1964 muss die britische Popwelt ziemlich im Aufruhr gewesen sein, mindestens im Umbruch: Die Beatles hatten mit ‚A Hard Day’s Night die Charts erobert, die Rolling Stones brachten mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum den amerikanischen Blues zurück nach England, und in den Londoner Clubs wurde die Musik zunehmend lauter und rauer. Mittendrin: The Kinks, vier junge Musiker aus dem Norden Londons, die mit ‚You Really Got Me‘ gerade ihren ersten großen Hit gelandet hatten. Nur wenige Wochen später, am 23. Oktober 1964, erschien mit ‚All Day and All of the Night‘ der nächste Angriff auf die Hörgewohnheiten der damaligen Zeit.
Wie schon beim Vorgänger setzte Songwriter Ray Davies auf ein ebenso einfaches wie wirkungsvolles Gitarrenriff. Statt ausgefeilter Harmonien gab es verschobene Powerchords, einen treibenden Rhythmus und jede Menge Verzerrung. Das Riff lebt vom Wechsel zwischen kurzen, abgehackten Akkordschlägen und den dazwischenliegenden Pausen.
Selbstgebaute Verzerrung
Für den aggressiven Gitarrensound war Rays jüngerer Bruder Dave Davies verantwortlich. Weil ihm sein kleiner Elpico-Verstärker zu brav klang, hatte er kurzerhand dessen Lautsprechermembran mit einer Rasierklinge bearbeitet. Das Ergebnis war ein kratziger, übersteuerter Ton, den Davies anschließend über einen größeren Vox-Verstärker verstärkte. Fuzz-Pedale waren damals noch längst keine Selbstverständlichkeit. Dave hatte sich seine Verzerrung kurzerhand selbst gebaut.

Produziert wurde die Single von Shel Talmy, der den ungeschliffenen Charakter der Band einzufangen wusste. Der Song erreichte Platz 2 der britischen Charts und wurde auch in den USA ein Hit. Vor allem aber zeigte er, wohin sich die Rockmusik entwickeln konnte. Lange bevor Hardrock, Heavy Metal oder Punk ihre Namen bekamen, hatten The Kinks bereits einige ihrer wichtigsten Zutaten gefunden.
Das Riff: Wer „All Day and All of the Night“ nachspielen möchte, braucht vor allem einen kräftigen Anschlag, einen ordentlich angezerrten Sound und ein gutes Gefühl für die Pausen. Die Powerchords sollten kurz und trocken kommen, ohne unnötig lange auszuklingen.

