Fender 75th Anniversary Cabronita Telecaster im Test: Brenn, kleiner Teufel!

Test: Fender 75th Anniversary Cabronita Telecaster

Als bekennender Cabronita-Liebhaber wurde ich sofort hellhörig, als Fender im Rahmen der 75th Anniversary Collection neue Modelle dieser etwas anderen Telecaster-Variante angekündigt hat. Die Cabronita nimmt innerhalb der Fender-Welt mit ihrer Telecaster-Bauform und den Filter’Tron-Pickups eine Sonderrolle ein, was sie für mich persönlich besonders spannend macht. Ich hatte in der Vergangenheit die Gelegenheit, einige Custom-Shop-Modelle anzuspielen und war sofort vom Cabronita-Konzept begeistert: Es gibt keinen klar benennbaren Grund dafür, sondern vielmehr die Kombination aus vertrautem Tele-Spielgefühl und einem etwas anderen Klangbild durch die verbauten Filter’Tron-Pickups.

Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass sich die Cabronita spürbar von klassischen Telecaster-Modellen mit Single Coils abhebt, ohne ihre Wurzeln in Sachen Handling und Feeling zu verlieren. Umso interessanter ist es, dass Fender dieses Konzept nun erneut aufgreift, nachdem serienmäßige Cabronita-Modelle lange Zeit kaum verfügbar waren.

Zuletzt gab es günstigere Fender-Modelle aus mexikanischer Produktion sowie Squier-Modelle etwa zwischen 2012 und 2014 – seitdem war es eher ruhig um die Serie geworden. Zwar gab es vor nicht allzu ferner Zeit immer mal wieder Limited Editions des Modells – diese bleiben preislich jedoch in hochpreisigen Regionen angesiedelt.

Fender Custom Shop Gitarrenbauer Mike Eldred erschuf die Cabronita. – Quelle: musicradar.com

Ein Blick in die Historie zeigt, dass die Cabronita in dieser Form ursprünglich aus dem Fender Custom Shop stammt. Entwickelt wurde sie ab 2007 von Mike Eldred, mit dem Ziel, bewusst „gegen den Strich“ zu gehen und eine reduzierte Telecaster-Variante mit unterschiedlichem Sound zu schaffen.

Die Kombination aus klassischer Tele-Form und Gretsch-inspirierten Filter’Tron-Pickups machte das Konzept schnell beliebt. Der Name „Cabronita“ – frei übersetzt etwa „kleiner Bastard“ oder „kleiner Teufel“ – passt dabei ziemlich gut zu diesem unkonventionellen Ansatz.

Mit der 75th Anniversary American Professional Classic Cabronita Telecaster bringt Fender nun eine moderne Interpretation dieses Konzepts zurück.

In auffälligen Finishes wie Candy Apple Red oder Ice Blue Metallic und mit hochwertiger Ausstattung auf American-Professional-Niveau können wir uns also auf frische Cabronita-Ausführungen freuen!

Features und Konzept: Die etwas andere Telecaster

Beim Öffnen des Koffers macht die E-Gitarre einen tollen ersten Eindruck. Das Candy Apple Red-Hochglanz-Finish macht in natura eine hübsche Figur und verleiht der Cabronita einen wirklich schicken Look. Auf den ersten Blick bleibt die Cabronita klar als Telecaster erkennbar: Korpusform, Mensur und grundlegende Ergonomie orientieren sich stark am Original. Dennoch gibt es einige entscheidende Unterschiede, die das Modell deutlich vom klassischen Telecaster-Konzept abgrenzen.

Fender 75th American Professional Classic Cabronita Telecaster Candy Apple Red
Fender 75th American Professional Classic Cabronita Telecaster Candy Apple Red

Das auffälligste Merkmal sind die verbauten TV Jones Filter’Tron Classic Pickups in Hals- und Stegposition. Diese sind üblicherweise bei den meisten Gretsch-Modellen zu finden und liefern einen ganz eigenen Klangcharakter, der sich zwischen klassischen Fender Single Coils und dem etwas dunkleren Humbucker-Sound bewegt.

Sie klingen zwar klarer und luftiger als typische Humbucker, bieten aber gleichzeitig mehr Wärme und Fülle als traditionelle Single Coils, auch wenn der Output mit etwa 4,8 kOhm etwas geringer ist als bei klassischen Telecaster Single Coils wie etwa den Pure Vintage ’51 Telecaster Pickups. Diese sind beispielsweise in der Fender 75th Anniversary Vintera Road Worn 1951 Telecaster verbaut und liefern mit etwa 7,8 – 7,15 kOhm etwas mehr Output.

Elektronik-Layout & Hardware

Auch das reduzierte Elektronik-Layout gehört zum Cabronita-Konzept. Statt der klassischen Telecaster-Schaltung mit Volume- und Tone-Regler setzt Fender hier auf ein bewusst minimalistisches Setup mit einem Volume-Regler und 3-Wege-Schalter. Diese Reduktion sorgt nicht nur für eine aufgeräumte Optik, sondern lässt auch mehr Höhenanteile im Signal bestehen, da kein Tone-Poti im Signalweg liegt.

Ein weiteres Detail ist die String-Thru Hardtail-Bridge mit sechs Reitern, die im Vergleich zu klassischen 3-Saddle-Tele-Bridges eine modernere Ansprache und präzisere Einstellung der Saitenlage ermöglicht. In Kombination mit den Deluxe Mechaniken mit Perloid-Buttons ergibt sich ein insgesamt sehr hochwertiger Hardware-Eindruck.

Der Hals folgt dem bekannten Fender-Standard moderner Instrumente: Modern „C“-Profil, 9,5“-Radius und Medium-Jumbo-Bünde sorgen für ein vertrautes Spielgefühl, das sich besonders für alle eignet, die bereits Erfahrung mit aktuellen Fender-Modellen haben.

Insgesamt bleibt die Cabronita also ihrer Philosophie treu: Sie übernimmt die Grundstruktur der Telecaster, interpretiert sie aber durch andere Pickups, vereinfachte Elektronik und moderne Hardware neu.


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Fender 75th American Professional Classic Cabronita Telecaster Candy Apple Red

Praxistest: Handling, Verarbeitung und Sound

Vertrautes Spielgefühl dank Tele-DNA

Beim ersten Anspielen stellt sich sofort ein vertrautes Gefühl ein. Trotz ihres eigenständigen Konzepts bleibt die Cabronita im Kern eine Telecaster, was man definitiv nicht leugnen kann. Der Hals liegt dank Modern-„C“-Profil angenehm in der Hand, und der 9,5“-Radius sorgt für eine gute Balance zwischen Akkordspiel und Lead-Performance.

Fender 75th American Professional Classic Cabronita Telecaster Candy Apple Red Geschraubter Modern-"C"-Hals aus Ahorn mit Ahorngriffbrett im 9,5"-Radius.
Geschraubter Modern-„C“-Hals aus Ahorn mit Ahorngriffbrett im 9,5″-Radius.

Das Instrument wirkt insgesamt sehr ausgewogen, sowohl im Sitzen als auch im Stehen. Korpus und Hals harmonieren gut miteinander, und das Gewicht ist angenehm verteilt. Gerade im direkten Vergleich zu anderen Telecaster-Modellen aus der American Professional- oder der 75th Anniversary-Serie fällt auf, dass sich die Cabronita in Sachen Ergonomie und Handling kaum unterscheidet.

Hardware und Verarbeitung

Auch die Verarbeitung hinterlässt einen überwiegend hochwertigen Eindruck. Die 6-Saddle-Bridge ist sauber gefertigt und bietet eine stabile Grundlage für Intonation und Saitenlage. In Kombination mit den Mechaniken bleibt die Stimmung auch nach längeren Sessions zuverlässig stabil.

Ein kleiner Kritikpunkt zeigte sich bei meinem Testinstrument jedoch: Der 3-Wege-Schalter wirkte etwas locker, obwohl die Gitarre frisch aus dem Koffer kam. Hier könnte es sich allerdings auch um einen Einzelfall handeln, da die Elektronik ansonsten einwandfrei funktioniert hat. Der Volume-Regler hingegen fühlte sich hochwertig an und ließ sich präzise bedienen.

Sound: TV Jones Filter’Tron Pickups – Der eigentliche Star der Cabronita

Klanglich zeigt die Cabronita sofort, warum sie sich so deutlich von klassischen Telecaster-Modellen abhebt. Getestet wurde die Gitarre unter anderem über einen Fender Blues Junior, einen Princeton Reverb sowie einen Mesa Boogie Mark VII – jeweils in Clean-, Crunch- und High-Gain-Settings (Ja, ich wollte die klanglichen Grenzen des Instruments auch in rauen Gefilden voll austesten).

Die verbauten TV Jones Filter’Tron Pickups liefern dabei einen sehr artikulierten und dynamischen Sound. Besonders im Clean-Bereich fällt die klare Ansprache auf, die sich hervorragend für detailreiche Riffs und Stile eignet. Der Steg-Pickup bringt dabei eine gewohnt mittenbetonte Charakteristik mit, während der Hals-Pickup mehr Volumen und Wärme liefert.

TV Jones Filter’Tron Pickups und 6-Saddle String-Thru Hardtail Bridge.
TV Jones Filter’Tron Pickups und 6-Saddle String-Thru Hardtail Bridge.

In Kombination mit Reverb- oder Tremolo-Effekten entfaltet die Gitarre ihr volles Potenzial. Der Klang wirkt offen, lebendig und gleichzeitig kontrolliert im Low-End. Man bekommt eine interessante Mischung aus dem Attack eines Single Coils und der Fülle eines Humbuckers – allerdings mit deutlich geringerem Output und einer eigenen, leicht „growligen“ Note, wenn man härter anschlägt.

Auch im Crunch-Bereich funktioniert die Cabronita hervorragend. Akkorde bleiben klar definiert, und einzelne Noten setzen sich wunderbar durch, ohne zu matschig zu klingen. Gerade hier zeigt sich die Stärke der Filter’Tron-Pickups, die eine sehr starke Dynamik bieten.

Überraschend gut schlägt sich die Gitarre auch in High-Gain-Settings. Zwar ist sie selbstverständlich nicht für moderne Metal-Sounds konzipiert, dennoch lassen sich auch mit höheren Gain-Settings satte Leads und schnelle Riffs umsetzen. Ein gewisses Grundrauschen bleibt dabei bestehen, was für diesen Pickup-Typ zwar typisch ist, sich jedoch im Rahmen hält.

Ihre größten Stärken spielt die Cabronita jedoch klar in den unteren Gain-Bereichen aus. Besonders für Genres wie Blues, Country oder klassischem Rock liefert sie einen charakterstarken Sound, der sich deutlich vom Standard-Tele-Twang abhebt, ohne an Vielseitigkeit einzubüßen.

Fazit: Cabronita im Serienprogramm – rar gesät und entsprechend hoch angesiedelt

Die Fender 75th Anniversary American Professional Classic Cabronita Telecaster verbindet auf gelungene Weise das vertraute Telecaster-Spielgefühl mit einem eigenständigen Klangkonzept, das sich deutlich vom klassischen Single-Coil-Sound abhebt. Gerade Spieler, die bereits an moderne Fender-Hälse gewöhnt sind, werden sich hier sofort zuhause fühlen, während die Filter’Tron-Pickups für frischen Wind im Klangbild sorgen.

Besonders überzeugend ist die Gitarre im Clean- und Crunch-Bereich, wo sie ihre Stärken voll ausspielen kann. Die artikulierte Ansprache, die offene Dynamik und der charakteristische Mix aus Single-Coil-Attack und humbuckerartiger Fülle machen sie zu einem äußerst vielseitigen Werkzeug für Genres wie Blues, Country oder klassischen Rock. Gleichzeitig zeigt sich im Test, dass auch Experimente mit höheren Gain-Settings durchaus möglich sind. Zwar ist die Cabronita keine typische High-Gain-Maschine, dennoch liefert sie auch in härteren Gefilden brauchbare Ergebnisse und überrascht mit ihrer Flexibilität.

Alternativen unterhalb des High-End-Segments

Preislich bewegt sich das Modell klar im American-Professional-Segment und liegt damit im Bereich um ca. 2.000 €. Das ist zweifellos eine Investition, die nicht jeder tätigen kann oder möchte. Wer vor allem auf den grundsätzlichen Filter’Tron-Sound aus ist, findet im Gretsch-Sortiment durchaus günstigere Solid-Body-Alternativen wie beispielsweise die Gretsch G5232T Electromatic Double Jet FT Bigsby. Wer gleich nach einer Hollow-Body-Variante Ausschau hält, wird mit der Fame SE Big Boy II eine preislich attraktive E-Gitarre mit Filter’Trons finden. Diese Alternativen bieten jedoch nicht das klassische Fender-Spielgefühl, das die Cabronita so besonders macht, schonen aber definitiv den Geldbeutel.

Unterm Strich ist die Cabronita vor allem für alle interessant, die bewusst nach einer Telecaster mit eigenem Charakter suchen. Also vertraut im Handling, aber anders im Sound. Kleinere Kritikpunkte wie der etwas locker wirkende 3-Wege-Schalter beim Testinstrument trüben den insgesamt sehr hochwertigen Eindruck nur minimal.

Pro

  • Vertrautes Telecaster-Feeling dank moderner Fender-Specs
  • Charakterstarker Filter’Tron-Sound mit hoher Dynamik
  • Hochwertig verarbeitete Hardware (6-Saddle Bridge und Deluxe Cast/Sealed Mechaniken) mit stabiler Stimmung und Intonation
  • Starker, eigenständiger Look mit sauber verarbeitetem Hochglanz-Finish

Contra

  • Preislich mit ca. 2.000 € im oberen Preissegment angesiedelt
  • 3-Wege-Schalter wirkte beim Testinstrument etwas locker

 


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Fender 75th American Professional Classic Cabronita Telecaster Candy Apple Red

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