Kurt Cobain hat mit seiner gleichzeitig agressiven, rhythmischen aber auch melodischen Spielweise und seinem unverkennbaren Gitarrenton einen prägenden Sound der frühen 90er-Alternative-Szene etabliert. Dabei war sein Sound selbstverständlich nicht das Resultat von High-End-Elektronik, sondern das genaue Gegenteil. Cobains roher Ansatz und die Wahl von einfachstem Equipment reichten, um eine ganze Generation an Gitarristen und Songwritern zu prägen. Dieser Beitrag bricht die zentralen Komponenten seines Sounds herunter und zeigt, wie man diesen Sound selbst nachbauen kann.
Die Wahl der Gitarre
“I just use whatever’s cheap. I’m not really into expensive equipment“, sagte Cobain mal in einem Interview. Gleichzeitig empfand er es seiner Zeit als mühsam, qualitativ gute Instrumente für ihn als Linkshänder zu finden. Im Studio und auf der Bühne griff er meist zu Fender-Offset-Modellen wie Mustang oder Jaguar, die er aufgrund ihres für seine Begriffe zu dünnen Sounds mit Humbuckern ausstattete. Ab und an war er auch mit Stratocaster-Varianten sowie günstigeren Instrumenten wie der Univox Hi-Flier zu sehen. Alles Gitarren also, die rauer im Ton sind und eine kurze Mensur sowie eine eigenwillige Elektronik gemeinsam haben. Der Pickup-Wahlschalter stand meist in Stegposition. Diese Gitarren lieferten einen mittig-fokussierten, etwas „nasalen“ Ton.

Verstärker
Im Gegensatz zu vielen Metal-Gitarristen kam Cobains Grundsound nicht aus einem extrem übersteuerten Röhrenamp, sondern basierte auf einem cleanen bis leicht angecrunchten Verstärker, der Platz für Pedale ließ. Sein Haupt-Setup umfasste unter anderem einen Fender Twin Reverb mit viel Headroom, Verzerrung kam bei ihm stets vom Pedal (s.u.).
Die Verstärkereinstellung, wenn überhaupt genutzt, blieb einfach: Gain eher niedrig, Mitten angehoben und Höhen moderat, um im Bandkontext nicht zu matschen, sondern durchsetzungsfähig zu bleiben. Zudem ließ Cobain den Reverb-Regler meist heruntergedreht, um einen direkteren Ton zu erhalten.

Effektpedale
Das Herzstück von Cobains Ton war jedoch nicht der Verstärker, sondern einfache aber prägnant klingende Pedale. Auch hier verfolgte er ein minimalistisches Prinzip:
- Boss DS-1 / DS-2 Distortion – diese klassischen Verzerrer bauten den charakteristischen, leicht „kratzigen“ Zerrton auf, der vor allem in Refrains und Soloparts dominiert. Eingestellt waren sie auf eine moderate Verzerrung mit leichtem Mitten-Boost, damit der Ton weder zu hi-fi noch zu matschig klingt.
- Electro-Harmonix Small Clone Chorus – für Songs wie ,Come As You Are‘ setzte Cobain diesen Chorus ein, der dem cleanen Gitarrensound im Verse eine gewisse Tiefe und Textur gibt.

Spielweise
Ein zentraler, oft unterschätzter Faktor des Cobain-Sounds war seine Spieltechnik. Nirvana zog konsequent den Kontrast zwischen leisen Strophen und lauten, mit verzerrter Gitarre gespielten Refrains durch. Dieser Dynamikwechsel war nicht nur ein kompositorisches Mittel, sondern auch ein Sound- und Mixing-Element. Cobains Strumming war oft aggressiv, mit unsauber gegriffenen Powerchords gespielt, Dead Notes, offene Saiten und leichte Intonationsfehler gehörten zum ästhetischen Konzept. Dieses imperfekte, rohe Spiel erzeugte eine lebendige, unmittelbare Soundtextur, die polierte Gitarrensounds bewusst umging.
In der Praxis: Sound nachbauen
Möchte man diesen Cobain-Sound selbst erreichen, reicht das Befolgen ein paar weniger einfacher Prinzipien:
- Cleanes Grundsetup: Verstärker auf eine saubere Grundabstimmung, Gain niedrig, Mitten eher betont, Hall aus.
- Distortion vom Pedal: Boss DS-1/DS-2 oder ähnliches vor dem Amp. Tone und Verzerrung so, dass Akkorde klar definiert bleiben, aber Kraft haben.
- Subtiler Chorus: Für bestimmte Songs kann ein leichter Chorus-Effekt helfen, dem Clean-Sound mehr Raum zu verleihen.
- Spiel mit Dynamik: Bewusster Wechsel zwischen leisem Strumming und starken, verzerrten Passagen. Diese „quiet-loud-quiet“-Dynamik ist ein tragender Bestandteil des Nirvana-Sounds.
