Yamaha TransAcoustic TAS1 E und TAG1 C im Test – The Next Generation

Yamaha TransAcoustic Banner

Was das Thema Innovation im Bereich akustischer Instrumente anbelangt, spielen sich die meisten Neuerungen meist unter Haube ab. Meist handelt es sich um eine neue Art der Deckenverstrebung für ein ausgewogeneres Klangbild, an anderer Stelle geht es um einen neuen Aging-Prozess, der dem Tonholz mehr Resonanz bescheinigt. An sich zwar nette Dinge, aber in der Regel nichts, was einen wirklich vom Hocker hauen würde.

Was Instrumentenhersteller Yamaha allerdings vor einigen Jahren mit den ersten TransAcoustic-Gitarren geleistet hat, spielt da in einer gänzlich anderen Liga. Echte Effekte wie Reverb oder Chorus ohne externe Effektgeräte und Verstärker, jenseits jeglicher Steckdosen? Was zunächst wie ein Hirngespinst klang, konnte Yamaha damals mit ausgeklügelter Transducer-Technik erstaunlich authentisch umsetzen. Mit den neuen TransAcoustic 3 Grade und 1 Grade läutet der Hersteller knapp sieben Jahre später nun die zweite Generation der TransAcoustic-Serie ein. Zum Test stehen die Entry- und Mid-Level-Modelle Yamaha TAG1 und Yamaha TAS1E bereit. Was die neuen Gitarren so alles können und ob sie denselben Wow-Effekt wie ihre Vorgänger erzielen können, haben wir uns im Test angeschaut!

Yamaha TransAcoustic – elektrische Effekte akustisch umgesetzt

Zunächst einmal die wichtigsten Fragen vorab: Was bedeutet TransAcoustic? Und wie funktioniert das Ganze eigentlich genau? Die Technologie dahinter hat sich das für R&D zuständige Gitarren-Department tatsächlich bei den hauseigenen Klaviertechnikern angeschaut. Die kamen nämlich auf die geniale Idee, den Resonanzboden des Klaviers mithilfe eines Schallwandlers als Projektionsfläche für allerlei Effekte zu nutzen und beispielsweise die Klangeigenschaften eines echten Bösendorfer-Flügels zu emulieren. Da hier keine separate Lautsprechermembran, sondern dieselben Resonanzelemente, die auch durch die eigentliche Saitenschwingung angeregt werden, zum Einsatz kommen, klingt das Resultat erstaunlich authentisch.

Yamaha TransAcoustic Technologie
Mithilfe eines Schallwandlers lassen sich allerlei Effekte auf Resonanzkörper zaubern (Bild: Yamaha).

Dieses Prinzip lässt sich natürlich auch mit dem Resonanzkörper einer Westerngitarre problemlos umsetzen. Beispielsweise mit einem Hall- oder Chorus-Effekt, der wie von Geisterhand im Korpus des Instruments entsteht.

Dreadnought oder Concert?

Die zweite Generation TransAcoustic gliedert sich in drei Serienabstufungen, die jeweils in zwei verschiedenen Bauformen erhältlich sind. Die Modelle TAS vertreten die klassische Concert-Bauform und eignen sich perfekt als handlicher Begleiter für Fingerpicker auf der Suche nach einer klar artikulierten Stimme. Alle als TAG bezeichneten Varianten vertreten hingegen den Klassiker Dreadnought: Gewohnt vollmundig und resonant, sowohl bei Finger- als auch Flatpickern bestens aufgehoben.

 

Yamaha TAS1 E Natural
Yamaha TAG1 C Sand Burst

Die rein akustischen Qualitäten beider Modelle beweisen beim trockenen Anspielen ganz klar die traditionellen Charaktere ihrer jeweiligen Designs auf. Hierbei sorgt die massive Sitka-Fichte mit A.R.E.-Behandlung für einen klar definierten, obertonreichen Sound mit klarer Saitentrennung und Definition, die Mahagonizargen und –böden füllen das Spektrum in den Mitten und Bässen gekonnt aus. Im Gegensatz zu den Top-Modellen TAG3 und TAS3 sind die neuen Instrumente nicht vollmassiv, hier muss man beim akustischen Klang der beiden Probanden also gewisse Abstriche in Kauf nehmen. Dafür weist das Preisschild der Elements-Ausführung auch nur etwa die Hälfte des Betrags aus, der für ein 3-Grade-Modell zu zahlen wäre.

Auch die Verarbeitung ist sowohl beim regulären Modell als auch in der Einstiegsklasse tadellos und lässt an keinen Stellen wirklich zu wünschen übrig. Das Gloss-Finish des Korpus wirkt edel, praktischerweise ist der Mahagonihals satiniert. Wer längere Sessions mit verschwitzten Fingern spielt, braucht also keine quietschenden Lagenwechsel zu fürchten. Auf der anderen Seite wartet ein gut spielbares Walnuss-Griffbrett, dessen 44-mm-Breite ein gutes Mittelding für alle möglichen Fingergrößen darstellt und über ausgewogenes String Spacing für Fingerstyle und Plektrumspiel verfügt.

TransAcoustic SYSTEM78 und SYSTEM70

Nun aber zum Eingemachten. Die aktuellste Version der TransAcoustic-Engine hört auf den Namen SYSTEM78 und kommt in den Ausführungen TAG1 C und TAS1 C zum Einsatz. Das große Novum des SYSTEM78 ist der Delay-Effekt, der sich zu den bestehenden Effekten Reverb und Chorus dazu gesellt. Zusätzlich verfügt das System über eine integrierte Looper-Funktion und ein Stimmgerät, die allesamt über ein dezentes Zargen-Cockpit bedient werden. Das SYSTEM70 der Elements-Serie besitzt weniger Effekt-Modes und verzichtet auf Delay, Bluetooth und Looper-Funktion.

Chorus, Reverb & Delay

Der Chorus macht solo gespielt zunächst einen guten Eindruck und sorgt im Double Detune Modus für einen charmanten Wobble-Effekt. Wer etwas betontere Chorus-Effekte sucht, wird hingegen im 4 Voice Mode bestens bedient.

Zeit, etwas Hall in den Mix zu bringen. Mit den drei wählbaren Reverb-Modes Hall, Room und Plate sind hier alle drei Klassiker des Effekts vertreten und bieten zahlreiche Einstellmöglichkeiten per TAG Remote App, was Decay, Tone und Predelay anbelangt. Vom leichten Raumeffekt bis hin zu langanhaltenden Hallfahnen ist hier eine ganze Menge möglich. Gerade der Hall-Effekt hat es mir angetan und entpuppt sich als wahrer Always-On-Effekt, der auf unterschiedlichen Abstufungen in nahezu jedem Kontext brilliert.

TAG Remote App
Mithilfe der TAG Remote App für iOS und Android stehen tiefgreifende Editing-Möglichkeiten der Effekte bereit.

Mein absoluter Favorit ist aber das Delay, das den Modellen mit SYSTEM78, also den TAG1C und TAS1 C vorbehalten ist. Im Analog-Modus lassen sich per Time und Feedback vielfältige Echo-Sounds umsetzen. Auf geringeren Settings stellt sich ein wirklich genialer Slapback ein, der Country-Pickings im Stile von Chet Atkins viel Leben und Atmosphäre einhaucht. Wer Feedback und Time etwas weiter aufdreht, kann hingegen kreative Sound-on-Sound-Experimente durchführen, die auf so manche U2-Platte passen würden. Absoluter Hammer!

Looper & Bluetooth

Ein ebenfalls wirklich cooles Feature ist der integrierte Looper, dessen Bedienung sich ohne externes Fußpedal sich mir anfänglich nicht ganz erschlossen hat. Nach einem Blick ins entsprechende Video-Handbuch wurde mir endlich klar, dass der kleine Kreis im unteren Deckenbereich keineswegs zur Deko da ist, sondern als Tap Button für den Looper dient. Und hier zeigt sich das wirklich geniale Konzept des Systems: Die Aufnahme wird am Zargen-Cockpit gestartet und durch einen Tap auf den Decken-Button beendet. Die weiteren Funktionen des Loopers sind auf dem inneren Kranz des Zargen-Cockpits angegeben und bieten alles, um kleine Song-Ideen zu üben oder einfach nur eine Runde mit sich selbst zu jammen.

Apropos Jam: Eine Bluetooth-Schnittstelle befindet sich ebenfalls an Bord. Nachdem das Smartphone oder ein anderes BT-fähiges Abspielgerät gekoppelt ist, spielt der interne Sensor ganze Backing Tracks und Musikstücke in erstaunlich klarer Qualität ab. So lässt sich also nicht nur zu selbst eingespielten Looper-Spuren, sondern auch zum eigenen Lieblingssong spielen. Auch hier muss ich wieder betonen: das alles funktioniert fernab jeglicher Steckdosen. All diese Möglichkeiten stehen also sowohl im Wohnzimmer als auch am Lagerfeuer jederzeit bereit, sofern der Akku ausreichend geladen ist.

 

Fazit – mehr als bloße Spielerei

Ursprünglich hatte ich mir eine Stunde Zeit genommen, mich mit den neuen Yamaha TransAcoustics zu beschäftigen. Dass ich den ganzen Abend mit den genialen Kisten verbringen würde, hätte ich nicht gedacht. Nicht nur sind die integrierten TransAcoustic-Systeme weit mehr als eine bloße Spielerei, auch die ‚unplugged‘ gespielten Gitarren als solches sind wirklich gut spielbare und hochqualitative Instrumente. Lediglich die zusätzliche Resonanz eines massiv ausgeführten Korpus wäre wünschenswert, die gibt es dann erst ab den 3 Grade Modellen. Dennoch erhält man hier für ca. 800 bis etwa 1300 Euro hervorragende Instrumente, die fernab der klassischen Wandwarze ein ganzes Multimedia-System für daheim und unterwegs abbilden.

Pro

  • Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Sehr gute Bespielbarkeit und Verarbeitung
  • Gut klingende Effekte
  • Erstklassige Bluetooth- und Looper-Features

Contra

  • Weniger akustische Resonanz, da nicht vollmassiv

Link zur Herstellerseite: https://de.yamaha.com/


Affiliate Link:

Yamaha TAS1 E Natural


Affiliate Link:

Yamaha TAG1 C Sand Burst

Auch interessant:

Yamaha TransAcoustic TAS1 E und TAG1 C im Test – The Next Generation

Was das Thema Innovation im Bereich akustischer Instrumente anbelangt, spielen sich die meisten Neuerungen meist [...]

> WEITERLESEN
Das Griffbrett der Gitarre wirklich verstehen: Töne, Oktaven und Skalen lokalisieren

Warum das Griffbrett am Anfang wie Chaos wirkt Viele Gitarristinnen und Gitarristen kennen das Problem: [...]

> WEITERLESEN
IK Multimedia TONEX One+: Neue App-, Bluetooth- und MIDI-Features

TONEX One+: IK Multimedia erweitert Mini-Modeler um Bluetooth und MIDI IK Multimedia erweitert seine ultrakompakte [...]

> WEITERLESEN
Fender Godzilla Distortion – Zerre für Kaiju-Fans

Passend zum 70. Jubiläum des ikonischen japanischen Filmmonsters präsentiert Gitarrengigant Fender das Fender Godzilla Distortion. [...]

> WEITERLESEN
Blackstar BEAM Mini – kompakter Alleskönner für Gitarre und Bass

Es ist schon wirklich erstaunlich, wie umfangreich und leistungsstark moderne Modelling-Technologie über die letzten Jahre [...]

> WEITERLESEN
Stereo-Effekte für E-Gitarre: Die besten Pedale von Budget bis High-End

Stereo-Highlights im Pedalformat: Diese Stereo-Effekte lohnen sich wirklich! Für viele Gitarristinnen und Gitarristen spielt das [...]

> WEITERLESEN
Yamaha FG 800 im Test: Viel Gitarre für wenig Geld?

Die Yamaha FG 800 gehört seit Jahren zu den beliebtesten Akustikgitarren im Einsteigersegment. Doch liegt [...]

> WEITERLESEN
Neural DSP Darkglass Ultimate: Plugin für E-Bass mit Preamps, Effekten und mehr!

Neural DSP Darkglass Ultimate: All-in-One-Bass-Plugin Neural DSP erweitert sein Plugin-Portfolio um das brandneue Darkglass Ultimate: [...]

> WEITERLESEN
Effektpedale unter 100 € – die besten Budget-Pedale für Gitarristen

Wer dem berüchtigten Gear Acquiring Syndrom anheimfällt und sich nach Effektpedalen umschaut, kann bereits für [...]

> WEITERLESEN

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert