Fender Pro Junior – der Underpuppy

Bannerbild zum fender Pro Junior IV Combo-Verstärker.

Angecheckt – der Fender Pro Junior IV im Test

Unsere Welt steckt voller paradoxer Begebenheiten: Warum können Hummeln fliegen? Warum landet das Butterbrot immer auf der klebrigen Seite? Warum kaufen Leute Gitarren mit 8-Saiten, spielen davon aber nur eine? Und warum fragen eigentlich alle Gitarrist*innen nach kleinen, leichten Amps mit wenig Leistung, aber nie nach dem Fender Pro Junior? Rettung naht, denen zeigen wirs!

Aufbau

Ein Speaker, zwei Regler, vier Röhren – dat wor et, wie man hier in Kölle sagt. Üppig ausgestattet ist der Pro Junior in der Tat nicht. Er verfügt lediglich über einen Volume- und einen Tone-Regler. Den Standby-Switch sucht man vergebens und der Jensen P10R Speaker ist mit seinem 10 Zoll Durchmesser etwas kleiner als der Standard. In der Vorstufe des Einkanalers arbeiten zwei 12AX7-Röhren, hintenrum haben wir es mit zwei EL84s zu tun, die dem Amp 15 Watt Leistung bescheren. Keine große Überraschung also, wenngleich man bei „dem“ Fender-Sound wohl eher an 6V6 oder 6L6 Röhren denkt. Mit knapp über zehn Kilogramm lässt sich der Amp sehr gut und gerne transportieren. Der Tweed-Bezug des Gehäuses, gepaart mit einem Ledergriff und der Vintage-Frontbespannung, versprüht den Charme der 50er-Jahre.

Bedienfeld des Fender Pro Junior IV Combo-Verstärkers.
Simpel, jedoch effektiv: Zwei Regler für Volume und Tone und ein Power-Schalter bilden die Bedienung des Pro Junior. (Bild: musicstore.de)

Sound:

Was soll man da groß regeln? Lautstärke auf das gewünschte Niveau und den Tone-Regler soweit zurückdrehen, bis die Höhen nicht mehr spitz sind, wäre mein erster Vorschlag. Ich beginne bei Zimmerlautstärke. Mal schauen ob der 15-Watter als Übungs-Amp taugt. Bei voll aufgedrehter Gitarre kann ich das Volume-Poti des Amps nur ganz leicht aufdrehen. In diesem Setting klingt der Verstärker recht dünn und harsch, das scheint also nicht der Weg zu sein, wie man das Teil benutzt. Also andersrum, Amp aufdrehen und an der Gitarre die Lautstärke regeln. So wird’s gemacht!

Der Amp dankt mir mit ungeahntem Low End und deutlich angenehmeren Höhen, dass hier „nur“ ein 10 Zöller schwingt würde man nicht denken. Ich pendele mich dann bei einer 50/50-Lösung ein, also Amp und Gitarre ca. halb aufgedreht und erfreue mich eines grandiosen Sounds. Der Klang ist überaus direkt und reagiert auf jede Nuance meines Spiels. Die Bandbreite des Tone-Reglers reicht irgendwo von jazzig über bluesig bis twangig, immer mit einem charakterstarken Grundsound. Des Juniors Optik spiegelt die Soundvorstellung hier sehr gut wieder.

Es wird laut!

Wenn ich jetzt die Gitarre weiter aufdrehe, wird es richtig laut. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass diese Lautstärke im Proberaum bestehen kann. Im Zweifel einfach ein Mikro davorstellen und gut ist. Der Klang wird bei zunehmender Lautstärke deutlich dichter und komprimiert wunderbar bluesig. Ein leichtes Zerren ist bereits zu vernehmen. Wenn ich die Amp-Lautstärke auf 7-8 erhöhe, röhrt das Teil richtig los! Jetzt habe ich eher das Gefühl, einen Marshall zu spielen als einen Fender. Der Sound ist verzerrt, aber immer noch sehr definiert. Am Ende des Regelwegs merkt man dann, dass es auch bei Röhren-Amps ein „Zu viel des Guten“ gibt.

Der Pro Junior geht bei härteren Anschlägen in die Knie und klingt deutlich überkomprimiert. Wirklich viel lauter wird der Amp ab einem Level von 6 nicht mehr, aber der Sound verändert sich deutlich, wird verzerrter und spätestens ab 7-8 richtig rockig. Nichts für die Metal-Fraktion, aber klassische Rocknummern funktionieren super. Auch Pedale hat er sehr gerne und kommt auch bei leichter bis mittlerer Zerre wunderbar mit Modulations-, Hall- und Delay-Effekten zurecht.

Fazit:

Warum der Pro Junior der Underdog unter den Fender Amps ist, kann ich nun noch weniger beantworten. Aussehen, Gewicht und Klang machen den Junior zu einem treuen Begleiter in allen Lebenslagen. Der Amp hat Charakter, das muss man natürlich mögen, ich konnte dem Amp aber von Jazz und Funk, über Blues und Country bis hin zu richtig guten Rocksounds alles entlocken. Zimmerlautstärke kann er, ist aber nicht seine Lieblingsdisziplin. Wenn man ihn lässt, bietet dieser Amps hervorragende, klassische Gitarrensounds oberster Güte und das zu einem sehr attraktiven Preis. Anspielen wärmstens empfohlen!

Fender Pro Junior IV – Facts

Schrägansicht des Fender Pro Junior IV Combo-Verstärkers.
(Bild: musicstore.de)
  • Kompakter, geradlinig aufgebauter Combo-Verstärker
  • 15 Watt Leistung
  • Dynamischer Sound mit guter Höhenauflösung
  • 2x 12AX7 Vorstufenröhren, 2x EL84 Endstufenröhren
  • Jensen P10R Alnico-Lautsprecher mit 10 Zoll Membrandurchmesser
  • Volume- und Tone-Regler
  • Rote Status-LED
  • Tweed-Bezug, Ledergriff und Vintage-Frontbespannung
  • Knapp über 10 kg schwer
  • Preis: ca. 580 Euro auf musicstore.de

 

Mehr zum Thema:

 

Schreibe einen Kommentar