Oft wenn ich (vor allem) die frühen Sachen von Rage Against The Machine höre, denke ich, wie schön es ist, zur richtigen Zeit geboren zu sein. Ich war 14 als 1992 das Debüt-Album der Kalifornier erschien, hatte selber gerade angefangen Gitarre zu spielen und habe dieses Riff-Feuerwerk aufgesogen. Jeder der 10 Songs hat mindestens ein Signature-Riff, das als Blaupause steht für vieles was danach kam. Dass das alles auch stark von Hendrix und Blues beeinflusst ist, habe ich erst später verstanden. Aber vielleicht wirkt genau deshalb das ganze Album immer noch so zeitlos.
„Killing In The Name“ entstand nach Erzählung von Gitarrist Tom Morello eher zufällig während einer Unterrichtsstunde, die er zum Thema „drop-D-Tuning“ gab. Aus den Skizzen der in dieser Situation entdeckten Riffs entwickelte die Band tags drauf dieses so energiegeladene Stück, wobei die Gitarrenparts bewusst reduziert gehalten sind. Sie leben von ihrem Funk-Appeal und ihrer Präzision. Aber auch die einfache, aber ungewöhnliche Wahl der Töne spielt eine gewichtige Rolle. Morello setzt auf klare, kantige Figuren, die sich im Verlauf des Songs verdichten und zunehmend an Intensität gewinnen.
Die Riffs
Als Basis aller Riffs dient das tiefe D (auf der um einen Ganzton heruntergestimmten E-Saite), das auf fast jeder 1 eines Taktes zu finden ist. Diesem setzt Morello mal mehr mal weniger dissonante Töne entgegen, wie zum Beispiel in Riff 1 mit dem Lauf aus cis, d, fis und g.Bei Riff 2 ist die triolische Rhythmik und die Wahl der kleinen None als kontrastreiches Intervall charakteristisch.
Riff 3 und Riff 4 folgen direkt aufeinander und bauen aufeinander auf. In Riff 1 verwendet Morello eindeutige Blues-Melodik mit der kleinen Septim (c) und der Kombination aus kleiner und großer Terz (f und fis). In Riff 2 erweitert er die ersten drei Zählzeiten des Motivs um eine absteigende Linie mit den Topnotes h, b und a. Damit liefert „Killing In The Name“ schon mehr Ideen als man normalerweise für einen Song braucht. Fast inflationär geht Morello hier mit seinen Ideen um – und damit haben wir uns noch nicht einmal seinen Ansatz für Solos angeschaut, deren Grundstein er, wenn man sich aktuelle Aufnahmen mit Bruce Springsteen anhört, schon damals gelegt hatte.




