Eric Steckel hat noch nie viel davon gehalten, den Blues in seiner historischen Form einzufrieren. Bei ihm darf er laut sein, schwer atmen und die Verstärker in einen Bereich treiben, der eher im Hardrock und Metal zuhause ist. Auf ‚Sandstorm‘ zieht der US-Amerikaner diese Linie nun so entschlossen durch wie noch nie: zehn Stücke, mächtige Gitarrensounds und erfreulich wenig Interesse an gepflegter Zurückhaltung.
Dabei begann Steckels Karriere durchaus unter traditionellen Vorzeichen. Bereits mit elf Jahren veröffentlichte er ein Livealbum, wenig später stand er mit John Mayall auf der Bühne und spielte bei einem Song auf dessen Album ‚Road Dogs‘. Den entscheidenden Schwenk vollzog er 2018 mit ‚Polyphonic Prayer‘. Statt den Blues weiterhin mit moderater Verzerrung zu garnieren, schickte er ihn durch einen Diezel Herbert und entdeckte im High-Gain-Sound die Wucht, die fortan zu seinem Markenzeichen wurde. Gary Moore, den Steckel selbst an die Spitze seiner persönlichen Gitarrenpyramide stellt, bleibt dabei ein deutlich hörbarer Bezugspunkt.

Wuchtiger Rocksound
‚Sandstorm‘ setzt diese Entwicklung fort, wirkt aber nicht nur wie die Vorführung eines besonders durchsetzungsfähigen Gitarristen, sondern funktioniert auch als geschlossenes Rockalbum. Schon ‚When It Rains, It Pours‘ stellt die Verhältnisse klar. Das Riff ist schwer, der Ton breit und die Produktion groß genug, um den Song mit Nachdruck in den Raum zu stellen. Steckel spielt hier nicht gegen den Song an, obschon er jederzeit dazu in der Lage wäre. Seine Soli besitzen Tempo, Schärfe und reichlich Gain, bleiben aber eng mit den Harmonien verbunden.
Der Titelsong ‚Sandstorm‘ entstand nach Steckels Aussage spontan im Studio und wurde prompt zu seinem Lieblingsstück der Platte. Das überrascht nicht. Hier kommt jene Mischung besonders deutlich zum Vorschein, die Steckel mitunter als „Bluesmetal“ bezeichnet: Blues-Phrasierung trifft auf die physische Wucht eines modernen Rocksounds, lange Bendings stehen neben schnellen Linien.

Abwechslungsreichtum
Dass ‚Sandstorm‘ nicht über die gesamte Spielzeit mit finsterer Miene durchmarschiert, gehört zu seinen Stärken. ‚She’s A Golddigger‘ nimmt die zwielichtige Romanze eines Musikers aufs Korn und besitzt einen Humor, der dem Album guttut. Steckel nennt das Stück selbst „einfach nur Spaß“ und verweist auf den Text, den seiner Meinung nach vor allem Musiker und Künstler nur allzu gut nachvollziehen könnten. ‚Axe To Grind‘ nutzt derweil schon im Titel das passende Wortspiel für einen Gitarristen, der freilich keine zusätzliche Aufforderung braucht, sein Instrument in den Mittelpunkt zu rücken.
Mit ‚Blues For The Lonely‘, ‚Empty Promises‘ und ‚Back To Life‘ schlägt das Album nachdenklichere Töne an, ohne seinen schweren Grundsound aufzugeben. Gerade in diesen Momenten zeigt sich, dass Steckels Musik nicht allein von Geschwindigkeit und Verzerrung lebt. Sein Vibrato, die gezielt gesetzten Pausen und sein Gespür für lange melodische Bögen sind mindestens ebenso wichtig.
‚Sandstorm‘ erscheint am 11. September 2026 über OPEN/SPV Recordings.
Tracklist
01. When It Rains, It Pours
02. The Other Guy
03. Blues for the Lonely
04. What I Wanna Believe
05. Sandstorm
06. Empty Promises
07. El Paso Sugar
08. Axe To Grind
09. She’s A Golddigger
10. Back to Life
Album-VÖ: 11. September 2026
Label: OPEN/SPV Recordings
www.ericsteckel.com
