Mit dem Adrian Belew Echoflanger holt Electro Harmonix einen spannenden Modulationsklassiker aus dem eigenen Archiv zurück, der eng mit einigen der bekanntesten Sounds des experimentierfreudigen Gitarristen Adrian Belew (King Crimson) verbunden ist. Die neue Limited Edition orientiert sich in Aufbau und Design klar am historischen Echoflanger-Original und kombiniert dessen vier ursprüngliche Effektmodi mit zwei neuen Kombinationen, darunter eine Schaltung, die auf einem eher zufällig entdeckten Trick von Belews Vintage-Pedal basiert.
Vom Modulationseffekt zum Sounddesign-Werkzeug

Der ursprüngliche Electro Harmonix Echoflanger stammt aus den späten Siebzigern – EHX selbst dokumentiert das Pedal bereits für das Jahr 1977. Statt sich auf einen einzelnen Modulationseffekt zu beschränken, kombinierte die Schaltung mehrere Möglichkeiten zur zeit- und tonhöhenbasierten Klangmodulation. Technische Grundlage war eine analoge Bucket-Brigade-Schaltung (BBD), mit der sich Chorus- und Flanger-Sounds ebenso erzeugen ließen wie kurze Echos und deutlich experimentellere Modulationen.
Statt sich also wie beim damaligen Electric Mistress Flanger oder Small Clone Chorus nur auf einen Effekt zu beschränken, schöpfte EHX das Maximum aus der analogen BBD-Schaltung aus und kombinierte Flanger-, Chorus- und Slap-Back-Effekt in einem einzigen Gehäuse.
Damit nahm der Echoflanger eine interessante Position zwischen klassischem Effektpedal und frühem Sounddesign-Werkzeug ein. Die vier Betriebsarten Filter Matrix, Flange, Chorus und Slap Back deckten für damalige Verhältnisse bereits ein ungewöhnlich breites Spektrum ab, wodurch der Echoflanger streng genommen ein frühes Multieffektpedal mit zahlreichen Möglichkeiten war.
Im Filter-Matrix-Modus wird beispielsweise die automatische Modulation des Flangers deaktiviert, sodass ein statischer Kammfilter entsteht. Slap Back nutzt dagegen die kurze Verzögerung der Chorus-Schaltung, jedoch ohne deren Modulation, wodurch das kurz verzögerte Effektsignal als Slap-Back-Delay kategorisiert werden kann. Das Konzept tauchte später bei Electro Harmonix auch unter den Namen Polyflange und Polychorus auf. Eine spätere Stereo-Polychorus-Version führte diese Idee mit Chorus, Flange, Filter Matrix und einem als Double Track bezeichneten kurzen Slapback-Effekt weiter.

Adrian Belew und der Echoflanger
Nach seinen frühen Stationen bei Frank Zappa und David Bowie sowie während seiner Zusammenarbeit mit Talking Heads und Tom Tom Club wurde der Echoflanger zu einem festen Bestandteil von Adrian Belews Equipment. Statt ihn lediglich für konventionellen Chorus oder Flanger einzusetzen, schöpfte Belew die extremen Modulationsmöglichkeiten des Pedals gerne als Bestandteil seiner eigenen Klangsprache voll aus.
Electro Harmonix nennt dabei einige besonders charakteristische Beispiele: Der Echoflanger war an Belews Steel-Drum-artigem Gitarrensound auf „Genius of Love“ von Tom Tom Club beteiligt. Auch seine berühmten tierähnlichen Gitarrenklänge – der Elefant in „Elephant Talk“ von King Crimson und das Nashorn in seinem Solostück „The Lone Rhinoceros“ – entstanden laut Hersteller mithilfe des Pedals. Der Echoflanger blieb entsprechend lange Bestandteil seines Rigs.
Sechs Modi im neuen Adrian Belew Echoflanger
Für die Neuauflage bleibt Electro Harmonix bei den vier klassischen Betriebsarten Filter Matrix, Flange, Chorus und Slap Back, ergänzt diese jedoch um Slap Back + Filter Matrix und Chorus + Flange. Gerade letzterer Modus hat eine interessante Vorgeschichte: Belew entdeckte bei seinem alten Echoflanger, dass sich der Mode-Regler zwischen den Positionen Flange und Chorus „parken“ ließ. Aus diesem eigentlich nicht vorgesehenen Zwischenzustand ist bei der Neuauflage nun ein eigener, reproduzierbarer Effektmodus geworden.
Chorus + Flange kombiniert dementsprechend den bewegten Kammfilter des Flangers mit dem verdichtenden Echocharakter des Chorus. Slap Back + Filter Matrix verbindet dagegen den statischen Kammfilter mit einem kurzen Echo und erweitert damit ebenfalls das ursprüngliche Konzept.
Die übrigen Modi bleiben näher am historischen Vorbild: Filter Matrix ermöglicht statische, glockenartige Filterklänge und manuelles Flanging, während der Flange-Modus die klassischen bewegten Kammfilter-Sounds abdeckt. Chorus reicht von seichten Signal-Dopplungen bis zu Rotary-artigen Klangfarben, und Slap Back stellt einen kurzen, nicht modulierten Echoeffekt bereit.
Von dezentem Chorus bis zur Selbstoszillation
Auch die Bedienoberfläche macht deutlich, dass der Echoflanger nicht nur für klassische Modulationssounds gedacht ist. Mit Rate wird die Geschwindigkeit der Modulation eingestellt, während Width deren Umfang bestimmt. Über den Tune-Regler lässt sich der Mittelpunkt der Modulation verschieben und damit bestimmen, in welchem Bereich sich die klangliche Veränderung des modulierten Signals bewegt. Besonders weitreichend greift der Feedback-Regler ein: Je nach Einstellung reicht das Spektrum von zurückhaltender Modulation bis zur vollen Selbstoszillation.
Auf der Rückseite befindet sich außerdem ein Blend-Schalter, mit dem das trockene Eingangssignal aus dem Ausgangssignal entfernt werden kann. Dadurch lässt sich das Pedal von traditionellen Chorus- und Flanger-Klängen in Richtung ausgeprägter Vibrato-Effekte bewegen. Für räumliche Setups stehen Stereo-Ausgänge zur Verfügung, während die Neuauflage mit True Bypass über mechanische Relais an einigen Stellen technisch modernisiert wurde.
Gesuchte Originale und der Kurt-Cobain-Faktor
Originale Exemplare des Echoflangers und seiner späteren Polychorus-Verwandten sind heute nicht nur selten, sondern auf dem Gebrauchtmarkt teilweise ausgesprochen teuer. Je nach Version, Baujahr und Zustand werden für die Vintage-Pedale Preise im hohen dreistelligen bis weit in den vierstelligen US-Dollar-Bereich verlangt. Gerade beim Polychorus dürfte auch Kurt Cobain einen erheblichen Anteil an der anhaltenden Bekanntheit des Pedals haben. Electro Harmonix selbst dokumentiert, dass Cobain den Polychorus während der In Utero-Ära unter anderem für das Solo von „Heart-Shaped Box“, „Radio Friendly Unit Shifter“ und „Scentless Apprentice“ verwendete.
Interessanterweise beschränkt sich die Verbindung zu Nirvana nicht einmal auf den Polychorus: Auch ein Echoflanger gehörte zu Cobains Equipment, wobei beide Modelle aufgrund ihres eng verwandten Schaltungskonzepts für ähnliche Sounds eingesetzt wurden. Vor diesem Hintergrund dürfte die Neuauflage des Adrian Belew Echoflangers nicht nur für Fans von Belews charakteristischen Modulationssounds interessant sein. Sie bietet zugleich erstmals seit längerer Zeit wieder einen direkten Zugang zu diesem speziellen Electro-Harmonix-Konzept, ohne dafür nach einem seltenen und entsprechend kostspieligen Vintage-Original suchen zu müssen.
Ein spannendes Stück EHX-Geschichte kehrt zurück
Der Adrian Belew Echoflanger ist damit weniger eine bloße Wiederauflage eines alten Chorus-/Flanger-Pedals als eine Rückkehr zu einem Effektkonzept, bei dem das Überschreiten klassischer Effektgrenzen von Anfang an Teil der Idee war. Besonders passend ist deshalb, dass ausgerechnet Belews einst entdeckte Zwischenstellung von Chorus und Flange nun offiziell Bestandteil der Neuauflage geworden ist.

