Was neue Instrumentenbauformen anbelangt, kann Gitarrenbauer Ibanez sich gerade wahrlich auf die Schulter klopfen. Nach dem Erfolg der Ibanez AZ Gitarren, der modernen Quest-Serie und den ergonomisch gestalteten EHB-Bässen hat Ibanez über die letzten Jahre hinweg eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass mit den alteingesessenen Vertretern Strat, Les Paul, Preci & co noch längst nicht das letzte Wort gesprochen ist. Der neueste Streich des japanischen Gitarrenbauers nimmt zwar erkennbare Anleihen an einem klassischen Bass-Design, bringt aber einige neue Zutaten mit sich, die der neuen Bauform klanglich flexibler als so manch anderes Instrument im Fuhrpark des Herstellers gestaltet. Die Rede ist vom Ibanez Mode Bass.
Ursprünglich auf der diesjährigen NAMM Show im Januar vorgestellt, wurden die unter dem Kürzel MDM geführten Bässe nun endlich ausgeliefert. Wir haben die Gelegenheit genutzt, Hand an den Ibanez Mode MDM1005-PW Pearl White als fünfsaitigen Vertreter zu legen und nachgehört, was die Neuzugänge so alles drauf haben!
Ibanez Mode MDM1005-PW Pearl White – Die Features im Überblick
Erlekorpus mit Pearl White Hochglanz-Finish- Roasted Maple Neck mit MDM5-Profil
- Ibanez All-Access Neck Joint
- Palisandergriffbrett mit Dot-Einlagen
- 24 Medium-Bünde aus Edelstahl
- Zwei Ibanez Delta S5J Single-Coil-Tonabnehmer (passiv)
- Ibanez Sonitech S Preamp mot 3-Band-Klangregelung
- Ibanez Aero-light Mechaniken
- Ibanez MR5S Bridge
- Pearl White Hochglanz-Finish
- Inklusive Gigbag
- Preis: ca. € 1199,-
Mode-Korpus aus Erle
Los geht’s mit einem Blick auf die Verarbeitung und das elegante Pearl White Hochglanz-Finish. Besonders ins Auge fällt zunächst der geschwungene Offset-Korpus aus massiver Erle, dessen Konturen klare Jazz-Bass-Genetik erkennen lassen. Die Platzierung der Taille ist sehr durchdacht, denn beim ersten Kontakt mit dem Instrument im Sitzen rutscht der Mode Bass nahezu von alleine in eine komfortable Spielposition, die er auch zuverlässig beibehalten möchte. Hier spielen natürlich auch die sogenannte Forearm Contour zur Auflage der Picking-Hand sowie der rückseitige Belly Cut eine nicht zu unterschätzende Rolle. Der Hals aus Roasted Maple kommt hingegen im recht schlanken MDM-Profil und trägt ein Palisandergriffbrett mit Edelstahl-Bünden. Hier sind also die ersten Pluspunkte angesagt. Das Setup ab Werk ist allerdings nicht ganz ideal, lässt sich mit ein wenig eigener Schrauberei am Halsstab und den Saitenreitern aber erstaunlich gut anpassen.

Ibanez Delta S5J Single-Coils
Die zweifache Single-Coil-Ausstattung ist als deutlicher Verweis auf das Vorbild zu lesen. Die beiden Einzelspuler hören auf den Namen Ibanez Delta S5J, wobei die Modellbezeichnung Auskunft über die jeweilige Saitenzahl sowie den Stil der Pickups gibt. Hier handelt es sich also klar erkennbar um einen J-Style Pickup für Fünfsaiter. Besonders edel wirkt das Zusammenspiel der geschwärzten Magneten mit dem ebenfalls schwarz gehaltenen Kunststoffgehäuse, das gibt gerade auf der Pearl-White-Ausführung ein schickes und kontrastreiches Bild ab. Die Tonabnehmer sind übrigens passiv ausgeführt und werden über eine äußerst umfangreiche Aktiv-Elektronik gesteuert.
Ibanez Sonitech S Aktiv-Elektronik

Ein Blick auf das Control-Layout zeigt recht schnell, dass beim Ibanez Mode MDM1005-PW Pearl White weitaus mehr unter der Haube schlummert, als die Standardausrüstung der mittlerweile über 60 Jahre alten Vorlage bietet. Sage und schreibe sechs Potis und ein zusätzlicher Schalter mit drei Positionen bevölkern die untere Front des Ibanez Mode MDM1005-PW. Da man hier recht schnell den Überblick verlieren kann, liefert Ibanez die entsprechenden Funktionen aller im Bedienelemente dankbarerweise im Rahmen einer anschaulichen Grafik gleich mit.
Das vordere Regler-Abteil gibt uns zunächst einen Master Volume an die Hand. Darauf folgt der Balance-Regler, der eine besonders wichtige Komponente im vielfältigen Klangspektrum des E-Bass darstellt. Der dritte Regler ist eine klassische Höhenblende, die im Aktiv-Modus allerdings ohne Funktion ist. Per Push/Pull können wir hier aber jederzeit recht einfach zwischen beiden Modi hin- und herwechseln.
Die hinteren Reglereinheiten bilden schließlich den Equalizer, hier verbergen sich also von vorn nach hinten bzw. von unten nach oben gelesen Bass, Middle und Treble. Der Bass- und Treble-Regler agieren fast schon wie Kuhschwanzfilter mit leichter Abflachung am Ende der Kurve, der Peak reicht bis zu 18 dB Boost oder Cut. Hier sind also wirklich enorme Anpassungen möglich. Alle Regler verfügen über eine Mittenraste, sodass wir immer in Ausgangsstellung zurückfinden.
6 verschiedene Mittenfrequenzen dank Hexa Mid System
Wer Wert auf ein gepflegtes Mittenspektrum legt, wird mit dem integrierten Hexa Mid System seine helle Freude haben. Über den 3-Way Mid Frequency Switch auf der Vorderseite stehen nämlich jeweils drei Mittenfrequenzen zur Wahl, die der Mittenregler bearbeitet. Im Low-Modus agiert dieser wahlweise bei 250 Hz, 450 Hz oder 850 Hz. Wenn wir das Hex-System rückseitig hingegen auf den High-Modus umschalten, können wir zwischen 350 Hz, 600 Hz und 1 kHz wählen. Das macht den Mode Bass zu einem der flexibelsten Instrumente auf dem Markt und verhindert, dass der Mode Bass sich aus klanglicher Sicht in eine eng gefasste Nische zwängen lassen muss.
Solide Ibanez Hardware
Wie bei Instrumenten aus dem Hause Ibanez üblich, entstammen die verwendeten Hardware-Parts der hauseigenen Entwicklung. Hierbei orientiert sich Ibanez allerdings auch klar an bewährten Teilen anderer Hersteller. Ein Blick auf die besonders leichtgewichtigen Ibanez Aero-light Mechaniken lassen klar erkennen, dass man hier mehr oder minder deutlich dem Aufbau der Schaller BM Light mit halboffenem Gehäuse gefolgt ist. Dennoch ist hier wirklich erstaunliche Technologie hinter: Durch die Verwendung von Duralumin sind die Tuner trotz großer Lolipop-Flügel erstaunlich leicht, Kopflastigkeit ist also auch beim Five-String wirklich kein Thema.

Ebenfalls als recht praktisch erweist sich die Ibanez MR5S Bridge, die streng genommen aus fünf einzelnen Brücken für jede Saite besteht. Bemerkenswert ist zunächst das äußerst flache Profil der Saitenreiter, das Techniken wie Palm Mutes besonders komfortabel von der Hand gehen lässt. Neben der Möglichkeit, Intonation und Saitenlage für jede Saite einzeln einzustellen lässt sich darüber hinaus sogar das String Spacing anpassen. Dieses ist ab Werk mit 18 mm für den 5-String angegeben, lässt sich aber noch um bis zu 1,5 mm in beide Richtungen korrigieren. Wer also gerne etwas mehr Platz zwischen den Saiten möchte, um Double Thumbs à la Victor Wooten besser umsetzen zu können, kann dies ganz einfach im Hand- bzw. Innensechskantschlüsselumdrehen tun.
Sound Test – für jeden Spaß zu haben?
Nachdem die Rahmenbedingungen soweit geklärt sind, kommen wir zum Sound Check. Gerade für einen Bass, der sich in keine Sparte alleinig zu Hause fühlt, stehen einige Tests auf dem Programm, die möglichst viele Spielrichtungen und-stile abdecken und sowohl Aktiv- als auch Passiv-Modus erkunden.
Passiv-Modus
Bevor wir ans Eingemachte gehen, überprüfen wir zunächst die rein passiven Qualitäten des Ibanez Mode MDM1005. Hier lohnt es sich übrigens sehr, mit einem klassischen Vertreter des Jazz Bass zu vergleichen, da – bis auf den Blend-Regler anstelle der separaten Volumes – wir von nahezu identischen Bedingungen ausgehen können.
Mit voll aufgedrehten Volume- und Tone-Reglern und dem Blend-Poti in Mittelstellung, also mit beiden Pickups aktiv, ergibt sich ein breit aufgestellter Sound mit weitreichendem Dynamikspielraum. Das Top-End ist detailliert und kann auch einzelne Feinheiten präzise wiedergeben, insgesamt ist das Klangbild jedoch recht mittig-warm. Dabei ergibt sich ein charakteristisches Knurren, das man fast schon in Preci-Gefilde verorten würde. Im direkten Vergleich wird jedenfalls sehr deutlich klar, dass der Ibanez Mode MDM1005 die unverkennbare DNA des Jazz Bass transportiert.
Wenn wir den Sound in seiner Einzelteile dividieren und mit dem Blend-Regler auf den reinen Sound des Neck Pickup wechseln, wird schnell klar, dass die knurrige Komponente ganz klar der Halsposition entstammt. Der Bridge Pickup stellt bekanntermaßen das Top End bereit, das alleinstehend betrachtet allerdings auch etwas zu klar, zu dünn ausfallen kann. Mit etwas geringerer Einstellung des Tone-Reglers lassen sich dem Stegtonabnehmer zwar auch stand-alone gespielt einige interessante Sounds entlocken, die mit etwas schlankerem und weniger schwerem Charakter brillieren. Am besten lässt sich die Funktion des Bridge-Pickup aber als Gewürz beschreiben, mit dem sich der wunderbar knarzige Sound des Neck Pickup bei Bedarf mit zusätzlicher Klarheit garnieren lässt.
Aktiv-Modus
Mit dem Tone-Poti in unterer Schaltposition befeuern wir schließlich den aktiven Schaltkreis des Ibanez Sonitech S Preamp und erhalten Zugriff auf die integrierte 3-Band-Klangregelung. Mit allen Reglern in Nullstellung ergibt sich zunächt schon ein ausgewogener Sound, der im Vergleich zum rein passiven Klang etwas mehr Bite und Definition in den hohen Mitten mit sich bringt. Vom Ausgangsklang der Flat-Stellung drehen wir den Bassregler ein wenig auf, das funktioniert hervorragend. Der Sound enthält einen gefüllten Low-End-Bereich, der erst im äußersten Randbereich dazu neigt, matschig zu klingen.
Über den Treble-Regler können wir den Höhen einen enormen Boost verleihen, müssen jedoch aufpassen, nicht auch die in diesem Bereich häufiger anzutreffenden Single-Coil-Störgeräusche in den Vordergrund zu stellen. Beim Treble-Cut wird der Sound spürbar dumpfer, allerdings nicht in derselben Intensität der passiven Höhenblende.
Den mit Abstand deutlichsten Unterschied bringt letztendlich der Mitten-Regler, der mit seinen sechs unterschiedlichen Mittenfrequenzen für nahezu jeden Spaß zu haben ist. Ein leichter Boost der tieferen Frequenzen um 350 Hz liefert zusätzlichen Tiefmitten-Punch, knarzig-vokale Jazz-Klänge erreichen wir hingegen im Bereich der 600 Hz. Wer hier stattdessen cuttet, kommt hingegen beim kühleren Scooped-Sound aus, der sich für High-Gain-Anwendungen des Metal besonders hervorragend eignet. Alles in allem lässt sich sagen, dass die zur Auswahl stehenden Frequenzen wohlüberlegt sind und sich in jeder Einstellung musikalisch anwenden lassen.
Fazit:
Der Ibanez Mode MDM1005-PW Pearl White Bass hat wirklich das Zeug, das ultimative Workhorse für Studio-Musiker und Session-Bassisten zu werden, die jederzeit auf Knopfdruck in nahezu jeder Stilrichtung abliefern müssen. Vom klassischen Vintage-Sound des passiven Jazz Bass bis hin zu modernen Klängen mit HiFi-Charakter, wie sie von Dingwall, Music Man & co bekannt sind, ist der Ibanez Mode bestens aufgestellt. Insgesamt bildet er also eine gelungene Alternative zu den bewährten Ibanez-Platzhirschen SR und BTB, die den beiden weder klanglich noch spieltechnisch in etwas nachsteht. Daher kann ich nur uneingeschränkt empfehlen: Unbedingt antesten!
Pro
- Gute Bespielbarkeit
- Sehr flexible Aktiv-Elektronik
- Passiv-Sounds sehr brauchbar
- Solide Hardware
Contra
- Setup ab Werk nicht ideal
Link zur Herstellerseite: www.ibanez.com

