Trotz einiger Ups & Downs über die Jahrzehnte genießen Instrumente aus dem Hause Gibson immer noch einen besonderen Ruf. Die Grundlage für den Kultstatus und die heutige Wahrnehmung der Marke wurde sicherlich Mitte des letzten Jahrhunderts gelegt. Die ES-Serie feierte in den 50ern eine erste Blütezeit, und 1952 erblickte die erste Les Paul das Licht der Welt. Da lohnt sich also ein Blick zurück in jene Zeit, als die Firma noch in Kalamazoo, Michigan produzierte.
Ein nun veröffentlichtes historisches Fabrik-Video zeigt, wie Gitarren dort gefertigt wurden, und wieviel Handarbeit und traditionelle Arbeitsschritte damals noch nötig waren – und wieviel sich seither verändert hat. So hört man den Sprecher sagen: „Obwohl das moderne Werk mit den neuesten Holzbearbeitungsmaschinen wie diesem Bandschleifer ausgestattet ist, bleibt die Herstellung hochwertiger Instrumente noch immer weitgehend Handarbeit. Vielleicht wird eines Tages eine Maschine dafür sorgen können, dass das Werkstück in der Mitte exakt 12/64 Zoll misst und am Rand nur 10/64 Zoll. Eines Tages – aber vermutlich nicht so bald.“
Gleich zu Beginn sieht man einen Arbeitsschritt, der für klassische Gibson-Archtops typisch ist: Ein sorgfältig abgelagertes Holzstück wird in einer sogenannten Shaper-Fräsmaschine bearbeitet. Eine rotierende Klinge folgt dabei mechanisch einer Vorlage, während eine Walze über ein exaktes Modell läuft. Auf diese Weise wird das Holz schrittweise ausgehöhlt – in diesem Fall entsteht der gewölbte Boden einer Gitarre, also das Bauteil, das zusammen mit der Decke maßgeblich Resonanzverhalten und Stabilität bestimmt. Dieses Prinzip der carved plates unterscheidet Archtops grundlegend von flach gebauten Instrumenten.

Der Kommentar des Films verortet die Entwicklung der Firma zugleich historisch. In den Jahrzehnten um 1900 war Gibson zunächst vor allem für Mandolinen bekannt. Danach dominierte das Banjo den Markt, erst in den 1930er-Jahren rückte die Gitarre ins Zentrum der Produktion. Seit etwa 1940, so der Sprecher, sei sie zum wichtigsten bundierten Instrument geworden.
„Handwerkskunst und Leidenschaft“
Im weiteren Verlauf sind mehrere klassische Bauprinzipien zu sehen. Elektrische Heizpressen befestigen die Braces, also die inneren Verstrebungen, die Stabilität geben, ohne die Schwingung der Decke zu stark zu dämpfen. Gleichzeitig werden die Zargen mit schmalen Mahagonistreifen versehen. Diese verleimten Streifen vergrößern die Kontaktfläche, damit Decke und Boden dauerhaft mit dem Korpus verbunden werden können. Die einzelnen Bauphasen benötigen Zeit. Laut Film dauert die Herstellung einer Gitarre damals rund drei Monate. Zwischen zwölf und achtzehn verschiedene Holzarten kommen dabei zum Einsatz, und ein Instrument besteht aus über 130 Einzelteilen. Nach dem Zusammenbau folgt die Montage der Mahagonihälse. Dass die Konstruktion so robust sein muss, erklärt der Film ebenfalls: Ein Satz gestimmter Stahlsaiten entwickelt eine Zugkraft von etwa 135 Pfund. Anschließend folgen Hochglanzpolitur, Setup und Stimmung, bevor die Instrumente die Fabrik verlassen.
Gibson selbst stellt klar, dass dieses dreieinhalb Minuten lange Video die einzige bekannte Aufnahme der Instrumentenfertigung bei Gibson während der „Golden Era“ der elektrischen Gitarren in den 1950er-Jahren sei: „Es ist eine eindrucksvolle Erinnerung an die Handwerkskunst und Leidenschaft, die bis heute in Nashville weiterleben – mit denselben Techniken und teilweise sogar mit denselben Maschinen.“
