Wer Gitarre lernt, landet früher oder später im Zubehör-Dschungel. Kabel, Pedale, Picks, Saiten, Stimmgeräte und so weiter in Hülle und Fülle und mit futuristischen Namen. Und zu allem gibt es Meinungen, von denen viele mit erstaunlicher Überzeugung vorgetragen werden. Das Problem ist, dass viele Ansichten, die in puncto Gitarrenzubehör kursieren, Mythen sind. Besonders Anfänger verunsichern diese enorm und schüren Zweifel. Schließlich will man nicht gleich grobe Fehler begehen.
In diesem Beitrag stellen wir dir einige der größten Mythen vor und warum sie dich am Anfang mehr bremsen als weiterbringen.
Mythos 1: „Teures Gitarrenzubehör macht automatisch besseren Sound“
Eines der meistverbreiteten Gerüchte. Teure Kabel, vergoldete Stecker, Boutique-Pedale und schon ist der Sound absolut professionell? Weit gefehlt! Natürlich kann das Zubehör den Sound beeinflussen, aber es ersetzt keineswegs Technik, Timing und Gehör. Klar ist ein solides Kabel aus robusten Materialien und einer guten Abschirmung wichtig und man sollte definitiv nicht geizen, aber gerade für Anfänger ist der Unterschied zwischen einem 20-€-Kabel und einem 80-€-Kabel irrelevant.
Viel wichtiger sind deine Skills am Instrument. Eine saubere Spieltechnik, das kontrollierte Greifen der Saiten und eine sinnvolle Einstellung beim verstärkten Spiel bilden den Löwenanteil eines guten Sounds. Der größte Teil deines Klangs kommt aus deinen Fingern.
Mythos 2: „Ohne Pedale klingt E-Gitarre langweilig“
Der verzerrte Sound einer E-Gitarre reizt viele Gitarristen, da er energiegeladenen Stücken mächtig Kraft verleiht. Gerade Anfänger wollen an der elektrischen Gitarre nicht „unschuldig“ klingen, sondern richtig Gas geben. Allerdings ist ein klarer Sound die beste Lernbasis.
Natürlich kannst du dich mit Pedalen ordentlich austoben und die wildesten Sachen ausprobieren, allerdings verzeihen sie auch Fehler. Ein verzerrter Ton verschleiert einen unsauberen Anschlag und Delay kaschiert Timing-Probleme.
Ein transparenter Sound hilft dir bei einer sauberen Technik und dass du deine Fehler besser hörst. Betrachte Pedale also eher als Werkzeuge zur kreativen Arbeit, aber nicht als Lernhilfe.

Mythos 3: „Dünne Plektren sind nur für Anfänger“
Diese Aussage ist teilweise zutreffend. Der geringere Widerstand dünner Plektren ist für Anfänger meist leichter zu spielen, was das Üben deutlich entspannter gestaltet. Nur ist diese Aussage viel zu pauschal. Bei der Wahl des richtigen Plektrums kommt es nämlich rein auf das subjektive Empfinden an. Jeder Gitarrist findet in seiner Laufbahn das Plektrum, was ihm am besten in der Hand liegt. Anfangs empfehlen sich daher Plektren-Sets mit gemischten Stärken, mit denen du dich ausprobieren kannst. Das zeigt einmal mehr, dass es im Bereich des Gitarrenzubehörs wenig allgemeingültige Aussagen gibt. Allein der Spieler entscheidet, was ihm liegt.
Mythos 4: „Man braucht sofort viele Effekte, um seinen Stil zu finden“
Das stimmt definitiv nicht. Viel wichtiger als ein bestimmtes Pedal sind Phrasierung, Rhythmusgefühl sowie Vorlieben bei Akkorden und Melodien. Finde deinen Stil über deine Spieltechnik und definiere ihn nicht durch Gitarrenzubehör. Später kannst du dich natürlich mit Effekten austoben, aber verliere zunächst nicht den Blick fürs Wesentliche. Auch hier gilt: Arbeite an deiner Technik und lass den Einkaufskorb vorerst ruhen.
Mythos 5: „Günstige Gitarren sind schlecht – Gitarrenzubehör erst recht“
Hierbei handelt es sich um ein sehr veraltetes Vorurteil, denn der Markt hat sich natürlich verändert. Viele Anfängergitarren sind gut verarbeitet, angenehm bespielbar und sogar schon bühnentauglich. Schließlich will man Einsteiger nicht mit schlechten Instrumenten demotivieren.
Das gilt auch für Zubehör. Ein preiswerter Gurt reißt nicht automatisch und ein günstiges Stimmgerät stimmt nicht schlechter. Heutzutage hast du sogar Zugriff auf kostenlose Apps, mit denen du die Gitarre hervorragend stimmen kannst. Mehr dazu findest du in dem Beitrag Gitarre mit dem Handy stimmen – die besten Tuning-Apps fürs Smartphone.

Mythos 6: „Ein Kapodaster ist Schummeln“
Im Gegenteil. Ein Kapodaster ist ein kreatives Werkzeug und für jene, die beim Spielen singen, ein extrem praktisches Gitarrenzubehör. Möchtest du beispielsweise einen Song covern, dessen Tonart zu tief für deine Stimmlage ist, kannst du sie mittels eines Kapodasters anpassen. Das hat definitiv nichts mit mangelndem Können zu tun, sondern den eigenen Voraussetzungen, die sich nicht ändern lassen.
Ein Kapodaster ersetzt also keine Fähigkeiten, sondern eröffnet dir Möglichkeiten.
Mythos 7: „Je mehr Gitarrenzubehör, desto professioneller wirkt man“
Eher weniger. Anfänger mit riesigen Pedalboards, zig Ersatzkabeln und Spezialtools haben den falschen Fokus und wirken uninformiert. Informiert ist jemand, der sein Instrument kennt, eine gute Spieltechnik hat und mit wenig auskommt. Minimalismus ist hier kein Mangel, auch wenn es natürlich Spaß macht, das Equipment zu erweitern.
Mythos 8: „Ohne bestimmtes Gitarrenzubehör kann man nicht richtig üben“
Wieder teilweise richtig. Natürlich ist ein Stimmgerät wichtig, Saiten sollten regelmäßig gewechselt werden und auch ein Metronom ist ein hilfreiches Übungs-Tool. Alles andere ist optional oder auch erst später erforderlich. Regelmäßiges Üben schlägt Zubehör.
Mythos 9: „Die Profis wissen es besser, also muss es stimmen“
Auch Profis erzählen Mythen, aber was für einen Tour-Gitarristen mit Crew, Studio und Budget Sinn ergibt, gilt oft nicht für Anfänger. Halte dich dabei an die Frage, ob dir das jeweilige Gitarrenzubehör beim Lernen hilft oder du es auch wirklich benutzt. Ist die Antwort „nein“, kannst du es getrost ignorieren.
Weniger glauben, mehr spielen
Gitarrenzubehör kann Spaß machen, ist aber nicht das ausschlaggebende Kriterium für das Erlernen eines Instruments. Natürlich benötigst du die Basics für eine gut gestimmte Gitarre, Saiten oder ein Behältnis für den Transport, aber wichtiger ist die Übung. Mit zunehmendem Können kannst du dir weiteres Zubehör anschaffen und dein Setup nach Lust und Laune erweitern. Gerade als Anfänger lohnt es sich, skeptisch zu bleiben und sich nichts aufschwatzen zu lassen. Konzentriere dich auf dein Spiel und alles andere wird sich ergeben.
