Linkshänder-Gitarre: Umbau oder Spezialanfertigung?

Frau mit Linkshänder-Gitarre

Du bist Linkshänder und nicht sicher, welche Gitarre die richtige für dich ist? Die Frage, ob man als Linkshänder zwingend eine Linkshänder-Gitarre spielen sollte oder auch getrost zur Rechtshänder-Gitarre greifen kann, beschäftigt viele Gitarristen. Besonders Einsteiger sind hier meist unsicher. Die kurze Antwort ist: Es gibt kein allgemeingültiges Richtig oder Falsch. In diesem Beitrag gebe ich dir eine umfassende Antwort auf diese Frage und die Gründe, warum du eine Rechtshänder-Gitarre nicht einfach zur Linkshänder-Gitarre umfunktionieren kannst (siehe auch im Titelbild 😉 ).

Taylor-214ce-W Linkshänder-Gitarre
Die klassische Linkshänder-Gitarre: Taylor 214ce-W.

Gitarre einfach umdrehen – gute Idee?

Viele denken „Wieso denn eigentlich eine spezielle Linkshänder-Gitarre kaufen? Ich kann eine Rechtshänder-Gitarre doch einfach umdrehen et violà!“ Von wegen! Die Unterschiede zwischen einer Linkshänder- und einer Rechtshänder-Gitarre sind weitaus umfassender.

Dabei ist der offensichtlichste Unterschied die Anordnung der Saiten. Bei Rechtshänder-Gitarren schlägt die rechte Hand die Saiten an, während die linke Hand die Greifarbeit übernimmt. Bei Linkshänder-Gitarren ist dieses Prinzip gespiegelt. Und das zieht einige baulichen Unterschiede mit sich. So ist der Sattel, also der Übergang von Kopfplatte zu Griffbrett, auf die jeweilige Saitenstärke abgestimmt. Da Basssaiten breitere Kerben benötigen als die dünnen Diskantsaiten, lägen die Saiten beim Umdrehen in den falschen Kerben. Daraus folgen eine schlechte Stimmstabilität sowie ein schnarrendes Geräusch beim Anschlag.

Auch die Stegeinlage ist zumindest bei Akustikgitarren immer schräg oder kompensiert, um die Oktavreinheit zu optimieren. Da Basssaiten und Diskantsaiten unterschiedlich lang sind, wäre die Kompensation beim Umdrehen falsch herum, was zu einer unsauberen Intonation führt. Ebenso ist die Deckenverstrebung (Bracing) nicht symmetrisch und daher abhängig von der Spielrichtung. Sie ist auf den Zug der Basssaiten und die Anschlagposition der rechten Hand ausgerichtet, weshalb die Decke beim Umdrehen einen veränderten Klang mit weniger Balance und Bass erzeugt.

Stegeinlagen einer Righthand und einer Lefthand
Stegeinlage einer Rechtshänder-Gitarre (links) und einer Linkshänder-Gitarre (rechts).

Je nach Gitarre wären auch einige Ausstattungsmerkmale falsch ausgerichtet, was sich massiv auf den Spielkomfort auswirkt. Ein Cutaway, ein Schlagbrett, seitliche Dot Inlays oder ein Armrest lägen somit auf der falschen Seite, was sie praktisch nutzlos macht. Darüber hinaus wären Tonabnehmer und Elektronik in diesem Fall falsch ausgerichtet, denn Piezo-Systeme sind auf die ursprüngliche Saitenreihenfolge abgestimmt, während sich auch Regler, Preamp und Batteriefach auf der falschen Seite befänden, was die Bedienbarkeit einschränkt.

Da ein professioneller Umbau definitiv teurer wäre als eine neue Gitarre, lohnt es sich also eher, in eine Linkshänder-Gitarre zu investieren.

Linkshänder: automatisch Linkshänder-Gitarre?

Bei Linkshänder-Gitarren wird mit der rechten Hand gegriffen, während die Saiten mit der linken Hand angeschlagen werden. Meist fühlt es sich für Linkshänder intuitiver an, mit der dominanten Hand anzuschlagen oder zu zupfen. Dass du als Linkshänder automatisch eine Linkshänder-Gitarre spielen musst, stimmt allerdings so nicht. Bei Rechtshänder-Gitarren übernimmt die linke Hand als Greifhand den Part der Feinmotorik, Kraft und Koordination. Dies kann für manche Linkshänder sogar von Vorteil sein. Es kommt also eindeutig auf das individuelle Spielgefühl an. Die Wahl der passenden Gitarre sollte sich also an dem orientieren, was sich richtig anfühlt.

Vorteile von Rechtshänder-Gitarren

Was unter Linkshändern ebenfalls für eine Rechtshänder-Gitarre spricht, ist die große Auswahl, denn die Rechtshänder-Gitarre ist der weltweite Standard. Jedes Modell wird in erster Linie als Rechtshänder-Version entwickelt. Linkshänder-Gitarren gibt es demnach nicht von allen Varianten. Aus diesem Grund findest du unter den Rechtshänder-Gitarren in jedem Preissegment die unterschiedlichsten Korpusformen, verschiedene Tonholz-Kombinationen und die ausgefallensten Farben. Wer rechtshändig spielt, kann aus dem vollen Portfolio schöpfen.

Außerdem spielt die Verfügbarkeit eine große Rolle. Kaufst du eine Rechtshänder-Gitarre, kannst du dein Instrument meist sofort aus dem Laden mitnehmen, da Linkshänder-Gitarren oft nur auf Anfrage bestellt werden. Zusätzlich gibt es im Bereich der Rechtshänder-Gitarren häufigere Rabattaktionen, Bundles mit Zubehör, die besonders für Anfänger interessant sind, und eine größere Auswahl auf dem Gebrauchtmarkt sowie unter besonderen Gitarren-Modellen, über die du in dem Beitrag Außergewöhnliche Akustikgitarren im Überblick mehr erfahren kannst.

Auch Lehrbücher, Video-Tutorials und Online-Kurse sind häufig auf Rechtshänder ausgelegt. Griffbilder und Videos sind somit leichter nachvollziehbar, was gerade am Anfang für ein leichteres Lernen sorgt.

Linkshänder-Gitarre: Eine Entscheidung mit Weitblick

Letztendlich zählen bei der Wahl der richtigen Gitarre Spielgefühl, Alltagstauglichkeit und langfristige Perspektive. Eine Linkshänder-Gitarre bietet Linkshändern meist einen erleichterten Zugang zum Instrument, da es intuitive Bewegungsabläufe ermöglicht.

Zeitgleich solltest du praktische Aspekte nicht außer Acht lassen. Leider ist die Auswahl an Linkshänder-Gitarren eingeschränkt und gezeichnet von geringerer Verfügbarkeit. Wer sich mit einer Rechtshänder-Gitarre wohlfühlt, darf sich über deutlich mehr Flexibilität freuen.

Letztendlich ist es aber am wichtigsten, dass du dich mit deiner Gitarre wohlfühlst und Motivation, Spielfreude sowie Entwicklungspotenzial stimmen.

Ibanez Linkshänder-Gitarre
Optimal für Einsteiger: die Ibanez V40LCE-OPN Lefthand.

Auch interessant:

Fichte vs. Zeder – Welche Gitarrendecke klingt besser?

Auch wenn du im Beitrag Lexikon der Tonhölzer einiges über den Klang und die Eigenschaften [...]

> WEITERLESEN
Kirchentonleitern einfach erklärt – und wie du sie einsetzt

Kaum ein Thema schreckt Gitarristinnen und Gitarristen so sehr ab wie die Kirchentonleitern, auch als [...]

> WEITERLESEN
10 häufige Fehler beim Kauf einer Akustikgitarre

Du spielst Akustikgitarre und möchtest dir nun dein erstes Instrument kaufen? Glückwunsch, denn nun startet [...]

> WEITERLESEN
Gitarrenpflege im Sommer: So schützt du deine Akustikgitarre

Der Sommer lockt mit Gartenpartys, Lagerfeuern und entspanntem Urlaub am Strand. Die ideale Gelegenheit also, [...]

> WEITERLESEN
Dicke oder dünne E-Gitarren-Saiten? So beeinflusst die Saitenstärke Sound & Spielgefühl

E-Gitarren-Saitenstärken erklärt: Dünne Saiten, dicke Saiten und der richtige Satz für deinen Sound Kaum ein [...]

> WEITERLESEN
Passive vs. aktive Tonabnehmer: Mythen, Fakten und die wichtigsten Unterschiede

Aktive oder passive Tonabnehmer? Unterschiede, Vorteile und Mythen im Faktencheck Wer sich früher oder später [...]

> WEITERLESEN
Riff Lab: LENNY KRAVITZ „Always On The Run“ (Noten + Tabs)

Als 1991 die erste Single von Lenny Kravitz’ zweitem Album ‚Mama Said‘ erschien, war schnell [...]

> WEITERLESEN
Wie du schneller Barré-Griffe lernst

Wenn du gerade Gitarre lernst, kommt früher oder später dieser eine Moment, der alles verändert. [...]

> WEITERLESEN
Hall, Room, Spring, Plate & Shimmer – die wichtigsten Reverb-Typen erklärt

Einer der ersten Effekte, mit denen wir Gitarristinnen und Gitarristen meist direkt nach der Zerre [...]

> WEITERLESEN

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert