Paoletti P131-LF Darrell Braun Signature Heavy Black im Test

Die Paoletti P131-LF Darrell Braun Signature kombiniert einen gealterten Kastanienkorpus mit zwei Rock-II-Humbuckern und einem verschraubten Roasted-Maple-Hals.

Eine Signature-Gitarre eines YouTubers für 4.549 Euro? Die Paoletti P131-LF Darrell Braun Signature Heavy Black liefert allein mit dieser Kombination reichlich Diskussionsstoff. Dahinter steckt allerdings kein Sondermodell aus der Großserie, sondern eine in Italien gefertigte Boutique-Gitarre mit ungewöhnlicher Materialwahl. Kastanienkorpus, verschraubter Roasted-Maple-Hals, kurze 628-mm-Mensur und zwei hauseigene Rock-II-Humbucker ergeben eine eigenständige Interpretation der klassischen Double-Cut-Gitarre.

Bei einem Preis jenseits von 4.500 Euro reicht eine interessante Zutatenliste allerdings nicht aus. Entscheidend ist, ob Verarbeitung, Spielgefühl und Klang der P131-LF tatsächlich einen eigenständigen Charakter entwickeln.

Kastanienholz als Markenzeichen von Paoletti

Paoletti Guitars stammt aus der Toskana und setzt seit Jahren auf ein Material, das im E-Gitarrenbau eher selten anzutreffen ist: Kastanienholz. Der Hersteller verwendet für seine Loft-Instrumente gealtertes Kastanienholz und macht diese Materialwahl zu einem wesentlichen Bestandteil seiner Gitarren.

Welche klanglichen Eigenschaften sich einer einzelnen Holzart bei einer Solidbody-E-Gitarre eindeutig zuschreiben lassen, bleibt diskutabel. Interessanter ist deshalb die gesamte Konstruktion der P131-LF. Der Kastanienkorpus wird mit einem verschraubten Hals aus geröstetem kanadischem Ahorn und einem Pau-Ferro-Griffbrett kombiniert. Dazu kommen eine feste Gotoh-Brücke und die mit 628 mm vergleichsweise kurze Mensur.

Damit verbindet Paoletti Konstruktionsmerkmale, die man in dieser Kombination eher selten findet: Die kurze Mensur und zwei Humbucker erinnern an klassische Set-Neck-Gitarren, während der verschraubte Ahornhals für ein anderes mechanisches Grundkonzept steht.

Heavy Black: Aging ohne Zurückhaltung

Optisch macht die Darrell Braun Signature keinen Versuch, dezent aufzutreten. Das Heavy-Black-Finish ist großflächig gealtert, auch die Metallteile fügen sich in diesen Used-Look ein. Wer Relic-Gitarren grundsätzlich ablehnt, dürfte entsprechend wenig Freude daran haben. Wer dagegen stark gespielte Vintage-Instrumente als ästhetische Vorlage mag, bekommt hier eine ausgesprochen konsequente Umsetzung. Unter dem Aging steckt ein eigenständiges Double-Cut-Design, das bekannte Formen aufgreift, ohne eine direkte Kopie eines einzelnen Klassikers zu sein. Metall-Pickguard, Block-Inlays aus Olivenholz und die Paoletti-Kopfplatte sorgen für zusätzlichen Wiedererkennungswert.

Die Verarbeitung muss sich angesichts des Preises hohen Erwartungen stellen. Paoletti kombiniert eigene Bauteile mit Komponenten etablierter Hersteller. Gotoh liefert Brücke und Saitenhalter, an der Kopfplatte sitzen Kluson-Deluxe-Mechaniken, der Sattel besteht aus Knochen. Die 22 Dunlop-6110-Bünde sitzen in einem Pau-Ferro-Griffbrett mit 12″-Radius. Mit etwa 3,1 bis 3,3 kg bleibt die P131-LF trotz ihrer massiven Erscheinung angenehm handhabbar.

Auch auf der Rückseite wird das Heavy-Black-Aging konsequent fortgeführt; gut zu erkennen ist zudem der verschraubte Roasted-Maple-Hals.
Auch auf der Rückseite wird das Heavy-Black-Aging konsequent fortgeführt; gut zu erkennen ist zudem der verschraubte Roasted-Maple-Hals.

Kurze Mensur trifft auf verschraubten Hals

Die interessanteste Eigenschaft der P131-LF zeigt sich bereits beim ersten Spielen. Die Kombination aus kurzer Mensur und Bolt-on-Konstruktion sorgt für ein eigenständiges Spielgefühl. Durch die 628-mm-Mensur fühlt sich die Saitenspannung vergleichsweise geschmeidig an. Bendings benötigen wenig Kraft, Vibratos lassen sich kontrolliert ziehen und größere Griffweiten bleiben angenehm. Das Medium-C-Halsprofil besitzt genügend Substanz, ohne übermäßig kräftig zu wirken. Der 12″-Radius bietet gleichzeitig eine gute Grundlage für eine komfortable Saitenlage und größere Bendings.

Trotz der kurzen Mensur wirkt die Gitarre nicht schwammig. Der Roasted-Maple-Hals und die verschraubte Verbindung vermitteln eine direkte Ansprache. Anschläge werden unmittelbar umgesetzt, perkussive Akkorde besitzen eine klare Attackphase. Gerade dieser Gegensatz prägt die P131-LF: Unter der linken Hand fühlt sie sich geschmeidig an, während sie auf die rechte Hand schnell und deutlich reagiert.

Klassische 3+3-Anordnung: Die Kopfplatte trägt Kluson-Deluxe-Mechaniken und die Signatur von Darrell Braun.
Klassische 3+3-Anordnung: Die Kopfplatte trägt Kluson-Deluxe-Mechaniken und die Signatur von Darrell Braun.

Ergonomie, Setup und Verarbeitung

Die ungewöhnlichen Zutaten wären wenig wert, wenn sie im fertigen Instrument nicht sauber zusammenspielen würden. Gerade in dieser Preisklasse gehören eine präzise Bundierung, sauber ausgearbeitete Sattelkerben und ein stimmiges Setup ohnehin zum Pflichtprogramm. Bei der P131-LF fällt vor allem auf, dass die Konstruktion trotz ihres rustikalen Heavy-Relic-Looks keineswegs grob wirkt.

Mit einem Gewicht von etwa 3,1 bis 3,3 kg bleibt die Paoletti auch bei längeren Sessions angenehm. Der Double-Cut-Korpus ermöglicht einen guten Zugang zu den oberen Lagen, während die feste Gotoh-Konstruktion an der rechten Hand eine vertraute Auflagefläche bietet. Das Instrument fühlt sich dadurch wesentlich konventioneller an, als Materialwahl und Optik zunächst vermuten lassen. Auch die Kombination aus Medium-C-Profil, 12″-Radius und den vergleichsweise kräftigen Dunlop-6110-Bünden trägt dazu bei. Akkordspiel funktioniert ebenso selbstverständlich wie Bendings und Einzeltonlinien. Die P131-LF zwingt dem Spieler keine bestimmte Technik auf und verlangt keine lange Eingewöhnung.

Das Heavy Aging hat dabei sogar einen praktischen Nebeneffekt. Ein Instrument, das bereits ab Werk derart gebraucht aussieht, nimmt einem zumindest psychologisch die Hemmung, es tatsächlich einzusetzen. Der erste Kratzer auf einer makellos hochglänzenden 4.500-Euro-Gitarre kann schmerzen – hier dürfte er schlicht zwischen den vorhandenen Gebrauchsspuren verschwinden. Entscheidend bleibt dennoch die Präzision unter der künstlich gealterten Oberfläche. Relic darf kein Vorwand für nachlässige Verarbeitung sein. Bei einer Gitarre dieser Preisklasse müssen Halsübergang, Bundierung, Hardware und Elektronik unabhängig vom gewünschten Used-Look auf entsprechend hohem Niveau liegen.

Das Pau-Ferro-Griffbrett besitzt einen 12"-Radius, 22 Dunlop-6110-Bünde und markante Block-Inlays aus Olivenholz.
Das Pau-Ferro-Griffbrett besitzt einen 12″-Radius, 22 Dunlop-6110-Bünde und markante Block-Inlays aus Olivenholz.

Paoletti Rock II Humbucker

Paoletti fertigt auch die beiden Rock-II-Humbucker selbst. Für das Darrell-Braun-Modell gibt der Hersteller Alnico-5-Magnete und einen Gleichstromwiderstand von jeweils 8,1 kOhm an. Damit handelt es sich nicht um extreme High-Output-Pickups, sondern um vergleichsweise moderat ausgelegte Humbucker. Das passt zum Charakter der Gitarre. Statt den Verstärker permanent mit hohem Pegel anzufahren, bleibt ausreichend Dynamik erhalten. Unterschiede in Anschlagstärke und Spielweise werden deutlich übertragen. Die Bedienung bleibt klassisch: Dreiwegschalter, zwei Volume- und zwei Tone-Regler. Beide Humbucker lassen sich zusätzlich splitten. Trotz der erweiterten Möglichkeiten muss man sich also nicht erst durch komplizierte Schaltoptionen arbeiten.


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Paoletti Guitars P131-LF Darrell Braun Signature

Clean und Crunch

Clean liefert der Hals-Pickup einen warmen, substanzreichen Klang, ohne dass die unteren Mitten übermäßig dominant werden. Einzelne Saiten bleiben auch bei komplexeren Akkorden gut nachvollziehbar. Mit zurückgenommenem Volume-Regler lässt sich der Klang weiter öffnen. Der Steg-Humbucker setzt sich mit stärkerer Attack und mehr Kontur davon ab. Hart angeschlagene Akkorde besitzen Biss, ohne unangenehm scharf zu werden. In der Mittelstellung können beide Pickups über ihre separaten Volume-Regler gegeneinander ausbalanciert werden.

Besonders wohl fühlt sich die P131-LF allerdings dort, wo ein Verstärker gerade beginnt zu verzerren. Die moderate Ausgangsleistung der Pickups lässt genügend Raum, um den Gain-Anteil über die Anschlagstärke zu kontrollieren. Leichte Anschläge bleiben vergleichsweise sauber, während kräftigeres Spiel zusätzliche Kompression und Obertöne erzeugt. Der Steg-Pickup liefert bei Crunch ausreichend Mitten und Druck für Powerchords und Riffs, ohne den Sound unnötig aufzublähen. Am Hals wird der Ton runder und eignet sich gut für singende Leads. Gerade mit einem dynamisch eingestellten Röhrenamp oder einem transparent arbeitenden Overdrive spielt die P131-LF ihre Stärken aus.

Zwei Rock-II-Humbucker treffen auf Gotoh-Brücke und -Saitenhalter sowie die klassische Schaltung mit zwei Volume- und zwei Tone-Reglern. Die Humbucker lassen sich zusätzlich splitten.
Zwei Rock-II-Humbucker treffen auf Gotoh-Brücke und -Saitenhalter sowie die klassische Schaltung mit zwei Volume- und zwei Tone-Reglern. Die Humbucker lassen sich zusätzlich splitten.

Coil-Splits erweitern den Klangbereich

Beide Humbucker lassen sich separat splitten. Erwartungsgemäß verwandelt das die Paoletti nicht in eine klassische Singlecoil-Gitarre. Dafür verändert sich der Grundcharakter deutlich genug, um die Funktion praktisch sinnvoll zu machen. Der Pegel sinkt, die Mitten werden schlanker und die Attack tritt stärker hervor. Clean entstehen dadurch offenere Sounds; bei leichtem Crunch lassen sich rhythmische Parts besser im Arrangement platzieren.

Gerade im Studio kann das nützlich sein. Wo der volle Humbucker zu viel Platz beansprucht, liefert der Split eine schlankere Alternative, ohne dass unmittelbar die Gitarre gewechselt werden muss. Die Coil-Splits wirken damit nicht wie ein zusätzliches Feature für das Datenblatt, sondern erweitern den praktisch nutzbaren Klangbereich.

High Gain und Bandkontext

Mit stärkerer Verzerrung zeigt sich, dass die Rock-II-Pickups bewusst nicht auf maximalen Output ausgelegt sind. Der Steg-Humbucker besitzt genügend Pegel für druckvolle Rock- und High-Gain-Sounds, erhält aber einen guten Teil seiner Dynamik. Palm Mutes bleiben definiert, gleichzeitig entsteht weniger von der starken Eigenkompression sehr heißer Humbucker. Das macht die Gitarre besonders für Rock, Alternative, Grunge und härtere Blues-Spielarten interessant. Für extrem komprimierte moderne Metal-Sounds ist sie dagegen weniger eindeutig ausgelegt.

Auch im Bandkontext hilft die direkte Ansprache. Der Steg-Pickup besitzt genügend Mitten, um sich durchzusetzen, ohne dafür übermäßig viel Bass oder Gain zu benötigen. Der Hals-Pickup liefert für Leads mehr Fülle, während die Split-Sounds in dichten Arrangements zusätzlichen Platz schaffen. Die P131-LF bietet damit keine riesige Sammlung vollkommen unterschiedlicher Grundsounds. Stattdessen liefert sie mehrere gut nutzbare Abstufungen eines konsistenten Grundcharakters.

Zum Lieferumfang gehört ein Certificate of Authenticity, das Modell und Seriennummer des in Italien gefertigten Instruments dokumentiert.
Zum Lieferumfang gehört ein Certificate of Authenticity, das Modell und Seriennummer des in Italien gefertigten Instruments dokumentiert.

Klassische Bedienung, vielseitig genutzt

Trotz ihres extravaganten Äußeren ist die Paoletti ausgesprochen unkompliziert zu bedienen. Es gibt keine aktive Elektronik und kein komplexes Switching-System. Pickup wählen, Volume und Tone einstellen, bei Bedarf splitten – fertig. Gerade die beiden separaten Volume-Regler sind in der Praxis nützlich. Bei einem angezerrten Verstärker kann beispielsweise ein Pickup mit reduziertem Volume als cleaner Rhythmus-Sound vorbereitet werden, während der andere mit vollständig geöffnetem Regler mehr Gain liefert. Der Dreiwegschalter übernimmt dann den schnellen Wechsel. Damit erweist sich die P131-LF weniger als Sammlerstück denn als Werkzeug für Spieler, auch wenn Optik und Preis zunächst etwas anderes vermuten lassen.

Für wen lohnt sich die Paoletti P131-LF?

Die Zielgruppe bleibt angesichts des Preises zwangsläufig überschaubar. Technisch lässt sich ein Straßenpreis von 4.549 Euro kaum anhand einer Feature-Liste rechtfertigen. Passive Humbucker, feste Brücke und klassische Regler sind schließlich keine exotischen Komponenten. Bezahlt wird hier vielmehr für die Fertigung in Italien, die ungewöhnliche Materialauswahl, hauseigene Pickups, kleine Stückzahlen und die aufwendige Gestaltung des Instruments. Interessant ist die P131-LF daher vor allem für erfahrene Gitarristen, die eine kurze Mensur bevorzugen, gleichzeitig aber eine direkte Ansprache suchen. Auch Spieler, die überwiegend zwischen Clean, Crunch und kräftigeren Rock-Sounds unterwegs sind und viel mit Anschlag und Volume-Regler arbeiten, finden hier ein Instrument, das diese Arbeitsweise unterstützt. Wer dagegen vor allem möglichst viele Features pro Euro sucht, dürfte an anderer Stelle glücklicher werden.

Die Paoletti P131-LF wird inklusive Hardcase und Echtheitszertifikat ausgeliefert.
Die Paoletti P131-LF wird inklusive Hardcase und Echtheitszertifikat ausgeliefert.

Fazit

Die Paoletti P131-LF Darrell Braun Signature Heavy Black kombiniert bekannte Konstruktionsprinzipien auf ungewöhnliche Weise. Kastanienkorpus, verschraubter Roasted-Maple-Hals und kurze 628-mm-Mensur sorgen für ein geschmeidiges Spielgefühl bei gleichzeitig direkter Ansprache. Die hauseigenen Rock-II-Humbucker passen dazu: Sie liefern genügend Druck für Rock und High Gain, bewahren aber Dynamik und reagieren gut auf Anschlag und Volume-Regler. Die Coil-Splits erweitern den Klangbereich sinnvoll. Das konsequente Heavy Relic ist Geschmackssache, der Preis eine wesentlich objektivere Hürde. 4.549 Euro sind eine beträchtliche Summe, zumal die P131-LF ihre Qualitäten nicht über spektakuläre technische Features definiert. Wer ein möglichst günstiges oder universelles Arbeitsinstrument sucht, ist hier falsch. Die Paoletti richtet sich vielmehr an Gitarristen, die bewusst ein eigenständiges, in Italien gefertigtes Boutique-Instrument suchen und bereit sind, für Materialwahl, Fertigung und Charakter entsprechend viel zu bezahlen.

Pro

  • direkte und dynamische Ansprache
  • eigenständiges Spielgefühl durch kurze Mensur und Bolt-on-Hals
  • vielseitige Rock-II-Humbucker mit praxisgerechten Coil-Splits

Contra

  • sehr hoher Preis
  • Heavy-Relic-Optik polarisiert

Link zum Hersteller: Paoletti Guitars

Technische Daten

Hersteller: Paoletti Guitars
Modell: P131-LF Darrell Braun Signature Heavy Black
Herkunft: Italien
Korpus: gealtertes Kastanienholz
Hals: Canadian Roasted Maple, verschraubt
Halsprofil: Medium C
Griffbrett: Pau Ferro
Einlagen: Olive Wood Block Inlays
Griffbrettradius: 12″
Mensur: 628 mm
Bünde: 22 × Dunlop 6110
Sattel: Knochen
Pickups: 2 × Paoletti Rock II Humbucker, Alnico 5, 8,1 kOhm
Regler: 2 × Volume, 2 × Tone
Schalter: 3-Wege-Pickup-Wahlschalter, Coil-Split
Mechaniken: Kluson Deluxe
Brücke/Saitenhalter: Gotoh
Gewicht: ca. 3,1–3,3 kg
Finish: Heavy Black
Preis: 4.549 Euro

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