Taylor zählt zu den Gitarrenherstellern, die sich nicht damit begnügen, dieselbe erfolgreiche Akustikgitarre über Jahrzehnte einfach unverändert zu lassen. Permanent arbeitet das Unternehmen an neuen Features, die die Klassiker auf ein neues Niveau heben und Gitarristen einen immer besseren Spielkomfort sowie Sound bieten. Halskonstruktion, Elektronik und Beleistung erhalten hier besondere Aufmerksamkeit. Mit der neuen Taylor Next Generation geht der Traditionshersteller diesen Weg konsequent weiter.
Dabei handelt es sich nicht um eine neue Modellreihe, sondern vielmehr um einzelne Konstruktionsmerkmale, die in die bereits bestehenden Serien eingearbeitet wurden. Im Fokus stehen das Scalloped V-Class Bracing, der Action Control Neck und das Claria Tonabnehmersystem. Auch wenn dies lediglich nach kleineren Anpassungen klingt, verändern die Neuheiten das Taylor-Konzept. Inwiefern sich diese auf Sound und Spielgefühl auswirken, erfährst du in diesem Beitrag.
Taylor Next Generation ist keine neue Serie
Wie bereits erwähnt, ist die Taylor Next Generation keine neue Serie. Sie lässt sich vielmehr als eine neue technische Entwicklungsstufe einordnen, auf die das Sortiment gebracht wurde. So findest du die neuen Features in der der 300er-, 400er-, 500er-, 600er-, 700er- und 800er-Serie sowie ausgewählten Builder’s-Edition-Instrumenten. Du musst dich also nicht in komplett neue Welten einarbeiten. Außerdem sind ältere Versionen weiterhin erhältlich. Sollten dir die Neuerungen also nicht zusagen, kannst du problemlos auf die Klassiker zurückgreifen. Jedoch handelt es sich hierbei nicht um ein Experiment in limitierter Auflage, sondern eher eine technische Grundlage für einen wachsenden Teil des eigenen Sortiments.
Scalloped V-Class: Taylor entwickelt sein eigenes Bracing weiter
Eine der innovativsten Eigenentwicklungen der letzten Jahre ist zweifelsohne das V-Class Bracing. Es ersetzt das traditionelle X-Bracing durch (wie der Name schon sagt) v-förmig angeordnete Leisten, die gezielt beeinflussen, wie sich die Schwingungen über die Fläche der Decke ausbreiten. Lautstärke und Sustain erhöhen sich hiermit maßgeblich und verbessern den Sound um ein Vielfaches.

Für das neue Scalloped V-Class Bracing wurden die Leisten an manchen Stellen zusätzlich tiefer geschliffen, was die Schwingungsfreudigkeit der Decke zusätzlich erhöht. Auch wenn das Scalloping an sich kein neuer Prozess ist, wurde es jedoch hier erstmals mit dem V-Class Bracing kombiniert, und das mit beeindruckendem Ergebnis. Klangvolumen, Sustain und tonale Balance bleiben erhalten und werden um mehr Bewegung im Bassbereich ergänzt. Während Grand-Auditorium-Modelle wie die Next Generation 314ce so einen kräftigeren unteren Frequenzbereich erhalten, lässt sich aus kompakteren Grand-Concert-Gitarren mehr Tiefe herausholen.


Action Control Neck: Die Saitenlage macht den Spielkomfort
Da neben dem Sound auch der Spielkomfort bei Taylor Guitars einen hohen Stellenwert einnimmt, präsentiert die Taylor Next Generation eine enorme Besonderheit: den Action Control Neck. Im inneren der Gitarre befindet sich ein zusätzlicher Verstellmechanismus, der eine schnelle Änderung der Halsgeometrie über das Schallloch ermöglicht, ohne dass die Saiten entfernt oder passende Shims eingesetzt werden müssen. Die Saitenlage lässt sich damit anwenderfreundlich einstellen, denn gerade sie trägt maßgeblich zu einer angenehmen Spielbarkeit einer Gitarre bei. Ist sie zu hoch, gestaltet sich das Greifen ausgesprochen schwer, ist sie allerdings zu niedrig, entsteht bei kräftigem Anschlag schnell ein Schnarren an den Bünden.

Hinzu kommt, dass eine Akustikgitarre auf Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen reagiert, sodass die Halseinstellung zwangsläufig irgendwann einmal korrigiert werden muss. Mit dem Action Control Neck der Taylor Next Generation kannst du dies nun ganz einfach selbst erledigen und musst nicht erst einen Techniker aufsuchen. Das bedeutet allerdings nicht, dass zukünftig jeder Eingriff am Hals der Gitarre schnell erledigt ist. Auch Bundzustand, Halskrümmung, Sattel, Stegeinlage und weitere Faktoren beeinflussen das Setup und wollen gut eingestellt sein.
Claria löst das Expression System 2 ab
Die dritte große Veränderung betrifft die Verstärkung der Gitarren. War das hauseigene Expression System 2 über Jahre das Maß der Dinge, tritt nun das Taylor Claria Pickup-System an seine Stelle. So liefert der Hersteller Live-Gitarristen mit der Taylor Next Generation eine zusätzliche spannende Neuerung.

Das wohl markanteste Merkmal ist das neue Preamp-Design. Anstelle der drei Regler in der oberen Zarge sind die Modelle nun mit Bedienelementen im Schallloch ausgestattet. Zur Verfügung stehen Volume, Tone und Mid-Contour. Gerade der Mid-Contour erfüllt einen praktischen Nutzen, denn die Mitten entscheiden, wie gut eine Akustikgitarre im Mix zur Geltung kommt. Im Claria-System verändert er zudem gezielt Form und Betonung des Mittenbereichs, wodurch sich dieser hervorragend an unterschiedliche Bühnen- und Bandkontexte anpassen lässt.
Drei Neuerungen, die miteinander arbeiten
Anstatt die neuen Ausstattungmerkmale separat zu betrachten, sind sie viel eher als ein großes Ganzes zu interpretieren. Mit einer neuen Deckenverstrebung, dem Action Control Neck sowie dem Claria-Tonabnehmer bearbeitet Taylor drei Bereiche gleichzeitig: Klang, Spielgefühl und Live-Tauglichkeit. Anstatt einzelner Änderungen entsteht ein ganz neues Konzept, das alle wichtigen Kriterien einer guten Akustikgitarre vereint. Das ist ein ganz anderer Ansatz als bloße Modellpflege, die hauptsächlich neue Hölzer, Farben oder optische Details präsentiert. Hier findet eine grundlegende Umstrukturierung und wahre Innovation statt.
Klingen jetzt alle Modelle der Taylor Next Generation gleich?
Nein, definitiv nicht. Der Klang einer Akustikgitarre ergibt sich immer aus dem Zusammenspiel mehrerer Komponenten. Eine bestimmte Art der Deckenverstrebung ist auf keinen Fall der einzige Faktor. Hinzu kommen Tonhölzer, Korpusgröße oder auch unterschiedliche Mensurlängen, die ihren Teil zum Gesamtklang beitragen. Eine Next Generation 322ce mit Mahagonidecke und Sapelekorpus klingt beispielsweise anders als eine Next Generation 814ce mit Fichtendecke und Korpus aus indischem Palisander. Die Taylor Next Generation ist daher weniger als ein völlig anderes Instrument, sondern eher als gemeinsame technische Basis zu verstehen.



Und was ist mit Gold Label und Legacy?
Taylor wäre nicht Taylor, wenn Vielfalt keine Rolle spielte. Der Hersteller verfolgt unterschiedliche Philosophien und setzt neben Innovation auch auf Tradition, denn schließlich sind die Geschmäcker von Gitarristen verschieden. Neben den Next-Generation-Instrumenten stehen die Gold-Label-Modelle, die eine andere Variante der V-Class-Verstrebung verwenden und nicht grundsätzlich mit der gleichen Elektronik ausgestattet sind.
Einen noch deutlicheren Fokus auf Tradition setzt die Legacy Collection, deren Modelle neben der ursprünglichen Halskonstruktion sogar über das klassische X-Bracing verfügen.
Das zeigt die Flexibilität, die Taylor im Instrumentenbau bietet. Weder wird krampfhaft an Altbewährtem festgehalten noch gelten Neuerungen als das Maß der Dinge. Somit erklärt der Hersteller nicht eine einzige Bauweise zur universellen Lösung, sondern präsentiert sich modern und präzise auf der einen Seite, bewusst traditioneller auf der anderen. Gerade das holt Gitarristen aller Generationen ab.
Was bringt die Taylor Next Generation also wirklich?
Von einer grundlegenden Revolution der Akustikgitarre zu sprechen, wäre maßlos übertrieben. Ein Scalloped Bracing ist kein neues Konzept, verstellbare Halskonstruktionen gibt es ebenso immer wieder und im Bereich der Tonabnehmer kommen laufend Neuentwicklungen auf den Markt. Die Kombination der drei Neuerungen ist das, was die Modelle so interessant macht, denn die Akustikgitarre soll hiermit anpassbarer gemacht werden. So soll sich die Saitenlage leichter auf den jeweiligen Musiker abstimmen lassen, das Scalloped V-Class Bracing Frequenzbereiche deutlicher betonen und das Claria Bühnenkünstlern mehr Kontrolle über ihren verstärkten Sound bieten.

Drei technische Neuerungen sind hier der eindeutige Beweis, dass das Thema Akustikgitarre bei Weitem nicht durchgespielt ist, sondern selbst ein Instrument, dessen Grundprinzip seit weit über hundert Jahren etabliert ist, noch erstaunlich viel Raum für neue Lösungen ermöglicht. Der Gitarrenbau zeigt sich hiermit als eine Evolution, bei der der Stärkere jedoch nicht überlebt, sondern auch Vorstufen bewahrt werden. Für Gitarristen ist das letztlich eine erfreuliche Entwicklung.
Bilder: Taylor
