ESP LTD Deluxe XJ-1 Baritone Silver Blast im Test: Offset-Brett mit 27″-Baritone-Power!

ESP LTD Deluxe XJ-1: Baritone-Punch, ohne Schnickschnack

Bock auf Baritone? Mit der LTD Deluxe XJ-1 Baritone Silver Blast positioniert ESP ein High-End-Instrument für Gitarristinnen und Gitarristen, die sich hauptsächlich in tiefen Tunings bewegen. Als Offset-Liebhaber musste ich mir gerade diese LTD Deluxe genauer anschauen: Das Modell verbindet einen interessanten Look mit einer 27″-Baritone-Mensur und einem einfachen, aber effektiven Elektronikkonzept. Statt vielseitiger Pickup-Konfigurationen setzt ESP auf einen einzelnen aktiven Fishman Fluence Modern Humbucker, der mit zwei Push/Pull-Voicings sowohl volle Humbucker-Power als auch knackige Single-Coil-Sounds liefern kann. Die XJ-1 richtet sich damit klar an alle, die ein stabiles Baritone-Instrument mit ordentlicher Durchsetzungskraft suchen, ohne sich mit Schnickschnack aufzuhalten.

Jedoch stellt sich auch bei dieser schicken E-Gitarre die Frage: Lohnt sich dieses Baritone-Monster mit minimaler Ausstattung für aktuell ca. 1.759 €? Wir checken, wie gut die ESP LTD Deluxe XJ-1 Baritone Silver Blast klingt, wie sie in der Praxis performt und ob sich dieses Metal-Brett überhaupt lohnt!

Konstruktion, Ausstattung und Konzept

Features der ESP LTD Deluxe XJ-1 Baritone Silver Blast

Die ESP LTD XJ-1 Baritone ist als Tiefton-Werkzeug konzipiert, das sich entsprechend gut in tiefen Stimmungen bewegt. Doch blicken wir als Erstes auf’s Äußere: Der Korpus aus Sumpfesche trägt ein sandgestrahltes Silver-Blast-Finish, das nicht nur optisch auffällt, sondern der Gitarre auch eine sehr griffige Haptik verleiht. Kann man mögen oder auch nicht – ich stehe auf die besondere Optik und auf das silberne Finish! Was jedoch direkt negativ aufstößt, ist das Gewicht: Mit etwa 4 kg ist dieses Instrument kein Leichtgewicht. Je nach Modell kann die E-Gitarre auch leichter ausfallen; mein Testmodell war jedenfalls relativ schwer.

Der dreistreifige Hals aus geröstetem Ahorn mit Thin-U-Profil liegt angenehm schlank in der Hand und wird durch ein Griffbrett aus Macassar-Ebenholz mit Block-Inlays ergänzt. Mit 22 Extra-Jumbo-Edelstahlbünden und einem durchgehenden Griffbrettradius von 13,77″ ist die Gitarre klar auf moderne Spielweisen ausgelegt. Block-Inlays, Reverse-Tiltback-Headstock und ein schwarzes Pickguard unterstreichen den Look.

ESP LTD XJ-1 Baritone Silver Blast
ESP LTD XJ-1 Baritone Silver Blast

Die 27″-Mensur ist klar auf tiefe Stimmungen ausgelegt und ermöglicht Tunings bis in Drop-A-Regionen (und tiefer), ohne dass die Saitenspannung unkontrollierbar wird. Auffällig ist, dass ESP hier bewusst auf eine sechssaitige Baritone setzt, die im Vergleich zu siebensaitigen Alternativen deutlich seltener anzutreffen ist.

Auf der Hardware-Seite setzt ESP auf eine Hipshot Hardtail Bridge mit String-Thru-Body-Konstruktion sowie LTD Locking Mechaniken. Die schwarze Hardware trägt ihr Übriges zum Design bei, wirkt jedoch für diese Preisklasse gar nicht mal so hochwertig – in der Praxis arbeitet sie aber weitesgehend zuverlässig und erfüllt ihren Zweck.

Ein kleiner Wermutstropfen zeigte sich direkt zu Beginn: Die hohe e-Saite hatte sich ab Werk aus der Mechanik gelöst. Glücklicherweise ließ sich das Problem schnell beheben und blieb im weiteren Verlauf ohne Folgen (hier habe ich wohl ein besonders schwarzes Schaf erwischt). Abgesehen davon zeigte sich die E-Gitarre sonst im Testbetrieb stabil, sauber eingestellt und zuverlässig.


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ESP LTD XJ-1 Baritone Silver Blast

Praxiserfahrung

Handling, Spielgefühl und Alltagstauglichkeit

Der erste Eindruck nach dem Auspacken ist durchweg positiv. Die Gitarre wirkt hochwertig verarbeitet, optisch edel und ist klar als modernes High-End-Instrument positioniert. Besonders der sandgestrahlte Sumpfesche-Korpus im Silver-Blast-Finish hebt sich in natura deutlich von klassischen Hochglanz- oder Satin-Finish-Modellen ab und verleiht der XJ-1 einen eigenständigen Charakter.

ESP LTD XJ-1 Baritone Silver Blast Korpus
Das sandgestrahlte Silver Blast-Finish in natura.

Mit rund vier Kilogramm gehört die Gitarre nun nicht gerade zu den Leichtgewichten. Für lange, agile Bühnenperformances mag das nicht optimal sein, im Sitzen hingegen liegt die XJ-1 sehr stabil auf dem Bein und vermittelt ein sicheres Spielgefühl. Der Korpus balanciert dabei gut und kippt weder kopf- noch korpuslastig.

Der Hals ist eines der großen Highlights des Instruments. Das schmale Thin-U-Profil in Kombination mit dem gerösteten Ahorn-Hals fühlt sich angenehm, griffig und angenehm vertraut an. Auch der gleichbleibende 13,77″-Radius überzeugt in der Praxis: Sowohl tiefe, schnelle Riffs als auch Spiel in höheren Lagen lassen sich kontrolliert und sauber umsetzen. Wer von Compound-Radien kommt, muss hier natürlich einen Kompromiss eingehen, findet aber dennoch eine sehr ausgewogene Spieloberfläche.

Die 27″-Mensur macht sich dabei besonders bei tiefen Tunings bezahlt: Getestet wurden diversen Stimmungen von Standard-H über Drop-A bis hinunter zu Drop-F. In allen Varianten blieb die Ansprache präzise, die Intonation stabil und das Spielgefühl kontrolliert. Auffällig ist jedoch, dass die höheren Saiten bei sehr tiefen Tunings etwas weicher reagieren können, was ein typisches Phänomen bei gleichbleibenden Baritone-Mensuren im Vergleich zu Multiscale-Konzepten ist.

Sound

Aktiver Fishman Fluence Modern Humbucker mit zwei Voicings

Klanglich wird die XJ-1 vollständig von einem Fishman Fluence Modern Humbucker getragen. Der aktive Pickup liefert einen sehr hohen Output, klare Transienten und eine ausgeprägte Tightness im Bassbereich. In High-Gain-Setups überzeugt der Ton mit präzisem Attack, definierter Ansprache und ausreichend Headroom für moderne Metal- und Djent-Sounds.

Fishman Fluence Modern Humbucker
Fishman Fluence Modern Humbucker

Getestet wurde die Gitarre unter anderem über einen Marshall JVM, einen ENGL Fireball sowie für Clean-Sounds über einen Vox AC4 Handwired. Gerade in Verbindung mit stark verzerrten Amps spielt der Pickup seine Stärken aus und bleibt auch bei tiefen Tunings kontrolliert und durchsetzungsfähig.

Über die Push/Pull-Funktion am Volume-Regler lässt sich ein alternatives Voicing aktivieren, das klanglich einen Coil-Split-Sound liefert. Damit sind überraschend brauchbare Clean- und Crunch-Sounds möglich, die sich gut für cleane Intros, Arpeggios oder dynamischere Passagen eignen.

Der größte klangliche Nachteil liegt weniger im Pickup selbst, sondern im reduzierten Elektronikkonzept. Zwar  bringt der minimalistische Look mit nur einem Pickup seinen gewissen Charme mit, jedoch ist die klangliche Vielfalt mit nur einem Tonabnehmer im Instrument naturgemäß begrenzt. Gerade im Vergleich zu gleichpreisigen oder günstigeren Baritone-Gitarren mit zwei oder mehr Pickups bietet die XJ-1 weniger Klangoptionen. Wer häufig zwischen Hals-, Mittel- und Stegtonabnehmer wechseln möchte, stößt hier an konzeptionelle Grenzen.

Lohnt sich die 27″-Baritone-Mensur für tiefe Tunings?

Ich muss ehrlich sein, dass ich die Gitarre optisch unheimlich schick finde! Jedoch stellt sich beim Baritone-Thema die Frage: Brauche ich wirklich eine längere Mensur für tiefe Tunings? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich bis Drop B wunderbar mit einer Standard-Mensur von 25,5“ klar komme. Um eine knackige Ansprache mit tightem Low-End zu bekommen, ohne matschig zu klingen, muss man nicht zwingend auf die Mensur schauen: Mit einem durchdachten Setup, das nicht auf übertriebene High-Gain-Settings setzt, und einer präzisen Spieltechnik lässt sich bereits genügend Schmackes aus einem Instrument mit 25,5“-Mensur rausholen. Die Devise ist also klar: Hier lohnt es sich erst, wenn es in die allertiefsten Register gehen soll!

Ein weiterer Punkt ist der Vergleich mit Multiscale-Gitarren: Im direkten Vergleich zu einer Multiscale-Gitarre (zum Beispiel 25,5“ bis 27,5“) zeigt sich, dass sich die längere Mensur vor allem in den tiefen Gefilden durch mehr Stabilität und Kontur bezahlt macht, während die kürzere Mensur auf den hohen Saiten – besonders in den oberen Lagen – deutlich komfortabler bleibt und sich geschmeidiger anfühlt.

Fazit: Spezialwerkzeug mit klarer Zielgruppe

Die ESP LTD Deluxe XJ-1 Baritone Silver Blast ist ein Instrument, das seine Stärken vor allem dort ausspielt, wo tiefe Tunings, definierter Attack und stabile Ansprache gefragt sind. Die 27″-Mensur liefert in Drop-Settings ein kontrolliertes Spielgefühl, der Thin-U-Hals mit 13,77″-Radius und Edelstahlbünden wirkt durchweg performance-orientiert, und der Fishman Fluence Modern Humbucker bringt den nötigen hohen Output sowie die gewünschte Tightness für moderne Metal-Sounds mit.

Gerechtfertigter Kosten-Nutzen-Faktor?

Gleichzeitig bleibt die XJ-1 klar ein Spezialwerkzeug für tiefe Regionen: Das hohe Gewicht und das Ein-Pickup-Konzept schränken die Flexibilität ein, und wer im selben Preisbereich eine größere Klangpalette oder ein klassischeres Multitonabnehmer-Layout sucht, findet zwangsläufig Alternativen. Als sechssaitige Baritone im Offset-Design ist die XJ-1 dennoch ein spannender Kandidat – vor allem für alle, die genau dieses reduzierte, kompromisslose Konzept suchen und den Charme dieses Baritone-Bretts mit ins Studio oder auf die Bühne mitnehmen wollen!

Pro

  • Sehr stabiles Spielgefühl bei tiefen Tunings dank 27″-Mensur
  • Schickes Offset-Design mit sandgestrahltem Silver-Blast-Finish
  • Hochwertiger Hals mit angenehmem Thin-U-Profil und Macassar-Ebenholz-Griffbrett mit Edelstahlbünden
  • Durchsetzungsstarker Sound dank Fishman Fluence Modern Humbucker mit zwei Push/Pull-Voicings

Contra

  • Hohes Gewicht von ca. vier Kilogramm
  • Nur ein Pickup, daher eingeschränkte Klangvielfalt

Link zur Herstellerseite: ESP Guitars


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ESP LTD XJ-1 Baritone Silver Blast

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