Platte der Woche – zum 55. Jubiläum: ZZ TOP’s First Album

ZZ Top's First Album

Als ZZ Top vor genau 55 Jahren, am 16. Januar 1971, ihr Debüt veröffentlichen, wusste noch niemand, dass dies nur ein vielversprechender Anfang einer großen, bis heute andauernden Karriere sein sollte. Außer der Band selbst natürlich, schließlich nannte man die Platte „ZZ Top’s First Album“. Und auf ihm ist tatsächlich schon alles da, was sie später zu Weltstars des staubigen Bluesrock werden ließ: Groove, Riffs und Trockenheit. Billy Gibbons’ Gitarre fungiert dabei wie ein Motor, der unablässig durchläuft und die Songs antreibt. Bassist Dusty Hill und Drummer Frank Beard halten dabei die Maschine mit ebenso trockenen Grooves am Laufen. Der entscheidende Punkt ist: Man hört hier drei Musiker, die sich nicht gegenseitig Platz wegnehmen, sondern gemeinsam eine sehr klare, gleichberechtigte Soundvorstellung umsetzen.

Musikalisch sitzt das Album an einer spannenden Schnittstelle. Der britische Bluesboom ist noch nicht verklungen, die Stones sind allgegenwärtig, Cream haben sich gerade erst aufgelöst und frühe Hardrock-Ansätze klopfen bereits an. Aber ZZ Top übersetzen diese Einflüsse in etwas deutlich Amerikanischeres. Bei ZZ Top geht es um Coolness, nicht um Virtuosität, statt der damals angesagten Bands scheint John Lee Hooker Pate gestanden zu haben.

Die Band bedient sich an klassischem Blues-Vokabular und befreit es von allem Zuviel. Und so zeichnen Timing, Punch und der Instinkt für das richtige Maß an Dreck diese Aufnahmen aus. Aufgenommen wurde das Album in „Brians Recording Studio“ in Tyler, Texas, produziert hat es ZZ-Top-Manager Bill Ham. Für Gitarristen ist das Debüt spannend, weil Gibbons’ später fast sakral verehrte Grundzutaten schon hier auftauchen. Im Zentrum steht seine 1959er Gibson Les Paul Standard „Pearly Gates“, also die Gitarre, die später zur Klang-Ikone wurde. Verstärkt wurde sie von einem Marshall Super Lead 100 Watt, eine Kombination, die sicherlich für diese typische Mischung aus drahtiger Direktheit und warmem Bauch verantwortlich ist.

Es lohnt, 55 Jahre später da nochmal reinzuhören.


Affiliate Link:

Gibson 1959 Les Paul Standard VOS Washed Cherry Sunburst


Affiliate Link:

Marshall 1959 Modified Super Lead

Tracklist

01. (Somebody Else Been) Shaking Your Tree
02. Brown Sugar
03. Squank
04. Goin‘ Down To Mexico
05. Old Man
06. Neighbor, Neighbor
07. Certified Blues
08. Bedroom Thang
09. Just Got Back From Baby’s
10. Backdoor Love Affair

Album-VÖ: 16.01.1971
Label: London Records
www.zztop.com

Auch interessant:

Für fast 35.000 €: Manson Guitar Works Matthew Bellamy Signature

Der britische Gitarrenbauer Manson Guitar Works hat mit der Black Edition eine außergewöhnliche Hommage an [...]

> WEITERLESEN
Platte der Woche: ÁSGEIR „Julia“

„Das war irgendwie das erste Mal, dass ich die Texte komplett allein geschrieben habe. Das [...]

> WEITERLESEN
„Von der Gitarre besessen“: JOANNE SHAW TAYLOR im Interview

„Mein Leben hat sich komplett verändert, als ich mit 13 diese Musik entdeckt und mich [...]

> WEITERLESEN
Edward „Bud“ Cole neuer CEO bei Fender

Die Fender Musical Instruments Corporation (FMIC) stellt ihre Führung neu auf. Wie das Unternehmen mitteilt, [...]

> WEITERLESEN
Ein halbes Jahrhundert: Diese Bands feiern 2026 auf der Bühne ihren 50.

BAP, Foreigner, Twisted Sister und mehr Vor 50 Jahren waren wir in den 1970ern. Und [...]

> WEITERLESEN
Platte der Woche: JOE BONAMASSA „B.B. King’s Blues Summit 100“

Mit B.B. King’s Blues Summit 100 legt Joe Bonamassa ein außergewöhnliches Tribute-Album vor, das zum [...]

> WEITERLESEN
„Kein Fan von Anarchie“: PAUL GILBERT im Interview

Mit Paul Gilbert verbindet man seit Jahrzehnten vor allem drei Dinge: Virtuosität, Humor und eine [...]

> WEITERLESEN
… macht Sachen: Nuno Bettencourt startet eigene Gitarrenmarke

Seit Jahren verbindet man den Extreme-Gitarristen Nuno Bettencourt mit Washburn-Gitarren. Nun hat der gebürtige Portugiese mit [...]

> WEITERLESEN
Platte der Woche: BUZZCOCKS „Attitude Adjustment“

„Punkrock with a Motown vibe“! Das ist mal eine passende Selbsteinschätzung einer Band, deren Gründungsmitglieder [...]

> WEITERLESEN

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert