Sandberg Basic Ken Taylor 5 – Testbericht

Bannerbild zum Testbericht des Sandberg Basic Ken Taylor 5 5-String E-Bass.

Sandberg Basic Ken Taylor 5 – Alleskönner mit Charakter

Manchmal kommt alles anders als man denkt. Nachdem ich vor einigen Jahren meinen StingRay aus den Neunzigern aufgrund von Halsschmerzen verkauft hatte, ließ mich die Idee von einem aktiven Bass mit Eschebody und Bridge-Humbucker nicht mehr los. Die Power und Definition, die dieser Bass hatte, war echt der Wahnsinn. Gleichzeitig fehlte es mir aber ein wenig an Flexibilität, denn gerade im Coverbereich muss ich viele verschiedene Sounds liefern können. Durch Zufall bekam ich den Sandberg Basic Ken Taylor 5 Fünfsaiter in die Hand gedrückt und war direkt Feuer und Flamme. Seit gut einem Jahr ist dieser Bass nun mein treuer Begleiter in allen Lebenslagen.

Ken Taylor – Sideman für die ganz Großen

Kommen wir zum Namensgeber dieses Basses. Ken Taylor ist ein in London geborener Bassist mit jamaikanischen Wurzeln und hat im Laufe seiner Karriere mit zahlreichen renommierten Musikern und Bands aus verschiedensten musikalischen Genres zusammengearbeitet, darunter z.B. John Mayall, Keb Mo, Sonny Landreth, Brian May, Desmond Dekker, Peter Maffay und die Scorpions. Bei einer so breitgefächerten Auswahl an Stilistik und Genres braucht es ein zuverlässiges Instrument, das mühelos viele verschiedene Klangfarben abdecken kann.

Frontbild des Sandberg Basic Ken Taylor 5 5-String E-Bass.
(Bild: musicstore.de)

Aufbau und Elektronik:

Klassische Zutaten, aber modern angerichtet, könnte man sagen. Mein Bass hat einen Ahornhals mit Palisandergriffbrett. Die aktuellen Versionen verfügen sogar über einen fünfteiligen Hals aus Ahorn mit Sperrstreifen aus Palisander. Das sorgt für zusätzliche Stabilität, ich kann mich aber auch bei meinem Bass nicht über Halsschmerzen beschweren. Wer möchte, kann auch eine Version mit Ebenholzgriffbrett erwerben. Der Body ist aus Esche und nicht gerade ein Leichtgewicht. Mit 4,5 Kilogramm handelt es sich um ein Instrument, das den Spieler erdet. Hals und Korpus werden mit sechs Schrauben fest miteinander verbunden, die Sandberg Bridge ist ein zusätzlicher Garant für ordentliche Schwingungsübertragung. Am Headstock sitzen fünf Die-Cast-Mechaniken, die zugleich leicht und stimmstabil sind. Mit dem eher dünnen C- Profil lässt sich der Hals meiner Meinung nach sehr gut bespielen. Der Bass verfügt über 24 Bundpositionen und einen zusätzlichen Nullbund – so wird’s gemacht!

Ein echter Blickfang sind die beiden Sandberg Power Humbucker. Auf den großen Gehäusen findet der Daumen reichlich Platz zum ankern. Die Pickups können mittels Volume- und Panorama-Regler gesteuert werden, dazu gibt es einen Miniswitch, der für das Coil-Splitting zuständig ist. Eine aktive 3-Band-Klangregelung rundet das Gesamtpaket stimmig ab. Diese kann bei Bedarf per Push-Pull-Poti deaktiviert werden.

Haptik:

Rückansicht des Sandberg Basic Ken Taylor 5 5-String E-Bass.
Der schlanke 6-fach verschraubte Neck Joint gewährt vollen Zugriff auf alle 24 Bünde. (Bild: musicstore.de)

Mit Fünfsaitern habe ich generell so meine Probleme. In der Regel sprechen sie etwas langsamer an als Vierer, klingen weniger knallig und die Hälse fühlen sich häufig sehr klobig an. Beim Ken Taylor ist das anders. Der Hals spielt sich wie von selbst und ich habe auch bei mehrstündigen Covergigs absolut keine Ermüdungserscheinungen erlebt. Die Stimmmechaniken laufen weich und lassen sich sehr fein justieren. Angenehm schwergängig hingegen bewegen sich die Potis und rasten in Mittelstellung deutlich merkbar ein. So soll das sein. Der Bass hängt gut ausbalanciert am Gurt und neigt kein bisschen zur Kopflastigkeit. Einen breiten, gut gepolsterten Gurt sollte man sich allerdings anschaffen, wenn man mit dem Sandberg Basic Ken Taylor 5 liebäugelt.

Sound:

Bei all den möglichen Klangoptionen weiß man zunächst gar nicht, wo man anfangen soll. Deshalb stelle ich euch hier meine drei Lieblingssettings vor, mit denen ich in verschiedenen musikalischen Kontexten zwischen Schlager, Jazz, Blues, Funk und Metal immer gute Sounds erreichen konnte. Der Bass kann eigentlich noch wesentlich mehr, aber das würde hier den Rahmen sprengen.

Korpusbild des Sandberg Basic Ken Taylor 5 5-String E-Bass.
Zwei kraftvolle Humbucker sind für jeden Spaß zu haben (Bild: musicstore.de)

Ich starte mit beiden Pickups im Single-Coil-Modus und mit deaktivierter Klangregelung. Esche, Ahorn, Palisander und zwei Single Coils, dazu eine passive Schaltung, Die Richtung sollte klar sein! In der Tat werde ich mit dem Sound der späten Sechziger belohnt. Der Bass tönt direkt und straff. Auch die H-Saite klingt sehr definiert. Der Basic 5 liefert genügend Mitten um ortbar zu sein und bietet ein tolles Fundament mit reichlich Tiefe. Die Ansprache ist für einen Fünfer erstaunlich schnell, hier ist nichts von der Trägheit manch anderer Fünfer zu spüren. Auch der Slap-Sound klingt sehr stark nach einem Bass aus amerikanischer Manufaktur. Mit aktivierter Aktivelektronik und einem leichten Boost der Bässe und Höhen geht´s dann richtig ab. Da hätte auch Marcus Miller Spaß dran!

Kraftvolle Sandberg Power Humbucker für sahnige Rock-Sounds

Der Hals-Pickup im Humbucker-Modus liefert die rockigen Sounds. Der Bass klingt voluminöser und druckvoller als ich erwartet hätte. Hier kann man tatsächlich ein wenig die Bässe wegnehmen und die Mitten boosten, um mehr in Richtung des bekannten Split Coil Sounds zu kommen. In diesem Setting wird’s richtig rotzig und dreckig, was mir super gut gefällt und häufig bei Instrumenten dieser Bauart nicht zu finden ist- super! Mit dem Plektrum bekommt man in diesem Setting einen aggressiven Rocksound, der auch mit Zerre richtig Spaß macht.

Kommen wir nun zum Bridgepickup. Ich booste die Bässe und Höhen und bekomme einen sehr knackigen, absolut tragfähigen Sound. Die schnelle Ansprache gepaart mit der nähe zur Brücke, machen das Griffbrett zur Rennstrecke. Der Bass verarbeitet jede kleinste Nuance mit Top Speed. Kann der Ken Taylor Stingray Sounds? Nein, wie mein alter Music Man klingt der Ken Taylor nicht, dieses typische Klicken beim Anschlag fehlt mir. Aber zumindest ist er so nah dran, dass ich sehr gut mit dem Sound Leben kann. Und ich bin mir sicher, dass sich dieser Sound in jedem Kontext durchsetzen kann. Flageollets funtionieren bis zum 3. Bund problemlos.

Fazit:

Sandberg und Ken Taylor haben hier ein eigenständiges Instrument entworfen, welches in die Fußstapfen gleich mehrerer Klassiker treten kann. Die klangliche Ausrichtung ist nicht, wie man bei der Optik denken könnte, ein moderner Edelbass sondern eher eine Ansammlung von Vintagebässen, deren Sounds der Basic 5 alle sehr gut bedienen kann. Natürlich liefert er nicht zu 100% die Sounds der großen Vorbilder, dafür bietet er aber einen eigenständigen Charakter mit toller Definition, schneller Ansprache und ordentlich Druck. Bespielbarkeit und Sound liegen hier auf absolutem Spitzenniveau. Probiert den Bass aus und überzeugt euch selbst!

Sandberg Basic Ken Taylor 5 – Facts

Schrägansicht des Sandberg Basic Ken Taylor 5 5-String E-Bass.
(Bild: musicstore.de)
  • Eschekorpus
  • Fünfteiliger Hals aus Ahorn und Palisander
  • Schlankes C-Halsprofil
  • 24-bündiges Palisandergriffbrett
  • Zwei aktive Sandberg Power Humbucker
  • Volume- und Panorama-Regler
  • Aktive 3-Band-Klangregelung
  • Mini-Switch für Coil-Split und Push/Pull-Volume-Regler für aktiv/passiv
  • Sandberg Bass Bridge 5 und Die-Cast Mechaniken
  • 3-Tone-Sunburst Satin-Finish
  • ca. 4,5 kg schwer
  • Preis: ca. 2000€ auf musicstore.de

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