Frank Bello ist seit den frühen Achtzigern das tieffrequente Rückgrat von Anthrax. Mit dieser Band, die den Sound des Thrash Metal entscheidend mitgeprägt hat, hat er sich mit seinem druckvollen, melodisch gedachten Spiel und einem Stil irgendwo zwischen Punk-Energie und klassischer Heavy-Metal-Schule den Status des Bass-Heroes erarbeitet. Neben seinen Einsätzen auf legendären Anthrax-Alben war Bello immer wieder auch in anderen Projekten aktiv und gilt als Live-Player, bei dem selbst komplexe Linien mit einer Selbstverständlichkeit daherkommen, die ihresgleichen sucht. Mit Gawain Hoffmann sprach er über seinen neuen Spector NC-4 Frank Bello, die Einflüsse von Steve Harris, Geddy Lee und Geezer Butler – und darüber, warum dieses Instrument für ihn weit mehr ist als nur ein weiteres Stück Hardware.
Interview
Also Frank, das hier ist…
…mein Signature-Spector-Bass, und glücklicher könnte ich darüber nicht sein. Ich bin sehr froh, bei Spector zu sein. Und mein Signature Modell gemacht haben ist ein anders aussehender Spector. Die erste Frage, die jeder stellt, ist: Das ist eher so ein P-Bass-Style, oder? Wenn ihr wisst, was ich beruflich mache und was ich meine ganze Karriere über gemacht habe, dann hat man diesen Look im Kopf. Also haben die Leute bei Spector mich gefragt, ob ich einsteigen will und mir den Bass ansehen möchte, und ich war begeistert. Ich hab diese Form gesehen und gesagt: „Ich bin dabei. Könnt ihr in diesen Bass alles reinbauen, was ich brauche?“ Und ich sag dir, ich habe da meine speziellen Vorstellungen.

Das fängt mit dem Korpus an. Er ist aus Erle. Und ich mag schwere Hölzer auf der Bühne nicht mehr. Denn wenn du schon mal eine Anthrax-Show gesehen hast, weißt du: Da wird viel gesprungen, da geht es ziemlich wild zu, eine sehr hyperaktive Show. Da passiert eine Menge verrücktes Zeug. Und um das zu machen, kannst du nicht so ein riesiges Stück Holz am Gurt hängen haben. Wenn du einen Irrsinnssprung machst und wieder landest, willst du dir nicht mit dem Holz den Rücken brechen. Erle nimmt dir das ab, du musst dir darüber keine Sorgen machen, weil es ein leichteres Holz ist, aber das Sustain von dem Holz ist trotzdem großartig.
Erzähl uns bitte etwas über die Pickups.
Ich mag es simpel. Ich bin mit den Frank Bello Signature EMG Pickups so happy, weil der Anthrax-Sound sehr tief und sehr heavy ist. Wir sind zu meinen Freunden bei EMG gefahren, haben uns durch einen Haufen Pickups gearbeitet und schließlich genau den Sound gefunden, den ich im Kopf höre. Wir haben verschiedene Kombinationen ausprobiert und die richtige gefunden. Diese Pickups kommen direkt aus meinem Kopf. Der ganze Bass kommt direkt aus meinem Kopf, aber ganz besonders die Pickups.
Ich habe die EMGs auf einem früheren Signature-Modell von dir getestet und war ein bisschen überrascht, dass der Output nicht so aggressiv war, wie ich erwartet hätte.
Genau das ist der Punkt. Meine Einflüsse Steve Harris, Geddy Lee, Geezer Butler. Mit denen bin ich groß geworden. Das sind meine Lehrer. Ich wollte so sein wie sie und habe ihre Platten rauf und runter gehört. Ich ahme nach, was sie gemacht haben, und packe es in meinen eigenen Stil. Ich habe das Glück, inzwischen mit ein paar von ihnen befreundet zu sein. Geddy habe ich nur einmal getroffen, aber Steve ist ein Freund von mir, Geezer inzwischen auch. Das sind tolle, tolle Menschen.
Du spielst die meisten Sachen mit den Fingern, oder?
Ich habe überhaupt nichts gegen Picks. Ich liebe auch Plektrum-Spieler, wie meinen Freund David Ellefson, Ex-Megadeth. Ich selbst kann auch mit Pick spielen. Als ich bei Helmet war, habe ich nur mit dem Plektrum gespielt, weil sie das so wollten. Das fand ich super, es war eine tolle Herausforderung. Aber es klingt anders, härter, staccato-mäßiger. Aber für mich persönlich habe ich gemerkt, dass ich mit mit Fingern wohler fühle. Es fühlt sich an, als würde es aus meinem Kopf über mein Herz in meine Hände direkt in den Bass fließen. Das fühlt sich sehr natürlich an.
Der Hals des Basses hat ein C-Profil. Was sind dabei die Besonderheiten?
Weißt du, wenn du deinen Namen auf ein Instrument schreibst, dann gibst du das den Leuten ja mit dem Versprechen, dass es wirklich direkt von dir kommt. Das ist der Sinn eines Signature-Modells. Es kommt von mir und es steht meine Name drauf. Da will ich sicherstellen, dass alles genau so ist, wie ich es mag. Wenn du das Ding also aus dem Karton nimmst, ist er ready to go. Du nimmst den Bass aus dem Karton und kannst losspielen, direkt auf die Bühne. Und ja, das hier ist mein Lieblingshals. Die Spector-Leute waren großartig. Sie haben mir zugehört, und sie haben es auf den Punkt gebracht. Der Hals ist aus Ahorn. Ahorn setzt sich besser durch, er durchschneidet diese dicke Soundwand. In unserer Musik setzt sich das wirklich durch die Gitarren durch, und auch durch die Drums. Du bist immer hörbar und musst dir darüber keine Gedanken machen.
Was kannst du über die Mechaniken erzählen?
Die Mechaniken sind klassische Stimmmechaniken. Vintage-Mechaniken. Ich liebe die. Und es gibt einen Grund, warum ich genau diese Mechaniken wollte. Wie gesagt: alles an diesem Bass kommt von mir. UFO sind eine meiner Lieblingsbands aller Zeiten. Ihr Bassist hieß Pete Way, ein wunderbarer Mensch. Er war ein Freund von mir, aber er ist inzwischen verstorben. Er hatte diesen Move auf der Bühne, bei dem er den Bass so in die Kamera der Pressefotografen gehalten hat, dass das erste, was du siehst, diese Mechaniken sind. Bam. Die springen dir ins Auge. Und ich hab mir als Jugendlicher gesagt: Wenn ich irgendwann mal die Chance bekomme, erfolgreich zu sein und meinen eigenen Bass zu bauen, dann ist das eine der ersten Punkte. So hat sich das alles zusammengefügt: Von vorne bis hinten ist in diesem Bass alles drin, was ich haben wollte.

Die Farbe Lila
Lass uns kurz über die Farbe sprechen. Warum Lila?
In den letzten ein, zwei Jahren sind meine Mutter und meine Großmutter gestorben. Mein Vater ist gegangen, als ich jung war. Also hatte ich starke Frauen im Haus, die mich großgezogen haben und mir beigebracht haben, ein Mann zu sein. Und das vergisst man nicht – keiner von uns vergisst, wo er herkommt. Lila war die Lieblingsfarbe meiner Mutter und meiner Großmutter. Das hier ist ein Tribut. Die Farbe hat sogar einen Namen: „Tina Rose“. Meine Großmutter hieß Tina, und meine Mutter heißt Rose. Und ich stelle fest, dass viele Leute Lila mögen, was auch super ist. Das ist also ein sehr persönliches Signature-Modell. Es geht tiefer, als man denkt. Und wenn ich den Bass spiele, merke ich, dass er mich an einen bestimmten, ruhigen Ort bringt. Das versuche ich weiterzugeben.
Es geht hier nicht um Geld. Es geht nicht darum, nur einen Bass zu verkaufen. Das hier ist Herz. Das ist mein Name, meine Familie. Und beim Spielen spüre ich etwas Besonderes. Deswegen wollten wir sicherstellen, dass er für jeden funktioniert. Wir haben den Preis bewusst niedrig gehalten, damit sich Leute den Bass auch leisten können – erst recht einen Spector. Wenn du den Namen Spector hörst, denkst du automatisch an Qualität. Und das bleibt auch so. Aber ich wollte den Bass in Hände bekommen, die ihn sich auch leisten können. Das ist mir sehr wichtig. In meinen Clinics habe ich Kids mit 12, 13 und Leute mit 60, 70, die Bass lernen wollen oder etwas von dem aufschnappen wollen, was ich mache. Und ich merke, wie sehr sie diesen Bass mögen, weil er direkt aus dem Herzen kommt, gut klingt und sich gut spielt.

Zum Schluss
Ich hab noch drei Fragen an dich, und die sind komplett bescheuert: Wenn ein Bass ein Snack wäre – also wirklich Essen – was für ein Essen wäre er, mit dem du trotzdem durch ein Set kommst?
Da gäbe es zwei. Ich bin Italiener und meine Frau ist eine großartige Köchin. Das Gericht wäre Auberginen-Parmesan. Das macht mich happy, da habe ich richtig Bock drauf. Ich glaube, das ist mein Lieblingsgericht, weil es gar nicht so schwer ist. Auberginen, ein bisschen Sauce, und frittiere die Auberginen nicht, ich backe sie.
Du hast gesagt, es gibt einen zweiten Snack.
Pizza geht immer. Ich liebe Pizza. Und weißt du, was an Pizza großartig ist? Stell dir vor, du bist als Musiker unterwegs, und du bist irgendwo im Nirgendwo, so richtig „bumfuck nowhere“. Da rettet Pizza dir das Leben, wenn du Hunger hast. Du kannst immer zur Pizzeria gehen, weil du genau weißt, was du kriegst. Du weißt, was drauf ist: Käse, Sauce, Teig. Und danach bist du satt. Erledigt.
Zweite Frage: Welcher Dinosaurier wäre der beste Bassist und warum?
Wow, das ist eine großartige Frage. Darüber hab ich noch nie nachgedacht. Sagen wir Tyrannosaurus. Weil er müsste seinen Bass sehr hoch tragen. Und ich finde, da ist nichts falsch dran, weil er damit sicher extrem gut an die Töne rankäme. Er könnte blitzschnell das Griffbrett hoch- und runterflitzen und überall hinkommen, wo er will. Aber er müsste den Hals halt hoch tragen – der Gurt müsste fast wie eine Kette sein.
Letzte Frage: Wenn dein Bass auf Koffein wäre – wie würde er klingen?
Ich bin ein hyperaktiver Typ. Die Leute sagen, ich habe Energie, und darüber bin ich froh. Ich muss Dinge erledigen. Deshalb muss ich sagen: Dieser Bass ist auf Koffein, weil er von mir kommt. Ich bin im Leben non-stop unterwegs. Also eine super Frage – ich verbinde das alles, wie auch immer du es nennen willst: Aggression, Energie – das ist alles Teil des Denkprozesses hinter diesem Bass. Ich will Dinge erledigen. Für mich ist das kein Sales Pitch. Dieser Bass erledigt den Job. Gib das Ding jemandem in die Hand und lass ihn machen. Erledigt. Punkt. Letzte Note.

