Ein gemeinsames Album hatten Peter Maffay und Johannes Oerding eigentlich gar nicht auf dem Zettel, eher ein paar einzelne Songs. In Tutzing sichteten die langjährigen Freunde Songmaterial und nahmen erste Demos auf. Rock’n’Roll, Rhythm & Blues und Country gehören bei beiden zu den musikalischen Wurzeln, und für die Aufnahmen ging es schließlich nach Tennessee: Im Blackbird Studio in Nashville spielten sie mit Musikern vor Ort innerhalb von fünf Tagen elf Songs ein. Auf jedem sind beide zu hören. Das Ergebnis heißt schlicht „Nashville“ und bringt Maffay nach seiner Abschiedstour 2024 nun doch wieder auf große Tournee. Im April und Mai 2027 präsentieren die beiden ihr Album gemeinsam in den Arenen. Los geht es am 15. April in Oberhausen.
Interview
„Eine Gitarre ist ein Stück Holz, das sich verändert“
Ihr habt ‚Nashville‘ ebendort mit lokalen Szene-Größen im Blackbird Studio aufgenommen. Hattet ihr da eure eigenen Instrumente dabei?
Johannes Oerding: Ja, aber das war crazy: Ich war schon in vielen Studios, und Peter in noch viel mehr. Aber im Blackbird-Studio gibt es einen großen Raum, der hart gesichert ist, inklusive Sicherheitsmann, der da drin sitzt. Das ist ein Instrumentenverleih im eigenen Studio. Und das war wirklich wie ein Spielzeugparadies für uns. Denn sie haben dort alle Gitarren, die du dir vorstellen kannst, aus sämtlichen Jahrzehnten. Teilweise von Leuten wie Johnny Cash oder Elvis selbst noch gespielt. Und uns wurde gesagt: Nehmt, was ihr braucht, auf geht’s.
Peter Maffay: Da gab es ganz ausgeflipptes Zeug, was man auf dem Markt im Grunde genommen gar nicht mehr bekommt. Du kannst dir alles ausleihen. Und die sind sehr, sehr gut sortiert, das muss man wirklich sagen. Außergewöhnlich.
Spielt man auf Instrumenten, die eine solche Geschichte haben anders als auf einer neuen Gitarre?
Peter Maffay: Ich glaube letztlich nicht, aber auf einer Gitarre zu spielen, auf der angeblich Johnny Cash gespielt hat, erzeugt dann doch eine gewisse Habachtstellung.
Johannes Oerding: Placebo. Das ist auf jeden Fall ein gutes Placebo, wenn so eine Gitarre auch noch eine Geschichte hat. Aber was natürlich ganz klar ist, wenn du eine Gitarre hast, die schon gespielt und benutzt wurde, merkst du das der Gitarre an. Die schwingt anders als eine neue, die du aus der Folie holst. Die klingt anders, die riecht anders, sieht anders aus. So eine Gitarre ist halt ein Stück Holz, das sich verändert.
Peter Maffay: Wie ein guter Wein. Ein guter Wein wird ja auch mit der Zeit noch gehaltvoller. Und das Holz, welches sorgfältig ausgewählt wurde für ein Instrument und dann jahrelang fürsorglich behandelt worden ist, erzeugt einen ganz besonderen Klang. Aber selbst wenn das nur Einbildung wäre, ist es auch schon etwas Gutes.

„Früher oder später gelangt jeder Musiker zu den Classics“
Hattet ihr diesen Sound von vornherein beim Schreiben schon im Kopf? Wolltet ihr amerikanisch klingen?
Johannes Oerding: Ja, das war im Grunde genommen der Ausgangspunkt. Peter und ich haben gemerkt, dass wir beide diesen Country-Style, das Folkige und den Americana-Sound sehr mochten. Somit war ziemlich schnell klar, dass es genau in diese Richtung geht. Handmade und gitarrenlastig.

Peter Maffay: Im Grunde genommen basieren viele Songs von Johannes und auch von mir auf drei Harmonien. Natürlich schleicht sich auch mal eine vierte oder fünfte irgendwo rein, aber im Grunde genommen ist das die Basis unserer Lieder. Und verfolgt man die ganzen Stilentwicklungen zurück, merkt man, dass man das aus Produktionen aus dieser Ecke für sich generiert hat. Man hat die Inspirationen aufgenommen, ohne zu reflektieren warum und weshalb, einfach nur, weil es gefallen hat.
Ihr seid ja altersbedingt musikalisch sehr unterschiedlich sozialisiert. Wo seht ihr trotzdem die Gemeinsamkeiten oder die gemeinsame Bezugspunkte?
Johannes Oerding: Wir haben natürlich unterschiedliche Musik gehört, aber es gibt ja auch junge Künstler, die aus Tenessee stammen. Ich bin zum Beispiel mit Justin Timberlake groß geworden. Der hat dort die Schulbank für Musiker gedrückt, wenn man so will. Heutzutage gibt es Taylor Swift und dergleichen sowie viele andere Country-Künstler, mit denen ich mich beschäftigt habe. Früher oder später gelangt aber jeder Musiker irgendwie zu den Classics. Das heißt, wir können beide auch über Elvis reden, der auch lange da war und wir kennen Dolly Parton-Songs.
Peter Maffay: Ich fand das immer schon spannend: Als ich vielleicht 18 war, spielten wir Beat-Musik. Ich hatte zu der Zeit eine Schulfreundin, die fragte mich, ob ich schon was von Joan Baez gehört habe. Ich kannte sie nicht. Aber dadurch fingen wir an, Bob Dylan und Joan Baez zu hören. Und ich fing an, das zu mögen. 14 Jahre später standen wir dann mit Joan Baez in Bad Segeberg bei unserem ersten Open-Air-Konzert auf der Bühne. Und das waren auch hauptsächlich Lieder mit drei Harmonien.
Ihr musstet bei den Songs in puncto Tonart zwei Stimmlagen treffen, sodass es sich für euch beide zum Singen gut anfühlt. Kam das natürlich oder musstet ihr viel herumprobieren?
Johannes Oerding: Das ist der große entscheidende Vorteil an dieser Konstellation. Peter hat eine sehr tiefe, sonore Stimme, aber trotzdem eine große Range. Und bei mir ist das eigentlich komplett versetzt in die andere Richtung. Ich komme sehr hoch, aber dafür nicht tief, sodass wir uns da schon mal nicht in die Quere kommen. Das heißt, wir können immer genau aufteilen. Darüber hinaus haben wir unterschiedliche Stimmfarben. Deshalb war klar, dass auf dem Album von vorne bis hinten nur wir beide singen, ohne noch eine dritte, vierte oder fünfte Stimme. Das war uns sehr wichtig.
Peter Maffay: Einer meiner Favorites waren immer die Everly Brothers. Sowas schwebte mir immer vor. Diese Art zusammen zu singen und zu spielen, die Kompositionen fand ich immer genial. Natürlich gibt es Situationen, wo es mir zu hoch ist zu singen und Johannes zu tief. Aber dann kreiert man andere Lines. Wenn die Komposition sonst stimmig ist, kann man das zu einem gewissen Maß machen, ohne dass man den Song kaputt macht.
Johannes Oerding: Peter verwendet keinen Capo. Ich bin ein Capo-König, denn ich habe für mich meine Griffwelt festgelegt. Natürlich lerne ich immer mal wieder ein paar neue Akkorde dazu, aber für meine Art und Weise, wie ich spiele, brauche ich offene Akkorde. Ich bin also derjenige, der die ganze Zeit den Capo verschiebt, aber auch, damit die beiden Gitarren eine Ausgewogenheit haben. Wenn Peter unten spielt, vielleicht sogar mit einer Baritongitarre, da spiele ich mit einem hohen Capo, um genau auch da wieder alles aufzufächern und wirklich abzudecken.

Live 2027: „Wir wollen einen großen Zirkus“
Wie werdet ihr die Arrangements auf der kommenden Tour live umsetzen?
Johannes Oerding: Es wird Momente geben, wo wir zu zweit spielen. Da bin ich mir ziemlich sicher. Aber im Grunde genommen wird die ganze Tour so aussehen, dass Peter seine ganze Mannschaft mitnimmt und ich auch. Wir haben uns von Anfang an gesagt, wir wollen einen großen Zirkus haben, der von Dorf zu Dorf reist. Wir haben sogar auch Leute aus Nashville mit dabei, die uns dann ganz besonders bei dem Nashville-Part unterstützen. Aber du kannst dir vorstellen, wenn Peter und ich nicht auch die Klassiker und unsere Hits oder Lieblingssongs der Fans spielen, dann gibt es Ärger.
Deshalb werden wir dieses Nashville-Album in Klassikern einbetten. Das wird ein großes Hallo auf der Bühne. Wir spielen in der Mitte der Arenen, also 360-Grad-Bühne, sodass die Leute uns auf die Hände und Füße gucken können und mit dabei sind.
Peter Maffay: Das war auch eine Frage der Loyalität. Wir kosten im Augenblick diese Situation, ein Album gemacht zu haben, aus, während die anderen zu Hause sitzen und sich fragen, was die Zukunft bringt. Als wir dann gesagt haben, wir nehmen alle mit, war jeder erleichtert. Ich glaube auch, dass es zu Konstellationen kommen wird, die es vorher so nicht gegeben hat. Aber der klarste Block wird der Nashville-Block sein, denn der hat ganz bestimmte Musiker, Arrangements usw. Die werden wir so liefern. Aber alle anderen Sachen, die Hits von Johannes bis zu meinen Gassenhauern, die kann man gemischt spielen mit neuen Impulsen aus der jeweils anderen Band. Das finde ich enorm spannend.

Tourdaten
15.04. Oberhausen, Rudolf Weber-Arena
17.04. Berlin, Uber Arena
18.04. Hamburg, Barclays Arena
19.04. Dortmund, Westfalenhalle
21.04. München, Olympiahalle
23.04. Köln, Lanxess Arena
24.04. Frankfurt, Festhalle
25.04. Frankfurt, Festhalle
27.04. Hannover, ZAG Arena
29.04. Leipzig, Quarterback Immobilien Arena
02.05. Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle
WEBSITES
www.maffay.de
www.johannesoerding.de

