Boden und Zargen: Klangentscheidend oder überschätzt?

Boden und Zargen Akustikgitarre

Die Wahl der Tonhölzer ist wohl eines der meistdiskutierten Themen, die Gitarristen so richtig ins Fachsimpeln bringen. Zwar steht die Gitarrendecke häufig im Mittelpunkt, aber auch Boden und Zargen werden gerne bis ins kleinste Detail analysiert, denn gerade hier finden sich besonders viele verschiedene Holzarten. Von klassischem Mahagoni und Palisander über Ahorn, Walnuss, Koa und noch viel mehr reicht die Auswahl, die vielen Spielern die Wahl ihres Instruments erschwert.

Doch warum verwenden Gitarrenhersteller so viele verschiedene Holzarten für Boden und Zargen und welchen Einfluss haben diese wirklich auf den Klang? In diesem Beitrag beleuchten wir die Klangbeschreibungen der Hersteller und sehen uns näher an, was eigentlich zur Klangerzeugung einer Akustikgitarre beiträgt. Sogar eine wissenschaftliche Studie konnten wir hierzu finden, die wir dir natürlich nicht vorenthalten wollen. 😉

Wie erzeugt eine Akustikgitarre ihren Klang?

Zu diesem Thema gibt es bereits einen Beitrag, weshalb wir die Klangproduktion einer Akustikgitarre hier der Vollständigkeit halber nur kurz erklären. Kleiner Hinweis: E-Gitarristen, die sich jetzt fragen, warum ihr Instrument nicht berücksichtigt wird, müssen wir leider enttäuschen. Die Holzauswahl einer E-Gitarre hat absolut keine Auswirkungen auf den Klang. Hier kommt es auf die Tonabnehmer, Stimmstabilität, Saiten und nicht zuletzt auf die Skills des Spielers an.

Doch zurück zum Thema dieses Abschnitts. Der Klang einer Akustikgitarre entsteht durch das Zusammenspiel von Saitenschwingung, Steg, Decke, Resonanzkörper und nicht zuletzt massiven oder laminierten Tonhölzern. Besonders die Decke prägt den Klang, während Korpusform, Hölzer und Bauweise ihn zusätzlich beeinflussen.

Welche Aufgaben übernehmen Boden und Zargen genau?

Boden und Zargen
Boden und Zargen einer Akustikgitarre.

Während die Decke die Hauptrolle der Klangproduktion übernimmt, beeinflussen Boden und Zargen das mechanische Schwingungsverhalten und die Resonanzen der eingeschlossenen Luft im Korpus. Dabei verbinden die Zargen Decke und Boden miteinander und bilden sie seitliche Begrenzung des Resonanzraums. Mit einer hohen Steifigkeit wirken sie zudem mehr als verbindende Elemente. Der Boden hingegen ist deutlicher an der Schwingung beteiligt. Allerdings können Gitarrenbauer selbst entscheiden, wie groß sein Einfluss tatsächlich ist. So können sie ihn bewusst so gestalten, dass er stärker mit der Decke zusammenwirkt, indem sie seine Dicke, Material, seine Wölbung sowie seine Verstrebung entsprechend anpassen.

Boden und Zargen beeinflussen also durchaus das akustische Verhalten einer Gitarre. Wie groß dieser Einfluss jedoch wirkt, hängt wesentlich von der Konstruktion des Instruments ab.

Welche Eigenschaften des Holzes sind entscheidend?

Ein unterschiedlicher Klangcharakter kommt bei Holzarten durch ihre spezifischen Eigenschaften zustande. Holz ist schließlich nicht gleich Holz, sondern jede Art bringt ihre ganz eigenen physikalischen Eigenschaften mit.

Ein zentraler Aspekt sind Dichte und Gewicht, die über das Holzvolumen entscheiden, wobei das Material, das eine höhere Dichte aufweist, in der Regel auch schwerer ist. Logischerweise folgt daraus, wie sensibel das in der Gitarre verarbeitete Holz auf Schwingungsanregungen reagiert. Zwar verhält sich eine Holzart mit hoher Dichte anders als eine mit geringer Dichte, daraus aber eine allgemeingültige Regel abzuleiten, wäre zu kurz gegriffen.

Auch die Steifigkeit ist ein wichtiger Faktor. Sie beschreibt den Widerstand eines Materials gegen Verformung, wobei sich die Eigenschaften je nach Faserrichtung des Holzes unterscheiden. Ein Gitarrenboden kann somit entlang der Holzfasern deutlich steifer sein als quer dazu. Da aber Materialstärke, Wölbung oder Verstrebung die Steifigkeit ebenfalls beeinflussen, kann der Gitarrenbauer einen Teil der Unterschiede durch die Konstruktion ausgleichen.

Holzarten unterscheiden sich darüber hinaus in ihrem Dämpfungsverhalten. Das bedeutet, wie stark bestimmte Schwingungen ausgeprägt sind und wie schnell diese abklingen. Häufig werden daraus Aussagen über Sustain, Obertonreichtum oder einen besonders trockenen Klang abgeleitet. Solche Zusammenhänge sind grundsätzlich plausibel, lassen sich jedoch nicht ohne Weiteres auf den Klang einer vollständigen Gitarre übertragen.

Doch selbst innerhalb einer Holzart können sich die genannten Eigenschaften voneinander unterscheiden. Da Holz ein lebendes Material ist, spielen Standort, Wachstumsbedingungen, Faserverlauf und nicht zuletzt eine geeignete Trocknung und Verarbeitung eine wichtige Rolle.

Wald mit Baumstämmen

Die wichtigsten Hölzer für Boden und Zargen im Überblick

Im Akustikgitarrenbau haben sich im Laufe der Zeit zahlreiche Hölzer fest etabliert. Während die Decke meist aus Fichte oder Zeder besteht, ist die Vielfalt an Hölzern für Boden und Zargen jedoch höher. Einige von ihnen werden bereits seit Jahrzehnten verwendet, andere kamen im Laufe der Zeit dazu. Dies begründet sich nicht zuletzt auf dem Aspekt der Nachhaltigkeit, da die Bestände zahlreicher Holzarten wie Mahagoni oder Palisander besorgniserregend schwinden.

Dabei werden den verschiedenen Holzarten bestimmte Klangeigenschaften zugeschrieben, die gerade von Händlern und Herstellern stark beworben werden. Zwar können sie bei der Orientierung helfen, machen aber nicht den gesamten Klangcharakter einer Akustikgitarre aus, wie wir ja bereits erläutert haben. Natürlich gibt es noch mehr Holzarten, die für Boden und Zargen verwendet werden. Für diese Übersicht konzentrieren wir uns aber auf die, die wir am häufigsten antreffen.

Mahagoni
Echtes Mahagoni

Mahagoni: der traditionsreiche Allrounder

Mahagoni gehört wohl zu den bekanntesten Hölzern für Boden und Zargen und findet sich sowohl in günstigen Einsteigerinstrumenten als auch hochpreisigen Gitarren der Oberklasse. Besonders gut lässt es sich an seiner rötlich-braunen Färbung mit einer relativ gleichmäßigen Maserung erkennen.

Man sagt ihm einen ausgesprochen mittenbetonten Sound mit deutlicher Klangwärme nach, der besonders gut mit Fichtendecken, die sich durch ihre markante Höhenansprache auszeichnen, harmoniert.

Allerdings sollte man bei der Bezeichnung Mahagoni immer etwas genauer hinsehen. Im engeren botanischen Sinne handelt es sich um Holz aus der Gattung Swietenia, allerdings werden im Handel auch andere Hölzer unter mahagoniähnlichen Bezeichnungen angeboten. Zum Beispiel wird das afrikanische Khaya häufig als afrikanisches Mahagoni bezeichnet, ist aber wie auch Sapele eine zwar verwandte, aber eigenständige Holzart.

Ostindischer Palisander
Ostindischer Palisander

Palisander als der Klassiker für hochwertige Westerngitarren

Palisander zählt im Gitarrenbau zu den wahren Stars unter den Hölzern. Zahlreiche High-End-Akustikgitarren auf dem Markt sind mit Boden und Zargen aus Palisander ausgestattet, der einen ganz besonders vielseitigen Klang verspricht. So wird er häufig mit einem kräftigen Bassbereich und einem komplexen Obertonspektrum verbunden, während die Mitten etwas dezenter ausfallen. Beschrieben wird eine hohe Klangfülle mit einem besonders raumfüllenden Ton, der sich durch ein ausgeprägtes Sustain bemerkbar macht.

Doch auch hier muss man zwischen verschiedenen Arten unterscheiden, da Palisander keine einzelne Holzart, sondern eine Sammelbezeichnung ist. Zu den bekanntesten Vertretern gehören ostindischer Palisander sowie Rio-Palisander, die sich in ihrer Verfügbarkeit unterscheiden. Am häufigsten wird heute auf ostindischen Palisander zurückgegriffen.

Riegelahorn
Riegelahorn

Ahorn: Auffällige Optik und klare Klangzuschreibungen

Ahorn wird häufig mit hellen, transparenten und besonders definierten Klangeigenschaften in Verbindung gebracht. Die traditionelle Beschreibung betont eine klare Ansprache und eine vergleichsweise geringe Überlagerung durch anhaltende Obertöne. Besonders häufig verwendet Gibson Ahorn für seine Jumbo-Modelle.

Auch optisch sticht Ahorn deutlich hervor. Es zeichnet sich durch einen besonders hellen Farbton aus und besitzt auch durch seine charakteristischen Maserungen wie geflammt oder Riegelahorn einen ganz eigenen Reiz. Und die Optik spielt bei Gitarren bekanntermaßen auch keine unwesentliche Rolle.

Koa
Holz der Koa-Akazie

Koa: Das charakteristische Tonholz aus Hawaii

Das Holz der hawaiianischen Koa-Akazie wird längst nicht mehr nur für Möbel und Ukulelen verwendet. Auch im Akustikgitarrenbau hat sich das aufregend gemaserte Holz mittlerweile einen Namen gemacht. Seine Färbung reicht von goldbraunen bis zu dunkleren rötlichen und braunen Tönen. Besonders stark gemaserte Stücke sind bei hochwertigen Instrumenten begehrt, beispielsweise bei den vollständig aus Koa gefertigten Modellen von Taylor.

Klanglich bietet Koa einen Kompromiss aus Mahagoni und Palisander. Laut Herstellerbeschreibung kannst du hier präsente Mitten eine klare Ansprache und eine gewisse klangliche Wärme erwarten.

Walnuss
Walnussholz

Walnuss als interessante Alternative

Walnuss wird beim Bau von Akustikgitarren als Alternative zu den klassischen Tonhölzern angesehen, die teilweise unter Artenschutz stehen. Zusätzlich wird es mittlerweile häufig auch als Holz für Griffbretter verwendet, um die knappen Ebenholzbestände zu schonen.

Walnuss besitzt eine attraktive braune Färbung mit lebendiger Maserung und lässt sich klanglich ebenfalls zwischen Palisander und Mahagoni einordnen, auch wenn solche Vergleiche immer stark vereinfacht sind.

Da sich bestimmte Walnussarten regionaler beschaffen lassen, verkürzen sich die Transportwege, was umweltschädliche Emissionen einspart.

Sapele
Sapele

Sapele: Häufig eingesetzt, aber nicht einfach Mahagoni

Gerade bei Akustikgitarren im mittleren und günstigen Preissegment ist Sapele eine beliebte Alternative. Hierbei handelt es sich um ein schnell nachwachsendes Mahagonigewächs, das als artenschonende Alternative für echtes Mahagoni gilt. Dabei ist es keineswegs ein minderwertiger Ersatz. Es ist eine eigenständige Holzart, die sich aufgrund ihrer Verfügbarkeit sowie ihrer Eigenschaften ideal für Musikinstrumente eignet.

Sowohl klanglich als auch optisch weist es deutliche Ähnlichkeiten mit Mahagoni auf, erzeugt laut der Hersteller aber häufig einen etwas helleren Ton in den oberen Mitten. Optisch fällt es durch seine rötlich-braune Färbung auf, verfügt aber oft über streifige oder wechselwüchsige Maserungen.

Was sagt die Wissenschaft?

Kommen wir von Meinung und Marketing zu den Fakten. Mit der Studie Effect of back wood choice on the perceived quality of steel-string acoustic guitars1 von 2018 aus den Bereichen Psychophysik, Musikakustik und Instrumentenbau namhafter Universitäten untersuchten renommierte Forscher, ob das Holz von Boden und Zargen einer Westerngitarre einen hör- oder spürbaren Einfluss auf den Klang und die Qualität hat, wenn man die Optik komplett ausblendet.

Dazu baute ein erfahrener Gitarrenbauer, der als Autor an dieser Studie mitwirkte, sechs baugleiche Westerngitarren, die sich nur in der Wahl ihrer Boden- und Zargenhölzer unterschieden. Dabei handelte es sich um Rio-Palisander, ostindischen Palisander, südamerikanisches Mahagoni, Sapele, nordamerikanischen Ahorn und nordamerikanisches Claro-Walnussholz.

Das Experiment wurde mit 53 Probanden mit gitarristischem Hintergrund durchgeführt. Dabei spielten sie selbst in einem schlecht beleuchteten Raum mit aufgesetzter Schweißerbrille, was ein optisches Erkennen der Hölzer ausschloss. Auch das Abtasten der Hölzer war nicht gestattet und aufgrund einer Lackierung sowie eines Lufterfrischers wurden typische Gerüche des Holzes überdeckt. Untersucht wurden akustische Messungen und Hörversuche, wobei die Gitarristen die Qualität der Instrumente bewerten und Unterschiede in ihrem Klangcharakter identifizieren sollten.

Die Ergebnisse zeigten, dass die hörbaren Unterschiede verhältnismäßig gering ausfielen, was die starken Zuschreibungen von Klangeigenschaften verschiedener Tonhölzer infrage stellt. Das bedeutet aber nicht, dass sich überhaupt keine Tendenz erkennen lässt. Es zeigt lediglich, dass die Tonhölzer von Boden und Zargen den beworbenen Sound einer Gitarre nur in geringem Maße beeinflussen, denn die mechanischen Eigenschaften unterscheiden sich durchaus. Es wird verdeutlicht, dass andere Konstruktionsmerkmale einer Gitarre ebenfalls ihren Teil beitragen und den Einfluss der Hölzer ausgleichen können.

Natürlich ist die Studie für diesen Beitrag nur stark verkürzt dargestellt. Die Methodik und die verschiedenen Messungen waren weitaus durchdachter und umfangreicher, würden hier aber zu tief ins Detail gehen. Fakt ist, dass die Forschenden zu dem Schluss kamen, dass der Einfluss von Boden und Zargen auf den Klang minimal ist.

Welches Holz ist nun das beste für Boden und Zargen?

Hierauf gibt es leider keine eindeutige Antwort. Die verschiedenen Hölzer für Boden und Zargen besitzen alle unterschiedliche optische und physikalische Eigenschaften und bieten verschiedene Möglichkeiten, ein Instrument zu gestalten.

Die Klangbeschreibungen können dir zwar eine ungefähre Orientierung liefern, aber beachte, dass diese nicht so deutlich hervortreten, wie es manche Produktbeschreibungen vermuten lassen. Um dir selbst ein Bild davon zu machen, kannst du einfach mal Modelle, die sich nur durch die Wahl der Hölzer von Boden und Zargen unterscheiden, antesten. Dass die verschiedenen Gitarren möglichst baugleich sind, ist extrem wichtig, denn wie wir bereits festgestellt haben, entsteht der Sound einer Gitarre durch das Zusammenspiel verschiedener Merkmale. Zahlreiche Hersteller führen Modellreihen, die dir genau das bieten. Vielleicht machen die Klangergebnisse für dich genau den Unterschied, der dir die Entscheidung für ein Modell erleichtert.

Wichtiger ist aber, dass dich das Instrument in seiner Gesamtheit überzeugt. Und dabei kommt es nicht nur auf die Hölzer an.


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Fazit: Das Holz macht einen Unterschied – aber nicht immer den erwarteten

Auch wenn die Klangeigenschaften der verschiedenen Hölzer für Boden und Zargen nur einen geringfügig hörbaren Unterschied machen, sind sie für den Gitarrenbau keineswegs bedeutungslos. Durch ihre unterschiedlichen mechanischen Eigenschaften können sie nämlich durchaus das Schwingungsverhalten einer Gitarre beeinflussen. Dieser Einfluss ist jedoch nicht isoliert zu betrachten, weshalb andere Faktoren wie Korpusgröße und -form, Deckenholz, massive oder laminierte Fertigung, Deckenbeleistung und mehr nicht unterschätzt werden dürfen.

Damit verliert das Holz nicht seine Bedeutung, sollte nur nicht zum alleinigen Qualitätsmerkmal einer Gitarre werden. Eine gute Akustikgitarre entsteht nicht durch die Wahl eines vermeintlich überlegenen Tonholzes, sondern durch das gelungene Zusammenspiel aller Bauteile.

1Carcagno, S., Bucknall, R., Woodhouse, J., Fritz, C., & Plack, C. J. (2018). „Effect of back wood choice on the perceived quality of steel-string acoustic guitars“. The Journal of the Acoustical Society of America, 144(6), 3533 – 3547.

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