Hall, Room, Spring, Plate & Shimmer – die wichtigsten Reverb-Typen erklärt

Reverb Pedale

Einer der ersten Effekte, mit denen wir Gitarristinnen und Gitarristen meist direkt nach der Zerre in Berührung kommen, ist der Reverb-Effekt. Selbst die kleinsten Übungsverstärker haben ihn oft bereits integriert, und im Gegensatz zu anderen Effekten erfordert er in der Regel keine besondere Spieltechnik, um ihm brauchbare Sounds abgewinnen zu können. Ganz im Gegenteil sogar wird der Reverb-Effekt gerade am Anfang gerne genutzt, um kleinere Unebenheiten in der Spieltechnik zu kaschieren. Dennoch ist er natürlich auch unter Profis besonders beliebt, weil er Leads und Soli ihre enorme Breite verleiht, die nach gefüllten Stadien und großen Konzerthallen klingt.

Doch was macht ein Reverb eigentlich genau? Welche Reverb-Typen gibt es und wie stellt man sie ein? Höchste Zeit, einen genaueren Blick auf einen der beliebtesten Gitarreneffekt zu werfen!

Was ist Reverb?

Der Begriff Reverb ist eigentlich eine Kurzform des englischen Begriffs Reverberation, oder auf deutsch Nachhall. Hierbei handelt es sich um ein natürliches Phänomen, das nicht nur Gitarristen, Musikern und Tontechnikern geläufig ist. Wer nämlich einmal in einem komplett leeren Raum in die Hände geklatscht oder jemanden in einer Kirche husten gehört hat, weiß genau, was gemeint ist. Es ist der charakteristische Sound, der dich sofort wissen lässt, wo du dich als Zuhörer befindest.

Kölner Dom
Große Kathedralen wie der Kölner Dom haben einzigartige Klangeigenschaften (Bild: koelner-dom.de)

Der Nachhall ist also vom jeweiligen Raum abhängig, in dem ein Geräusch stattfindet. Jeder Raum hat seine eigene klangliche „Signatur“, die sich aufgrund seiner Form, seiner Größe, die Oberflächenstruktur der Wände und der Menge an darin enthaltenen schallabsorbierenden Objekten wie z. B. Möbeln ergibt. Wenn ein Raum besonders wenig oder gar keinen Nachhall erzeugt, spricht man von „trockenen“ oder „schalltoten“ Räumen. Während man früher häufig Räume eigens herrichten musste, um bestimmte Klangergebnisse zu erreichen, ist es mit dem Aufkommen künstlicher Reverb-Effektgeräte für Tonstudios heutzutage besonders erstrebenswert, in trockenen Räumen zu arbeiten. Hier kann man Aufnahmen nämlich unabhängig vom individuellen Raumklang aufnehmen und im Nachhinein mit künstlichem Nachhall belegen.

1. Room Reverb – kleine Räume simuliert

Der erste Reverb-Typ, der in den Sinn kommt, ist daher der Room Reverb. Wie der Name bereits verrät, versucht der Room Reverb das Klangverhalten kleiner bis mittelgroßer Räume nachzustellen. Also Studios, Wohnzimmer, Proberäume, aber auch kleinere Bühnen.

Die klanglichen Eigenschaften des Room Reverb lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Klangquelle klingt sehr nah am Zuhörer
  • Kurzer, direkter Nachhall
  • Natürlich klingend

Der Room Reverb ist besonders gut geeignet, um deinem Gitarrenton etwas zu verbreitern, ohne allerdings zu dick aufzutragen. Der leichte Nachhall hilft es, den Tönen etwas mehr „Legato-Feeling“ gebundener Melodiebögen zu verleihen, da der Ton am Ende nicht direkt abrupt endet. Besonders Clean-Sounds und Blues-Leads profitieren von den Eigenschaften des Room Reverb.

2. Hall Reverb – groß, weit und lang

Der Hall Reverb ist eng mit dem Room Reverb verwandt und basiert auf denselben Parametern. Statt kleinerer Räume simuliert er allerdings den klanglichen Effekt, den große Hallen und Säle erzeugen. Andere Beispiele für einen natürlichen Hall-Effekt sind in Konzerthallen, Kirchen und Kathedralen oder auf großen Bühnen zu hören.

Der Klang des Hall Reverb lässt sich wie folgt charakterisieren:

  • Sehr breite Reflexionen, viele Abstrahlungen
  • Sehr lang anhaltende Ausklingzeiten
  • Tief, groß und breit

Hall ist ideal für Ambient-Flächen und lang stehende Akkorde. Dementsprechend kommt er oft zum Einsatz, wenn es darum geht, Atmosphäre zu schaffen. Cinematic-Effekte basieren oft auf groß eingestellten Hall-Sounds, auch Balladen oder Post-Rock-Songs nutzen ihn oft. Wer allerdings übertreibt, riskiert schnell einen verwaschenen, undefinierten Sound. Vor allem in Verwendung mit High-Gain-Sounds ist also Vorsicht geboten.

3. Spring Reverb – zwischen Surf und Twang

Die erste praktische Alternative zum tatsächlichen Raumklang war der sogenannte Spring Reverb. Der Name geht auf die klanggebenden Metallfedern zurück, die durch das eingehende Audiosignal zum Schwingen angeregt werden. Die Ausschwingphase der Federn erzeugt den einzigartigen Reverb-Effekt, der mit einem Tonabnehmer am anderen Ende aufgenommen wird. Während die ersten Einheiten der Vierzigerjahre noch enorm groß waren, schrumpfte der Spring Reverb schnell auf handliche Units zusammen, die wahlweise als Standalone-Gerät (z. B. Fender Reverb Unit) erhältlich waren oder bereits ab Werk in den Gitarrenverstärker integriert wurden.

Fender Spring Reverb
Fender Reverb Unit mit vier Federn (Bild: Fender.com)

Spring Reverbs zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Schneller Attack
  • Ausgeprägte Höhen
  • Typischer Vintage-Klang

Der berühmteste Einsatz des Spring Reverb dürfte Dick Dales Misirlou sein. Genau genommen könnte man sogar sagen, dass der Effekt das gesamte Surf-Genre unverkennbar geprägt hat. Da der Effekt vor allem in klassischen Combo-Verstärkern des Herstellers Fender zum Einsatz kommt, zieht sich seine DNA wie ein roter Faden durch zahlreiche Genres wie Blues, Country, Rockabilly und viele mehr.

4. Plate Reverb – der Studio-Klassiker

Ebenfalls zu den ersten Reverb-Effekten, die man nutzte, um aufgenommene Audiospuren mit künstlichem Nachhall zu belegen, zählt der sogenannte Plate Reverb. Bereits in den Fünfzigerjahren baute EMT Studiotechnik mit dem EMT 140 eine bahnbrechende Gerätschaft, die aus einer 1 m x 2 m großen Stahlplatte mit Stahlrahmen bestand. Das Audiosignal wurde mit einem Transducer auf die Platte übertragen und mit einem, später zwei am anderen Ende platzierten Tonabnehmern wieder aufgenommen. Einfluss auf den individuellen Klang des Effekts konnte man mit strategisch platzierten Filzdämpfern nehmen.

EMT 140 Plate Reverb
EMT 140 Plate Reverb (Bild: emt-archiv.de)

Der Plate Reverb zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Sehr dichter Klangeffekt
  • Gleichmäßiger Ausklang
  • Sehr brillante Höhen

Plates werden auch heute noch als Plugin oder als Effektsimulation gerne genutzt, da sie sehr kontrolliert klingen und im Gegensatz zum klassischen Raumhall weniger „verwaschen“ klingen. Dadurch lassen sie sich gut im Mix platzieren und werden häufig für Vocals oder Lead-Gitarren eingesetzt.

5. Shimmer – Moderne Ambient-Klänge

Der modernste und auch komplexeste Reverb-Typ ist der Shimmer-Effekt. Dieser wurde ursprünglich erreicht, indem ein Octaver, also ein Pitch Shifter, der das Signal um eine Oktave nach oben versetzt, in die Feedbackschleife eines Reverb-Effekts platziert wird. Dadurch wird das Hallsignal kontinuierlich nach oben gepitcht, was dem Effekt seinen einzigartigen Sound beschert.

Shimmer Reverbs haben folgende Eigenschaften:

  • Schwebende Obertöne
  • Synth-artige Klangflächen
  • Sehr lang wirkender Effekt

Der Shimmer-Effekt verleiht dem eingehenden Signal fast schon etwas magisches, weshalb er gerne für cinematische Ambient-Sounds verwendet wird. Im Modern Metal kommt er oft für ausladende Clean-Intros zum Einsatz, auch im Soundtrack-Bereich ist er besonders beliebt.

Wie wird ein Reverb bedient?

Obwohl die genannten Reverb-Typen alle ihre ganz eigenen Klangeigenschaften mitbringen, sind die typischen Bedienelemente der einzelnen Vertreter sehr ähnlich aufgebaut. In der Regel kannst du deinen Reverb-Effekt über folgende Regler bedienen:

  • Mix – bezeichnet den Anteil des Effekts im ausgehenden Signal. Für subtilere Reverb-Sounds wird nur wenig Effektsignal beigemischt. Komplett aufgedreht, ist das trockene Signal oft kaum noch zu hören.
  • Decay – Englisch für Verfall. Dieser Regler bestimmt also, wie schnell das Reverb-Signal ‚in sich zusammenfällt‘ bzw. wie lange die Hallfahne ausklingt.
  • Pre-Delay – Pre-Delay kann genutzt werden, um einen Verzögerungseffekt zwischen dem trockenen Signal und der Hallfahne zu erzeugen. Er schafft also eine kleine zeitliche Lücke, die dem Sound etwas mehr Definition verleihen kann.
  • Damping – dieser Regler simuliert den Effekt eines Dämpfers, der die hohen Frequenzanteile des Nachhalls schneller abklingen lässt. Dadurch wird der Halleffekt wärmer und dunkler.
  • Tone – nimmt Einfluss auf die Klangfarbe des Nachhalls. Agiert wie ein „Tilt-EQ“, also eine über einen Drehknopf bedienbare Klangregelung, die wahlweise die Tiefmitten oder Höhen betont.

Die besten Reverb-Pedale für E-Gitarre im Überblick

Reverb-Effekte, die für E-Gitarre nutzbar sind, gibt es wie Sand am Meer. Um jedoch den richtigen für dich zu finden, stellen wir dir hier die beliebtesten Effekte in den einzelnen Preisklassen von günstig bis professionell vor.

TC Electronic Skysurfer Reverb

Das TC Electronic Skysurfer Reverb ist so ziemlich die günstigste Alternative, um in die beliebtesten Reverbs einzutauchen. Hier sind nämlich drei verschiedene Modes für Hall, Plate und Spring, also alle Klassiker vertreten. Auch wenn die Einstellmöglichkeiten auf drei Regler für Decay, Mix und Tone beschränkt sind, lassen sich hier dennoch hervorragende Sounds herausholen, die garantiert viel Spaß machen und für nahezu jeden Gitarrentypen geeignet sind.

  • Regler für Reverb, Mix und Tone
  • Drei Modes Spring, Plate und Hall
  • True-Bypass-Schaltung


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TC Electronic Skysurfer Reverb

Fame Ocean Verb

Ebenfalls in der günstigeren Preisklasse liegt das Fame Ocean Verb. Trotz der kompakten Gehäuseform bietet es eine Vielzahl möglicher Sounds, die sich auf drei verschiedene Modes aufteilen. Ein besonderes Highlight ist sein integrierter Shimmer-Effekt, der sich besonders gut für akkordbasierte Klangteppiche und langanhaltende Intros nutzen lässt. Zur Steuerung stehen Regler für Mix, Tone und Decay bereit.

  • Drei Modes Room, Spring und Shimmer
  • Regler für Mix, Tone und Decay
  • Kompaktes Nano-Gehäuse
  • True-Bypass-Schaltung


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Fame Ocean Verb

Nux Pedals Atlantic

Eine Besonderheit stellt das Nux Pedals Atlantic dar. Hier verbirgt sich nämlich die äußerst gelungene Kombination aus Reverb- und ein Delay-Effekt unter der Haube. Die rechte Seite des Pedals steuert den Reverb-Effekt und bietet die Modes Spring, Hall und Plate, die Delay-Sektion verfügt ebenfalls über drei Modes und einen Tap-Schalter mit dem sich das Song-Tempo intuitiv per Fuß eintappen lässt. Dadurch stehen enorm viele Klangkombinationen zur Verfügung.

  • Kombination aus Delay und Reverb
  • Drei Reverb-Modes Spring, Plate und Hall
  • Drei Delay-Modes 70’s, 80’s und 90’s
  • Separate Fußschalter für Reverb und Delay


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Nux Pedals Atlantic

Walrus Audio Slö

Als etwas fortgeschrittenere Alternative ist das Walrus Audio Slö zu nennen. Laut Hersteller handelt es sich hierbei um ein „Multi Texture Reverb“, das sich als perfektes Tool zur Erstellung reichhaltiger Klanglandschaften entpuppt. Drei unterschiedliche Reverb-Algorithmen können mit mit frei zumischbaren Modulationseffekten kombiniert werden, sodass der Reverb-Effekt zusätzliche Bewegung erfährt. Zu den weiteren Vorzügen des Slö zählen ein Trails-Modus und ein cooler Sustain-Fußschalter, der die Hallfahne per Knopfdruck einfriert, um coole Sustain-Effekte zu erzeugen.

  • Kombination aus Reverb und Modulation
  • Drei Algorithmen Dark, Rise und Dream
  • X-Regler bestimmt individuelle Parameter des ausgewählten Algorithmus
  • Sustain-Fußschalter für Freeze-Effekte


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Walrus Audio Slö

Strymon Blue Sky V2 Reverberator

Das Strymon Blue Sky V2 Reverberator spielt ganz klar in der Profiklasse und gilt als Benchmark, was moderne Reverb-Sounds anbelangt. Hier gibt es nicht nur drei verschiedene Reverb-Typen zur Auswahl, sondern ebenfalls die Möglichkeit, den Nachhall mit zusätzlicher Modulation zu belegen. Wer darüber hinaus die MIDI-Steuerung des Pedals oder ein Expression-Pedal zur Steuerung einzelner Effektparameter nutzt, kann unglaublich lebendig wirkende Klanglandschaften zaubern.

  • Umfangreiche Reverb-Workstation
  • Drei Algorithmen Plate, Room und Spring
  • Modulations-Sektion
  • MIDI- und Expression-Steuerung

Strymon Blue Sky V2 Reverb

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Strymon Blue Sky V2 Reverberator

Fazit

Ein guter Reverb ist wie das Salz in der Sound-Suppe des Gitarristen: Ohne wirkt es schnell fad, allerdings sollte sein Einsatz gut gewählt und richtig dosiert sein. Ob der natürliche Raum eines Room-Reverbs, der Vintage-Charme eines Spring-Tanks, die seidige Tiefe eines Plate-Halls oder die sphärischen Klangwelten moderner Shimmer-Sounds: Jeder Reverb-Typ eröffnet eigene kreative Möglichkeiten. Wer den richtigen Effekt für seinen Einsatzbereich nutzt und richtig einstellt, kann den entscheidenden Unterschied zwischen verwaschenen, undefinierten Klängen und großen, lebendigen Sounds schaffen.

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