„Unsere Mandantin ist entschlossen, ihre Rechte geltend zu machen, und wird diese konsequent durchsetzen, um den Markt frei von rechtsverletzenden Kopien der „Stratocaster“-Korpusform zu halten.“ Die Mandantin ist die Fender Musical Instruments Corporation (FMIC), und die ist offenkundig gewillt, den globalen Gitarrenmarkt gründlich aufzuräumen.
Am 11. Mai 2025 verließen mutmaßlich Hunderte fast identische Briefe die Münchner Anwaltskanzlei Bird & Bird LLP. Einer davon liegt uns vor. Darin heißt es unter dem Betreff „Urheberrechtlicher Schutz der Fender ‚Stratocaster‘-Korpusform“: „Wir fordern Sie auf, die Herstellung, die Verbreitung und/oder die Bewerbung solcher rechtsverletzender Gitarren unverzüglich einzustellen.“ Exakte Angaben, wann genau eine Gitarre rechtsverletzend ist, werden nicht gemacht. Stattdessen werden zur Charakterisierung der Korpusform blumige, aber unspezifische Worte verwendet, die auf einen Großteil aller E-Gitarren zutreffen: So ist dort von asymmetrischer Form die Rede, die den Eindruck vermittle, „dass sich die ‚Stratocaster‘ leicht nach rechts neigt, wie eine Tänzerin, die sich zur Seite beugt“. Zudem betont die Anwaltskanzlei, dass „ein solch futuristisches, elegantes und zeitloses Design […] zum Zeitpunkt der Konzeption und Markteinführung“ etwas grundlegend Neues dargestellt habe.
Unter Berufung auf verschiedene allgemeinere Urheberrechtsurteile des Europäischen Gerichtshofes (EUGH) sowie auf die ständige Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) vertreten die Fender-Anwälte die Ansicht, dass sich die „Stratocaster“-Korpusform als urhebergeschütztes Werk qualifiziere. Diese Annahme sehen Bird & Bird auch durch das im Dezember 2025 gefällte Unterlassungsurteil des Landgericht Düsseldorf gestützt. „Fender besitzt alle Rechte an der ‚Stratocaster‘-Korpusform, einschließlich der Rechte zur Verfielfältigung, Verbreitung und öffentlichen Wiedergabe.“ Deswegen habe Fender bereits Anfang dieses Jahres zahlreiche Dritthersteller kontaktiert und aufgefordert, die mutmaßlichen Kopien vom Markt zu nehmen.
Wie ein schlechter Scherz
Wie weit der weltweit größte Hersteller von E-Gitarren damit kommt und wie weit er gehen wird, sind Fragen, die erst noch beantwortet werden müssen. Dass man sich bei FMIC mit einem derart lauten Säbelrasseln keine Freunde macht, dürfte jedoch klar sein. Kleinere Hersteller von Stratocaster-artigen Modellen beklagen schon jetzt, schlicht nicht genug Geld für einen Rechtsstreit aufbringen zu können. Für sie liest es sich wie ein schlechter Scherz, wenn die Anwälte betonen, dass Fender „konsequent gegen alle rechtsverletzenden Kopien auf dem gesamten Markt vorgehen wird, sodass niemandem ein wirtschaftlicher Nachteil durch die Einstellung des Vertriebs solcher Kopien entsteht“.
Und die großen Hersteller und Händler, die es eventuell auf einen Rechtsstreit ankommen lassen könnten, sehen die Chancen eher auf der eigenen Seite – dies legen zumindest frühere in den USA geführte, ähnlich gelagerte Prozesse, bei denen es letzten Endes immer um Millimeterentscheidungen ging. Trauriges Fakt ist: Fender riskiert mit diesem Vorgehen nicht nur selbst Kopf und Kragen, sondern schadet auch der gesamten Branche und dem Ruf einer legendären Marke. Man kann nur hoffen, dass der neue CEO Edward „Bud“ Cole die Geschichte irgendwie zu Ende gedacht hat.
