Old Blood Noise Endeavors Parting Test – Glitch-Pedal für Soundtüftler

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Wer sich häufiger mal in YouTubes Musikwelt tummelt und sowohl Effekten als auch Videospielen gegenüber nicht abgeneigt ist, dem dürfte Emily Hopkins sicherlich ein Begriff sein. Mit ihrem Channel ging die junge Harfenistin mit wirklich gut gemachten Cover-Versionen berühmter Nintendo-Klassiker in letzten Jahren nämlich regelrecht durch die Decke. Mittlerweile tauchen ihre Videos zusätzlich auch regelmäßig in den Video-Vorschlägen so mancher Pedal-Nerds auf. Denn die Kombination klassischer Harfenklänge und experimenteller Effektpedale aus den Bereichen E-Gitarre und Synth wirkt wie ein frischer Wind und hebt sich von der Masse der sonst üblichen Pedal-Reviews gekonnt ab.

OBNE x Emily Hopkins

Mittlerweile sind auch die US-amerikanischen Effektspezialisten von Old Blood Noise Endeavors auf Emily aufmerksam geworden und haben kurzerhand ein gemeinsames Pedal mit ihr entwickelt: das Old Blood Noise Endeavors Parting. Was sich hinter dem neuen Pedal der Harp Lady verbirgt und was es so alles kann, haben wir uns im Test einmal genauer angeschaut!

Old Blood Noise Parting – Überblick

Stellen wir zunächst die Gretchenfrage: was ist das Parting eigentlich genau, bzw. was möchte es sein? Gar nicht so einfach, hier eine direkte Antwort zu finden. Old Blood Noise selbst bezeichnet seine Kreation als ‚Glitch Pedal‘, das ein Delay oder Reverb mit Modulationseffekten kombiniert und mit einer gehörigen Portion zufallsbasierter Clock Changes garniert. Darüber hinaus haben die Effekttüftler aus Oklahoma noch Ein- und Ausgänge im Stereoformat und erweiterte Möglichkeiten zur MIDI- und Expression-Steuerung in den Ring geworfen. Hier handelt es sich also keineswegs um ein simples Three-Knob-Drive, stattdessen eher ein umfangreiches Soundscape-Werkzeug im Koffer des Musikers, dessen Bedienelemente und Möglichkeiten sich nicht unbedingt offensichtlich erschließen.

Daher werfen wir einen kurzen Blick auf die einzelnen Drehregler und ihre Funktionen:

  • Rate, Depth und Shape – steuern den LFO.
  • Dissolve –reduziert die Sample Rate für LoFi-artige Klänge.
  • Chance – bestimmt die Delay-Zeit und die Wahrscheinlichkeit, ob ein Delay ausgelöst wird.
  • Smear – lässt den Delay-Effekt in eine Hallfahne übergehen.
  • Glitch – verdoppelt oder halbiert die Modulations- und Delay-Clocks auf Zufallsbasis.
  • Mod / Time – bestimmt die Delay-Zeit
  • Filter – bestimmt die Cutoff-Frequenz des Filters.
  • Mix – regelt den Signalanteil am Ausgang

Ein weiteres wichtiges Steuerungselement des Parting ist der mit AUX beschriftete Fußschalter, der gleich drei Funktionen übernimmt: er kann wahlweise als Tap Tempo zur intuitiven Steuerung der Effektgeschwindigkeit, zur Einstellung der Delay-Subdivisions oder zum Durchschalten der internen Presets genutzt werden.

OBNE Parting Green

Das OBNE Parting in Green, …

OBNE Parting Black

… Black, …

OBNE Parting Purple

… oder Purple.

Vom trockenen Signal zur Klangwolke

Am besten lässt sich das Pedal verstehen, wenn man sich den Werdegang vom trockenen Eingangssignal zur fertigen Sound-Kreation betrachtet. Hierzu schaue ich zunächst ins offizielle Handbuch, in dem ich regelmäßig über den Begriff ‚Random‘ stolpere. Als LFO-Shapes können wir hier Random Squares und Random Sines auswählen. Die Glitch- und Chance-Regler erzeugen ebenfalls zufallsgenerierte Delays und Effekte. Und genau das macht den eigentlichen Charme des Old Blood Noise Parting aus: seine wunderbare Unberechenbarkeit. Natürlich können wir fernab extremer Einstellungen auch grundlegende „Bread-and-Butter“-Sounds mit einer gewissen Vorhersagbarkeit erzeugen, beispielsweise einen Tremolo-Effekt oder den Sound eines herkömmlichen Bit Crushers. Dennoch macht das Pedal zweifelsohne am meisten Spaß, wenn man ohne bestimmte klangliche Erwartungen herangeht und dem Zufall freien Lauf lässt.

Modulation zwischen Vibrato und Tremolo

Fangen wir mit der Modulationssektion an. Mithilfe des ersten Druckschalters unter dem Glitch-Regler lässt sich zwischen Tremolo und Vibrato wechseln. Da der kleine schwarze Switch gerne schon mal im bildhübschen Artwork des Künstlers James Roo untergehen kann, wird der jeweils aktive Effekt durch ein Aufleuchten des ‚Mod / Time‘-Reglers angezeigt.

Rate, Depth & Shape

OBNE Parting Rate Depth & Shape
Rate, Depth und Shape steuern die Modulationssektion.

Beide Effekte teilen sich die ersten drei Regler Rate, Depth und Shape und eignen sich ideal, um dem vorhandenen Stereo-Raum Leben einzuhauchen. Bis hier beweist das Old Blood Noise Parting bereits, dass es die grundlegenden Sounds klassischer Vibrato- und Tremolo-Pedale wirklich gut beherrscht. Besonders praktisch: Die kleine LED reagiert auf die Regler-Einstellungen der Mod-Sektion und zeigt durch Blinken das eingestellte Tempo an. Die Leuchtintensität gibt die Effekttiefe wieder.

Shape bietet insgesamt sieben verschiedene Wellenformen. Diese reichen von klassischer Sinuskurve und Rechteck über zwei Sawtooth-Vertreter bis hin zu Envelope und zufällig generierten Random Sine und Random Square.

Chance, Glitch & Smear

OBNE Parting Chance, Glitch & Smear
Chance, Glitch & Smear

Wirklich zum Leben erwecken wir das Pedal, sobald wir den Chance-Regler aufdrehen und die ersten zufallsgenerierten Effekte einführen. Je weiter er aufgedreht ist, desto häufiger schnappt sich das Pedal einen Teil des eingehenden Signals und sendet ihn durch den Reverb/Delay-Buffer. Zumindest bis zur Hälfte des Reglerwegs, denn danach hält der Chance-Regler eine weitere Funktion bereit, die für mich der wahre Star des Parting ist.

Über 12 Uhr hinaus gedreht, wird das Signal nämlich standardmäßig durch den Delay oder Reverb gejagt. Je nach Stellung in der zweiten Hälfte des Reglerwegs können wir die Wahrscheinlichkeit bestimmen, ob das Signal wieder als Feedback zurückgeführt wird und abgefahrene Sound-on-Sound-Effekte erzeugt. Was man hier aus simplen Chords herausholen kann, ist wirklich sagenhaft!

Bis hierhin haben wir den Glitch-Regler noch gar nicht beachtet – und der hat es wirklich in sich! In der ersten Reglerhälfte halbiert oder verdoppelt er die Delay-Zeit und kann genutzt werden, um verborgene Details des Delay-Effekts zum Vorschein zu bringen. In der zweiten Hälfte des Glitch-Reglers wird die Delay- und Modulationszeit von der jeweiligen Reglerstellung nach Zufallsprinzip halbiert oder verdoppelt, wobei jedes Mal neu gewürfelt wird, sobald der LFO seinen Höhepunkt erreicht. Spätestens ab hier höre ich auf zu verstehen und beginne, den Sound des Parting zu in vollen Zügen zu genießen.

OBNE Parting Anschlüsse
Die Anschlussbeschriftungen sind auf dem Kopf, damit man sie von oben betrachtet lesen kann.

MIDI, Expression & Co.

Wem das Pedal bis hierhin immer noch zu statisch erscheint, der kann die Unberechenbarkeit des Old Blood Noise Parting mithilfe zusätzlicher externer Steuermöglichkeiten exponentiell in die Höhe treiben. Über den EXP-Anschluss kann man wahlweise ein klassisches Expression-Pedal oder den vom Hersteller selbst angebotenen OBNE Expression Ramper im optisch passenden Gehäuse-Design anschließen. Egal, was man hier anschließt, es lässt sich auf jeden einzelnen der 11 verschiedenen Drehregler anwenden. Parallel hierzu gibt es noch die Buchsen MIDI IN und MIDI OUT. Diese erlauben ebenfalls die Echtzeitsteuerung einzelner oder mehrerer Parameter, das Schalten verschiedener Modes oder das Durchschalten von Presets. Die Möglichkeiten sind endlos!

Fazit:

Das Old Blood Noise Parting ist sicherlich nicht das erste Pedal seiner Art. Immerhin haben wir in letzten Jahren einen regelrechten Boom an Pedalen erlebt, die wild durch den Gemüsegarten modulieren und sphärische Klanglandschaften zaubern. Dennoch hat mich das Parting wie kaum ein anderes Pedal begeistert, da es aus meiner Sicht den idealen Mix aus vorhersehbarer Bedienbarkeit und absoluter Unberechenbarkeit bildet. Das OBNE Parting hat es erstaunlich oft geschafft, mich zu überraschen. Dennoch ist es übersichtlich genug, Dass ich jederzeit sofort weiß, welchen Regler ich drehen muss, wenn mir ein klangliches Resultat nicht gefällt. Insofern hat es sich einen festen Platz auf meinem Board verdient, wenn es um die Schaffung dreidimensionaler Klangräume, verträumter Intros und experimenteller Sounds geht.

Pro

  • Gute Vibrato- und Tremolo-Effekte
  • Übersichtliche Bedienung
  • Ideal für Klangexperimente
  • Umfangreiche Steuerungsoptionen per Expression und MIDI

Contra

  • Nur für bestimmte Einsatzbereiche geeignet (Sounddesign/LoFi)
  • Hoher Preis (ca. 385,-)

Link zur Herstellerseite: https://oldbloodnoise.com


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Old Blood Noise Endeavors Parting Glitch Delay/Reverb Green

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