viele Anfänger machen die gleichen Fehler, die den Lernfortschritt bremsen und unnötige Frustration verursachen. In diesem Beitrag zeigen wir dir die häufigsten Stolperfallen und geben dir praktische Tipps für Einsteiger, wie du sie umgehen kannst.
1. Falsche Haltung und Handposition
Ein häufiger Fehler, den nicht nur Einsteiger sondern oft leider auch fortgeschrittene Gitarristinnen und Gitarristen begehen, ist eine ungünstige Spielhaltung. Das kann nicht nur Schmerzen verursachen, sondern auch die Spieltechnik behindern. Ein tief gehängter Gitarrengurt sieht zwar cool aus, kann aber zu technischen Einschränkungen und verkrampften Handpositionen führen.

So vermeidest du es:
- Im Sitzen: Achte darauf, dass der Hals leicht nach oben zeigt und die Gitarre stabil auf dem Oberschenkel liegt. Halte den Daumen locker hinter dem Hals, um deinen Fingern größtmögliche Beweglichkeit auf dem Griffbrett zu erlauben.
- Im Stehen: Wenn du merkst, dass das Handgelenk deiner Greifhand beim Spielen zu stark angewinkelt ist, stelle den Gitarrengurt etwas kürzer. Eine höhere Spielposition der Gitarre entlastet das Handgelenk deiner Greifhand und macht das Spiel angenehmer. Suche also die ideale Zwischenlösung aus Coolness und Komfort 😉
Und in jeder Position gilt: Schultern entspannt lassen, um Verspannungen zu vermeiden!
2. Zu viel Druck auf die Saiten
Viele Anfänger pressen die Saiten zu fest auf das Griffbrett. Wenn die ersten gegriffenen Akkorde – gerade Barré-Akkorde – unsauber klingen, scheint für viele Einsteiger intuitiv die schnellste Lösung zu sein, die Saiten einfach fester zu greifen. Das macht das Spielen aber unnötig anstrengend und führt zu unsauberen Tönen. Um zu prüfen, ob du zu viel Kraft beim Greifen aufwendest, kannst du folgende simple Übung ausprobieren:
- Lege den Zeigefinger der Greifhand locker auf eine beliebige Saite in einem beliebigen Bund. Platziere den Finger möglichst nah am Bundstab (Richtung Korpus).
- Schlage die Saite wiederholt mit der rechten Hand an und erhöhe kontinuierlich den Druck mit deiner Greifhand, bis der Ton sauber erklingt.
Du wirst merken, dass du in idealer Greifposition so gut wie gar keine Kraft mit der Greifhand benötigst, um einen sauberen Ton zu erzeugen. Wenn ein Akkord also mal nicht funktionieren sollte, korrigiere die Position der Greifhand, statt mehr Kraft zu geben.
3. Kein regelmäßiges Stimmen

Eine verstimmte Gitarre kann Anfängern gleich auf zwei Wegen einen Strich durch die Rechnung machen: Erstens klingt die Gitarre selbst dann falsch, wenn du sauber greifst und alles richtig machst. Und zweitens trainierst du dein Gehör falsch.
So vermeidest du es:
- Stimme vor jeder Übungseinheit.
- Nutze ein Stimmgerät (Clip-On, Pedal oder App).
Lerne langfristig, auch nach Gehör zu stimmen. Nützliche Tipps, wie du deine Gitarre richtig stimmst, findest du in unserem Tutorial Gitarre stimmen leicht gemacht – ein Leitfaden für Einsteiger.
4. Üben ohne Metronom

Ja, ich gebe zu: mein Metronom und ich, wir waren damals auch nicht gerade beste Freunde. 😉 Das änderte sich jedoch schlagartig, als ich in meiner ersten Band mit anderen Musikern spielte und merkte, wie wichtig gutes Timing eigentlich ist. Denn das Metronom ist im Endeffekt nichts anderes als der Ersatz für unseren Drummer, wenn wir üben.
Tipps zum Üben mit Metronom:
- Taktunterteilung einstellen: Viele Metronome bieten die Möglichkeit, spezielle Taktunterteilungen zu wählen. Je nachdem, welche Taktart du gerade übst, kannst du eine passende Unterteilung einstellen. Das hilft dir bei der Orientierung innerhalb eines Taktes.
Zusatz-Tipp Für Fortgeschrittene: Wenn du dich in deinem Tempo wohl fühlst, reduziere nach und nach die Taktschläge des Metronoms. Die Königsdisziplin ist es, am Ende nur noch die 1 des Taktes als Click darzustellen. Schaffst du es, nach Gefühl so präzise in Time zu spielen, dass du pünktlich auf der nächsten 1 auskommst? 😉 - Achte darauf, dass du das Metronom hörst. Gerade, wenn du über einen lauten Verstärker spielst, kann es hilfreich, dir den Click des Metronoms per Kopfhörer auf die Ohren zu legen. Viele Metronome haben auch visuelle Unterstützungen anhand blinkender LEDs. So kannst du den Takt sehen, falls du ihn nicht hören kannst.
5. Zu schnell zu schnell
Wenn die ersten Riffs nach den ersten langsamen Durchgängen sitzen, neigen wir Gitarristen oft dazu, das Tempo zu schnell anzuziehen. Das hat zur Folge, dass unsere Riffs unsauber klingen, wenn wir sie auf Originaltempo spielen.
So vermeidest du es:
- Stelle das Metronom auf ein Tempo, das weit unter dem Maximaltempo liegt, das du dir intuitiv zumuten würdest.
- Konzentriere dich auf Präzision statt Geschwindigkeit. Das heißt, dass jeder Ton exakt zur richtigen Zeit gespielt wird und jeder Ton sauber klingt.
- Spiele mehrere Durchläufe auf diesem Tempo und werde in langsamen Schritten (z. B. 5 BPM pro Schritt) schneller.
Wenn du deine Riffs am nächsten Tag erneut übst, gehe nicht direkt vom schnellsten Tempo aus, das du am Vortag erreicht hast. Gehe stattdessen lieber wieder aufs Ausgangstempo von Anfang der gestrigen Übungs-Session. Dein Fortschritt zeigt sich dadurch, dass du das Tempo mit der Zeit schneller und weiter erhöhen kannst.
Fazit
Der Weg zur sicheren Spieltechnik und zu gutem Sound ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wer von Anfang an auf Haltung, Technik und regelmäßiges Üben achtet, vermeidet viele typische Anfängerfehler. So bleibt die Motivation hoch, und der Spaß am Instrument wächst mit jedem Fortschritt.
Mit Geduld, der richtigen Herangehensweise und den passenden Hilfsmitteln wirst du nicht nur schneller besser, sondern entwickelst auch einen individuellen Stil, der dich langfristig am Ball bleiben lässt.