Peavey Bandit Supreme Preamp im Test: Zwei Kult-Verstärker in einem Pedal

Peavey Bandit Supreme Preamp Test: Kultiger Solid-State-Sound im Pedalformat

Wenn über legendäre Peavey-Verstärker gesprochen wird, fallen häufig zwei Namen: der Bandit 112 und der 5150 beziehungsweise dessen heutiger Nachfolger, der 6505. Während der gemeinsam mit Eddie Van Halen entwickelte 5150 seit den 1990er-Jahren zu den wichtigsten High-Gain-Verstärkern der Metal-Welt zählt und nach dem Ende der Zusammenarbeit mit Van Halen lediglich in 6505 umbenannt wurde, genießt der Bandit unter Gitarristinnen und Gitarristen einen ganz eigenen Kultstatus.

Peavey Bandit 112 Combo

Dabei handelt es sich keineswegs um einen Röhrenamp, sondern um einen Transistor-Combo, der insbesondere durch Peaveys hauseigene TransTube-Technologie bekannt wurde. Ziel dieser Schaltung war es, die Dynamik und das Spielgefühl klassischer Röhrenverstärker möglichst authentisch in einem Solid-State-Verstärker nachzubilden.

Mit genau dieser Technologie durfte auch ich meine ersten Recording-Erfahrungen sammeln. Neben meinem ersten Übungsverstärker, dem Marshall MG50FX Transistor-Combo, zog eines Tages ein gebrauchter Peavey Rage 115 bei mir ein, der ebenfalls auf die TransTube-Schaltung setzte. Besonders bemerkenswert war dabei das Spielgefühl: Trotz Transistortechnik wirkte der Verstärker überraschend warm und dynamisch.

Tatsächlich wurde ich von Bekannten und Bandkollegen mehrfach gefragt, ob es sich dabei wirklich um einen reinen Solid-State-Amp handeln würde, da er so garnicht nach einem Transistor klang. Mit diesem kleinen Combo habe ich sogar die Gitarrenspuren für das erste Album meiner Punkrock-Band eingespielt. Der Sound war rau, direkt und angenehm schmutzig, also genau das, was ich für dieses Genre gesucht hatte.

Peavey Supreme 160 Head
Peavey Supreme 160 Head

Mit dem Bandit Supreme Preamp bringt Peavey den Sound zweier weiterer Klassiker direkt auf’s Pedalboard. Die Schaltung des Preamp basiert auf der zweiten Generation der Lead-Kanäle des Bandit 112 sowie des Supreme 160 Head und soll den charakteristischen Peavey-Solid-State-Sound der frühen 1990er-Jahre in einem kompakten Format verfügbar machen. Ob das gelingt und wie sich das Pedal im Alltag schlägt, schauen wir uns im folgenden Test genauer an.

Ausstattung und Features

Bereits auf den ersten Blick wird klar, dass Peavey beim Bandit Supreme nicht einfach nur ein weiteres Distortion-Pedal entwickelt hat. Vielmehr handelt es sich um einen vollwertigen Preamp, der gezielt die Charakteristik der historischen Verstärker nachbilden soll. Entsprechend umfangreich fällt die Ausstattung aus.

Für die Verzerrung stehen ein Pre-Gain- sowie ein Post-Gain-Regler zur Verfügung, die unterschiedliche Gain-Strukturen ermöglichen. Ergänzt wird das Konzept durch einen zusätzlichen Gain-Boost-Schalter, der den Verzerrungsgrad nochmals deutlich anheben kann. Darüber hinaus verfügt das Pedal über einen Mid-Shift-Schalter, mit dem sich die Mittenstruktur verändern lässt. Wer klassische Thrash-Metal-Sounds mit abgesenkten Mitten bevorzugt, findet hier schnell den passenden Charakter.

Besonders interessant fällt die Klangregelung aus. Statt eines klassischen Bass-, Mitten- und Höhen-EQs setzt Peavey auf die Regler Bottom, Body und Edge. Jeder dieser Frequenzbereiche lässt sich um bis zu 15 dB anheben oder absenken. Dadurch bietet das Pedal deutlich mehr Eingriffsmöglichkeiten als viele klassische Distortion-Pedale. Intern arbeitet der Bandit Supreme zudem mit einer bipolaren 18-Volt-Spannungsversorgung, obwohl er über ein gewöhnliches 9-Volt-Netzteil gespeist wird. Das sorgt für hohe Dynamikreserven, ein direktes Ansprechverhalten und geringe Nebengeräusche.


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Peavey Bandit Supreme Teal Stripe Preamp

Praxistest

Natürlich richtet sich der Bandit Supreme in erster Linie an Spielerinnen und Spieler aus den härteren Gefilden. Entsprechend habe ich das Pedal hauptsächlich mit Humbucker-Gitarren getestet, sowohl mit passiven als auch mit aktiven Tonabnehmern. Bereits nach wenigen Minuten wird deutlich, wie flexibel die Schaltung ausgelegt wurde. Unterschiedliche Pickup-Typen lassen sich problemlos über die umfangreiche Gain- und EQ-Sektion ausgleichen, ohne dass lange Einstellorgien notwendig wären.

Peavey Bandit Supreme Teal Stripe Preamp
Peavey Bandit Supreme Teal Stripe Preamp

Besonders gut gefiel mir der Einsatz vor einem cleanen Verstärker. Hier übernimmt das Pedal praktisch die komplette Vorstufenarbeit und liefert genau die rauen, aggressiven Peavey-Sounds, die man von den klassischen TransTube-Amps kennt. Ebenso überzeugend funktioniert der Bandit Supreme im Return eines Effektschleifwegs, wo die vorhandene Verstärkervorstufe komplett umgangen wird. In beiden Szenarien wirkt das Pedal erstaunlich amp-artig und vermittelt deutlich mehr das Gefühl eines echten Verstärkerkanals als das eines gewöhnlichen Distortion-Pedals.

Großen Anteil daran haben die beiden Gain-Regler. Das Zusammenspiel aus Pre- und Post-Gain eröffnet verschiedene Gain-Stages, die weit über einfache Crunch- und Distortion-Einstellungen hinausgehen. Von kernigen Classic-Rock-Sounds über druckvolle Punkrock-Rhythmusgitarren bis hin zu stark gesättigten Lead-Sounds ist alles möglich. Gerade diese Flexibilität macht den Bandit Supreme deutlich vielseitiger, als es die recht einfache Optik zunächst vermuten lässt.

Klangregelung: 3-Band-EQ mit ±15 dB Anhebung oder Absenkung pro Frequenzband

Ein echtes Highlight ist die Klangregelung des Preamps. Besonders die Mittenbearbeitung fällt ausgesprochen umfangreich aus. Hebt man den Body-Regler an, entstehen durchsetzungsfähige Sounds mit viel Charakter und Präsenz, die sich hervorragend behaupten können.

Wer hingegen moderne Metal-Sounds bevorzugt, kann über den Mid-Shift-Schalter und entsprechende EQ-Einstellungen problemlos die bekannten „Metal-Wannen“ erzeugen. Die Eingriffe wirken dabei stets kontrolliert, ohne dass der Sound künstlich oder überzeichnet erscheint.

Gain-Monster mit eigenständigem Peavey-Sound

Klanglich erinnert mich der Bandit Supreme genau an das, was ich persönlich seit vielen Jahren mit Peavey verbinde. Diese leicht raue, direkte Transistor-Ansprache trifft auf ein überraschend röhrenähnliches Spielgefühl und liefert einen eigenständigen Charakter, der sich angenehm von vielen modernen High-Gain-Preamps unterscheidet. Gerade für fette Punkrock-Chords, Alternative Rock oder moderne Metalcore-Riffs funktioniert das Pedal hervorragend. Dabei wirkt der Sound nie steril, sondern besitzt stets eine gewisse Rohheit, die den historischen Peavey-Verstärkern ihren besonderen Charme verliehen hat.

Besonders gelungen erscheint dabei das Gesamtkonzept des Preamps. Wer den Sound von Bandit- und Supreme-Verstärkern schätzt, erhält hier eine äußerst kompakte Lösung für das Pedalboard. Anstatt auf die Suche nach platzfressenden Vintage-Transistor-Amps zu gehen, bekommt man die charakteristische Klangwelt beider Verstärker in einem einzigen Pedal. Gerade vor diesem Hintergrund erscheint auch das Preis-Leistungs-Verhältnis ausgesprochen attraktiv.

Fazit: Gelungene Hommage an zwei Peavey-Klassiker

Mit dem Bandit Supreme Preamp gelingt Peavey eine überzeugende Hommage an zwei seiner bekanntesten Solid-State-Verstärker. Das Pedal liefert den charakteristischen, rauen Peavey-Sound der frühen 1990er-Jahre in einem kompakten Format und überzeugt dabei mit einer hohen Flexibilität. Dank der umfangreichen Gain- und EQ-Sektion sind sowohl kernige Crunch-Sounds als auch moderne High-Gain-Bretter problemlos möglich. Besonders positiv fällt dabei die aktive Klangregelung auf, die deutlich mehr Eingriffsmöglichkeiten bietet als viele klassische Distortion-Pedale. Auch das überraschend amp-artige Spielgefühl trägt dazu bei, dass sich der Bandit Supreme eher wie ein echter Verstärkerkanal als wie ein gewöhnliches Zerrpedal anfühlt.

Kritikpunkte lassen sich ehrlicherweise kaum bis keine finden, dennoch sind zwei zentrale Contra-Punkte hängen geblieben. Zum einen ist das Pedal ein sehr einfach gehaltener Preamp: Eingang, Ausgang, fertig. Das ist völlig legitim und passt definitiv zur Philosophie des Geräts. Gleichzeitig leben wir aber im Jahr 2025, in dem viele moderne Preamp-Pedale zusätzliche DI-Ausgänge bieten, um beispielsweise über Lautsprechersimulationen im Live- oder Studio-Betrieb noch flexibler zu sein. Zum anderen kann man mit Blick auf den Preis von ca. 200 € für das Preamp-Pedal auf dem Gebrauchtmarkt mit etwas Glück für einen ähnlichen oder sogar für einen niedrigeren Preis Bandit-Combos aus zweiter Hand finden.

Allerdings bietet der Bandit Supreme Preamp dafür einen entscheidenden Vorteil: Er vereint die Klangcharakteristik von Bandit und Supreme in einem äußerst platzsparenden Pedalformat und lässt sich problemlos als Preamp in bestehende Pedalboard-Setups integrieren. Gerade für Gitarristinnen und Gitarristen, die den typischen Peavey-Charakter schätzen, aber nicht gleich mehrere Vintage-Verstärker lagern oder transportieren möchten, präsentiert sich der Bandit Supreme deshalb als äußerst interessante Lösung für einen fetten Sound in einem kompakten Format.

Pro

  • Authentischer Peavey Bandit-/Supreme-Sound der 90er-Jahre mit überraschend amp-artigem Spielgefühl
  • Flexible Gain-Struktur mit Pre- und Post-Gain
  • Mid-Shift-Schalter für „Scooped“-Metal-Sounds
  • Kompaktes Pedalboard-Format mit robustem Gehäuse

Contra

  • Kein XLR-DI-Ausgang für den Direktbetrieb mit Lautsprecher- oder Cab-Simulation


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Peavey Bandit Supreme Teal Stripe Preamp

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