Johnny Cash ist wohl einer der prägendsten Musiker der US-amerikanischen Countrymusik. Mit unzähligen Hits und seiner unverkennbaren musikalischen Handschrift erfand der Man in Black das Genre neu und inspirierte Generationen von Künstlern. Doch auch seine älteste Tochter, Rosanne Cash, hat unmissverständlich bewiesen, dass sie nicht nur das Kind einer Berühmtheit ist, das auch Musik macht. Mit elf Nummer-1-Singles in den Billboard Hot Country Songs, vier Grammys und der 2021 verliehenen Edward MacDowell Medaille ist sie vor allem in ihrem Heimatland erfolgreich und längst als eigenständige Künstlerin aus dem Schatten ihres Vaters getreten.
Mit der Gibson Johnny Cash SJ-200 und der Rosanne Cash J-185 präsentiert der Hersteller ein Vater-Tochter-Projekt mit zwei exklusiven Akustikgitarren in limitierter Auflage, die eng miteinander verbunden sind und dennoch ganz eigene Wege gehen. In diesem Beitrag erfährst du Details über die Instrumente und wieviel Johnny und Rosanne in ihnen stecken.
Gibson Johnny Cash SJ-200 – eine Hommage an eine Legende
Bei der Gibson Johnny Cash SJ-200 handelt es sich um eine originalgetreue Nachbildung zweier von Gibson für Cash angefertigter Gitarren aus den späten 50er-Jahren. Markant ist neben ihrem Vintage Cherry Sunburst Finish vor allem das von Cash selbst designte schwarze Schlagbrett sowie das damals von ihm gewünschte Griffbrett-Inlay in Form seines Namens aus Mother of Pearl.
Auch in puncto Klang und Bespielbarkeit wartet das Modell mit seiner herausragenden Gibson-Qualität auf. So besteht der traditionelle Super-Jumbo-Korpus aus einer massiven Sitka-Fichtendecke sowie Boden und Zargen aus massivem Riegelahorn. Daraus ergeben sich eine dynamische Ansprache, ein markanter Bassanteil ein brillanter Hochmittenbereich, und damit perfekte Voraussetzungen für Cashs charakteristischen Boom-Chicka-Boom-Stil. Zudem lässt ein langes Sustain die Noten in Songs wie Hurt besonders eindrucksvoll ausklingen.

Unterdessen liegen der Hals aus Riegelahorn mit Walnussstreifen und rundem Halsprofil natürlich in der Hand und bieten genügend Substanz für eine sichere Führung der Greifhand. Das Griffbrett aus Palisander erzeugt darüber hinaus ein angenehmes Gleiten der Finger und erlaubt flüssige Akkord- und Lagenwechsel. Mit einer Standard-Mensur von 647,7 Millimetern und einer ebenso klassischen Sattelbreite von 43,8 Millimetern bietet die Gibson Johnny Cash SJ-200 ein vertrautes Spielgefühl. Etwas Eingewöhnung erfordert hingegen der extra große Super-Jumbo-Korpus, der sich baubedingt von einer kleineren Dreadnought oder OOO unterscheidet. Wer sich jedoch auf die größeren Dimensionen einlässt, erhält eine Akustikgitarre, die sich besonders für ausdrucksstarkes Akkordspiel und eine kraftvolle Anschlagtechnik anbietet.
Um den originalen Charakter der Gitarre nicht zu verfälschen, kommt dieses Modell ohne Tonabnehmer. Gerade Puristen, die ein möglichst authentisches Stück Geschichte in den Händen halten möchten, dürfte dies gefallen. Die charakteristische Super-Jumbo orientiert sich somit akribisch an Johnny Cashs historischem Instrument.

Gibson Rosanne Cash J-185: Cash-DNA mit eigenständigem Charakter
Die Gibson Rosanne Cash J-185 lässt sich wohl am besten als Tribut an Johnny Cash mit persönlicher Note Rosannes bezeichnen. Während die Holzauswahl weitestgehend der der Gibson Johnny Cash SJ-200 gleicht (lediglich die Decke aus Sitka-Fichte wurde einem Torrefizierungsprozess unterzogen und der Hals verfügt nicht über einen Walnussstreifen), fallen die Maße der J-185 etwas kompakter aus. So ist ihr Jumbo-Korpus schlanker gehalten als der einer Super-Jumbo, was sich jedoch in erster Linie in der Handhabung bemerkbar macht. Klangtechnisch sind hier keine gravierenden Einbußen zu befürchten. Auch das Slim-Taper-Halsprofil ist gerade für kleinere Hände leichter zu umfassen, während die verkürzte Mensur von 628,7 Millimetern ein weicheres Greifen durch geringere Saitenspannung bietet.

Interessant ist auch die Interpretation des Designs. Nach eigener Aussage wünschte sich Rosanne eine zugängliche Optik, weshalb das Modell in einem warmen Heritage Sunburst Finish gehalten ist und die MOP Parallelogram Inlays das gesamte Griffbrett zum Strahlen bringen. Eine ganz besondere Geschichte erzählt zudem das Custom-Cash-Tortoise-Schlagbrett. Im Gegensatz zur Gibson Johnny Cash SJ-200 verfolgt die Form mit weichen Rundungen einen femininen Look. Der Cash-Schriftzug stellt wiederum eine klare Erinnerung an ihren Vater dar. Hierbei handelt es sich um eine genaue Nachbildung seines Namens auf dem Patch seiner Uniform der United States Air Force. Nach seinem Tod fand sie den Aufnäher in seinen alten Sachen und brachte ihn auf ihrem Gitarrengurt an. Ein Detail, das berührender nicht sein könnte.
Um der Gitarre darüber hinaus einen zeitgemäßen Charakter zu verleihen, ist sie mit dem L. R. Baggs VTC Tonabnehmersystem ausgestattet. Mit Volume- und Tone-Regler im Schallloch wird das harmonische Design der Gitarre nicht gestört, allerdings kann sie dennoch verstärkt gespielt werden.

Ein gemeinsames Erbe, zwei eigenständige Instrumente
Der Vergleich der beiden Gitarren zeigt deutlich ihren familiären Charakter mit ganz individuellen Details. Die Rosanne Cash J-185 greift Merkmale der Gibson Johnny Cash SJ-200 auf und ergänzt sie um auf sie zugeschnittene persönliche Elemente und Modernisierungen. Dazu zählen abweichende Proportionen, die an Rosannes spielerische Bedürfnisse angepasst sind, ein Tonabnehmer sowie ein Design, das ihren herzlichen und zugänglichen Charakter widerspiegelt. Erinnerungsstücke wie der Cash-Schriftzug auf dem Schlagbrett sind wiederum ihrem Vater gewidmet. Die Gemeinsamkeiten stellen die familiäre Verbindung her, die Unterschiede machen aus beiden Modellen persönliche Instrumente ihrer jeweiligen Namensgeber.
Titelbild: Gibson
