Ein klassischer Jazz-Bass mit Relic-Nitro-Finish, geröstetem Ahornhals und aktiver Klangregelung? Der Fame Custom JB 4 Worn Sonic Blue over 3-Tone Sunburst bringt einige interessante Ausstattungsmerkmale mit, die man bei einem traditionellen J-Style-Bass nicht unbedingt erwartet.
Neben der auffälligen Optik stehen vor allem das Palisandergriffbrett mit Edelstahlbünden, Binding und Block-Inlays sowie die umschaltbare Aktiv/Passiv-Elektronik im Zentrum dieses Tieftöners. Diese Relic-Variante ist jedoch kein Einzelstück, sondern bringt jede Menge Geschwister mit: Die Custom JB Bässe aus der Fame Custom Line Serie sind nämlich in zahlreichen Farben beziehungsweise Finish-Varianten verfügbar und je nach 4- oder 5-String-Ausführung zwischen 666 € bis 888 € erfhältlich. Wir schauen uns an, was der Viersaiter aus der Fame Custom Line Serie als Gesamtpaket zu bieten hat und wie gut er wirklich in der Praxis überzeugt.
Erster Eindruck: Auffälliges Finish mit Vintage-Charakter
Optisch hebt sich der Fame Custom JB 4 Worn Sonic Blue over 3-Tone Sunburst von einem gewöhnlichen J-Bass-Nachbau ab. Das gealterte Sonic-Blue-Finish gibt an mehreren Stellen den Blick auf die darunterliegende 3-Tone-Sunburst-Lackierung frei. Gerade diese Kombination aus zwei Farben verleiht dem Instrument einen eigenständigen Charakter, ohne dass die vertraute J-Style-Form verloren geht.

Der Korpus aus Erle ist mit einem Poly-Finish und einer matten Nitrozellulose-Deckschicht versehen, die dem Bass eine besonders hochwertige Haptik verleiht und den Charakter eines aufwendig gefertigten Instruments unterstreicht. Die künstlichen Gebrauchsspuren sind deutlich sichtbar und verteilen sich über verschiedene Bereiche des Instruments. Ob einem diese Art von Aging gefällt, bleibt natürlich Geschmackssache. Wem dieses Finish nicht zusagt, der findet unter den zahlreichen weiteren Farbvarianten – von klassischem Black bis hin zum extravaganten 5-String mit Candy Apple Red over Pink Paisley-Finish, Shell Pink over Pink Paisley oder – garantiert eine Ausführung, die seinem persönlichen Geschmack entspricht.
Dazu passen das helle Schlagbrett, die Chrom-Hardware und die traditionellen Open-Gear-Mechaniken mit Clover-Flügeln. Auch die Block-Inlays auf dem dunklen Palisandergriffbrett machen eine schicke Figur und bieten eine angenehme Haptik.




Roasted Maple und Edelstahlbünde: Mehr als nur Vintage-Optik
Unter der gealterten Oberfläche steckt eine Halskonstruktion, die deutlich moderner ausfällt, als das äußere Erscheinungsbild vermuten lässt. Fame verwendet einen geschraubten Hals aus geröstetem Ahorn, dessen Oberfläche geölt ist. Durch die Wärmebehandlung verändert sich nicht nur die Farbe des Holzes; das Verfahren soll auch dessen Feuchtigkeitsaufnahme reduzieren.
Das Modern-C-Profil orientiert sich an einer zeitgemäßen Halsform und dürfte Spielern entgegenkommen, die einen nicht zu kräftigen Basshals bevorzugen. Zusammen mit der geölten Oberfläche verspricht die Konstruktion ein angenehm direktes Spielgefühl.
Besonders interessant ist das Palisandergriffbrett mit seinen 21 Jumbo-Edelstahlbünden. Edelstahlbünde sind widerstandsfähiger gegen Verschleiß als herkömmliche Bundmaterialien und gehören bei vielen klassischen Jazz-Bass-Modellen keineswegs zur Standardausstattung. Auch der 13,75″-Griffbrettradius fällt vergleichsweise flach aus, ist für meinen Geschmack aber optimal.
Die reguläre 34″-Longscale-Mensur bleibt dagegen ganz dem vertrauten Viersaiter-Konzept treu.


Zwei Single Coils und eine aktive 3-Band-Klangregelung
Der Sound setzt sich aus zwei Einzelspulern zusammen, die in vertrauter Jazz-Bass-Manier über einen Blend-Regler stufenlos miteinander gemischt werden können. Unterschiedliche Klangcharaktere sind so zwischen den beiden Positionen der Mittel- und Bridge-Single-Coils möglich.
Die eigentliche Besonderheit ist allerdings die Elektronik. Anders als bei einem rein passiven Jazz Bass verfügt der Custom JB über einen aktiven Preamp mit 3-Band-EQ. Bässe, Mitten und Höhen lassen sich damit getrennt anheben oder absenken. Damit bietet das Instrument deutlich mehr Möglichkeiten zur Klangformung, als es eine einfache passive Höhenblende erlauben würde.
Gerade bei einem Bass, der in unterschiedlichen musikalischen Zusammenhängen eingesetzt werden soll, ist das ein praktischer Ansatz für nahezu jedes Genre. Für einen warmen Begleitsound lassen sich die Höhen deutlich zurückschrauben, während sich für perkussivere Spielweisen die oberen Frequenzen gezielter betonen lassen. Auch die Mitten können unabhängig angepasst werden, um den Bass im Zusammenspiel mit Schlagzeug und Gitarren besser zu positionieren.
Wie effektiv und musikalisch die einzelnen EQ-Bänder tatsächlich arbeiten, muss der Praxistest zeigen. Auf dem Papier ist die Klangregelung jedenfalls umfangreich genug, um weit über den klassischen Jazz-Bass-Grundsound hinauszugehen.
Aktiv oder passiv? Zwei Konzepte in einem Instrument
Ein weiteres Ausstattungsmerkmal ist der Aktiv/Passiv-Mini-Switch. Mit ihm lässt sich die aktive Elektronik umgehen und der Bass im passiven Modus betreiben.
Das ist vor allem für Bassistinnen und Bassisten interessant, die nicht bei jedem Song auf eine aktive Klangregelung zurückgreifen möchten. Im Passivbetrieb steht eine klassische Höhenblende zur Verfügung, mit der sich der Grundsound der beiden Single Coils unkompliziert abstimmen lässt. Der Blend-Regler ermöglicht weiterhin die Mischung der Tonabnehmer.
Im aktiven Betrieb kommt dagegen, wie bereits erwähnt, der 3-Band-EQ hinzu. Die Regler sind teilweise als Doppelstock-Potis ausgeführt, sodass die umfangreiche Elektronik ohne eine übermäßig große Zahl einzelner Bedienelemente auskommt.
Diese Kombination macht den Custom JB grundsätzlich vielseitig: Wer einen möglichst direkten Basssound bevorzugt, kann sich auf die passive Schaltung beschränken. Für stärkere Eingriffe in das Klangbild steht jederzeit der aktive Preamp bereit.
Hardware und Alltagstauglichkeit
Auch bei der Hardware setzt Fame auf eine Mischung aus traditionellen und moderneren Elementen. Die verchromte Hardtail-Bridge besitzt eine vergleichsweise massive Grundplatte und bietet die üblichen Einstellmöglichkeiten für Saitenlage und Intonation.
An der Kopfplatte sitzen vier offene Mechaniken mit Clover-Flügeln. Sie passen optisch zum Vintage-Design des Instruments und halten die Ausstattung entsprechend bewusst klassisch.
Für die praktische Beurteilung sind allerdings nicht allein die verbauten Komponenten entscheidend. Gerade bei einem Bass dieser Ausstattungsklasse kommt es darauf an, wie sauber die Bünde abgerichtet sind, wie präzise die Mechaniken arbeiten und ob sich eine komfortable Saitenlage ohne störendes Schnarren einstellen lässt. Diese Punkte lassen sich erst am konkreten Testinstrument zuverlässig beurteilen.



Praxistest: Vom klassischen Jazz-Bass-Sound bis zu modernen Drop-Tunings
Verstärkerrundlauf: Röhre, Solid-State & Modeling
Für den Praxistest durfte sich der Fame Custom JB 4 an unterschiedlichen Setups beweisen. Neben einem Ampeg SVT Classic und einem Orange Crush kam auch ein Modeler zum Einsatz, um den Bass sowohl über klassische Verstärker als auch in einer digitalen Signalkette auszuprobieren. Dabei hinterlässt der Viersaiter einen durchweg positiven Eindruck und liefert genau die vielseitigen Sounds, die seine umfangreiche Ausstattung erwarten lässt. Besonders die Kombination aus den beiden Single Coils und der umschaltbaren Aktiv-Elektronik macht sich im praktischen Einsatz bezahlt.
Am Ampeg liefert der Bass einen rundum überzeugenden, charakterstarken Sound, weiß aber auch am eher als Übungsverstärker konzipierten Orange Crush mit seinem markanten Solid-State-Charakter zu begeistern. Natürlich bringen beide Amps ihre eigenen klanglichen Färbungen mit, doch das gebotene Klangniveau muss den Vergleich mit deutlich teureren Bässen jenseits der 1.000-Euro-Marke keineswegs scheuen. Am Modeler lässt sich das Potenzial des Instruments durch gezielte Klangformung und die vielfältigen Eingriffsmöglichkeiten innerhalb der digitalen Amp- und Effektkette sogar noch weiter ausschöpfen.



Passiver Matsch oder warme Vintage-Attitüde?
Im passiven Betrieb überzeugt der Custom JB mit einem voluminösen Grundsound, der den typischen Charakter eines klassischen Jazz-Basses gut zur Geltung bringt. Gerade bei Standard-Tuning oder Drop D bevorzuge ich rein zum Aufnehmen persönlich die passive Betriebsart, da sich der weitgehend unbearbeitete, straffe Klang später bei der Aufnahme oder im Mix gezielt formen lässt. Die passive Höhenblende bietet dabei bereits genügend Spielraum, um den Sound bei Bedarf etwas wärmer und zurückhaltender einzustellen.
Sobald es allerdings in den Live-Betrieb oder in tiefere Stimmungen wie Drop C oder H geht, zeigt die aktive Elektronik für mich persönlich ihre größten Stärken. Der 3-Band-EQ greift deutlich und wirkungsvoll in das Klangbild ein und erlaubt sowohl kräftige Anhebungen als auch gezielte Absenkungen der Bass-, Mitten- und Höhenfrequenzen. Gerade bei tiefer gestimmten Instrumenten ist das ein großer Vorteil: Statt einen übermäßig basslastigen oder wummernden Grundsound erst nachträglich korrigieren zu müssen, lassen sich störende Frequenzanteile bereits direkt am Instrument reduzieren. Gleichzeitig können die Mitten gezielt betont werden, um einzelnen Tönen mehr Kontur und Durchsetzungskraft zu verleihen. Dies macht sich vor allem für spontane Klanganpassungen im Live-Einsatz bezahlt: Je nach Proberaum- oder Bühnensituation kann der Sound schnell angepasst werden.
Damit vereint der Fame Custom JB 4 gewissermaßen zwei Betriebsarten in einem Instrument. Im Passivmodus erhält man den vertrauten Charakter eines klassischen Jazz-Basses, während die aktive Klangregelung deutlich umfangreichere Eingriffe ermöglicht. Besonders gelungen ist dabei, dass sich der Wechsel zwischen Passiv und Aktiv unkompliziert gestaltet und der Bass dadurch für ganz unterschiedliche musikalische Situationen eingesetzt werden kann.
Wie frisst der Custom JB Overdrive- und Fuzz-Pedale?
Auch im Zusammenspiel mit verschiedenen Effektpedalen zeigt sich der Custom JB von seiner vielseitigen Seite. Boosts werden problemlos gefressen, und gerade in Kombination mit Overdrive- oder Fuzz-Pedalen lassen sich einige schöne, raue Sounds aus dem Instrument holen. Die beiden Single Coils liefern dafür eine tolle Grundlage mit klarem Klangcharakter, während sich mit dem aktiven EQ bei Bedarf noch gezielt nachregeln lässt. Ob klassischer Begleitsound, perkussivere Bass-Lines oder kräftig angezerrte Passagen: Der Fame JB 4 macht in den unterschiedlichen Setups eine wirklich starke Figur.
Insgesamt überzeugt der Custom JB 4 im Praxistest vor allem durch seine klangliche Flexibilität. Die Qualität des Instruments passt zu seiner gehobenen Ausstattung, und besonders die aktive Klangregelung erweist sich nicht bloß als zusätzliches Feature, sondern als nützliches Werkzeug, egal in welchem Genre. Wer gerne zwischen klassischen Basssounds und stärker bearbeiteten Klängen wechselt, bekommt hier eine ausgesprochen vielseitige Grundlage.
Fazit: Rundumpaket für allerlei Geschmäcker
Auch im Praxistest hinterlässt der Bass einen durchweg überzeugenden Eindruck und beweist, dass hochwertige Verarbeitung, hervorragende Bespielbarkeit und ein charakterstarker Sound nicht zwangsläufig mit einem vierstelligen Preisschild einhergehen müssen. Bereits die gelungene Haptik des Erlekorpus mit seinem matten Nitrozellulose-Finish vermittelt ein hochwertiges Spielgefühl, das sich auch beim Spielen bestätigt. Nennenswerte Schwächen fallen dabei kaum ins Gewicht, sodass das Instrument insgesamt ein ausgesprochen stimmiges Gesamtpaket abliefert.
Klanglich zeigt sich der Bass ebenfalls von seiner besten Seite: Am Ampeg überzeugt er mit einem tollen Sound, während er auch am kompakten Orange Crush Combo eine hervorragende Figur macht. Natürlich bringen die unterschiedlichen Verstärker ihre jeweils eigene Klangfärbung mit, doch das gebotene Klangniveau muss den Vergleich mit deutlich teureren Bässen jenseits der 1.000-Euro-Marke keineswegs scheuen. In Kombination mit einem modernen Modeler lässt sich das klangliche Potenzial durch gezielte Anpassungen der Amp- und Effektkette sogar noch weiter ausschöpfen.
Abgerundet wird der positive Gesamteindruck durch die vielfältigen Finish-Optionen, die von zeitlosen Klassikern bis hin zu ausgefallenen Farbvarianten reichen. Unterm Strich erhält man hier einen rundum gelungenen Bass, der sich nicht nur optisch und haptisch von vielen günstigeren Alternativen abhebt, sondern seinen Preis vor allem durch überzeugende Spieleigenschaften und einen vielseitigen, hochwertigen Sound rechtfertigt.
Pro
- Korpus, Hals und Griffbrett fühlen sich hochwertig an
- Knackiger J-Single-Coil-Sound und Blend-Regler zum Mischen beider Tonabnehmer überzeugt
- Aktiv/Passiv-Switch erlaubt zwei Betriebsarten
- Besonders im aktiven Modus liefert der 3-Band-EQ starke Eingriffe in den Grundsound
Contra
- Regleranordnung wirkt etwas überladen
5-String Custom JB Bässe:






