Der bunte Bodentreter-Dschungel
Der Einstieg in die Welt der Effektpedale für E-Gitarre und E-Bass kann gerade für Anfängerinnen und Anfänger durch eine Vielzahl an Produkten, verschiedenen Preisklassen und unzähligen Kombinationsmöglichkeiten überfordern, wodurch der Überblick im bunten Dschungel der Bodentreter schnell verloren gehen kann. Welche Arten von Effektpedalen gibt es? Welche Effekte benötige ich? Sind einzelne Pedale oder Multieffekte vorteilhafter?
Diese und ähnliche Fragen kommen besonders häufig bei Neueinsteigern auf und sind nicht immer konkret zu beantworten, da Genres, Geschmäcker und Bedürfnisse in der Musik subjektiv und individuell wahrgenommen werden. Dennoch wollen wir uns einen ersten Überblick über den Themenbereich rund um Effektpedale und deren Einsatzmöglichkeiten verschaffen, um gerade Anfängerinnen und Anfänger unter die Arme zu greifen, wenn es um die Anschaffung erster Effekte oder an die Planung des ersten Pedalboards geht!
Die wichtigste Frage zuerst: Welche Effektpedale benötige ich für meinen individuellen Einsatzbereich?
Die große Auswahl an sämtlichen Effektpedalen kann besonders dann überfordern, wenn der individuelle Einsatzbereich nicht klar definiert ist. Dabei können folgende Fragen als Hilfestellung dienen, um sich einen ersten Überblick über den eigenen Einsatzbereich von Effektpedalen zu verschaffen: Welche(s) Genre(s) spiele ich? In welchem Kontext musiziere ich (Freizeit, Band)? Wie viel möchte ich in Pedale investieren? Somit lässt sich zumindest am Anfang ein grober Rahmen definieren, welche Effektpedale man für sich priorisieren möchte und worauf der Fokus der verschiedenen Effekt-Arten liegen soll.
Auch wenn die anfänglichen Hürden bei der großen Auswahl an Produkten oft schwer wirken und wiegen können, so ist das wichtigste, dass man durch Ausprobieren, genügend Geduld und reichlich Spaß an der Musik eigene Erfahrungen sammelt, um die Effekte zu finden, die sich für den eigenen Sound wirklich lohnen!
Der Verzerrer
Über Endstufenübersteuerung und die Liebe zum verzerrten Gitarrensignal
Der Verzerrer ist wohl der bekannteste Effekt unter Gitarristinnen und Gitarristen, da sich dessen Geschichte bis in die 40er-/ 50er-Jahre erstreckt, als Verstärker bewusst übersteuert wurden, um den ursprünglich sauberen E-Gitarren-Klang zu verzerren. Im Laufe der Zeit traf die klassische Endstufenübersteuerung den Geschmack vieler Musikerinnen und Musiker, wodurch Anfang der 1960er-Jahre Ingenieure und Hersteller separate Pedale entwickelten, die eine kontrollierbare Übersteuerung erzeugten, um raue Sounds und prägnante Leads mit einem unverwechselbaren Charakter zu erschaffen: Der Fuzz-Effekt war geboren!
Die ersten Verzerrer-Pedale

Mit Effektpedalen wie dem Maestro FZ-1 Fuzz Tone erblickte eines der ersten Verzerrer das Licht der Welt, welches beispielsweise von Rolling Stones-Gitarrist Keith Richards im Hit „Satisfaction“ (1965) eingesetzt wurde. Ende der 60er-Jahre erlangte Jimi Hendrix einen legendären Status unter Gitarristen, in dem er für seine Zeit außergewöhnliche Riffs mit dem Dallas Arbiter Fuzz Faze aus seiner Gitarre holte.
Gleichzeitig ebnete Electro Harmonix mit dem Big Muff Pi im Jahre 1969 den Weg für einen kräftig verzerrten Sound, der sich durch höhere Bass-Anteile und einem vielseitigen Sound von seichtem Drive über rauen Distortion bis hin zu aggressiven Fuzz-Tönen definierte.
Warmer Röhren-Drive und aggressiver Distortion

Im Laufe der Jahre entwickelten Hersteller verschiedene Arten des Verzerrers weiter, wodurch sich der Effekt grundlegend in die drei Kategorien Fuzz, Overdrive und Distortion aufteilen lässt. Mit dem Ibanez TS-808 Tube Screamer wurde 1979 die Basis des Overdrive-Pedals gelegt, welches die nicht lineare Verzerrung eines übersteuerten Röhrenverstärkers emuliert und bis heute von sämtlichen großen Bands live oder im Studio eingesetzt wird. Weitere Effektpedale wie das Distortion DS-1 aus dem Hause Boss sowie der ProCo Rat erreichten in den 70er-Jahren aggressivere Klangfarben, die den Weg für rauere Sub-Genres des Rock bis heute ebneten.
Wie funktioniert ein Verzerrer und wofür setze ich ihn ein?

Ein Verzerrer wird hauptsächlich im Genre des Rock und Metal eingesetzt, während hierbei grundlegend unter Soft- und Hard-Clipping unterschieden wird:
Unter Soft-Clipping versteht sich eine sanftere Form der Verzerrung, die das Signal leicht abrundet, sobald der Schwellenwert an der Signalspitze der Klangwelle überschritten wird – dies erzeugt einen warmen, dynamischen Sound, der sich gerade im Blues- und Classic Rock über die Jahre fest bewährt hat. Gleichzeitig lässt sich ein Soft-Clipping-Verzerrer ideal als Boost einsetzen, um beispielsweise den Clean-Sound durch die emulierte Röhren-Wärme zu färben oder eine bereits übersteuerte Endstufe für präsente Lead-Soli in den Vordergrund zu drücken.
Hard-Clipping erzeugt hingegen einen aggressiven Klang, der durch das abrupte Abschneiden der Klangwelle erzeugt wird, nachdem ein bestimmter Schwellenwert erreicht wurde. Der Einsatzbereich von Hard-Clipping-Verzerrern beschränkt sich dabei zwar in erster Linie auf harte Stile und sämtliche Rock- und Metal-Subgenres, kann aber auch in Kombination mit anderen Effektpedalen in experimentierfreudigen Genres eingesetzt werden.
Im zweiten Teil dieser Reihe werfen wir einen Blick auf die Welt der Hall- und Modulationseffekte und thematisieren die gängigsten Effektpedale sowie deren Entwicklungsgeschichte. Hier geht’s zum Artikel!
Der Einstieg in die Welt der Effektpedale (Teil 2): Hall- und Modulationseffekte
Pedalboard & Co. – Dein Guide zur Pedal-Glückseligkeit (Teil 1)