Fünf Pickups im Humbucker-Format, die deinen Gitarrensound komplett verändern können
Deine Einsteiger-E-Gitarre spielt sich eigentlich hervorragend, doch der Sound wirkt etwas flach, undefiniert oder einfach nicht ganz passend zum eigenen Stil? Vielleicht sind neue Saiten nötig, um wieder einen brillanten Klang zu bekommen? Wenn selbst das nicht hilft, könnten dir deine Tonabnehmer vielleicht einfach nicht gefallen.

Gerade Einsteiger- und mittelpreisige Gitarren besitzen häufig solide Hölzer, gute Hardware und eine angenehme Bespielbarkeit, sind aber meist mit Standard-Pickups ausgestattet, die zwar ihren Job erfüllen, jedoch keinen besonderen eigenen Charakter mitbringen. Genau hier kann ein Pickup-Tausch einen enormen Unterschied machen. Und das sogar deutlich stärker als viele andere Modifikationen am Instrument.
Während optische oder Hardware-Modifikationen an der Gitarre hauptsächlich das Spielgefühl beeinflussen, ist die wichtigste Komponente für den Sound selbstverständlich der Tonabnehmer: Magnete, die von einer Kupferspule umwickelt sind, machen hier die Musik! Wer also ein echtes Sound-Upgrade haben will, sollte als Erstes Hand an die Elektronik anlegen!
Auch der eigentliche Pickup-Tausch ist deutlich weniger kompliziert, als viele zunächst denken. Wer bereits einmal ein Kabel gelötet oder ein Elektronikfach geöffnet hat, wird schnell merken, dass der Austausch eines Tonabnehmers kein Hexenwerk ist. Im Zweifel hilft es, die Verkabelung des alten Pickups Schritt für Schritt nachzuverfolgen oder vor dem Ausbau ein Foto der vorhandenen Verdrahtung zu machen.
Wichtig zu wissen: Die Farbcodes der Anschlusskabel unterscheiden sich je nach Hersteller und sind nicht genormt. Während beispielsweise Seymour Duncan, DiMarzio oder Fender unterschiedliche Kabelfarben für Masse, Hot oder Coil-Splits verwenden, liefern die meisten Hersteller passende Wiring-Diagramme direkt auf ihrer Website oder als Beilage mit dem Pickup mit. Wer sich näher mit Verdrahtungen, Coil-Splits oder allgemeinen Gitarren-Mods beschäftigen möchte, findet weitere Tipps und Schritt-für-Schritt-Erklärungen außerdem in unserem Dreiteiler Electric Guitar DIY.
Deine E-Gitarre hat nur Humbucker-Fräsungen? Kein Problem!
Single Coils, P90 und weitere Tonabnehmer im Doppelspuler-Format

Besonders spannend wird es dann, wenn man sich nicht nur auf klassische Humbucker beschränkt. Denn es gibt zahlreiche Pickup-Varianten im Humbucker-Format, die völlig andere Klangcharaktere liefern können, ohne dass die Gitarre aufwendig umgebaut oder neu gefräst werden muss. Wer beispielsweise den typischen Humbucker-Sound am Hals zu dumpf findet oder sich mehr Transparenz, Attack oder Vintage-Charakter wünscht, kann problemlos auf P90s, Single Coils oder spezielle Hybrid-Konstruktionen im Humbucker-Gehäuse wechseln.
Genau das macht moderne Humbucker-Formate so interessant: Sie ermöglichen drastische Klangveränderungen, ohne die Gitarre optisch oder konstruktiv massiv verändern zu müssen. Gerade bei Instrumenten mit klassischer Humbucker-Fräsung eröffnen sich dadurch völlig neue Möglichkeiten, ohne dass man selbst fräsen oder gar ein komplett neues Pickguard benötigt.
Selbstverständlich ist es erwähnenswert, dass sich natürlich auch genau andersherum Single Coils durch spannende Alternativen austauschen lassen. Spannende Single-Coil-Varianten gibt es hier.
Wichtiger Hinweis: Vor dem Pickup-Tausch unbedingt Maße prüfen!
Wichtig ist beim Pickup-Tausch allerdings immer, vorher die Maße der eigenen Gitarre genau zu prüfen. Zwar orientieren sich viele Austausch-Pickups grundsätzlich an klassischen Humbucker-Standardmaßen, dennoch gibt es je nach Hersteller und Gitarrenmodell Unterschiede. Gerade US- und Asienmodelle weichen häufig durch unterschiedliche Zoll- beziehungsweise metrische Maße voneinander ab, wodurch nicht automatisch jeder Humbucker perfekt in jede Fräsung passt. Zusätzlich können Bauform, Cover oder spezielle Konstruktionen wie Wide Range Humbucker größere Gehäusemaße mitbringen.
Deshalb sollte man vor dem Kauf immer Länge, Breite und Höhe des vorhandenen Pickups nachmessen und prüfen, ob genügend Platz im Pickup-Fach vorhanden ist. Ebenso wichtig ist der Abstand der Schraubpunkte beziehungsweise der Pickup-Rahmen. Nicht jede Verschraubung passt automatisch zu jedem Modell. Auch Pickups mit Chrom- oder Nickel-Covern können je nach Gitarre minimal andere Maße besitzen als offene Humbucker. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kontrolliert daher vorab sowohl die Fräsung als auch Rahmen, Bohrpunkte und Einbautiefe der eigenen Gitarre.
Die meisten Tonabnehmer sind nicht nur für eine Position vetrfügabr, sondern haben meist ein passen Bridge- oder Neck-Pendant. Checkt auf jeden Fall die Produktvarianten der Tonabnehmer ab! Welche Pickups im Humbucker-Format besonders interessante Kandidaten zum Aufmotzen deiner Gitarre sind, zeigen wir im Folgenden.
1. Single Coils im Humbucker-Format: Mehr Strat-Charakter ohne Fräsarbeiten
Wer sich mehr Transparenz, Perligkeit und Dynamik wünscht, landet schnell bei Single Coils im Humbucker-Format. Modelle wie der Roswell LGS10 bringen den klassischen ST-Style-Sound in Gitarren mit Humbucker-Routing und eignen sich hervorragend für cleane Sounds, Funk, Indie oder glockige Crunch-Sounds.
Gerade Gitarristinnen und Gitarristen, die ihre Humbucker-Gitarre flexibler gestalten möchten, können damit eine völlig neue Klangfarbe erzeugen. Statt dichter Mitten und hoher Kompression liefern solche Pickups deutlich mehr Offenheit und Höhenansprache. Besonders in der Halsposition entstehen dadurch oft überraschend lebendige Sounds, die eher an klassische Single-Coil-Gitarren erinnern.

2. P90 im Humbucker-Format: Die goldene Mitte zwischen Single Coil und Humbucker
Eine der beliebtesten Modifikationen sind P90-Tonabnehmer im Humbucker-Format. Kein Wunder: Der klassische P90 verbindet viele Eigenschaften eines Single Coils mit deutlich mehr Druck und Mittenfokus. Gerade für Blues, Punk, Alternative oder Garage Rock entsteht dadurch ein wunderbar rauer und direkter Klangcharakter.
Modelle wie der Roswell LGA90 oder LP90 zeigen dabei zwei unterschiedliche Richtungen. Während der LGA90 eher klassische Vintage-P90-Sounds liefert, bringt der LP90 etwas mehr Output und stärkere Mittenbetonung mit. Besonders spannend ist dabei, dass sich eine ursprünglich moderne Humbucker-Gitarre dadurch plötzlich deutlich organischer und „offener“ anfühlen kann.


3. Seymour Duncan P-Rails: Der vielleicht vielseitigste Pickup überhaupt?
Eine der spannendsten Tonabnehmer-Konstruktionen dürfte jedoch der Seymour Duncan P-Rails sein. Dieser Pickup kombiniert eine Hot-Rails-Spule mit einer P90-Spule und ermöglicht dadurch völlig unterschiedliche Sounds innerhalb eines einzigen Tonabnehmers.
Je nach Verdrahtung lassen sich Humbucker-, P90- oder Single-Coil-artige Sounds abrufen. Gerade für Gitarristinnen und Gitarristen, die möglichst flexibel bleiben möchten, kann ein solcher Pickup eine komplette Gitarre massiv vielseitiger machen. Besonders in Kombination mit Coil-Split- oder Push/Pull-Schaltungen entstehen dadurch enorme Klangmöglichkeiten.

4. Wide Range Humbucker: Mehr Hi-Fi und Transparenz
Auch Wide Range Humbucker erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Anders als klassische Humbucker setzen diese Modelle häufig auf größere Spulen und spezielle Magnetkonstruktionen, wodurch ein deutlich transparenterer und breiterer Klang entsteht.
Gerade die legendären Fender Wide Range Humbucker mit CuNiFe-Magneten gelten bis heute als absolut eigenständige Konstruktion zwischen Single Coil und Humbucker. Sie liefern dichte Sounds mit ungewöhnlich viel Klarheit und Definition. Modelle wie der Fender CuNiFe Wide Range oder Roswell WDR10 eignen sich deshalb hervorragend für Indie, Alternative oder klassische Rock-Sounds mit viel Dynamik.
Wichtig ist hierbei allerdings: Viele Wide Range Pickups besitzen leicht größere Maße als klassische Humbucker. Vor einem Umbau sollte deshalb unbedingt geprüft werden, ob das Pickup tatsächlich in die vorhandene Fräsung passt.


5. Blade Humbucker und Hot Rails: Moderne High-Gain-Monster
Wer dagegen möglichst viel Druck, Tightness und Sustain sucht, landet schnell bei Blade- oder Hot-Rails-Konstruktionen. Diese Pickups verzichten auf klassische Polepieces und setzen stattdessen auf durchgehende Klingenmagnete, wodurch die Saitenabnahme besonders gleichmäßig erfolgt.
Gerade für moderne Metal-, Djent- oder Progressive-Sounds bieten solche Konstruktionen enorme Vorteile. Palm Mutes klingen definierter, schnelle Riffs bleiben transparent und auch aggressive Bendings verlieren nicht an Lautstärke. Modelle wie der Roswell HOT-B oder der DiMarzio Crunch Lab zeigen sehr gut, wie stark sich moderne Humbucker von klassischen Vintage-Konstruktionen unterscheiden können.
Besonders der Crunch Lab kombiniert mit einem Klingnmagneten sowie kl
unterschiedliche Spulenkonzepte und ist vor allem für moderne High-Gain-Gitarristen interessant, die maximale Präzision auch in tiefen Tunings suchen.


Der Pickup macht den Unterschied
Natürlich bleiben Spielbarkeit, Feeling und das individuelle Empfinden einer E-Gitarre immer von Konstruktion, Bauweise und Hardware abhängig. Den größten Einfluss auf den Klang hat jedoch hauptsächlich der Tonabnehmer. Gerade günstige Instrumente besitzen dabei oft deutlich mehr Potenzial, als man zunächst vermuten mag.
Ein Pickup-Tausch kann deshalb aus einer durchschnittlichen E-Gitarre plötzlich ein charakterstarkes Instrument machen – ganz ohne teuren Neukauf. Ob Single Coil, P90, Wide Range oder moderner Blade-Humbucker: Dank verschiedenster Pickups im Humbucker-Format lassen sich heute zahlreiche Klangwelten unkompliziert nachrüsten, ohne die Gitarre aufwendig umbauen zu müssen.

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Titelbild: Paweł Szmajduch
