Fender nimmt nun auch Gebrauchthändler ins Visier

Der Streit um die Markenpolitik in Sachen Fender Stratocaster nimmt eine neue Abzweigung. Nachdem zuletzt vor allem Hersteller und Händler im Fokus standen, richtet sich die Aufmerksamkeit nun auf den Gebrauchtmarkt. Im Mittelpunkt steht nun die Veröffentlichung von Teilen einer Abmahnung gegen den australischen Vintage-Gitarren-Händler Cool Old Guitars (COG). Das Unternehmen verkauft ausschließlich gebrauchte Instrumente – darunter zahlreiche japanische Gitarren der 1970er- und 1980er-Jahre von Herstellern wie Greco, Fernandes, Tokai oder Aria. COG hat Auszüge des Schreibens auf seiner Instagram-Seite veröffentlicht.

 

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Der Vintage-Händler sortierte die angebotenen Instrumente auf seiner Website in Kategorien wie „Stratocaster“ und „Telecaster“ ein. Dort erschienen sowohl originale Fender-Modelle als auch entsprechende Kopien und Nachbauten. Fender stellte also fest, „dass Suchanfragen nach ‚Fender‘ sowie nach Fender-Produktnamen und -Marken wie ‚Stratocaster‘ und ‚Telecaster‘ in der Suchleiste auf www.coololdguitars.shop nicht nur Fender-Gitarren anzeigen, sondern auch eine ungewöhnliche Mischung von Suchergebnissen, darunter Gitarren anderer Hersteller.“

Nach Ansicht des Unternehmens könnten so Käufer den Eindruck gewinnen, es handle sich um autorisierte Fender-Produkte. Oder zumindest um Instrumente mit einer geschäftlichen Verbindung zu Fender. Deshalb fordert der Hersteller, die Verwendung der geschützten Begriffe für Gitarren anderer Marken dauerhaft einzustellen. Juristisch ist dieser Schritt durchaus nachvollziehbar. Die Begriffe „Stratocaster“, „Telecaster“, „Strat“ und „Tele“ sind geschützte Marken. Anders als im früheren Fall verlangt Fender diesmal weder die Vernichtung von Instrumenten noch einen Verkaufsstopp. Es geht ihnen ausschließlich die Verwendung der Marken- und Modellnamen.

Widersprüchlichkeiten seitens Fender

Der Zeitpunkt der neuen Entwicklung überrascht. Denn es ist gerade nur wenige Wochen her, da sprach Fender-CEO Edward „Bud“ Cole auf einer Händlerkonferenz und versuchte, dem aktuellen Konflikt um das Stratocaster-Korpus-Design ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen.

„Fender verklagt niemanden. Was wir getan haben, ist, uns auf überlegte und respektvolle Weise an eine Handvoll Unternehmen zu wenden, deren Gitarren dem ikonischen Design der Fender Stratocaster äußerst nahekommen.“ Und: „Wir tun das nicht nur für uns selbst, sondern für Sie alle, für jeden Musiker, jeden Sammler und für die Zukunft dieser außergewöhnlichen Branche, die wir alle lieben.“ Gleichzeitig betonte er aber auch, Gitarren in der Stratocaster-Bauart sollten nicht als „S-Style“ bezeichnet werden, da dies den Beitrag Leo Fenders verwässere. Stattdessen solle man von „Stratocaster“ sprechen. Genau diese Bezeichnung wird Händlern nun untersagt, sobald sie Instrumente anderer Hersteller beschreiben.

Darin liegt natürlich ein Widerspruch, den der Fender-CEO selbst zu verantworten hat: In der oben schon zitierten Ansprache hatte er nämlich außerdem erklärt, Gitarren in der Stratocaster-Bauart sollten nicht als „S-Style“ oder „S-Shape“ bezeichnet werden, da dies den Beitrag Leo Fenders verwässere. Stattdessen solle man von „Stratocastern“ sprechen, was die Anwälte des Herstellers nun verbieten wollen, sobald damit Instrumente anderer Hersteller bezeichnet werden. Kritiker verweisen darauf, dass Suchergebnisse mit Fender-Gitarren und kompatiblen Nachbauten auf vielen Online-Marktplätzen üblich sind. Fender argumentiert dagegen, eine solche Darstellung könne Verbraucher irreführen.

COG reagiert mit Sarkasmus und Pragmatismus

Bei Cool Old Guitars reagiert man auf das Schreiben in den Instrumentbeschreibungen kreativ: So wurde „T-Style“ zu „Twang-Style“ umbenannt. Darüber hinaus veröffentlichte man ein Statement, in dem es unter anderem heißt: „Wir haben eine E-Mail von einer Anwaltskanzlei erhalten, die ein großes Unternehmen vertritt, das seit mehr als 70 Jahren weltweit – und insbesondere auch in Australien – E-Gitarren, E-Bässe, Verstärker, professionelles Audio-Equipment sowie entsprechendes Zubehör entwickelt, vermarktet, verkauft und deren Herstellung lizenziert. […] Deshalb haben wir einige Änderungen vorgenommen.“ Zwar blieben Telecaster weiterhin Telecaster, aber „handelt es sich um einen irreführenden und täuschenden Nachbau, nennen wir sie künftig Twang-Style-Gitarre“. Auch in den Beiträgen auf Instagram ist der ironische Unterton deutlich wahrzunehmen.

 

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