Laney Prism-Mini im Test: Großer Sound in kleiner Box?

Laney Prism-Mini Blue

Nur wenige Hersteller der Branche können von sich behaupten, den Sound ganzer Genres geprägt zu haben. So auch der britische Verstärkerpionier Laney, der vor fast 60 Jahren einem noch blutjungen Tony Iommi mit dem LA100BL Verstärker zum ikonischen Sabbath-Sound verhalf und im Endeffekt den Grundstein für den Sound des Metal legte.

Doch wie sieht es knapp sechs Jahrzehnte später aus? Digitale Modelling-Verstärker dominieren den Markt, Kraftvolle Röhren-Amps mit Leistungen im dreistelligen Wattbereich und ohne Master Volume haben für die aktuelle Generation kaum noch Relevanz. Auch Laney hat sich selbstverständlich weiterentwickelt und einige interessante Optionen im aktuellen Programm, die die Ansprüche heutiger Bedroom-Shredder und TikTok-Gitarristinnen und -Gitarristen bestens zu bedienen wissen.

Der neueste Streich hört auf den Namen Laney Prism-Mini und wurde speziell für den Einsatzbereich zwischen Wohnzimmer-Beschallung, Jam-Sessions im Park und lautlosem Üben im Reisebus konzipiert. Wie sich der kompakte Amp in seinen anvisierten Bereichen schlägt, haben wir uns im großen Laney Prism-Mini Test genauer angeschaut!

Laney Prism-Mini – Kompaktes Powerhouse im Lionheart-Gewand

Zunächst einmal zu den augenscheinlichen Merkmalen des Laney Prism-Mini. Beim Auspacken fällt auf, dass der kompakt gebaute Verstärker nahezu allen Platz im Karton einnimmt, lediglich ein kleines Booklet mit Warn- und Sicherheitshinweisen sowie ein USB-C-Kabel zum Laden des internen Akkus befinden sich im Lieferumfang.

Prism-Mini Blue Front

Der erste Eindruck ist jedenfalls sehr wertig, unser Testexemplar in der Ausführung Blue ist sehr deutlich am Styling der beliebten Lionheart-Verstärker ausgerichtet. Eine schwarze Version im Ironheart-Look ist ebenfalls erhältlich. Auf der Rückseite des satt-blauen Kunststoffgehäuses ist ein Kopfhöreranschluss im kleinen 3,5-mm-Klinkenformat untergebracht, daneben der USB-C-Anschluss. Ein zusätzlicher Gürtel-Clip auf der Rückseite oder eine Aufnahme für einen kleinen Tragegurt fehlen leider und würden sicherlich die mobilen Aspekte des kleinen Amps unterstreichen. Dennoch ist er sehr handlich gebaut und auch ohne zusätzliche Tragehilfen schnell und komfortabel im Handgepäck verstaut. Der obenauf montierte Input für die E-Gitarre komplettiert auch schon die Anschlussmöglichkeiten des Laney Prism-Mini.

Bedienung

Nach dem Anschalten überrascht zunächst der hochqualitative Full Color Screen, der mit einer Diagonale von 1,77″ bzw. ca. 4,5 cm perfekte Abmessungen für den Heimgebrauch bietet. Das aktuell ausgewählte Preset, der Akkuladestand sowie die jeweils aktiven Effektblöcke lassen sich auch auf einer Armlänge Distanz noch gestochen scharf ablesen. Hier sammelt der Prism-Mini auf jeden Fall die ersten Pluspunkte.

Bedienung des Laney Prism-Mini.
Einfach und intuitiv: die Bedienoberfläche des Prism-Mini mit Full Color Screen. (Bild: Laney)

Die gesamte Menüführung geschieht über einen großen gerasterten PARAMETER-Drehregler, der gleichzeitig auch als Eingabe-Button genutzt werden kann. Wer den Regler gleich nach dem Anschalten dreht, kann sich direkt durch die 100 verschiedenen Presets durchhören. Die ersten 50 sind hierbei mit einem F wie Factory markiert und halten die üblichen Klassiker bereit: Vom Brown-Sound für den Van-Halen-Fan über eine (sehr gut gelungene) Interpretation des Prince-Klassikers Purple Rain bis hin zum Blues-Sound à la B.B. King und einigen Bass-Kreationen auf den letzten Preset-Slots ist hier tatsächlich die volle Bandbreite vertreten. Die hinteren mit P markierten User-Presets spiegeln ab Werk die ersten 50 Factory-Presets und können nach Lust und Laune mit Eigenkreationen überschrieben werden.

Preset Editing: Ungeahnte Möglichkeiten

Hier beginnt dann auch der richtige Spaß: Mit 17 verschiedenen Amp-Simulationen und 32 verschiedenen Effekten lässt sich hier nämlich eine ganze Menge anstellen. Jedes Preset ist zunächst gleich aufgebaut und bietet 8 verschiedene DSP-Blöcke: Zwei davon sind für Amp und Cabinet reserviert, zusätzlich kommen noch Modulation, Delay, Reverb, EQ, Drive und ein weiterer Block für diverse Pre-Effekte wie Kompressor, Gate, usw. hinzu. Manche Blöcke lassen sich innerhalb der Effektreihenfolge bewegen, allerdings nur eingeschränkt. So ist es leider nicht möglich, das Noise Gate im Pre-Block zwischen das Drive-Pedal und den Amp zu platzieren. Wer allerdings seinen Delay-Effekt lieber vor dem Reverb haben möchte, kann das mit ein paar wenigen Eingaben problemlos umsetzen.

Um einen Effekt zu bearbeiten, wählt man ihn einfach mit einem Klick des Parameter-Reglers aus. Im darauffolgenden Untermenü lassen sich der ausgewählte Effektblock an- oder ausschalten, der jeweils aktive Effekttyp auswählen und die individuellen Effektparameter bearbeiten – hier ist alles ziemlich selbsterklärend und intuitiv aufgebaut.

6 Watt starker Stereo-Sound

Zur Wiedergabe der verschiedenen Sounds stehen übrigens zwei speziell für den Prism-Mini gefertigte 1,5″-Custom-Lautsprecher in Stereo-Konfiguration bereit. Selbstverständlich können die beiden kompakten Speaker nicht mit der Fülle eines großen 12″-Lautsprechers mithalten, dafür sind sie schließlich auch nicht ausgelegt. Dennoch überraschen die beiden jeweils 3 Watt starken Lautsprecher mit einem erstaunlich kraftvollen Sound, der auch anspruchsvollere Raumeffekte zwischen Delay, Reverb und Modulation klar und differenziert artikuliert.

Besonders im Vergleich mit Referenz-Tracks, die sich ganz einfach per Bluetooth-Schnittstelle einspielen lassen, lässt sich die Wiedergabequalität der beiden Lautsprecher gut beurteilen. Die Ansprache ist knackig und responsiv, lediglich die tiefen Sub-Bässe können im Gesamt-Mix schon mal etwas untergehen.

Wer das volle klangliche Potenzial des Laney Prism-Mini ausschöpfen möchte, wechselt besser auf ein gutes Paar Studio-Kopfhörer. Im Test über einen Audio Technica ATH-M50X und einen Beyer Dynamic DT 770 PRO gespielt, offenbart sich bereits ab den ersten Tönen, dass hier wirklich professionelles Modelling unter der Haube schlummert. Hier zeigt sich überdeutlich, dass der Prism-Mini also keineswegs bloße Spielerei ist, sondern ein durchaus ernstzunehmendes Sound-Aggregat, das auch anspruchsvollere Klangvorstellungen problemlos zu bedienen weiß.

Handliches Audio-Interface & App-Steuerung per Tone Wizard

Apropos: Mit dem Laney Prism-Mini lassen sich auch problemlos professionelle Aufnahmen in erstklassiger Qualität anfertigen. Der rückseitige USB-Anschluss kann nämlich nicht nur zum Laden des Akkus genutzt werden, sondern dient gleichzeitig auch als I/O-Schnittstelle für Audio-Anwendungen. Wer also einen Audio-PC, ein Tablet mit DAW oder ähnliches Gerät besitzt, kann den Laney Prism-Mini nahtlos in sein Setup integrieren und die internen Sounds spielend leicht mit gängiger Recording-Software aufnehmen.

Laney Prism-Mini als Audio-Interface.
Auch als Audio-Interface macht der Laney Prism-Mini eine gute Figur (Bild: Laney)

An sich bin ich kein großer Fan all der unzähligen Apps, die heutzutage zu nahezu jedem Effektpedal dazukommen. Bereits mittelgroße Effekt-Setups sorgen nämlich bereits dafür, dass die Speicherkarte des eigenen Smartphones vom stetig anwachsenden App-Auswuchs dicht besiedelt ist, das Deep-Level-Editing artet meist in einer Jongliereinlage verschiedenster Apps aus. Selbstverständlich bietet Laney zum Prism-Mini auch entsprechende Software an: die Tone Wizard App für iOS und Android.

Was die Editing-Möglichkeiten der Presets anbelangt, scheint die App tatsächlich kaum Neues mit sich zu bringen. Zur Bearbeitung stehen keine App-exklusiven Effektparameter zum Rumschrauben bereit, lediglich die Oberfläche mag manchen Nutzern etwas handlicher erscheinen. Hier bevorzuge ich allerdings tatsächlich den Workflow, den die Bedienelemente des Amps bieten.

Was die Tone Wizard App allerdings wahrhaft einzigartig macht, ist der Zugriff auf die App-exklusive Drum-Sektion. Hier finden wir verschiedene Drum Loops, die jeweils nach Genre von Electronic über Pop und Funk bis World Music sortiert sind. Zusätzlich können wir das Tempo und die Lautstärke anpassen und die Wiedergabe steuern. Man sollte allerdings darauf achten, dass eine Verbindung per BT Audio hergestellt ist, da die Drum sonst über das Smartphone statt über den Prism-Mini abgespielt werden.

Fazit – kleine Boombox mit nützlichen Features

An sich ist es schon bemerkenswert, was man beim Laney Prism-Mini zum Verkaufspreis von knapp über 100 Euro schon alles bekommt: Erstaunlich gut klingende Gitarren-Sounds, eine kompakte Boombox für Küche und Wohnzimmer, und nicht zuletzt ein praktischer Begleiter für unterwegs, mit dem man jederzeit und überall üben und jammen kann. Während die allgemeine Klangqualität, das Design und die Bedienbarkeit absolut top sind, stoßen lediglich die beiden Stereo-Lautsprecher auf höheren Lautstärken an ihre Grenzen. Wer allerdings ein gutes paar Kopfhörer dabei hat, kann dem Prism-Mini wirklich sagenhafte Sounds entlocken.

Pro

  • Erstaunlich gute Modelling-Sounds
  • Handliches Design
  • Gute Bedienbarkeit
  • Funktionsumfang

Contra

  • Lautsprecher kommen schnell an ihre Grenzen
  • Drum-Sektion nur per Smartphone-App nutzbar

Link zur Herstellerseite: https://www.laney.co.uk


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