„Often imitated, never duplicated“
Der Spruch, der die Modelle der Player- und Player-II-Series von Fender via Sticker ziert, kann wohl getrost wie ein inneres Mantra gelesen werden, das man sich firmenintern auferlegt hat. Denn klar ist: Eine Fender bleibt eine Fender – aber die Versuche anderer Hersteller, den Mythos Stratocaster technisch, haptisch oder klanglich zu überholen, haben das Unternehmen gezwungen, die eigenen Klassiker neu zu denken. Die Player- und Player-II-Series sind das Ergebnis dieses Spagats. Sie sollen einerseits unverkennbar Fender sein, andererseits aber den Realitäten eines Marktes Rechnung tragen, in dem Spielkomfort, Fertigungsqualität und Preis-Leistungs-Verhältnis wichtiger geworden sind als historische Korrektheit.
Die Silver Sky als Konkurrenz zum Original?
Als John Mayer in den 2010er-Jahren seine Fender-Stratocaster an den Nagel hängte und zu Paul Reed Smith wechselte, wurde viel darüber diskutiert, ob es sich dabei um eine rein geschäftliche Entscheidung handelte oder um einen tiefergehenden künstlerischen Bruch. Denn John Mayer ist zweifelsohne der Inbegriff eines Strat-Players und wird das wohl auch immer bleiben. Schnell zeigte sich jedoch, dass es Mayer weniger um Markenloyalität ging als um ein sehr konkretes Instrumentenkonzept. Die Silver Sky war kein Versuch, die Stratocaster neu zu erfinden, sondern ein Versuch, sie aus seiner Perspektive zu präzisieren. Und er hatte eben klare Vorstellungen in Sachen Halsform, Radius, Pickup-Abstimmung und Spielgefühl.
So verwundert es kaum, dass sich John Mayers Signature-Gitarre optisch (bis auf die PRS-typische Kopfplatte) kaum vom Antlitz einer Fender unterscheidet. Aber wo liegen dann die Unterschiede? Während Fender traditionell auf Modularität und Neutralität setzt, formulierte Mayer gemeinsam mit PRS eine deutlichere Haltung. Die Silver Sky sollte nicht möglichst vielen gefallen, sondern sich in sich schlüssig anfühlen. Jedes Detail – vom leicht ungewöhnlichen Griffbrettradius bis zur eher kontrollierten Höhenabbildung der Single Coils – folgt dieser Logik. Und genau darin lag vielleicht der eigentliche Bruch: nicht im Abschied von Fender, sondern im Abschied von der Idee, dass nur eine Stratocaster von Fender das Nonplusultra ihrer selbst sein kann. Nichts reicht ans Original heran.


Beide Instrumente bei knapp 800 Euro
Aber ist das so? Wie anders ist die Silver Sky (in unserem Fall die SE, also die kostengünstigere Variante des Modells) als eine preislich ähnlich gelagerte aktuelle Strat aus dem Hause Fender? Zum Vergleich wird also die Fender Player II Stratocaster RW 3-Color Sunburst herangezogen, die ähnliche Specs hat und nur 22 Euro mehr kostet.
Fender definiert mit den Player- und Player-II-Serien die Strat als verlässliches, traditionsbewusstes Werkzeug, ohne ungewöhnliche klangliche oder ergonomische Meinung. PRS hingegen liefert mit der Silver Sky ein Instrument, das eine andere Haltung zeigt und diese nicht versteckt. Die Diskussion um Mayers Markenwechsel war damit weniger eine Frage von „Fender gegen PRS“, sondern eine Grundsatzfrage darüber, wie viel Charakter ein modernes Serieninstrument haben darf – oder haben muss.
Die Player-Modelle sind deshalb keine nostalgischen Rückblicke, sondern bewusst nüchterne Arbeitsinstrumente. Sie verzichten auf Vintage-Romantik zugunsten moderner Standards, ohne dabei ihre Herkunft zu verleugnen. Der Gedanke dahinter ist weniger der Versuch, etwas Neues zu erfinden, als vielmehr, das Bewährte so zu destillieren, dass es gleichermaßen im Proberaum-, Studio und Bühnenalltag funktioniert. „Often imitated, never duplicated“ wird hier nicht als Abgrenzung nach außen verstanden, sondern als Verpflichtung nach innen: Fender darf kopiert werden, aber sich selbst darf man nicht verlieren.
Beide Gitarren greifen also die klassische Stratocaster-DNA auf, interpretieren sie aber unterschiedlich. Die PRS SE Silver Sky ist ein moderner, präzise abgestimmter Take auf das Konzept, während die Fender Player II Stratocaster die zeitlose Klassik aus dem Fender-Programm ins Hier und Jetzt transportiert. Hier kommen die Überschneidungen und Unterschiede.
Bauweise und Holzwahl
Als zentraler Faktor für Resonanz, Gewicht und Toncharakter schauen wir uns zunächst die Wahl der Hölzer an. Bei der PRS SE Silver Sky besteht der Korpus aus Pappel, ein Holz, das tonal ausgewogen ist und Frequenzen gleichmäßig über Höhen, Mitten und Bässe verteilt. Der Hals ist aus Ahorn, das Griffbrett aus Palisander gefertigt. Die Kombination Ahorn-Hals/Palisander-Griffbrett ist ein Klassiker und sorgt für einen warmen, gut definierten Ton mit angenehm rundem Attack.
Die Fender Player II Stratocaster nutzt klassisch Erle für den Korpus. Erle ist ein Standardholz bei Fender, leicht, resonant und mit einem dezent betonten Mittenbereich. Der Hals besteht ebenfalls aus Ahorn, kombiniert mit einem Griffbrett aus Indian Laurel, das tonal zwischen Ahorn und Palisander angesiedelt: etwas wärmer als Ahorn, aber nicht ganz so dunkel wie Palisander.
Halsprofil und Bespielbarkeit


Die PRS SE Silver Sky besitzt ein so genanntes 635JM-Halsprofil. Es ist nicht super dick, aber konturiert genug, um ein angenehm „griffiges“ Gefühl zu vermitteln. Der Griffbrettradius beträgt 8,5″, ein moderat flacher Radius, der Akkordspiel und Bending gleichermaßen unterstützt.
Die Fender Player II Stratocaster bietet ein modernes C-Profil mit einem 9,5″-Radius. Das fühlt sich etwas neutraler an: nicht zu flach, nicht zu rund. Für viele Spieler gilt dieser Radius als universell komfortabel für Akkorde, Riffs und Soli.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Sattelbreite, die bei PRS ca. 41,3 mm und bei Fender ca. 42 mm beträgt. Diese scheinbar kleine Differenz kann insbesondere beim Wechsel zwischen den Modellen spürbar sein: die PRS wirkt etwas schlanker und kompakter, die Fender etwas traditioneller stratig breit.
Pickups und Klangcharakter
Die PRS SE Silver Sky ist mit drei PRS-635JM „S“ Single Coils bestückt. Diese Pickups wurden speziell für das Modell abgestimmt und legen tonal Wert auf klare Ansprache, definierte Mitten und ein sehr breites, musikalisches Frequenzspektrum. Sie wirken weniger „schrill“ als typische Fender-Single-Coils, bleiben aber agil und differenziert.


Die Fender Player II Stratocaster nutzt Player Series Alnico V Single Coils. Diese Pickups sind klassisch stratig. Offen und luftig. Sie bringen viel Höhenanteil mit, klare Mitten und eine tonale Präsenz, die besonders im Clean- oder leicht angezerrten Bereich sehr beliebt ist.
Bei beiden Gitarren werden die Pickup-Kombinationen über einen 5-Weg-Schalter angewählt, im klassischen Strat-Switching. Dabei fällt auf, dass sich bei der PRS die einzelnen Positionen charaktervoll voneinander unterscheiden, der Hals-PU alleine wirkt aber ein wenig blass im Vergleich zum Fender-Original. Die Fender reagiert hingegen stärker auf strat-typische Klangfarben, so ist sie zum Beispiel „glasiger“ in Position 2 und 4.
Hardware und Einstellung
Die PRS SE Silver Sky verwendet ein PRS 2-Point Tremolo sowie Vintage-Style-Mechaniken. Das Tremolo arbeitet sauber, ohne Spiel und bietet eine stabile Intonation. Die Werkseinstellung erweist sich als praxisnah und sauber ausbalanciert. Ob man die Tuner in ihrer grauen Plastik-Optik mag, muss jeder selbst entscheiden. Die Fender Player II Stratocaster setzt ebenfalls auf ein 2-Point Tremolo und modernere Mechaniken. Die Abstimmung ist funktional, aber nicht außergewöhnlich.
Aspekt
Verarbeitung
Hals/Spielgefühl
Tonabnehmer
Hardware
Live/Studio-Tauglichkeit
PRS SE Silver Sky
hochwertig, fein eingestellt
konturiert, sehr angenehm
ausgewogen, vielseitig
stabil, praxisgerecht
sehr gut
Fender Player II Stratocaster
solide, klassisch gefertigt
neutral, universell
klassisch stratig, offener
funktional, wenig Feinschliff
sehr gut (klassisch)


Fazit
Eine Strat ist eine Strat und bleibt eine Strat. Die Silver Sky ist aber auch eine Strat. Und in diesem Preissegment vielleicht sogar das bessere Instrument, im Sinne von überraschender und unkonventioneller. Sie präsentiert sich eben als stimmige Interpretation der Stratocaster-Philosophie mit eigenem Charakter und klanglicher Vielseitigkeit. Die Fender Player II Stratocaster steht dem klassisch-amerikanischen Strat-Sound näher und überzeugt mit der typischen Fender-Farbe: Sie kann Strat, aber auch nichts anderes. Das macht sie natürlich zu genau dem, was man möchte, wenn man sich für eine Stratocaster entscheidet, neue Impulse setzt sie jedoch nicht.
