Neben einem tollen Sound spielt auch der Spielkomfort einer Gitarre eine zentrale Rolle. Schließlich möchte man bei der Ausübung des Hobbys auf einen gewissen Komfort nicht verzichten. Dabei wird die Bespielbarkeit nicht bloß durch die Saitenlage oder Korpusgröße bestimmt. Auch konstruktive Merkmale wie Mensur, Sattelbreite und Halsprofil haben einen Einfluss darauf, wie sich ein Instrument anfühlt und wie gut es sich spielen lässt. Daher lohnt es sich definitiv, sich mit diesen Faktoren zu beschäftigen. Schließlich möchtest du eine Gitarre haben, die auch voll und ganz zu dir passt, oder?

Die Mensur: Länge mit spürbarem Einfluss
Als Mensur bezeichnet man die schwingende Saitenlänge zwischen Sattel und Steg. Sie beeinflusst die Saitenspannung und damit den Kraftaufwand, den du zum Greifen von Tönen und Akkorden benötigst. So erzeugt eine lange Mensur eine entsprechend höhere Saitenspannung, was zu einem strafferen Spielgefühl und oft einem lauteren Ton führt. Kurze Mensuren fühlen sich weicher an, lassen sich leichter greifen und sind besonders bei kleinen Händen und Anfängern beliebt. Aus diesem Grund setzen Gitarrenhersteller neben Gitarren mit Standardmensuren (ca. 650 mm) auch auf Modelle mit kurzen Mensuren ab ca. 597 mm und sprechen somit ein breiteres Publikum an.
Zusammengefasst bedeutet das: kurze Mensuren erleichtern das Greifen, während lange Mensuren vor allem bei einem kräftigen Anschlag mehr Definition bieten.

Die Sattelbreite: Platz für die Finger
Der Sattel einer Gitarre ist das Bauteil am Übergang von Kopfplatte und Griffbrett. Mittels kleiner Kerben führt er die Saiten und hat damit einen großen Einfluss auf deren Abstand. Dabei ist die Sattelbreite entscheidend für die Umsetzung verschiedener Spieltechniken. Während Western- und E-Gitarren einen relativ schmalen Sattel von ca. 42 bis 45 mm für schnelle Akkordwechsel haben, verfügen Konzertgitarren in der Regel über eine Sattelbreite von 52 mm. Das liegt vor allem daran, dass Konzertgitarren besonders auf Fingerstyle und klassische Spieltechniken ausgelegt sind, für die ein breiterer Saitenabstand von Vorteil ist.
Auch die Handgröße spielt eine Rolle bei der Auswahl, schließlich ist ein angenehmes Handling entscheidend für die Spielfreude. Eine passende Sattelbreite kann nämlich dabei helfen, ungewolltes Dämpfen benachbarter Saiten zu vermeiden und das Spiel präziser zu gestalten.
Das Halsprofil: Form und Komfort
Das Halsprofil beschreibt die Form des Gitarrenhalses im Querschnitt und ist ein maßgeblicher Faktor für den Spielkomfort. Es bestimmt, wie der Hals in der Greifhand liegt und wie viel Material die Hand umschließt. Ein zum Spieler passendes Halsprofil gestaltet das Spielen deutlich ergonomischer und beugt Verspannungen sowie einer vorzeitigen Ermüdung der Hand vor. Da dieses Empfinden nun einmal bei jedem Spieler unterschiedlich ist, gibt es unzählige Halsprofile, unter denen sicher jeder das richtige für sich findet. Wichtig: Verwechsle das Halsprofil nicht mit dem Griffbrettradius! Für nähere Informationen zum Griffbrettradius schaue auch hier: Griffbrettradius – Warum die Krümmung des Griffbretts so viel ausmachen kann.
Das bekannteste Halsprofil ist zweifelsohne das traditionelle C-Profil. Seine gleichmäßige Rundung fühlt sich ausgesprochen ausgewogen an, weshalb es von vielen Herstellern verwendet wird. Seine universelle Form eignet sich für verschiedenste Spielstile, weshalb es getrost als Allrounder bezeichnet werden kann.
Das D-Profil (auch ovales Halsprofil) ist etwas flacher und mit stark gerundeten Schultern gehalten und bietet der Hand so eine großzügigere Auflagefläche. Du findest es bei zahlreichen modernen Gitarren, die ihre Priorität auf präzises Spiel legen.
Klassisch für Vintage-Gitarren ist hingegen das U-Profil, das kräftiger geformt ist. Ganz platt gesagt hat es besonders viel „Anpack“ 😉 . Gerade Spieler, die ein massives Greifgefühl bevorzugen und viel Druck beim Greifen aufbauen, empfinden das U-Profil als ausgesprochen kompakt.
Ebenfalls weit verbreitet ist das sogenannte V-Profil, das du sowohl in weich als auch in stark ausgeprägter Form findest. Wie der Name schon sagt ist der Hals v-förmig ausgeführt und läuft entsprechend kantiger zu. Speziell beim Greifen mit dem Daumen über dem Hals kann dies angenehm sein, weshalb sich das Profil für klassische Spieltechniken empfiehlt.
Neben diesen Formen gibt es zahlreiche Spezialprofile, die die einzelnen Hersteller für einige ihrer Gitarren verwenden. Daher solltest du vor dem Kauf unbedingt verschiedene Modelle ausprobieren, um festzustellen, welches Profil für dich passt.

Zusammenspiel von Mensur, Sattelbreite und Halsprofil
Da Mensur, Sattelbreite und Halsprofil eine unmittelbare Auswirkung auf die Greifhand und die Bespielbarkeit des Halses haben, wirken sie immer gemeinsam. So fühlt sich eine kurze Mensur mit schmalem Sattel und schlankem Hals deutlich anders an als eine lange Mensur mit breitem Griffbrett und kräftig geformtem Hals. Dabei gibt es keine objektiv beste Kombination. Nur das eigene Empfinden zählt. Deine Hand entscheidet über den Spielkomfort.
Fazit zur Bespielbarkeit durch Mensur, Sattelbreite und Halsprofil
Abschließend können wir festhalten, dass die Bespielbarkeit einer Gitarre von ihrer Konstruktion abhängt. Den größten Einfluss darauf haben definitiv Mensur, Sattelbreite und Halsprofil. Sie bestimmen die Bespielbarkeit und wie wohl du dich mit deiner Gitarre fühlst. Vergiss dabei nicht, dass jede Hand, jeder Spielstil und jede musikalische Ausrichtung unterschiedlich sind, weshalb es keine Idealform gibt. Setze dich bewusst mit diesen Eigenschaften auseinander, probiere dich aus und triff so langfristig die beste Wahl für dich persönlich.
Titelbild: Taylor Guitars
