Von Anfang an waren die Hollywood Vampires eine Band mit eingebauter Gästeliste. Alice Cooper, Joe Perry und Johnny Depp gründeten sie, um alte Freunde, große Vorbilder und die Toten des Rock’n’Roll hochleben zu lassen. Dass daraus mehr werden konnte als ein prominentes Coverprojekt, zeigte sich spätestens 2018 beim Montreux Jazz Festival. Acht Jahre später erscheint der Auftritt als Live-Album – ungeschönt, gitarrenlastig und mit einer Setlist, die von Spirit über Motörhead und The Doors bis zu Aerosmith reicht.

Der Name Hollywood Vampires geht auf einen Trinkclub zurück, der sich in den Siebzigern im Obergeschoss des Rainbow Bar & Grill in Los Angeles traf. Alice Cooper gehörte ebenso dazu wie Keith Moon und Harry Nilsson; John Lennon, Ringo Starr und weitere Kollegen schauten vorbei. Wer Mitglied werden wollte, musste vor allem eines können: die anderen unter den Tisch trinken. Die heutige Band bewahrt den Namen, hat mit dem damaligen Lebenswandel aber nicht mehr viel gemein. Cooper lebt seit Jahrzehnten abstinent, und aus dem feuchtfröhlichen Zirkel ist eine disziplinierte Rockband geworden. Geblieben ist der Gedanke, die Musik verstorbener Freunde und Wegbereiter nicht ehrfürchtig zu konservieren, sondern sie laut zu spielen.

Eigene Stücke und Klassiker
Gegründet wurden die Hollywood Vampires Anfang der 2010er-Jahre. Cooper hatte Johnny Depp während der Dreharbeiten zu ‚Dark Shadows‘ kennengelernt und mit ihm gejammt; Aerosmith-Gitarrist Joe Perry komplettierte den Kern der Band. Das selbstbetitelte Debüt von 2015 bestand überwiegend aus Coverversionen und brachte eine lange Reihe prominenter Gäste zusammen. ‚Rise‘ zeigte 2019 mit deutlich mehr eigenem Material, dass die Vampires auch als reguläre Band funktionieren. Tommy Henriksen, seit vielen Jahren Gitarrist in Coopers Soloband, Produzent und wichtiger Mitspieler der Hollywood Vampires, gehört längst ebenso zum festen Gefüge.
Der Mitschnitt aus Montreux dokumentiert genau den Übergang zwischen diesen beiden Phasen. Der Abend beginnt mit „I Want My Now“ und „Raise The Dead“, zwei eigenen Stücken, ehe die Band ihre Ahnengalerie öffnet. Dabei entsteht keine fein säuberlich kuratierte Rockausstellung. Die Songs werden durch drei Gitarren, eine robuste Rhythmusgruppe und Coopers unverwechselbare Stimme gezogen, bis sie zum Sound dieser Band passen. Das darf schmutzig sein. Muss es sogar. Joe Perry, Johnny Depp und Tommy Henriksen besetzen dabei keineswegs dreimal denselben Platz. Dadurch entsteht hier ein breiter, rauer Bandsound, in dem nicht jede Lücke zwanghaft gefüllt wird.
Abwechslungsreiche Setlist
Unterstützt wird das Trio von Chris Wyse am Bass, Glen Sobel am Schlagzeug und Buck Johnson an Keyboards und Gitarre. Wyse übernimmt bei ‚Ace of Spades‘ den Leadgesang. Die Motörhead-Nummer gehört zu den bislang unveröffentlichten Coverversionen des Albums und wird nicht auf Hochglanz gebracht: Bass und Schlagzeug treiben, die Gitarren sägen. Auch sonst lebt die Setlist von guten Reibungen. ‚I Got A Line On You‘ von Spirit und Loves ‚7 And 7 Is‘ führen zurück in die späten Sechziger, während ‚Five To One‘ und ‚Break On Through‘ zu einem Doors-Medley zusammenwachsen. Natürlich bedienen sich die Musiker auch in den eigenen Katalogen. Alice Cooper steuert ‚I’m Eighteen‘ bei und beendet den Abend mit ‚School’s Out‘, das wie gewohnt Pink Floyds ‚Another Brick In The Wall‘ streift. Von Aerosmith kommen ‚Combination‘ und ‚Sweet Emotion‘. Darüber hinaus stehen sechs Eigenkompositionen stehen zwischen all den Klassikern.
Tracklist
01. I Want My Now
02. Raise the Dead
03. I Got a Line on You
04. 7 and 7 Is
05. My Dead Drunk Friends
06. Five to One / Break on Through
07. The Jack
08. Ace of Spades
09. Baba O’Riley
10. As Bad as I Am
11. The Boogieman Surprise
12. I’m Eighteen
13. Combination
14. People Who Died
15. Sweet Emotion
16. Welcome to Bushwackers
17. Heroes
18. Train Kept A-Rollin’
19. School’s out / Another Brick in the Wall
Album-VÖ: 14. August 2026
Label: earMusic
www.hollywoodvampires.com
