… macht Sachen: VINNIE VINCENT verkauft neues Album für 2 Millionen Dollar

Vinnie Vincent

Das dürfte bei vielen für anhaltendes Kopfschütteln sorgen, ist in Wirklichkeit aber einer der spannendsten weil radikalsten Ansätze zur Zukunft der Musikverwertung: Ex-KISS-Gitarrist Vinnie Vincent bietet sein neues Album ‚Guitarmageddon‘ exklusiv nur einem Käufer an. Kostenpunkt: 2 Millionen US-Dollar. Kein Boxset, keine Deluxe-Edition, sondern das komplette Werk in Masterform, inklusive aller Audiofiles, Artwork-Daten und der Möglichkeit, das Album selbst zu veröffentlichen.

Vinnie Vincent schreibt dazu auf seiner Homepage: „GUITARMAGEDDON wird als exklusives Einzelstück (1 von 1) im Master-Format für 2.000.000 US-Dollar angeboten. Dies umfasst 10 Songs in Masterqualität im finalen Produktformat, sämtliche Masterdateien des Artworks, zugehörige Poster sowie 10 separate Vinyl- und CD-Artworks für jeden einzelnen Song.“ Die Masteraufnahmen werden auf einer Festplatte übergeben. Die zehn Single-Artworks sollen es dem Erwerber ermöglichen, die erworbenen Songs einzeln zu veröffentlichen. Denn: „Der Käufer kann das gesamte Album in jedem gewünschten Format veröffentlichen – Vinyl, CD oder in jeder anderen Konfiguration, ganz oder teilweise, nach eigenem Ermessen.“ Allerdings werden nicht automatisch die Urheber- und/oder Markenrechte an den Kompositionen mit erworben. Und auch „alle Marketingpläne und -ideen bedürfen der Zustimmung von Vinnie Vincent“.

Musik wird zum Kunstgegenstand

Guitarmaggedon - Albumcover
Guitarmaggedon – Albumcover

Was, zugegeben, zunächst wie ein exzentrischer PR-Stunt wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen jedoch als zwar radikale, aber durchaus konsequente Antwort auf die faktische Entwertung von Musik: Streamingdienste haben sie jederzeit verfügbar gemacht und gleichzeitig durch die geringen Vergütungen ökonomisch marginalisiert. Vincent dreht dieses Prinzip nun also um. Statt Millionen Hörer mit minimalen Einnahmen anzusprechen, richtet er sich an genau eine Person, bzw. an einen sehr kleinen Kreis potenzieller Käufer, für die zwei Millionen Dollar kein ernsthaftes Hindernis darstellen. Das Album wird damit nicht mehr als Massenprodukt verstanden, sondern als exklusives Gut, vergleichbar mit Kunstwerken oder seltenen Sammlerstücken. Und das war dem 73-Jährigen schon bei vorherigen Veröffentlichungen wichtig. Wer sich mit einem Preis von 200 Dollar für eine Single nicht anfreunden wollte, wurde vom Künstler persönlich in die Schranken gewiesen: „Kein Künstler möchte seine Musik kostenlos an undankbare, selbstherrliche Versager verschenken.“

Mit seinem neuen Modell setzt Vincent also wieder voraus, dass Musik eben nicht für alle zugänglich sein muss. Es geht nicht um Fairness oder Teilhabe, sondern um Wertschöpfung. Das mag auf den ersten Blick gierig und unsozial wirken, ist aber ökonomisch konsequent. Wenn ohnehin nur ein kleiner Teil der Hörer bereit ist zu zahlen, warum dann nicht direkt diejenigen adressieren, die es wirklich können und wollen? Außerdem zieht man, bei Licht betrachtet, mit einem so utopischen Preis eh nur Käufer an, die sowieso zu viel Geld haben.

Ob sich tatsächlich ein Käufer findet, ist natürlich noch dahingestellt. Ebenso wie die Frage, ob der es dann auch der Öffentlichkeit zugänglich macht. Muss er ja nicht. Wir werden sehen.

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