Klangtüftler mit Vision: Ein Gespräch mit den Gründern von Fieldfare Audio
Guter Sound ist mehr als reine Technik – er ist ein Erlebnis, das Emotionen weckt und den Raum füllt. Genau dieser Überzeugung folgen die Gründer von Fieldfare Audio mit jeder Faser. Mit einem unerschütterlichen Fokus auf Qualität, Handwerkskunst und innovativen Klanglösungen hat das junge Unternehmen schnell die Aufmerksamkeit von Pedalliebhabern und Audiophilen erregt. Doch was treibt die Gründer an? Was unterscheidet ihre Philosophie von der der großen Player der Branche? Und was genau passiert eigentlich in einem Pedal, da innen drinne?
In diesem Interview sprechen wir mit Alex und Michael, den kreativen Köpfen hinter Fieldfare Audio, über ihren Werdegang, ihre Motivation und auch über Mythen und Legenden auf der technischen Seite. Ein Blick hinter die Kulissen einer Marke, die beweist, dass exzellenter Sound nicht nur aus einem Pedal kommt – er kommt vom Herzen!
Was ist Euer (musikalischer) Background? Wie seid ihr dazu gekommen, an Pedalen zu schrauben?
Alex: Mein Musikalischer Background hat angefangen beim Punk / Skatepunk und ist Mittlerweile beim Metalcore und Post-Hardcore angekommen. Pedale hab ich angefangen zu bauen, weil ich mir als Jugendlicher die Pedale einfach nicht leisten konnte. Löten habe ich mir dann mit dem ersten Tubescreamer-Bausatz selbst beigebracht.
Wie lange gibt es Fieldfare Audio und was war für euch die Initialzündung?
Michael: Gegründet haben wir uns 2021. Die Idee kam uns 2020 während einer beruflichen Reise nach Bulgarien. Dort an der Hotelbar, bei ein paar Gin Tonics, haben wir ein wenig herumgesponnen. Der Traum, Pedale auch offiziell zu bauen, schwirrte Alex schon lange im Kopf herum. Da wir beruflich die gleichen Wurzeln haben und Alex sich mehr auf den technischen Entwicklungspart spezialisiert hat und ich mehr auf den kaufmännischen Teil, hat das bestens zusammen gepasst.
Wieso habt ihr Euch Fieldfare Audio genannt? Laut Wikipedia ist Fieldfare der englische Name der Wacholderdrossel. Habt ihr einen bestimmten Bezug zur Wacholderdrossel?
Alex: Die Wacholderdrossel kommt daher, dass wir die Idee für Fieldfare Audio, wie erwähnt, bei 1 – 5 Gläsern Gin Tonic hatten. Wacholder ist Hauptbestandteil von Gin. Bei der Namenssuche führte dann das eine zum anderen. So einfach ist es dann!
Wo ist Euer Firmensitz und wie viele Mitarbeiter sind bei Euch aktiv?
Michael: Unser Firmensitz ist im Kölner Umland, und wir sind eine Two-Men-Show. Von der Entwicklung über das Bauen bis hin zum Verpacken und Verschicken machen wir alles selbst.
Das ist ja spannend, also zuerst im stillen Kämmerlein getüftelt und dann raus in die Welt. Wie man sich ein klassisches Startup vorstellt: Zwei Freunde, eine gute Idee und ein Keller/eine Garage. Welche schönen Sachen schraubt und lötet ihr hier im Kölner Umland? Oder kurz:
Was finden wir in Eurem Sortiment?
Michael: Im Moment haben wir fünf Verzerrer im Angebot: Fury-Fuzz, Antares-Overdrive, Revolt-Screamer, Reactor-Distortion und den Antiheld-Bass-Distortion. Außerdem bieten wir Sonderanfertigungen von Kabeln an, und unsere Potistopper gibt es als 10er-Pack zu kaufen. Bei den Pedalen liegen immer ein paar Potistopper kostenlos bei. Diese verhindern ein versehentlichen Verstellen der Potis.

Niemand, der ganz bei Sinnen ist, würde behaupten, es gäbe schon genug Verzerrerpedale auf der Welt. Es wäre aber falsch zu sagen, dass es recht wenige „da draußen“ gibt. Was macht die Fieldfare Pedale so besonders? Wodurch hebt Ihr Euch von der massiven Konkurrenz ab?
Alex: Wir sind Musiker, und Musiker sind Künstler. Auch Gitarrenpedale verstehe ich als Kunst. Wenn man einen Musiker fragt, ob es nicht schon genug Songs gibt, werden die wenigsten sagen, dass es reicht, was es gerade gibt. Für uns ist es Kunst, Pedale zu designen und Sounds zu kreieren. Für unsere Kunden sind sie Werkzeuge, um ihre eigene Kunst zu erschaffen. Jedes Pedal klingt etwas anders und schafft für den Anwender neue Ideen.
Ja, da kann ich Dir nur zustimmen! Jedes neue Pedal ist eine weitere Farbe auf der Sound-Palette.
Alex: Bei mir ist es so: Sobald ich ein neues Pedal ausprobiere, spiele ich direkt anders – ein anderer Stil, andere Geschwindigkeiten, neue Akkordfolgen, abseits des Bekannten. Wir versuchen, Produkte zu schaffen, die klare Linien verfolgen, eine edle Haptik haben und qualitativ einfach hochwertig sind. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich finde, es gibt genug Platz für noch mehr Pedale.
Ich merke wir sind on the same page! Wenn ein Pedal die Spielweise ändert, macht es den Spieler kreativ. Wenn es kreativ macht, muss ich’s haben! Wo wir schon beim Thema Kreativität sind, ich liebe Verzerrer, aber ich muss zugeben, dass gerade Modulation, Hall und Echos mir einen riesigen Inspirationskick verpassen. Daher die nächste Frage:
Bleibt ihr vorerst bei Zerrern, oder können wir uns auf Effekte anderer Art von Euch freuen?
Alex: Es bleibt definitiv nicht bei Verzerrern. Ich denke, als Nächstes kommt ein Delay oder ein Chorus. Ich probiere gerade in beide Richtungen herum. Außerdem können wir uns vorstellen, auch abseits von Effekten zu entwickeln. Wir heißen ja Fieldfare Audio und nicht Fieldfare Effects. Kabel haben wir ja bereits im Programm; vielleicht kommt da noch etwas dazu. Konkrete Pläne gibt es aber noch nicht.
Du weißt wie man Vorfreude weckt! Ich hatte schon die Freude, eure Verzerrer zu probieren und sehr, sehr viel Spaß damit gehabt. Naja, was soll ich sagen? Der Revolt Screamer hat jetzt einen Platz auf meinem Board. Ich bin sehr gespannt womit ihr uns in Zukunft noch überrascht.
Da ich mit Euch zwei technisch versierte Profis vor mir sitzen habe, nutze ich die Gelegenheit und stelle Euch ein paar Fragen, die gern von Spielern gestellt werden, für die das Innere eines Pedals schwarze Magie ist. Hier gehen wir auf technisch grundlegende Themen und auch ein Paar Mythen ein:
Aus wie vielen und welchen Komponenten besteht ein Zerrpedal in der Regel und was unterscheidet einen Gitarren-Zerrer von einem Bass-Overdrive?
Alex: Das kann man pauschal gar nicht sagen. Ein Fuzz besteht in der Regel aus vergleichsweise wenigen Komponenten. Von Overdrives/Distortions bis hin zu Delays und Reverbs kann die Komplexität jedoch extrem ansteigen. Bei einem Bass-Overdrive bzw. allgemein bei Bass-Effekten werden die tiefen Frequenzanteile besonders behandelt. Entweder werden sie nicht weggefiltert, oder es gibt einen parallelen Signalpfad, damit man z. B. nach der Verzerrung das trockene Signal wieder dazumischen kann. Das macht man, um den Druck und den Attack des Basses nicht zu verlieren.
Kann man einen Verzerrer-Schaltkreis in einem Pedal mit dem in einem Amp vergleichen?
Alex: Auch das kann man nicht pauschal sagen. Viele Pedale sind tatsächlich wie Preamps aufgebaut, also mehrere Verstärkungsstufen kaskadiert, um mit jeder Stufe etwas mehr Verzerrung hinzuzufügen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der „Diablo“ von OKKO. Andere Verzerrer sind jedoch wieder anders designt: eine einzige Verstärkungsstufe, die das Signal hart clippt. Ein Beispiel dafür ist das „Distortion Plus“ von MXR.
Interessant. Also wenn man denkt, ein Pedal „fühlt sich wie ein Amp an“, ist es doch kein Voodoo oder Einbildung, sondern der Ähnlichkeit der Arbeitsweise dieser Schaltkreise geschuldet. Von Voodoo kommen wir direkt weiter zum nächsten Thema, nämlich Sagen und Legenden rund um Strom und Netzteile:
Alex: Netzteile könnten ein eigenes Kapitel füllen …
Wie Recht du hast! Daher versuchen wir’s recht kurz zu fassen und gehen die gängigsten Fragen/Mythen durch:
1. Die Spannung muss stimmen, sonst kann ein Pedal/Gerät beschädigt werden. Richtig oder falsch?
Alex: Bei der Spannung muss erstens die Höhe und zweitens die Polarität stimmen. Gegen Verpolen sind manche Pedale geschützt, aber erschreckend viele leider nicht. Gegen Überspannung sind die wenigsten geschützt. Es gibt Pedale, die mit verschiedenen Spannungen klarkommen, was auch den Klang beeinflussen kann. Bevor man so etwas ausprobiert, sollte man jedoch unbedingt ins Manual schauen, ob das möglich ist.
2. Wenn die Pedale dafür ausgelegt sind, mit anderer Spannung gefahren zu werden, spricht man der Änderung der Spannung verschiedene Auswirkungen auf den Sound zu. „Mit höherer Spannung (z.B. 18 Volt statt 9 Volt) hat’s mehr Headroom“, oder „Mit einem Dimmer oder einer fast leeren 9V Batterie klingt’s besser.“
Alex: Beim Strom haben viele Leute gefühlt mehr Probleme. Man muss darauf achten, dass das Netzteil genug Strom zur Verfügung stellt. Das könnte man mit Geld vergleichen: Wenn man sich ein Pedal kaufen möchte, das 99 Euro kostet, schadet es niemandem, 150 Euro mitzunehmen. Das heißt, wenn das Netzteil eine höhere Stromangabe hat, als auf dem Pedal steht, ist das völlig in Ordnung.
18V müssen nicht unbedingt besser klingen. Bei Verzerrern kann es sein, dass sie dadurch mehr Headroom bekommen, aber das hängt stark vom Pedal ab. Genauso ist es mit weniger Spannung. Bei Fuzz-Pedalen wird das gerne gemacht, da sie dann komprimierter klingen, was sogar so weit gehen kann, dass sich eine Art Octaver daraus entwickelt.
Oh wow, dass es bis zum Oktaveffekt gehen kann, wusste ich selbst nicht! Nun weg von den Geräuschen, die wir von einem Pedal hören wollen, hin zu jenen, die wir auf gar keinen Fall hören wollen: Viele Sagen und Legenden ranken sich um das Thema Stromversorgung, besonders bei der Frage Analog- oder Digitaleffekte. Könnt ihr da vielleicht noch etwas Licht ins Dunkel bringen?
Alex: Brummen kann ebenfalls am Netzteil liegen, genauso wie Rauschen, Knistern usw. Wenn das Netzteil schlecht gefiltert ist, eine schlechte Schirmung hat oder nicht galvanisch getrennt ist, kann alles Mögliche einstreuen oder Masseschleifen können entstehen. Besonders bei digitalen Effekten, die an einem Netzausgang mit analogen Pedalen hängen, gibt es oft Probleme. Hier ist es meistens so, dass das digitale Pedal den Strom „verschmutzt“.
Und zu guter Letzt weg vom technischen, zurück zum Spielspaß. Habt ihr ein Lieblingspedal? Etwas, was seit Jahren auf dem Board ist und aus (guten) Gründen nicht ersetzt wird?
Alex: Lieblingspedal… Ich glaube, ein Russian Big Muff macht mir immer wieder Spaß, und ein OCD ist einfach eine Bank, auf die man immer bauen kann.
Das unterschreibe ich so! Vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt. Wir freuen uns schon auf die Neuheiten und bis dahin weiterhin viel Erfolg!
Na? Haben wir Euch neugierig gemacht? Ich hatte, wie bereits erwähnt, die Gelegenheit, die Fieldfare Pedale auszuprobieren und finde, sie sind ganz großes Kino. Klassische Verzerrer mit modernem Twist sind definitiv „right up my alley“. Wertige Haptik bei Schaltern und Potis, eine Menge Einstellmöglichkeiten und das Highlight für mich: Ein Pedal ist schwärzer als das Andere. „How much more black can a Pedal get? – None! None more black!“ Hier könnt ihr euch die Pedale ansehen und viel wichtiger noch anhören.
Die handverlöteten Pedale aus lokalem Anbau von Fieldfare Audio gibt es ab jetzt bei Music Store!